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Der Parfum-Blog

Parfum wird überbewertet

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Dies ist mein letzter Blogeintrag. Ich beende die Arbeit an dieser Webseite, denn die Beschäftigung mit Düften ist für mich persönlich zu einem sinnentleerten Unterfangen geworden. Zum Thema Parfum habe ich alles gesagt und geschrieben, was mir wichtig erschien. Ich habe eine wunderbare und erfolgreiche Ausstellung mit meinem Parfumflakons gestalten dürfen, die in einem deutschen Museum ein halbes Jahr lang zu sehen waren.

Mein Buch “99 Duftballons” war die Realisierung eines Lebenstraumes… – mehr als 700 Parfumkritiken habe ich online verfasst. But enough is enough. 

Weiterhin die unzähligen, langweiligen Neuerscheinungen auf dem Duftsektor zu besprechen, ist blödsinnig. Seit einigen Jahren kommt einfach NIX mehr heraus, was mich begeistert. Mein Geschmack wandelt sich nur noch wenig. Chypre-Düfte sind mir die liebsten, außerdem mag ich Ledriges im Stil von “Bandit” oder orientalische Düfte mit viel Patchouli sowie sehr frische, grüne und zitrige Parfums. Ich kenne meine Vorlieben und will mich nicht mehr mit all den stromlinienförmigen Neuerscheinungen befassen. Schließlich muß ich einen Duft ein paar Stunden tragen, um über ihn schreiben zu können. Aber das Leben ist viel zu kurz für schlechte Parfums. Daher werde ich in Zukunft nur noch jene tragen, die mir wirklich gut gefallen und endlich damit aufhören, Durchschnittliches oder Banales zu testen, um Kritiken zu verfassen. Die schrecklichen Reformulierungen tun ihr übriges, um mich immer mehr abzuschrecken.

Und außerdem… Parfum wird überbewertet. Eine häßliche Frau wird nicht schöner durch Parfum. Eine sexy Ausstrahlung kann man sich nicht aufsprühen – auch wenn die Industrie will, daß wir das glauben. Ich kenne niemanden, der nur aufgrund eines Parfum mit jemand anderem ins Bett gegangen wäre. Daher ist die Frage, die immer wieder gestellt wird: “Welcher Duft ist der mit dem größten Sex-Appeal?” zwar amüsant, aber letzten Endes dumm. Es gibt einen solchen Duft nicht. Verführung und Erotik kommen nicht aus einer Flasche, sondern gehen von Gestik, Mimik, der Stimme, vom Körper, den Augen, von einem Lächeln aus. Ein schönes Parfum kann die eigene Aura positiv unterstützen, aber das Parfum allein bewirkt gar nichts und wird niemals der Grund für einen anderen Menschen sein, sich in DICH zu verlieben.

Adieu aux parfums! Point of no return…

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P.S. Wer mich vermissen sollte: Auf www.parfumo.de bzw. parfumo.com schreibe ich noch ab und zu ein “Statement” oder einen Kommentar. Username: GOLD. 


“Die Welt der schönen Düfte”: Workshops zum Thema Parfum und Literatur in Hanau

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Im Rahmen der Parfumflakon-Ausstellung finden im Hessischen Puppenmuseum in Hanau im Juli und August zwei Workshops unter meiner Leitung statt.

Termine: 5.7. (Sonntag) 15 Uhr und 30.8. (Sonntag), 15.00 Uhr

Themen: Wie sprechen wir über Düfte? Welche sprachlichen Mittel stehen uns zur Verfügung, um Düfte zu analysieren und zu beschreiben? Wie gehen berühmte Autoren mit der Herausforderung “Duftbeschreibung” um? Welche Funktion haben olfaktorische Allusionen in literarischen Texten?

Wir werden uns Gedichte von Baudelaire und Verlaine, aber auch einen modernen französischen Roman von Sylvie Bocqui (“Une saison“) sowie Auszüge aus Texten von Ian McEwan und Pery Kemp ansehen.

Als duftende Beispiele werden uns Parfums aus dem Hause Guerlain zur Verfügung stehen, an denen wir unsere eigenen Fähigkeiten zur Duftbeschreibung üben können.

Die Veranstaltungen finden in Zusammenarbeit mit der Traditionsparfümerie Parfümerie Müller/Hanau statt.

Kostenbeitrag: 15 Euro

 

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Der Parfumflakon zwischen Kunst und Kommerz

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Duft und Liebe gehören für mich zusammen. Wie oft passiert es doch, daß der geflügelte Knabe Eros mit seinen unsichtbaren Pfeilen auf uns Menschen schießt und wir betört sind von einer zunächst undefinierbaren Aura, einem unsichtbaren Charme. Zu dieser unsichtbaren Aura gehört der Geruch. Manche Menschen verfügen über einen so angenehmen Eigenruch, daß ein Parfum sogar störend wirken würde, andere wiederum verbinden ihren eigenen Geruch geschickt mit dem Duft eines besonders gut passenden Parfums. Fest steht jedoch, dass unser Geruchssinn der archaischste unter unseren Sinnen ist.
Schon Neugeborene erkennen ihre Mutter und deren Milch am Geruch. Eltern tragen ihr Baby instiktiv so, daß sie seinen Duft an Kopf und Hals wahrnehmen können. Auf diese Weise wird die gegenseitige Bindung per Geruchssinn tief im Gehirn verankert. Kommt das Kind in die Pubertät, dient die Nase wieder als Wegweiser: Bei der Auswahl des Liebespartners spielt der natürliche Geruch eine große Rolle. Jene Kandidaten, deren immunologisches Profil dem eigenen am wenigsten ähnelt, werden als am attraktivsten empfunden. So wird der Genpool des zukunftigen Kindes aufgefrischt.

