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Der Parfum-Blog

Archive for the ‘Neuerscheinungen 2013’ Category

Ballett ohne Schweiß: “Iris Prima” von Penhaligon’s (2013)

 

IrisPrima1Iris prima3

 

 

“Iris Prima” wurde im Herbst 2013 lanciert, aber ich komme jetzt erst dazu, über diesen Duft zu schreiben. Mittlerweile gibt es von Penhaligon’s schon wieder “news”, der nächste Duft steht schon in den Startlöchern, heißt “Tralala” (alberner ging’s wohl nicht) und wird ab 5.5.14 online bei Penhaligon’s erhältlich sein (vorher exklusiv in einem Londoner Luxuskaufhaus).

Doch nun zurück zu “IRIS PRIMA”. Dieser Iris-Duft wurde zusammen mit dem English National Ballet entwickelt. Wie genau man sich die Kooperation zwischen Parfumeur Alberto Morillas und dem English National Ballet vorzustellen hat, vermag ich nicht zu sagen. War Morillas backstage und hat den Duft hinter der Bühne eingesogen? Oder den des Ballettsaals oder der Umkleide? Die Werbung sagt uns: “The spirit of the ballet. Bottled.” Der “Geist des Balletts in der Flasche” also. Ziemlich überflüssiger Werbeblödsinn, finde ich, denn dieses angenehme Parfum kommt eigentlich völlig ohne die Hilfe des Balletts aus. Aber schön isse schon, diese Assoziation… (siehe Bild weiter unten) – und sie hilft beim Verkaufen.

Der sanfte Auftakt mit der äußerst feinen Iris ist perfekt, grün und erstaunlich harmonisch. Bergamotte, Jasmin, Hedione und das von Morillas so sehr geschätze Paridisione ergeben mit einer Basis aus ganz zartem Leder, Sandelholz und Vetiver einen pudrigen, zurückhaltenden, leicht melancholischen Duft, den ich mir trotz des “Unisex-Labels” eher an Frauen als an Männern vorstellen kann. “Iris Prima” bleibt leicht, ist zurückhaltend, elegant und stilvoll. Wenn man sich denn auf die Ballett-Assoziation einlassen will, dann tanzt hier keine avantgardistische Wuppertaler Pina-Bausch-Truppe, aber auch kein Russisches Staatsballett, sondern eben eine English Company, die reduzierte, stilisierte Bewegungen vollführt, ohne dabei in Schweiß zu geraten.

 

“Iris Prima” ist gerade deswegen wundervoll, weil es so unkitschig daherkommt und eine feinere, kühlere Iris präsentiert als z.B. Prada mit “Infusion d’Iris”. Wer einen präsenteren, stärkeren Irisduft sucht, sollte jedoch eher “Iris Nazarena” versuchen.

Übrigens: “Iris Prima” gefällt mir sehr viel besser als “Vaara”, der Penhaligon’s-Duft für einen indischen Maharadjah (auch im letzten Herbst lanciert).  Während “Vaara” für mich nicht mehr als einen konventionellen Rosenduft mit Safran und weiteren fernöstlichen Gewürzen darstellt, gelingt es “Iris Prima” durchaus, meiner Nase zu imponieren.

Der Nachteil bei “Iris Prima”: Schlechte Haltbarkeit. Nach zwei Stunden ist der Zauber leider schon vorbei, bei einem Preis von 120 Euro für 50 ml EdP ein echter Kritikpunkt.

7364 - Katja im Ballettkleid


Top 10 List: Best perfumes of 2013

Today it’s high time to evaluate the more than 2000 releases of 2013.

Well, it goes without saying that I did not test the whole lot. Who would be able to?  I guess I tried about 300 new fragrances this year and that’s more than enough, since most of the industry’s output is neither particularly interesting nor “new”, let alone beautiful. Here are the glorious exceptions to the rule of mediocrity:

 

1. “Oud” is still ubiquitious and that’s why I decided to introduce the category of “BEST OUD FRAGRANCE OF 2013″ here on my blog.

And the winner is ROSE OUD by Patricia de Nicolai. fuems 2 (5 von 5)

Patricia de Nicolai’s new “Rose Oud” scent is not your usual rose-oud combo in the style of Montale etc. Her new  fragrance is very subtle and refined, and her skillfull treatment of the precious substance keeps the strong agarwood at bay. Patricia de Nicolai used a fabulous, magnificent rose, a rose at the same time velvety and fruity, a rose which is perfect and which benefits from being supported by a very light, warm oud. It seems to melt into a fine woody-transparent veil in the background. Osmanthus and an exotic green plant called “nagarmotha” further contribute to the flowery and powdery-soft character of this beautiful perfume, which is the most civilized, most wearable rose-scent I’ve encountered in this over-crowded territory so far. Highly recommended.

