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Der Parfum-Blog

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Parfum wird überbewertet

AAJale1970

Dies ist mein letzter Blogeintrag. Ich beende die Arbeit an dieser Webseite, denn die Beschäftigung mit Düften ist für mich persönlich zu einem sinnentleerten Unterfangen geworden. Zum Thema Parfum habe ich alles gesagt und geschrieben, was mir wichtig erschien. Ich habe eine wunderbare und erfolgreiche Ausstellung mit meinem Parfumflakons gestalten dürfen, die in einem deutschen Museum ein halbes Jahr lang zu sehen waren.

Mein Buch “99 Duftballons” war die Realisierung eines Lebenstraumes… – mehr als 700 Parfumkritiken habe ich online verfasst. But enough is enough. 

Weiterhin die unzähligen, langweiligen Neuerscheinungen auf dem Duftsektor zu besprechen, ist blödsinnig. Seit einigen Jahren kommt einfach NIX mehr heraus, was mich begeistert. Mein Geschmack wandelt sich nur noch wenig. Chypre-Düfte sind mir die liebsten, außerdem mag ich Ledriges im Stil von “Bandit” oder orientalische Düfte mit viel Patchouli sowie sehr frische, grüne und zitrige Parfums. Ich kenne meine Vorlieben und will mich nicht mehr mit all den stromlinienförmigen Neuerscheinungen befassen. Schließlich muß ich einen Duft ein paar Stunden tragen, um über ihn schreiben zu können. Aber das Leben ist viel zu kurz für schlechte Parfums. Daher werde ich in Zukunft nur noch jene tragen, die mir wirklich gut gefallen und endlich damit aufhören, Durchschnittliches oder Banales zu testen, um Kritiken zu verfassen. Die schrecklichen Reformulierungen tun ihr übriges, um mich immer mehr abzuschrecken.

Und außerdem… Parfum wird überbewertet. Eine häßliche Frau wird nicht schöner durch Parfum. Eine sexy Ausstrahlung kann man sich nicht aufsprühen – auch wenn die Industrie will, daß wir das glauben. Ich kenne niemanden, der nur aufgrund eines Parfum mit jemand anderem ins Bett gegangen wäre. Daher ist die Frage, die immer wieder gestellt wird: “Welcher Duft ist der mit dem größten Sex-Appeal?” zwar amüsant, aber letzten Endes dumm. Es gibt einen solchen Duft nicht. Verführung und Erotik kommen nicht aus einer Flasche, sondern gehen von Gestik, Mimik, der Stimme, vom Körper, den Augen, von einem Lächeln aus. Ein schönes Parfum kann die eigene Aura positiv unterstützen, aber das Parfum allein bewirkt gar nichts und wird niemals der Grund für einen anderen Menschen sein, sich in DICH zu verlieben.

Adieu aux parfums! Point of no return…

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P.S. Wer mich vermissen sollte: Auf www.parfumo.de bzw. parfumo.com schreibe ich noch ab und zu ein “Statement” oder einen Kommentar. Username: GOLD. 


People&Perfumes: Interview mit der Sängerin Larissa Dück

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Larissa Dück ist eine außergewöhnliche Sängerin, die aus Sibirien stammt und in ihrer Jugend in Barnaul zunächst an der dortigen Musikhochschule Bass-Balaleika und Akkordeon sowie Orchesterleitung und Klavier studierte. Nach ihrer Übersiedlung nach Deutschland begann sie im Alter von 33 Jahren in Frankfurt a.M. mit einer Gesangsausbildung, die sich wirklich gelohnt hat, denn seit mehr als zehn Jahren ist Larissa Dück eine feste Größe in der Musikszene Hessens. Ihr großes Repertoire umfaßt sowohl russische Folklore als auch Operette, Musical und Klassik. In unzähligen Konzerten im Frankfurter Raum von Bad Nauheim über Marburg, von Friedberg über Bad Vilbel etc. hat Larissa Dück ihr großes Können und ihre Vielseitigkeit bereits bewiesen und begeistert ihr Publikum immer wieder mit ihrer warmen und facettenreichen, eindrucksvollen und unverwechselbaren Sopranstimme. Mit ihrem Mann, dem bekannten Akkordeonisten Vassily Dück, verbindet sie eine kongeniale Musikerpartnerschaft: Auftritte der beiden Künstler sind immer ein besonderes Vergnügen.