 

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Doch wenn der körpereigene Geruch so wichtig ist, wozu dann überhaupt Parfum?
Nun, zunächst sind ja leider nicht alle Körpergerüche angenehm. Menschen salben sich seit Jahrtausenden, um ihren Geruch zu optimieren, um unangenehme Gerüche zu überdecken und natürlich vor allem auch um erotische Signale auszusenden.

Außerdem: Jedes Parfum braucht ein Gefäß – und hier sind wir endlich beim ganz augenfälligen Thema dieser Ausstellung angelangt, dem Parfumflakon.

Um das Parfum herum ist seit circa 50 Jahren ein großer internationaler und extrem kreativer Designmarkt entstanden. Die Komplexität der Branche ist erstaunlich. Auch ihr Kundenkreis ist umfassend: Schon Kinder sind ganz klar als Zielgruppe der Werbeagenturen und Parfumhersteller definiert worden.

Die Idee zu dieser Ausstellung entstand daher durch das umfangreiche Flakonmaterial, das es gerade auf dem Kinderkosmetiksektor seit Jahren gibt. Dabei sind die Grenzen zwischen „Spielzeug“ und Flakon fließend, denn manche Hersteller offerieren ihre Düfte in Gefäßen, die Teddy-oder-Hasenköpfe aufweisen oder beliebten Figuren aus der Märchenwelt nachempfunden sind. Das Kind soll schon früh an den Konsum von Parfums herangeführt werden. Was liegt da für die Hersteller näher als ein Duft im vertrauten Barbie, Mickey-Mouse oder Spiderman-Look?

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Bereits im 19. Jahrhundert waren Flakons als bürgerliches Accessoire und Luxusobjekt, welches auf eine höfische Vergangenheit verwies. Daher finden sich auch im Hessischen Puppenmuseum Spielzeuge, die einen Bezug zur Parfümerie haben, z.B. eine ganze Parfümerie-Abteilung in einer historischen Puppenstube.
Unsere Parfum-Flakonausstellung zielt mit sehr sichtbaren Reizen auf ihre Beuscher und Besucherinnen. Was ich über Kunst und Geschichte weiß, habe ich nicht nur aus Büchern und der Uni, sondern auch von Trödelmärkten und aus Antiquitätenläden. Wir alle lernen vor allem an leibhaftigen Gegenständen, die man berühren kann. Auch ein Massenprodukt wie ein Parfumflakon wird durch den Gebrauch zu einem Unikat. Als dreidimensionales Objekt ist ein Flakon ein Gegenstand zum Anfassen, der uns etwas über Designstile, Modetrends und Konsumgewohnheiten sowie über Geschlechterbeziehungen verrät.

 

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Als Gegenstände in einem Museum sind Flakons keine flüchtigen Werbebilder, die man z.B. am Computer einfach wegklicken kann, sondern eine reale Präsenz, die durch die einzigartigen Collagen, die der Fotograf Roland Richter geschaffen hat, noch verstärkt wird.

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Der schöne Duft selbst ist unsichtbar, doch die Gestaltung des Flakons macht aus einem optisch nichtssagenden Stoff, einer meist eher blassen, leicht öligen Flüssigkeit, ein Objekt, das Wünsche und Träume wachruft.

Daher nimmt es nicht Wunder, daß namhafte Künstler für die Parfumindustrie Flaschen entworfen haben.
Salvadore Dali z.B. entwarf den Flakon für „Le Roi Soleil“ von Schiaparelli. Der russische Künstler Kasimir Malevitch designte den Flakon für das EdCologne „Severny“. Der Entwurf stammt aus dem Jahr 1909 und zeigt einen Eisbären auf einer Eisscholle. Auch diesen Flakon können Sie hier bei uns im Museum bewundern.

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Natürlich müssen wir auch Rene´Lalique erwähnen, dessen Flakons außergewöhnliche Objekte des Art Déco darstellen.

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Die Stilrichtung des Art Déco läßt sich zeitlich nicht genau festlegen, wenn es um Flakongestaltung geht. Bestimmten Ornamenten, wie den organischen Parallellinien oder der extremen Stilisiertheit der figürlichen Motive, begegnet man auf dem Flakonsektor noch heute.

Wenn man von Flakondesign spricht, muß man Pierre Dinand nennen. Der 1932 geborene Franzose ist einer der berühmtesten Gestalter weltweit, über 500 Flakons stammen aus seinem Atélier, darunter so stilbildende Flaschen wie die für „Calandre“ von Paco Rabanne (1968), wo er zum ersten Mal eine Verbindung zwischen Glas und Metall realisierte, oder auch die Verbindung von Nylon und Glas für „Opium“ von YSL (1977).

In Deutschland ist es vor allem der Designer Peter Schmidt, der Flaschen für Jil Sander, Hogo Boss, Chopard, Joop und Gucci entworfen hat, als führender Kreativkopf zu nennen. Schmidts Flakon für Jil Sander No. 4 von 1984 befindet sich mittlerweile im Museum of Modern Art in New York (aber natürlich können Sie ihn auch in unserer Ausstellung heute bewundern).

Flakons repräsentieren die unterschiedlichsten Kunststile und Epochen. Neue Materialien wie Kunststoff kommen seit den 70er Jahren verstärkt zum Einsatz. Aber auch ältere Entwürfe werden immer wieder aufgegriffen und abgewandelt.

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So ähnelt z.b. der Flakon von Sun, Moon and Stars von Lagerfeld dem Flakon von „Dans la Nuit“ von Worth aus dem Jahre 1925.
Jean-Paul Gaultier erwarb die rechte an Elsa Schiaparellis Flakon „Shocking“ von 1937 und schuf nach diesem Flakonvorbild seine eigenen Parfumflaschen.