 

2. The best London-themed fragrance of 2013  was hard to determine. I first opted for Tom Ford’s “London”, but then I decided in favour of the softer, more elegant fragrance from Robert Piguet “KNIGHTSBRIDGE”. It’s exclusive to Harrods and one of Aurélien Guichard’s best compositions.

3. Let’s continue by looking at the output of the German drugstore-brands. “Daniela Katzenberger” is vulgar, “Esprit” is meh, but “EROTIQUE” by Dita von Teese is quite surprising and refreshingly edgy.

Erotique4

 

4.  I’ve been testing quite a lot of new floral perfumes this year, there seems to be a trend back to nostalgic, flowery scents.

The best niche floral is No.42 “THE FLOWER SHOP” by JO Loves…

“The Flower Shop” is a “nature-knows-best” fragrance. This is an ode to the glorious scent that fills the air at the florist’s: subtle and green. If you think that huge floral bouquets are too cloying, this lovely new fragrance could be ideal for you. “The Flower Shop” is uplifing and fresh, but not overpowering. Well, I suppose it would be difficult to find a loud fragrance among Jo Malone’s new line “Jo Loves…” anyway. Her first line specialised in colognes and “combination perfumery”, whereas this new fragrance stands on its own. 

 

5. The best mainstream floral is “FLOWER IN THE AIR” by Kenzo. Transparent, delicate, beautiful. And look at the bottle.

flowerintheair2

 

6. And another floral category, I’d like to call it the “abstract floral-aldehydic” group. My nicest discovery in this group was “NOONTIDE PETALS” by Andy Tauer. It’s clean, extremely versatile, and I get tons of compliments when wearing it. tauerperfumes3 No.14 Noontide Petals in the centre

 

7. Best summer scent of 2013: BOTTEGA VENETA EAU LEGERE. I love this very light, carefully harmonised scent which has a decidedly leathery presence.

 

8. The best brand-relaunch of 2013 is the rejuvenated house of ATKINSONS.

NuptialBouquetatkinsons“The Nuptial Bouquet” is a scent that wins by sheer beauty, whereas “The Odd Fellow’s Bouquet” is so sophisticated and nostalgic, paying homage to the times of rum-guzzling and cigar-chewing, that you might need some new clothes to accompany it.

9. The best flanker of the year is PREMIERES ROSES by Yves Saint Laurent. It’s hedonistic and simply terrific with its soft and triumphant rose accord. If you don’t like “Paris” by YSL because you feel it’s too strong, give this version a try.

 

10.Since I’m an avid collector of perfume vessels, I always pay attention to particularly beautiful special editions (where form is more important than content). This year, the best packaging/design which comes in a limited edition was presented by Givenchy. My winner is

DAHLIA NOIR LE BAL:

givenchylebal3

 

Was 2013 a good year? Remember, wearing a fragrance is all about pleasing yourself as well as those you want to please. Your nose will lead you in the right direction. But if you want to cut out some annoying trials and errors, stay tuned and take a look at my next blog entry which will concentrate on the worst products of 2013…

 

 

 

 

 

 


„PHI“ – Une Rose de Kandahar

 

„PHI“ – Une Rose de Kandahar

 

 

PHI Une Rose de Kandahar“ ist das neuste Werk von Andy Tauer, der Nase hinter der Parfum-Manufaktur “Tauer Perfumes”. Andy Tauer genießt hohes Ansehen in der Parfumwelt, denn seine Düfte sind ausgefallen, innovativ und nicht an jeder Ecke zu riechen. Für „PHI“ hat Tauer ein hochwertiges Rosenöl aus der Afghanischen Region Nangarhar ausgewählt. Parfum und Afghanistan habe ich bisher in meiner Vorstellungswelt noch nicht zusammengebracht. Natürlich kenne ich Rosenöl aus Persien, aus der Türkei, aus Bulgarien. Daß es in Afghanistan, diesem seit 1979 vom Krieg gebeutelten und gezeichneten Land, auch Rosenölproduzenten gibt, finde ich erfreulich. Vielleicht kann Andy Tauer auch in der Zukunft dort sein Rosenöl beziehen, denn für die Produktion der ersten Charge von „PHI“ hat er den besonderen Stoff komplett aufgekauft. Die Förderung von Rosenanbau gefällt mir wirklich besser als die Opiumplantagen, für die Afghanistan normalerweise berühmt-berüchtig ist. Rosen als Sinnbild von Femininität und Schönheit sollten allen afghanischen Frauen zugänglich gemacht werden, genauso wie Schulen und Universitäten. Mich würden die kulturellen Konventionen in bezug auf Düfte in dem Land interessieren. Benutzen Frauen dort Rosenöl? Gibt es eine eigene Dufttradition in Afghanistan? ich gebe zu, daß es schwierig für mich ist, der „Afghanischen Rose“ eine im feministischen Sinne positive Konnotation zuzuschreiben.