Larissa Dück wuchs in einem idyllischen Dorf in Sibirien auf, und so verwunderte es mich nicht, daß ihre ersten Dufterinnerungen mit der alten Heimat zu tun haben.

-Was sind Deine frühsten Dufterinnerungen?

– Als Kind auf jeden Fall der Duft von Tannen, von Nadelholzwäldchen… aber auch der Duft von Holzdekofiguren, die wir an unseren Weihnachtsbaum hängten. Das waren hangeschnitzte Deko-Figuren, die einen besonderen Geruch verströmten…

Parfum schenkten wir uns während meiner Kindheit und Jugend nicht, aber ich erinnere mich an das Maiglöckchen-Parfum, das meine Mutter benutzte, und natürlich an “Krasnaya Moskva”. Das hatten damals fast alle Frauen. Zudem besaß meine Oma Parfumöle, die nach Weihrauch rochen. Ich schlief mit ihr in einem Zimmer, wo sie einen kleinen Altar hatte, auf dem Kerzen brannten … und kleine Petroleumlämpchen… an den spezifischen Geruch erinnere ich mich bis heute. Und außerdem mag ich den Geruch von Wäschestärke – auch so eine Kindheitserinnerung.

- Wann hast Du zum ersten Mal ein Parfum geschenkt bekommen? 

– Da war ich 18, der Duft hieß “Tete-a-Tete”, den bekam ich von einem Verehrer. In der UdSSR waren Parfums echter Luxus, oft benutzen wir Deosprays, um uns ein bißchen zu beduften. Die waren nicht so teuer.

Wann kamst Du in Kontakt mit den ersten Parfums aus dem Westen? 

-Da war ich schon 25 und verheiratet. Mein Mann brachte mir von einer Konzertreise “Laura” von Laura Biagiotti mit. Diesen Duft benutzte ich dann sechs Jahre lang, er gefiel mir unheimlich gut.

-Was gefiel Dir so gut an “Laura”? Laurarosa

-“Laura” war so anders als die schweren russischen Parfums, so leicht und frisch. Und auch viel schöner als “Opium”, das erinnert mich an Petroleum und ist viel zu stark für mich. Ich bekomme davon Kopfschmerzen. “Charlie” von Revlon hatte ich auch mal. Gefiel mir aber auch nicht besonders. Zu scharf.

Hat sich Dein Geschmack geändert, als Du nach Deutschland kamst?

– In den ersten Jahren hier waren mein Mann und ich nur mit Aufbau beschäftigt. Wir haben ein Grundstück gekauft, ein Haus gebaut, wir hatten zwei kleine Kinder. Ich war ständig eingespannt und hatte überhaupt keine Zeit für mich selbst, kümmerte mich weder um Kosmetik noch Mode. Wenn ich nicht mit dem Hausbau oder meinen beiden Jungs zu tun hatte, ging ich in die Gesangstunde und feilte an meiner Technik und am Repertoire. Erst nachdem ich nach vier Jahren konsequenter Ausbildung einen Gesangswettbewerb in der Alten Oper in Frankfurt gewonnen hatte, nahm ich mir wieder mehr Zeit für mich selbst. Ich bin nämlich der Meinung, daß Düfte uns verschönern! In Italien entdeckte ich dann vor einigen Jahren das Parfum “Bulgari Blu”, das ich extrem gerne habe. Es ist quasi mein Lieblingsduft.