Die Kunst der Parfumpräsentation reflektiert stets den Zeitgeist.
Daher kann man gerade an dem stark wachsenden Markt für Kinderparfums einen gesellschaftlichen Trend ausmachen, den man durchaus kritisch sehen sollte.
Verkaufsförderung steht meist im Mittelpunkt der Aktivitäten der Industrie. Es liegt nicht in ihrem Interesse, unser Verständnis der Welt durch Analyse und Information zu vertiefen. Gerade wenn man sich hier im Museum die Fülle der Kinderparfums vor Augen führt, kann man über das Verhältnis von Kunst und Kommerz reflektieren.
Unsere Ausstellung spielt bewußt mit dem Verhältnis von Kunst und Kommerz und will Sie dazu anregen, sich zu diesem Thema Ihre eigenen Gedanken zu machen.

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Flakondesign oszilliert oft zwischen Kitsch und Kunst, zwischen Eleganz, understatement und Geschmacklosigkeit. All dies bildet unsere Ausstellung ab.

Daß die Industrie besonders gern an „archetypische Dufterlebnisse“ anknüpft, zeigt sich in dem Versuch, schon Kinder als Konsumenten heranzubilden.
Im „Dictionnaire des sciences médicales“ aus dem 19. Jahrhundert findet sich folgende Definition:
„Der Geruchssinn ist der Sinn der zärtlichen Erinerungen“.

Der Flakon selbst verkörpert die Schnittstelle zweier Welten. Einerseits ist er den Konsumanforderungen unterworfen, andererseits aber gehört er auch einer künstlerischen, kreativen Welt an. Wir laden Sie herzlich ein, diese Schnittstelle in unserer Ausstellung für sich zu entdecken und wünschen Ihnen viel Vergnügen!

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“DUST” – memories, love… and perfumes in the water

 

 

Ah, Love! could you and I with Him conspire

To grasp this sorry Scheme of Things entire,

Would not we shatter it to bits – and then

Re-mould it nearer to the Heart’s Desire!

Rubaiyat of Omar Khayyam

 

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The concepts of alchemy and perfumery are inextricably interwoven…

and the idea of personal transformation via PERFUME seems plausible.

A scent does have the ability to transform an emotion or a thought in an instant!

 

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Find something fragrant you really love the smell of (anything, a rose petal, a certain spice, an essential oil, a bar of chocolate). Or even your favourite shower gel.

 

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Now close your eyes. As you breathe in the scent, focus on the images or feelings you experience.

 

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What do you see? Does the smell conjure up memories of people or events?

 

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“Youth Dew” for example reminds me of my teenage days. It was one of my first perfumes, heavy and sweet, accompanying me to piano lessons, gently evoking the sensual potential in me.

 

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Our sense of smell is connected to the part of our brain which instantly links smells with past experiences (limbic system).

 

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Strong associations between a smell and a situation, an incidence of intense pleasure or deep sadness, for example, are stored in the unconscious memory.

 

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When we encounter an identical or very similar smell again, the smell triggers the same feelings which were felt originally.

 

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As we experience most smells while growing up, childhood memories influence the fragrances we like and dislike.

 

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It is very difficult to “re-programm” the preferences we have developed.

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And probably not even useful.

I for my part will always love smelling “AZZARO POUR HOMME”.

AzzarohommeschiefMy father’s signature scent.

 

 

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for H.A. (28.8.1933 – 01.05.2010).

 

 

 

 

 


Ausstellung: Die bunte Welt der Parfumflakons in Hanau

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Wie ein Mann zum Parfumflakon-Fan wurde

Wer hätte gedacht, daß ein Mann, der sich früher Naturbursche nannte, irgendwann in seinem Leben fast schon wie ein Besessener seine gesamte Zeit mit den unterschiedlichen Parfum-Flakons dieser Welt zubringen würde?

 

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Der Naturbursche hatte gedacht, dass der Geruchssinn dem Menschen lediglich dabei hilft, zu überleben. Die Welt seiner Düfte war kein Kosmos der konstruierten Wohlgerüche, aber sein Bedürfnis, neue Erfahrungen zu sammeln, erlaubte ihm eine erstaunliche Entwicklung seines bis dato nicht geschulten Geruchssinns.

 

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Er begann damit, diverse Flakons abzulichten, deren Schönheit ihn faszinierte.
In seinem Enthusiasmus fiel es ihm kaum auf, daß er für jeden Flakon inklusive der Vorbereitungen während der Aufnahme, der Freistellung des Objektes mit spezieller Computersoftware und der Nummerierung und Speicherung auf einer extern gesicherten Festplatte bis zu eine Stunde Zeit benötigte.

 

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Außerdem fing er an, Parfumflakon-Fotos zu sammeln. Die Flaschen konnten voll oder leer sein, alt oder neu. Freunde und Bekannte innerhalb und außerhalb Deutschlands schickten ihreObjekte zu ihm.

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Nach drei Jahren des intensiven Sammelns und Fotographierens hatte er über 2.000 verschiedene Parfum-Flaschen aus der ganzen Welt zusammengetragen und zu einer gigantischen fotographischen Collage aufbereitet.

 

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Er trug das riesige Bild, das auf Leinen gedruckt und über einen Holzrahmen gespannt war, ins Wohnzimmer und hängte es dort auf.

Die Reaktionen auf das große Bild an der Wand waren vielfältig. Meistens setzte sich die  Begeisterung des Photographen für seine Objekte in den Augen der Betrachter fort.

Im Hessischen Puppenmuseum werden ab dem 10. Mai 2015 ausgewählte Fotocollagen von Rolland Christian Richter zu sehen sein. Idee und Ausführung sind weltweit einzigartig.