Tauerperfumes 1

 

PHI“ ist ein Parfum, das ich nur ausgesprochenen Rosenöl-LiebhaberInnen empfehlen möchte. Die Betonung liegt auf „Öl“, nicht auf Blüte. Eine Rosenblüte riecht vollkommen anders als „PHI“. Hier entfaltet das pure, schwere Rosenöl seinen Zauber. Es ist betörend und riecht extrem natürlich und vielschichtig. Tauer nennt zwar als Kopfnoten Aprikose, Zimt, Bittermandel und Bergamotte, doch diese nehme ich nur im Hintergrund wahr. Das Rosenöl ist sofort präsent, wenn ich den Duft aufsprühe. Neben dem Öl aus Kandahar benutze Tauer auch Bulgarische Rosenessenz, die zusätzliche Süße und Ausdruck gibt. Nachdem die natürlichen Rosenöle verflogen sind (leider auf meiner Haut ungefähr nach 20 min) bleibt eine dunkle Basis aus Patchouli, Vetiver, Vanille, Tonkabohne, Moschus und „Ambergris“ (künstlicher Herkunft). „PHI Une Rose de Kandahar“ wird samtig, patchouli-getränkt und würzig. Doch auch eine sehr erdige Facette nehme ich wahr, einen Kontrast zu der Patchouli-Würze. Vielleicht ist es „ISO E Super“, das hier zum Tragen kommt, aber ich weiß es nicht, hier könnte nur der Parfümeur selbst Auskunft geben. Tauer ist ein Freund von „ISO E Super“, was ich völlig okay finde. Seine Kunst liegt in der Kombination von natürlichen und synthetischen Duftbausteinen, wobei in „PHI“ vor allem die Anfangsphase des Duftes auf ein „Naturparfum“ schließen lassen könnte. Der weitere Verlauf ist ebenfalls bemerkenswert, aber für meinen Geschmack etwas zu erdig und „dark“ geraten. Vielleicht habe ich mich aber im Lauf der Jahre schon an Patchouli-Düften sattgerochen bzw. meinen Patchouli-Liebling schon längst gefunden (Patchouli Noir von Il Profumo). Wer intensive, schwere Rosenöle liebt, kommt bei „PHI“ wirklich auf seine Kosten, sollte aber wissen, daß diese extrem volatilen Öle schwer zu fixieren sind und daß „PHI“ in seiner Endphase kaum mehr nach Rose, sondern vor allem nach einem erdigen Patchouli-Vetiver-Vanille-Tonka-Gemisch riecht. „PHI“ wird mein Lieblingsparfum nicht werden; ich bevorzuge Tauers Meisterwerk „Une rose chyprée“. Trotz des wertvollen Rosenöls aus einem der ärmsten und trostlosesten Länder des Orients kann „PHI“ mich nicht davon überzeugen, daß zum Thema „Rose“ in der Parfümerie nicht schon längst alles gesagt worden ist.

tauerperfumes3 Dieses Trio habe ich mir im Webshop von “Tauer Perfumes” selbst zusammengestellt. Die schlichten Sprayflaschen enthalten jeweils 15 ml und sind ideal, um Andy Tauers Düfte auszuprobieren.

 

 

 

 

 

 

 

 


“Joy”, ja – aber bitte nicht “forever”.

Joy Forever” –  eine grauenvolle Verheißung. Wenn Freude immer währte, sie permanent wäre, würden wir sie als solche gar nicht mehr erkennen. “Joy Forever” ist natürlich kein neuer Ratgeber aus dem Esotherik-Shop, sondern der kitschige Name eines neuen Parfums aus dem Haus Jean Patou.   Die Freude im Dauerzustand wird als Eau de Parfum geliefert und hat fast das gleiche Outfit verpaßt bekommen wie das große Vorbild, das den schlichteren Namen trug. Es hieß ganz lapidar “Joy”, wurde 1931 lanciert und ist seitdem für viele ParfumliebhaberInnen eines der schönsten und besten flüssigen Blumenbouquets der Welt. Ein Meisterwerk, ein Meilenstein. Doch scheint das opulente Rosen-Jasmin-Duo mit über 80 Jahren auf dem Buckel offensichtlich kein Megaseller mehr zu sein. Wahrscheinlich (bloße Mutmaßung meinerseits)  war in den letzten Jahren überhaupt gar kein Parfum der Marke Patou ein Renner, denn die Inhaber, ein weltweit aktiver Chemiegigant, Proctor&Gamble, haben “Patou” verkauft. Hätten sie auf die noble Marke in ihrem Portfolio verzichtet, wenn die Umsätze gestimmt hätten?