-Wann benutzt Du ihn? Täglich? 

-Nein, dafür ist er jetzt zu selten geworden. Ich nehme ihn besonders gern, wenn ich auftrete. Leider wird “Bulgari Blu” nicht mehr überall angeboten, man muß jetzt schon danach suchen. Vassily, mein Mann, hat vor kurzem noch eine Flasche für mich in Paris aufgetrieben. Ich mag diesen sanften, leicht pudrigen Duft sehr.

Welche Parfums gefallen Dir noch?

– Ich bevorzuge Düfte, die irgendwie nach Theater und Lippenstift riechen. Parfums mit pudrigen Noten, z.B. “Royal Bain” von Caron. Royalbain.

Außerdem gefällt mir das “neue Shalimar” total gut!

ShalimarParfumInitialDieses “Shalimar Parfum Initial” mag ich persönlich sehr viel lieber als das klassische “Shalimar”. Und wenn ich Sport mache, verwende ich momentan ganz gern einen aquatischen Duft: “Seathalasso”: Seathalasso Der ist gar nicht so wenig haltbar, wie man denken könnte. Außerdem wissen die Leute, die ihn in meiner Umgebung riechen, nicht, daß es ein Eau de Toilette ist, was sie da wahrnehmen. Sie tippen immer auf frische Wäsche oder Duschgel.

Gibt es denn einen russischen Duft, den Du sehr magst?

-Nun, ich liebe das Parfum “Nikita” von Slava Saitzev.

nikita Doch ist das nicht aus russischer Produktion, sondern von L’Oréal – und wird nicht ‘mal in Deutschland verkauft, sondern nur in Belgien oder Holland.  Mein letzter Flakon ist leider schon leer. Und ich suche das Parfum “Kukushkini Sloski”. Das habe ich in Rußland bei einer Freundin gerochen und fand es absolut toll. Ansonsten ist der russische Parfum-Markt nicht so prickelnd. Die Qualität läßt leider zu wünschen übrig.

-Und welche Duftrichtung sollte man Dir auf keinen Fall unter den Weihnachtsbaum legen?

– Ich mag diese schweren Parfums nicht. Bei “Coco” von Chanel denke ich an einen dicken Samtmorgenrock. Der Duft hat etwas Erdrückendes für mich. “Angel” kann ich auch nicht besonders leiden. Und extrem Blumiges ist auch nicht so mein Fall. Aber “Mi Fa”, ein Nischenduft von der Firma Reminiscene, der hat es mir angtan. Den würde ich gern unterm Weihnachtbaum finden!

 


Schlechte neue Düfte in (meist) schönen Flakons, Kopien – plus “the ugliest perfume vessel of 2013″

2013 brachte uns einige erstaunliche neue Parfums. Manche weisen einen erhöhten Gruselfaktor auf, wobei einer sowohl äußerlich als auch innerlich den Vogel abgeschossen hat: PINK FRIDAY von Nicki Minaj. Nicht umsonst seit Wochen auch auf Parfumo.de einer der unbeliebtesten Düfte. Leider kan ich hier mit keinem Bild dienen, da ich mich weigere, diese Zumutung zu fotographieren oder gar zu erwerben. Es handelt sich um einen säuerlich riechenden, penetrant fieser Fruity-Floral in einem der geschmacklosesten Plastik-Flakons, die es je gab.

Ebenfalls kein Knüller war FleurTeese (2) “FLEURTEESE” von Dita von Teese. Während “Erotique” ein gelungener Drugstore-Duft ist, der in die würzige Ecke geht, ist das Parfum in der lilafarbenen Flasche synthetisch-spitz und aufdringlich. Es wurde zum Ende der Saison bereits gnadenlos reduziert bzw. abverkauft.