 

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Beginn der Vernissage: 11.30 Uhr,

Eröffnung durch den Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

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Musikalische Umrahmung: Larissa Dück

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Ab 10.5. in Hanau: Die bunte Welt der Parfumflaschen – Flakons für Groß&Klein, Spielzeugflaschen für Kinder und Puppen

Jedes Parfum braucht ein Gefäß, einen Parfumflakon, der den Duft und dessen Botschaft widerspiegelt. Bereits im 19. Jahrhundert entstand eine große Bandbreite von künstlerisch wertvollen Flakons, die als bürgerliches Accessoire und Luxusobjekt, welches auf eine höfische Vergangenheit verwies, sehr begehrt waren.
Mit Beginn der industriellen Produktion von Parfums ist seit circa 80 Jahren ein großer internationaler und extrem kreativer Designmarkt entstanden, der wächst und wächst.

 

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Die Komplexität der Branche ist erstaunlich. Auch ihr Kundenkreis ist umfassend: Schon Kinder fallen ganz klar in den Zielbereich der Werbeagenturen und Parfumhersteller.

 

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Das umfangreiche Flakonmaterial, das es gerade auf dem Kinderkosmetiksektor seit Jahren gibt, bildet daher den Ausgangspunkt für eine Ausstellung mit Parfumflakons, die am 10.5. 2015 im Hesssischen Puppen-und-Spielzeugmuseum eröffnet werden wird.

“Die bunte Welt der Parfumflaschen: Flakons für Groß&Klein, Spielzeugflaschen für Kinder und Puppen”  (vom 10.5.- 4.10. 2015 in Hanau).  

 

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Offensichtlich sind die Grenzen zwischen „Spielzeug“ und Flakon fließend: manche Hersteller offerieren ihre Düfte in Gefäßen, die Teddy-oder-Hasenköpfe aufweisen oder beliebten Figuren aus der Märchenwelt nachempfunden sind.

Doch die Parfum-Flakonausstellung in Hanau zeigt nicht nur Flakons für Kinder.

Als dreidimensionales Objekt ist ein Flakon ein Gegenstand zum Anfassen, der uns etwas über Design-Stile, Modetrends und Konsumgewohnheiten sowie über gängige Geschlechterbeziehungen verrät. In einem Museum sind Flakons keine flüchtigen Werbebilder, die man wie am Computer einfach wegklicken kann, sondern eine reale Präsenz, die durch großformatige Collagen noch verstärkt wird.

 

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Das Parfum selbst ist als olfaktorische Substanz unsichtbar, doch die Gestaltung des Flakons macht aus einer meist blassen, leicht öligen Flüssigkeit, ein Objekt, das unterschiedliche Wünsche und Träume wachruft. Ohne sein Kleid ist ein Parfum unverkäuflich und volatil.

 

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Daher nimmt es nicht Wunder, daß namhafte Künstler für die Parfumindustrie Flaschen entworfen haben.
Salvadore Dali z.B. entwarf den Flakon für „Le Roi Soleil“ von Schiaparelli. Kazimir Malevitch designte einen Eisbär-Flakon. Gerhard Richter hat leider noch keinen Flakon gezeichnet. Aber vielleicht kommt das noch ….

 

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Flakons repräsentieren die unterschiedlichsten Kunststile und Epochen. Neue Materialien wie Kunststoff kommen seit den 70er Jahren verstärkt zum Einsatz. Aber auch ältere Entwürfe werden immer wieder aufgegriffen und abgewandelt (sehr gut zu sehen bei der Firma Lalique oder an den verschiedenen Entwürfen für “L’Air du temps” von Nina Ricci).

 

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Die Kunst der Parfumpräsentation reflektiert stets den Zeitgeist. Daher kann man gerade an dem stark wachsenden Markt für Kinderparfums einen gesellschaftlichen Trend ausmachen, den man durchaus kritisch sehen sollte. Ich denke, daß Verkaufsförderung immer im Mittelpunkt der Aktivitäten der Industrie steht. Es liegt nicht in ihrem Interesse, unser Verständnis der Welt durch objektive Analyse und Information zu vertiefen. Gerade wenn man sich daher in einem musealen Kontext die Fülle der Kinderparfums vor Augen führt, kann man über das Verhältnis von Kunst und Kommerz trefflich reflektieren.
Flakondesign oszilliert zwischen Kitsch und Kunst, zwischen Eleganz, understatement und Geschmacklosigkeit. Die neue Ausstellung im Hessischen Puppenmuseum spielt bewußt mit diesem spannenden und manchmal schwierigen Verhältnis von Kunst und Kommerz und will die Besucher dazu anregen, sich zu diesem Thema ihre eigenen Gedanken zu machen.

 

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Die Industrie geht extrem raffiniert vor, indem sie an archetypische Dufterlebnisse anknüpft, und versucht, Kinder gezielt als Konsumenten heranzubilden. Schon im „Dictionnaire des sciences mécicales“ aus dem 19. Jahrhundert findet sich folgende Definition:
„Der Geruchssinn ist der Sinn der zärtlichen Erinerungen“. Wer in der Kindheit positive Erlebnisse mit Parfum verbindet, der wird auch als Erwachsener weiterhin gern Düfte konsumieren. Der Flakon verkörpert im Kontext des Dufterlebens die Schnittstelle zweier Welten. Einerseits ist er den Konsumanforderungen unterworfen, andererseits aber gehört er auch einer künstlerischen, kreativen Welt an.

Wir laden Sie herzlich ein, diese Schnittstelle ab dem 10.5. 2015 in Hanau  für sich zu entdecken!

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Die Parfumflakon-Ausstellung ist ein Fest für die Augen, das natürlich auch Lust macht, die Parfums mit der Nase zu entdecken! Hierzu wird es im Laufe der Ausstellung im Rahmen von Workshops unter der Leitung von Dr. Jale Richter die Möglichkeit geben.