Die neuen Chefs, SA Designer Parfums Ltd. aus England haben sich zu einem Neustart für Patou entschlossen. Die in der Nähe von London in Watford ansässige Firma vertreibt die in Großbritannien sehr beliebten “Ghost-Fragrances“, außerdem hat sie bereits Scherrer, Worth und Aigner erworben. Patous neue Positionierung am Markt beinhaltet die Wiederauflage dreier berühmter Patou-Düfte (“Patou pour Homme”, “Eau de Patou” und “Chaldée“) sowie die Re-Orchestrierung von “Joy” bzw. die Ausschlachtung seines Bekanntheitsgrades mittels der Lancierung des Flankers “Joy Forever“. Zu diesem Zweck haben die neuen Besitzer einen hauseigenen Parfümeur eingestellt, Monsieur Thomas Fontaine, der die aktuellen Parfums kreiert hat. Fontaine hat z.B. für Jean Charles Brosseau “Ombre Orientale” und “Ombre Platine” gemischt, außerdem für Lubin das vielbeachtete “Korrigan“. Nun ist er “In-house-perfumer” bei Patou.

Laut Reklametext ist das neue Joy, der Duft, der “forever” sein soll, ein “voluminöses blumiges Bouquet,das um den berühmten mythischen Jasmin-Rosen-Akkord herum konstruiert und mit Iriswurzel und Orangenblüte abgemischt wurde.” (“voluptuous floral bouquet composed around the mythical accord of jasmine and rose blended with oris and orange flower”. )

Wo liegen die Unterschiede zum klassischen “Joy?”  Das Volumen wurde entgegen der Werbetext-Poesie entschieden heruntergefahren. Jasmin und Rose sind zu erkennen, aber nicht in der Charakteristik, die sie im alten “Joy” hatten. Die fast schon quälende Üppigkeit und Süße, das Indolische des Jasmins fehlen komplett. Ich rieche in “Joy Forever” einen angenehm frischen Blumenstrauß, “fine-tuning” eingeschlossen. Verstörende Elemente sind entfernt worden, alles ist frisch poliert und beinahe klinisch rein. Oder gar klinisch tot? Nein, dafür ist Fontaine ein zu guter Parfümeur. Die Iriswurzel bringt ein bißchen grünes, erdiges Leben in die saubere Bude und die Basis ist leicht holzig, elegant-frisch. Während der Klassiker ein extrem polarisierendes Parfum war/ist, fällt mir zu “Joy Forever” nur ein: “Sehr hübsch”.

“Joy” war niemals die Freude einer jeden Frau/eines jeden Mannes, im Gegenteil.  “Joy” war/ist “love” or “hate”, “Joy forever” ist dagegen “okay, wait”.  Warten auf die Perma-Freude. Wo ist sie denn? Wann kommt sie? Bin ich die einzige, die sie nicht riecht?

Dieser Duft ist nicht schlecht, ganz und gar nicht. Er ist elegant, blumig-frisch und würde unter einem anderen Namen (“Femme Patou” oder vielleicht auch “Patou Partout” wären meine Vorschläge! ) nicht an seinem großen Vorgänger gemessen werden. Mit “Joy” im Hinterkopf läßt sich “Joy Forever” kaum positiv beurteilen. Als “Patou Partout” würde dieses Eau de Parfum sehr gewinnen: Es ist nämlich büro-tauglich, nicht aufdringlich und eigentlich ziemlich stylisch. Aber immerwährende Freude bereitet es mir (zum Glück!) nicht.

Parfums 02.11.2013 (2 von 1)

 


Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft: Da wurde wieder viel auf den Markt geworfen

Seit Jahren steigt die Zahl der neuen “Würfe” auf den offensichtlich schier unersättlichen Parfummarkt (aus dem Französischen “lancer” = werfen”, oder?), aber die meisten zielen komplett daneben. Circa 2300 Neuerscheinungen beglücken uns im Jahre 2013!