Habanita (1 von 2) Ärgerlich ist dieser angeblich “neue” Duft von Molinard, “L’esprit de Habanita”. Er ist eine Kopie des beliebten Narciso Rodriguez-EdP-Megasellers, also eine Moschusbombe. Molinard hat hier keine eigene Idee gezeigt und kann auschließlich mit dem Flakon punkten bzw. sich auf dem Ruhm vergangener “Habanita-Tage” ausruhen.

 

Katzenberger2“In Love” von Daniela Katzenberger ist auch kein großer Wurf, riecht aber noch wesentlich angenehmer als AnnaSuiBoheme2 “LA VIE BOHEME” von Anna Sui. Dieser abgestandene Fruity-Floral ist eine echte Zumutung und riecht ähnlich mies wie “Nicki Minaj”.

Da kann man auch gleich bei “KIK” oder aber auch beim Discounter um die Ecke in die Kosmetik-Regale schauen. Auch bei einschlägigen Shopping-Sendern wird man fündig (siehe den Flakon von “Munich” von Ricarda M). Wer sich in die Niederungen der Copycats begibt und seine Nase im Drogeriemarkt auf das Level der Bückware absenkt, kann solche Preziosen finden wie z.B.“French Can Can”, “Cobra”, “Crazy Musk”, “Démon”, “Exalted You”, “LIke a first day in spring”, “Celine Dion Brilliance”, “Playboy VIP” etc. “French Can Can” z.B. riecht wie Gaultier Classique, “Cobra” wie Poison, “Exalted You” wie Angel und “Pure Brilliance” wie Petite Chérie. Das ist nicht immer negativ für uns VerbraucherInnen, aber  meistens stimmt die Mischung nicht 100%, die Kopie verfliegt schneller und außerdem muß man sich durch den ganzen Dschungel der Imitationen erstmal durchquälen.

Cancancobracrazymuskcollectionvarensdemon2Exaltedyou

likeafirstdayinspringcelinedionbrilliancefemmefataleMunich2EdHardyplayboyvipPoliceTobeKing   “POLICE TO BE THE KING” erhält von mir den Titel “Häßlichster Flakon des Jahres 2013″,  - ugliest perfume vessel of 2013 – er ist wahrhaftig äußerlich noch widerwärtiger als die Flasche von Nicki Minaj, wobei “The KING” nicht so gruselig riecht wie die Verpackung erwarten läßt.

 

 

 

 

 

 


Top 10 List: Best perfumes of 2013

Today it’s high time to evaluate the more than 2000 releases of 2013.

Well, it goes without saying that I did not test the whole lot. Who would be able to?  I guess I tried about 300 new fragrances this year and that’s more than enough, since most of the industry’s output is neither particularly interesting nor “new”, let alone beautiful. Here are the glorious exceptions to the rule of mediocrity:

 

1. “Oud” is still ubiquitious and that’s why I decided to introduce the category of “BEST OUD FRAGRANCE OF 2013″ here on my blog.

And the winner is ROSE OUD by Patricia de Nicolai. fuems 2 (5 von 5)

Patricia de Nicolai’s new “Rose Oud” scent is not your usual rose-oud combo in the style of Montale etc. Her new  fragrance is very subtle and refined, and her skillfull treatment of the precious substance keeps the strong agarwood at bay. Patricia de Nicolai used a fabulous, magnificent rose, a rose at the same time velvety and fruity, a rose which is perfect and which benefits from being supported by a very light, warm oud. It seems to melt into a fine woody-transparent veil in the background. Osmanthus and an exotic green plant called “nagarmotha” further contribute to the flowery and powdery-soft character of this beautiful perfume, which is the most civilized, most wearable rose-scent I’ve encountered in this over-crowded territory so far. Highly recommended.

 

2. The best London-themed fragrance of 2013  was hard to determine. I first opted for Tom Ford’s “London”, but then I decided in favour of the softer, more elegant fragrance from Robert Piguet “KNIGHTSBRIDGE”. It’s exclusive to Harrods and one of Aurélien Guichard’s best compositions.