Mehr Infos und Termine zu den Workshops demnächst in diesem blog.

Infos auch hier: http://www.frankfurt-live.com/front_content.php?idcat=11&idart=79250

 


“Re Profumo” : Eine Entdeckung in der Parfümerie Vollmar in Bonn

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Bonn wirkt wahrhaftig nicht wie eine Metropole. Als ich gestern einen Bummel durch die ehemalige “Bundeshauptstadt” unternahm, fragte ich mich, wie Adenauer es nach 1945 überhaupt geschafft hat, ein solches Städtchen zum Mittelpunkt der Republik zu machen.

In der Straßenbahn fallen vor allem die Schilder auf, die nach Köln weisen. Und in der Stadtmitte erblickte ich neben Starbuck’s, Karstadt, Vapiano und Maredo eine Filiale von TKMAXX. Dort kann man, wenn man geduldig ist und Zeit zum Stöbern mitbringt, neben Designertaschen und T-Shirts so manchen knallhart reduzierten Duft ergattern und sich im Anschluß daran über die Mechanismen des Kapitalismus’ den Kopf zerbrechen. Man kann seine Schritte aber auch in eine bezaubernde Parfümerie lenken, in der es jenseits des Mainstreams außergewöhnliche Parfums zu entdecken gibt. Die Parfümerie Vollmar in Bonn ist ein so schöner Laden, daß sich die Fahrt nach Bonn für DuftliebhaberInnen auf jeden Fall lohnt. Hier wird man zudem von KennerInnen beraten, die sich Zeit für den einzelnen Kunden nehmen. Das Sortiment umfaßt neben Serge Lutens, L’Artisan Parfumeur, Clive Christian, Juliette Has A Gun, Montale, Amouage, Penhaligon’s, Morph und vielen, vielen anderen auch die verschiedenen Dufthäuser, die von der Firma Intertrade vermarktet werden. Ein Blick auf die Webseite von Intertrade zeigt, daß sich hier beliebte Nischenhäuser tummeln: Six Scents, Santa Eulalia, S-Perfume, Roads und auch die Marke “Re Profumo”, auf die ich hier näher eingehen will.

“Re Profumo” gibt es erst seit 2014. Ähnlich wie die italienische Firma “Morph” bedient sich auch “Re Profumo” einer Marketing-Strategie, die mir irgendwie anstrengend vorkommt.  Offensichtlich genügt es nicht mehr, lediglich Parfums herzustellen. In der Welt der Nischenmarken braucht es vor allem background-stories, um die Kunden auf die neuste Marke aufmerksam zu machen. Bei “Re Profumo” kann man auf der dazugehörigen Webseite kitschige Musik anhören und erfährt zudem einiges über Fulvio Fronzoni, der einen Fantasy-Roman verfaßt hat, welcher selbstredend “Re Profumo” heißt (so wie die Duftlinie). “Re Profumo”  ist Fronzonis erstes Prosawerk und seiner “leidenschaftlichen Passion”, dem Parfum, gewidmet.  Aha. Nun kann ich über diesen Debütroman nichts sagen, denn er liegt mir nicht als Buch vor und auf der Webseite konnte ich ihn auch nicht lesen. Angeblich (so die Werbetexter)

“vermischen sich Leben, Fantasie, Kopfnoten, Herznoten und Basisnoten, um schließlich in einem Gleichgewicht zu münden, genauso wie es bei einem erfolgreichen Parfum geschieht. Die Romanhandlung entwickelt sich wie eine olfaktorische Wolke, die sich über alle Seiten ausbreitet. Und der Autor fügt seine eigene Interpretation hinzu, die seine unzähligen Träume enthüllt – fantastische Geschichten verborgen in einem Parfum. Der Leser wird wie auf ein gedankliches Karussell katapultiert, auf dem die Charaktere und die Geschichten erscheinen“.

Hört sich nicht nach einem Buch an, das ich lesen möchte.

Aber: Der Roman wird ja von einer neue Linie aus fünf Düften begleitet, die angeblich von  international bekannten „Nasen“ entwickelt wurden. Leider erfährt man nirgendwo, wer genau diese Nasen sind. Nun, es soll ja – vordergründig! –  der Roman im Mittelpunkt stehen und nicht das Schaffen der Parfümeure. Zumindest scheint das die Marketing-Strategie zu sein. Meiner Meinung nach ein falscher Weg. Gerade im Bereich der Nischenparfümerie stehen die Parfümeure schon seit Jahren mit ihren Kompositionen im Fokus und Interesse der Kunden. Parfums werden nach ihren Schöpfern bewertet: “Ein typischer Duchaufour, ein klarer Elléna, ein eindeutiger Thierry Wasser…”.

Doch bei “Re Profumo” erhält man nur die Info, daß die Parfums Alèxandros, Adone, Ekstasis, Sogno d’Amore und Superuomo in Zusammenarbeit mit Parfümeuren von “Intertrade” entstanden sind. Alle Parfums seien inspiriert vom “Geist des dekadenten Venedigs”, was auch immer dies konkret heißen mag.

Bei Vollmar in Bonn verschonte mich die freundliche und kompetente Parfümeriefachkraft Nadja A. zum Glück mit diesem ganzen Werbegewäsch. Es lag auch nirgendwo ein Exemplar des Romans von Fulvio Fronzoni herum, statt dessen konnte man aber die Parfums aus der “Re Profumo”-Linie in sehr angenehmer Atmosphäre testen und ohne Belästigung durch schwülstige literarische Verkaufsprosa genießen. Und: Die Düfte sie sind wirklich gut!