3. Let’s continue by looking at the output of the German drugstore-brands. “Daniela Katzenberger” is vulgar, “Esprit” is meh, but “EROTIQUE” by Dita von Teese is quite surprising and refreshingly edgy.

Erotique4

 

4.  I’ve been testing quite a lot of new floral perfumes this year, there seems to be a trend back to nostalgic, flowery scents.

The best niche floral is No.42 “THE FLOWER SHOP” by JO Loves…

“The Flower Shop” is a “nature-knows-best” fragrance. This is an ode to the glorious scent that fills the air at the florist’s: subtle and green. If you think that huge floral bouquets are too cloying, this lovely new fragrance could be ideal for you. “The Flower Shop” is uplifing and fresh, but not overpowering. Well, I suppose it would be difficult to find a loud fragrance among Jo Malone’s new line “Jo Loves…” anyway. Her first line specialised in colognes and “combination perfumery”, whereas this new fragrance stands on its own. 

 

5. The best mainstream floral is “FLOWER IN THE AIR” by Kenzo. Transparent, delicate, beautiful. And look at the bottle.

flowerintheair2

 

6. And another floral category, I’d like to call it the “abstract floral-aldehydic” group. My nicest discovery in this group was “NOONTIDE PETALS” by Andy Tauer. It’s clean, extremely versatile, and I get tons of compliments when wearing it. tauerperfumes3 No.14 Noontide Petals in the centre

 

7. Best summer scent of 2013: BOTTEGA VENETA EAU LEGERE. I love this very light, carefully harmonised scent which has a decidedly leathery presence.

 

8. The best brand-relaunch of 2013 is the rejuvenated house of ATKINSONS.

NuptialBouquetatkinsons“The Nuptial Bouquet” is a scent that wins by sheer beauty, whereas “The Odd Fellow’s Bouquet” is so sophisticated and nostalgic, paying homage to the times of rum-guzzling and cigar-chewing, that you might need some new clothes to accompany it.

9. The best flanker of the year is PREMIERES ROSES by Yves Saint Laurent. It’s hedonistic and simply terrific with its soft and triumphant rose accord. If you don’t like “Paris” by YSL because you feel it’s too strong, give this version a try.

 

10.Since I’m an avid collector of perfume vessels, I always pay attention to particularly beautiful special editions (where form is more important than content). This year, the best packaging/design which comes in a limited edition was presented by Givenchy. My winner is

DAHLIA NOIR LE BAL:

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Was 2013 a good year? Remember, wearing a fragrance is all about pleasing yourself as well as those you want to please. Your nose will lead you in the right direction. But if you want to cut out some annoying trials and errors, stay tuned and take a look at my next blog entry which will concentrate on the worst products of 2013…

 

 

 

 

 

 


„PHI“ – Une Rose de Kandahar

 

„PHI“ – Une Rose de Kandahar

 

 

PHI Une Rose de Kandahar“ ist das neuste Werk von Andy Tauer, der Nase hinter der Parfum-Manufaktur “Tauer Perfumes”. Andy Tauer genießt hohes Ansehen in der Parfumwelt, denn seine Düfte sind ausgefallen, innovativ und nicht an jeder Ecke zu riechen. Für „PHI“ hat Tauer ein hochwertiges Rosenöl aus der Afghanischen Region Nangarhar ausgewählt. Parfum und Afghanistan habe ich bisher in meiner Vorstellungswelt noch nicht zusammengebracht. Natürlich kenne ich Rosenöl aus Persien, aus der Türkei, aus Bulgarien. Daß es in Afghanistan, diesem seit 1979 vom Krieg gebeutelten und gezeichneten Land, auch Rosenölproduzenten gibt, finde ich erfreulich. Vielleicht kann Andy Tauer auch in der Zukunft dort sein Rosenöl beziehen, denn für die Produktion der ersten Charge von „PHI“ hat er den besonderen Stoff komplett aufgekauft. Die Förderung von Rosenanbau gefällt mir wirklich besser als die Opiumplantagen, für die Afghanistan normalerweise berühmt-berüchtig ist. Rosen als Sinnbild von Femininität und Schönheit sollten allen afghanischen Frauen zugänglich gemacht werden, genauso wie Schulen und Universitäten. Mich würden die kulturellen Konventionen in bezug auf Düfte in dem Land interessieren. Benutzen Frauen dort Rosenöl? Gibt es eine eigene Dufttradition in Afghanistan? ich gebe zu, daß es schwierig für mich ist, der „Afghanischen Rose“ eine im feministischen Sinne positive Konnotation zuzuschreiben.

Tauerperfumes 1

 

PHI“ ist ein Parfum, das ich nur ausgesprochenen Rosenöl-LiebhaberInnen empfehlen möchte. Die Betonung liegt auf „Öl“, nicht auf Blüte. Eine Rosenblüte riecht vollkommen anders als „PHI“. Hier entfaltet das pure, schwere Rosenöl seinen Zauber. Es ist betörend und riecht extrem natürlich und vielschichtig. Tauer nennt zwar als Kopfnoten Aprikose, Zimt, Bittermandel und Bergamotte, doch diese nehme ich nur im Hintergrund wahr. Das Rosenöl ist sofort präsent, wenn ich den Duft aufsprühe. Neben dem Öl aus Kandahar benutze Tauer auch Bulgarische Rosenessenz, die zusätzliche Süße und Ausdruck gibt. Nachdem die natürlichen Rosenöle verflogen sind (leider auf meiner Haut ungefähr nach 20 min) bleibt eine dunkle Basis aus Patchouli, Vetiver, Vanille, Tonkabohne, Moschus und „Ambergris“ (künstlicher Herkunft). „PHI Une Rose de Kandahar“ wird samtig, patchouli-getränkt und würzig. Doch auch eine sehr erdige Facette nehme ich wahr, einen Kontrast zu der Patchouli-Würze. Vielleicht ist es „ISO E Super“, das hier zum Tragen kommt, aber ich weiß es nicht, hier könnte nur der Parfümeur selbst Auskunft geben. Tauer ist ein Freund von „ISO E Super“, was ich völlig okay finde. Seine Kunst liegt in der Kombination von natürlichen und synthetischen Duftbausteinen, wobei in „PHI“ vor allem die Anfangsphase des Duftes auf ein „Naturparfum“ schließen lassen könnte. Der weitere Verlauf ist ebenfalls bemerkenswert, aber für meinen Geschmack etwas zu erdig und „dark“ geraten. Vielleicht habe ich mich aber im Lauf der Jahre schon an Patchouli-Düften sattgerochen bzw. meinen Patchouli-Liebling schon längst gefunden (Patchouli Noir von Il Profumo). Wer intensive, schwere Rosenöle liebt, kommt bei „PHI“ wirklich auf seine Kosten, sollte aber wissen, daß diese extrem volatilen Öle schwer zu fixieren sind und daß „PHI“ in seiner Endphase kaum mehr nach Rose, sondern vor allem nach einem erdigen Patchouli-Vetiver-Vanille-Tonka-Gemisch riecht. „PHI“ wird mein Lieblingsparfum nicht werden; ich bevorzuge Tauers Meisterwerk „Une rose chyprée“. Trotz des wertvollen Rosenöls aus einem der ärmsten und trostlosesten Länder des Orients kann „PHI“ mich nicht davon überzeugen, daß zum Thema „Rose“ in der Parfümerie nicht schon längst alles gesagt worden ist.

tauerperfumes3 Dieses Trio habe ich mir im Webshop von “Tauer Perfumes” selbst zusammengestellt. Die schlichten Sprayflaschen enthalten jeweils 15 ml und sind ideal, um Andy Tauers Düfte auszuprobieren.