 

Vollmar Bonn Parfumerie Vollmar in Bonn

Gerade deswegen würde ich zu gern erfahren, wer sie komponiert hat. Wer z.B. hat sich getraut, die Königin der Blumen, die üppige Tuberose, zusammen mit frischer Bergamotte und Tonkabohne zu einem narkotisierenden, sinnlichen Traumduft zu verbinden? “Ekstasis” heißt das Parfum, vom dem ich hier spreche und das ich meiner Sammlung hinzugefügt habe. Es hat (wie bei einem Tuberose-Parfum nicht anders zu erwarten) einen gewissen indolischen Touch, der aber zusammen mit der kunstvoll gewebten Basis, der ein Tröpfchen Vanille hinzugefügt wurde, erotisierend wirkt.

Sogno d’amore” hingegen war erheblich süßer und gourmandiger, aber ebenfalls ausgezeichnet. Die Düfte von “Re Profumo” sind allesamt echte Extraits, also konzentrierte Parfums, keine Eaux. Entsprechend gut halten sie. Für circa 125 Euro werden sie in einem 50 ml Flakon angeboten, der sehr klobig ist (kein Design-Exstase-Punkt für die Firma!). Der unhandliche Deckel kann zum Glück durch einen kurzen goldenen Stöpsel ersetzt werden, der der Parfumschachtel beiliegt, dennoch hätte ich einen weniger grobklotzigen Flakon bevorzugt. Vieleicht wäre es besser gewesen, weniger Gehirnschmalz in die Entwicklung einer Romanhandlung zu investieren und das Geld lieber einem kreativen Flakonkünstler zu geben. Die meisten Leute können ohnehin besser gucken als lesen.

 

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Ludovica di Loreto’s new fragrance “Lú Donna”

Ludovica Di Loreto belongs to a family of Italian perfumers. She studied fashion at the University of Rome and at the London College of Fashion.

The inspiration for her beautiful new fragrance springs from a stay in Stockholm, where she decided to embark on her perfume project evoking the colour and warmth of Italy. Stockholm, the melancholic nordic city, formed a stark contrast to her beloved Rome and by creating her fragrance, Ludovica was able to travel to Italy in her mind. So far, so good.

Now believe me or not, I wasn’t really intrigued when Ludovica told me that her fragrance belongs to the group of “fruity-florals”. I have always been attracted to non-mainstream perfumes and don’t enjoy most of these fashionable fruit-scents mixed with artificial flowers.

But “Lú Donna” is different! It’s a high quality fragrance with a much lower distribution level and it smells utterly gorgeous!

From the point of view of creativity, I have to confess that Ludovica Di Loreto really managed to come up with a fragrance which is very beautiful and versatile at the same time – and all of this in spite of the hackneyed fruity-floral genre.

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“Lú Donna” mixes traditional Italian scents like mandarin and Calabrian bergamot with fresh lemon blossom and grapefruit. Although there are some conventional fruity notes in the centre, (raspberry, peony, apple), the addition of violet redefines this modern fruity-floral: no overripe bananas or mangos, but kind-hearted, soft floral beauty instead. Also present are vanilla, white musk, patchouli and sandalwood for warmth and smoothness and an underlying sensuality.
“Lú” floats a veil of tranquil beauty over you, but it also gives out sunny glints throughout the day. Indeed, “Lú Donna” manages effortlessly to epitomize “la dolce vita” and symbolizes this particularly passionate Romanesque enthusiasm for love and life.

Bellissimo!

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“Her perfume was Rive Gauche”. Ian McEwans beeindruckender neuer Roman “The Children Act”.

rivegauche  Auf Seite 191 der englischen Ausgabe (erschienen 2014 bei Jonathan Cape, London) findet sich ein Satz, der die Persönlichkeit der Richterin Fiona Maye in einer einzigen Duftassoziation perfekt beschreibt: “Ihr Parfum war Rive Gauche”.

McEwans Roman über eine Frau, die immer die Kontrolle behalten will, ist eine perfekte psychologische Studie, die mich mehr als nachdenklich zurückließ. Fiona, eine erfolgreiche und kultivierte Richterin am High Court in London, ist 60 Jahre alt und hat sich in ihrem Beruf, in ihrem Stadthaus in London und mit ihrem intellektuellen Ehemann, der Professor für Latein und Geschichte ist, fest in der Gesellschaft etabliert. Selbst die schwierigsten gerichtlichen Fälle scheint sie ruhig und konzentriert zu lösen. Ihr eleganter Schreibstil ist vielen bei Gericht ein Vorbild, auch und gerade ihren männlichen Kollegen. Wir lernen Fiona Maye in dem Moment kennen, als ihr langjähriger Ehemann ihr –  für sie aus heiterem Himmel – eröffnet, daß er eine Affaire haben wolle, da er ihr Sexualleben als unbefriedigend empfinde und sie in ein geschwisterliches Verhältnis abgeglitten seien. Nach einer sehr kurzen Auseinandersetzung verläßt der Ehemann das Haus mit einem Koffer und Fiona bleibt allein. Doch sie verliert nicht die Contenance. Ja, control oder keeping a stiff upper lip, das sind  bezeichnende Ausdrücke für Fiona Maye. Im Verlauf des Romans erleben wir, wie sie über einen fast 18-jährigen Jugendlichen ein weitreichendes, lebensentscheidendes Urteil verhängt. Als Mitglied der “Zeuge Jehovahs” verweigert Adam nämlich mit Unterstützung seiner Familie eine Bluttransfusion, die er wegen seiner Krebserkrnkung dringend benötigen würde. Die kluge Richterin rettet mit ihrer einstweiligen Verfügung das Leben des jungen Mannes, kommt aber dann nicht damit zurecht, daß dieser sich persönlich an sie wendet, ihr schreibt, sie sogar “stalkt”, indem er ihr ins nordenglische Newcastle hinterher reist.

Newcastle4 13 014 Die Tyne Bridge in Newcastle

 

Wie in der Beziehung zu ihrem Ehepartner, so ist sie auch in dieser Angelegenheit unfähig, Gefühle zu zeigen, sich auf einen Kontakt einzulassen, dem jungen Mann zu antworten, der sich von ihr mehr erwartet als ein gut formuliertes Gerichtsurteil. Fiona, die selbst kinderlos geblieben ist, da bei ihr der “richtige Zeitpunkt” für ein Kind aus beruflichen Gründen niemals gegeben war, findet die Balance aus Nähe und Distanz nicht. Zwar schickt sie Adam von Newcastle aus zügig wieder nach Hause, doch gibt sie ihm zum Abschied einen Kuß auf den Mund; eine verwirrende Geste, sowohl für ihn als auch für sie.

Einen weiteren Brief des nunmehr 18-jährigen, der ein bedeutungsschwangeres Gedicht enthält, ignoriert sie und beantwortet sie ebenso wenig wie die vorherigen Versuche, schriftlich mit ihr ins Gespräch zu kommen.

Dabei ist Fiona nur äußerlich so kühl und kontrolliert. Ian McEwan schreibt seinen Roman konsequent aus ihrer Perspektive heraus und zeichnet so das Bild einer von gesellschaftlichen Ritualen und Konventionen geprägten Frau, die lediglich in der klassischen Musik durch ihr Klavierspiel bzw. ihre Tätigkeit als Liedbegleiterin für einen Richter-Kollegen ihre tiefen Emotionen zeigen kann. Jazz-Improvisationen bekommt Fiona am Klavier nicht hin, da sie zu sehr auf Regeln fixiert ist. Doch Bach-Fugen lernt sie auswendig und als Liedbegleiterin meistert sie Berlioz und sogar Mahlers Rückert-Lied “Ich bin der Welt abhanden gekommen” (von ihrem Kollegen allerdings auf Englisch gesungen, was es noch wirkungsvoller macht, wenn man bedenkt, in welcher Situation Fiona dieses Lied vor Publikum spielen muß). Denn der Roman “The Children Act” kulminiert in dem Konzert, das Fiona zusammen mit ihrem Kollegen gestaltet. Kurz bevor sie sich ans Klavier setzt, erfährt sie nämlich, daß sich der junge Mann, dem sie noch vor einigen Monaten im Eilverfahren das Leben gerettet hat, nun als Volljähriger gegen eine Bluttransfusion entschieden hat, als er zum zweiten Mal hätte wegen Leukämie behandelt werden müssen.

Adam ist tot. Und Fiona muß auftreten und eines der traurigsten Kunstlieder begleiten, das jemals komponiert worden ist. Am Ende des Konzerts bricht sie fast zusammen, als sie als Zugabe auch noch “The Sally Gardens” in der Version von Britten spielen muß, jenes Volkslied, das sie seinerzeit an Adams Krankenbett zusammen geübt hatten; er als Anfänger auf der Violine und sie mit ihrer Stimme.

Hätte sie Adams Briefe beantwortet, ihm in seinem Kampf gegen den religiösen Fanatismus seiner Eltern den Rücken gestärkt, er wäre vielleicht nicht zurückgefallen in den Schoß der Familie und in eine Glaubensgemeinschaft, die für ihn nur den Tod vorsah. Doch Fiona hat weder die Empathiefähigkeit noch den Mut gehabt, aus ihrer Rolle als überlegene Richterin auszubrechen. So war sie nicht in der Lage, die Signale richtig zu deuten und liest erst nachdem sie von Adams Tod gehört hat, seinen letzten Brief mit dem Gedicht, das eine Todesankündigung enthält, so wie sie es schon gleich hätte tun sollen: mit Bewußtsein für ihre Verantwortung.

Dennoch verurteilt man als Leserin diese beherrschte, rationale Frau nicht. McEwan hat sie so subtil dargestellt, daß man ihre Zurückhaltung versteht, ihren täglichen Kampf für Gerechtigkeit als wahrhaftig ansieht, ja, daß man diese fiktive Person respektiert und für ihre Disziplin sogar bewundert. Englische Tugenden werden hier vorgeführt, deren Kehrseite eben genau in der Tragödie liegen, die im Roman entfaltet wird. Falls McEwan überhaupt “Gesellschaftskritik” im weitesten Sinne üben wollte, so tut er dies hier auf eine unaufdringliche Weise. Fiona Maye und ihr Professoren-Ehemann sprechen sehr selten offen über ihre Gefühle, besonders sie vermeidet jede Aggression, hasst die offene Auseinandersetzung. Wenn diese Art des Umgangs für die hier dargestellte spezielle Gesellschaftsschicht als “normal” angesehen werden soll, so könnte man sich freuen, nicht unter solchen “Contenance-Fetischisten” in England geboren worden zu sein. Das steife Zeremoniell (auch bei Gericht), die Abgeschlossenheit der Kaste der “Höheren Richter”, die ständige Angst, das Gesicht zu verlieren: um all diese Zwänge beneidet sicherlich kaum ein Leser die englische upper middle class bzw. upper class.

Und treffender als mit der Wahl des kühlen, eleganten “Rive Gauche” als Parfum für Fiona Maye hätte der Autor seine Hauptfigur nicht “markieren” können. Niemals aufdringlich, immer angenehm, geschmackvoll und dennoch im Herzen (aufgrund der Rose) emotional und tiefgründig: so ist der Duft “Rive Gauche”. Und so profund wie dieses außergewöhnlich gute Parfum ist auch der exzellente Roman “The Children Act”.

Well, well… offensichtlich kennt Ian McEwan sich sogar mit Parfums aus. What a fabulous writer. I’m in awe.

rivegaucheparf


My year in perfumes: discoveries&developments, presents&pleasures

Deckblatt Perfumeguide

Dear readers and friends,

2014 was a very productive year for me. In January, I staged and performed my first very own play for the Hanauer Marionettentheater, “KING”.  And I discovered that one of the ugliest perfume vessels on the planet  policetobeking2 looked fantastic on stage. Yes, this awful “bottle” turned into an essential prop.

February saw the publication of my little book “99 Duftballons“:

Deckblatt - Werbung Jale 3

In March, I tried some of Oriza L. Legrand‘s gorgeous perfumes for the very first time… and fell in love with this one:

Foin3

Foin Fraichement Coupé” – a perfect scent for spring.

In April I tried nearly 30 new fragrances, but most of them were not in the least memorable. Here’s is an acceptable one which stuck out:

 

67Pomellato

And here’s is one I can’t recommend, because it’s just a copy of “Candy” with a French name.

Bonbon1

 

In May, I watched a fascinating tv-documentary devoted to the house of Lubin and their perfumers Delphine Thierry and Thomas Fontaine. When Delphine said that her perfume “Akkad” was “résineux et représente la richesse florale de la Provence, mais aussi les choses dorées et une pierre chaude” I decided to try it. It has become one of my favourite scents.

akkad4

June 2014 was a very warm month. On a trip to Munich I wasn’t sure which perfume to wear: an old friend or a newcomer? I finally opted for a timeless classic: “Christalle” by Chanel.

ChristalleChanel

And I discarded that one:

Theseus

In July I went to England. Here are some of the fragrances I brought back from Bristol, Bath, Exeter and Newquay:

Holly Sharpe1

KenzoMyAmour2JuliettehasagunMadmadam1BlackStoneneues im Dez12-16

Well, I have to confess that some of them were heavily reduced and that their vessels attracted me more than their contents. Madonna’s “Truth or Dare Naked” isn’t available in Germany and at the price of 10 Pounds, it was a bargain. Staying-power is excellent, the fragrance itself is a sweet, slightly woody gourmand.

When I travelled to Poland in August, I couldn’t find a single fragrance which was made in the country itself. Of course I’m familiar with “Pani Waleska“, but even this popular Polish perfume wasn’t on display. Instead I spotted Calvin Klein’s “Beauty”,

Beauty2 which I had wanted for quite a while and which cost half of the regular price they charge in Germany. And for those who don’t mind bootlegs from China, street vendors in Gdansk offered imitations of various French and Italian fragrances, for example:

RicciRicci

September was a great month, because it’s always a pleasure to receive fragrant birthday gifts. This year, I was particularly lucky. A friend from Istanbul gave me a perfume he created only for me:

Jaleprivat It’s a rich, deep, wonderful chypre. Thank you so much, Omer!

And I also got this:

Fleur dereine3Fleur de Reine“, a big, fat tuberose.

And LairdutempsPutman “L’Air du temps” in a collector’s bottle.

 

In October, I found out that Balmain’s “Extatic” comes in a fantastic vessel, but can’t be compared to the fabulous relaunch of “Ivoire“. Unfortunately, “Extatic” is just another triumph of form over content.

Extatic1

I also continued preparations for an exhibition of my perfume-vessels in the “Hessisches Puppen-und-Spielzeug-Museum” in Hanau, Germany. The exhibition will open in May 2015 and you’ll read much more about it on this blog next year.

WeltderPfs

In November, I bought some fragrant Christmas-presents and picked the following perfumes  for my daughter Julia:

CollectionRoge1MicallefWeih14-neu01-5

This year’s new releases like “Black Opium” and the latest “Euphoria“-flanker were totally repulsive, so I bought a beautiful Micallef-scent from 2012 and Etro’s “Rajasthan” from 2013 for my discerning offspring.

In December I discovered yet another fascinating perfume by Oriza L. Legrand. My  wonderful Parisian friend Helene took the trouble of buying a set of samples for me at 18, rue Saint-Augustin and made sure it included the newly released “Violettes du Czar”.

Should you happen to love violets, this should go on your test-list.

 

OrizaViolettes

 

The end of the year 2014 also saw the release of a new “city-fragrance”. Krefeld (a city in North-Rhine-Westphalia) released a fragrance which is supposed to celebrate the particular atmosphere of the hitherto famous fashion-town. Since I passed nine years of my childhood and school-life in Krefeld, I decided to grab a bottle of this limited edition fragrance:

ESNC Crefeld1ESNCCrefeld2

The vessel is stylish, but as for the scent… it’s so “meh”: an uninventive mixture of greenish, fruity notes on a slightly woody base. I would have thought Henkel from Düsseldorf, the chemical giant behind the production, could have done better. By the way, Krefeld’s first fragrance was much nicer (it smelled like a copy of “J’adore”).

Krefeld    But isn’t it funny that my old hometown seems to be the only place in Germany which releases perfumes for promotional purposes?

Finally I received a stunning gift for Christmas last week: half a liter of “Shalimar” in the iconic Guerlain “abeille”-bottle. WOW!

Shalimar500ml1

I also received this one

Wardasina2Wardasina” by Sospiro. (Shame on me, I had never heard of the brand before). It certainly is very beautiful from the outside, with the vessel being cled in red velvet:

Weih14-neu01-13 The fragrance is an extremely potent mix of rose, aoud, saffron and other strong components done in the style of “Black Afgano”. Since I’m not into this kind of fragrances at all,  “Wardasina” will probably be passed on to someone else.

So much about 2014 in terms of fragrances.

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A happy and healthy NEW YEAR to all my readers and friends!

And please remember: In 2015, I hope to meet you at our exhibition in Hanau/Germany!

See you soon!

Background-Rosenstrauch