Im Vergleich dazu: In den 1980er Jahre kamen nicht mehr als ungefähr 200 Parfums pro Jahrgang heraus. Diese immense Zahl von aktuellen Düften des Jahres 2013 kann kaum ein Kritiker mehr umfassend besprechen bzw. testen. Die meisten Parfumhersteller folgen gewissen Trends, momentan ist es die Aoud-Welle, die zu meinem großen Leidwesen immer noch nicht abgeklungen ist. Aoud oder Oud bzw. Adlerholz ist jetzt fast überall drin… – kaum ein Haus, das nicht mindestens einen Aoud-Duft im Programm hat. Selbst in einem Low-Budget-Drogeriemarkt-Duft spüre ich Anklänge (nämlich in Dita von Teeses “Erotique”), auch wenn in diesem Fall nicht ausdrücklich vor dem Aoud “gewarnt” wird.

Doch lassen wir diesen abgedroschenen Trend beiseite und reden wir über Neuerscheinungen, die Spaß machen. Hier wäre zunächst die Wiederauferstehung des Labels Atkinsons zu nennen.

NuptialBouquetatkinsons

Die traditionsreiche englische Firma hatte zuletzt in den 80er Jahren Parfums herausgebracht, war dann aber in der Versenkung verschwunden. Ich erinnere mich noch an einen schweren Duft namens “Indolence”, an dessen Namen mein Vater mir erklärte, was man unter der “Oblomow’schen Krankheit versteht”.

Der italienische Hersteller Morris hat nun die Rechte an Atkinsons gekauft und wirbt mit dem Logo “London 1799″.  Im August entdeckte ich den Duft “The Nuptial Bouquet”, der vom Brautstrauß der Queen Victoria inspiriert worden sein soll, bei Harrod’s in London, konnte aber schon einen Monat später erfreut konstatieren, daß auch die Parfümerie Koberger in Frankfurt a.M. die Marke Atkinsons jetzt führt. Atkinsons1atkinsons3atkinsons2

“The Nuptial Bouquet” ist eine wundervoll frische, blumig-anmutige Komposition. Sehr zu empfehlen ist auch “The Odd Fellow’s Bouquet” mit einer warm-holzigen Michung aus Rum, Leder und rauchigen Noten. Enttäuscht bin ich von der neuen Version des Atkinson-Klassikers “24 Old Bond Street”, der “modern-stromlinienförmig” riecht.

Bei Harrod’s in London stolperte ich über ein weiteres Highlight des Jahres 2013: Aurélien Guichards neues Meisterwerk “Knightsbridge”. Die nähere Beschreibung dieses außergewöhnlich gelungenen Duftes befindet sich hier in der Rubrik “Reviews” bzw. Kritiken.

Eine weitere, interessante und noch sehr junge Nischenduft-Firma mit Sitz in London ist Friedemodin.

Roseé de Nuit 2

Mein persönlicher Liebling aus der Kollektion der beiden Firmengründerinnen (einer Schwedin und einer Deutschen) ist “Rosée de Nuit” – “Tau der Nacht”. Zart blumig-holzig, transparent, ungewöhnlich – und zudem vom Sohn des großen Guy Robert kreiert (Guy Robert schuf z.B. “Madame Rochas” oder “Amouage Gold”).  Die Düfte der Friedemodin-Kollektion kann man mixen, “combination perfumery” heißt das Konzept, das natürlich nicht neu ist;  man kennt es von Jo Malone oder Il Profumo. MIr gefällt “Rosée de Nuit” ohnehin zu gut, um es mit anderen Eaux de Parfums überlagern zu wollen. Aber die Möglichkeit an sich ist durchaus spannend.

Was macht der Mainstream? Estee Lauder hat einen neuen Duft lanciert, der den nicht gerade Feminismus-verdächtigen Namen “Modern Muse” trägt. ModernMuse2

Hier soll eine angeblich innovative “duale Struktur” die konventionelle Pyramide mit Kopf-Herz-und-Basisnote ersetzen. “Modern Muse” riecht zu Beginn blumig-taufrisch, entwickelt sich aber schnell zu einem sehr holzigen, fast kratzigen Duft, den ich mir sehr gut an Männern vorstellen könnte. Synthetisches Patchouli und Zedernholz dominieren und ergeben zusammen keinen besonders harmonischen Eindruck. Die “moderne Muse” riecht (anderes als der Duft “Muse” von Rochas) nicht gefällig, schmeichelnd sanft oder gar erotisierend. Sie paßt gut ins Großraumbüro und ist irgendwie “effizient”. Inspirierend ist sie keinesfalls.

Den Preis für den häßlichsten Flakon der Saison Herbst/Winter 2013 bekommt das Label Police:

PoliceTobeKing

 

Geht es noch geschmackloser? “To be – The King” sieht grotesk aus, riecht aber wider Er- warten ganz gefällig, nämlich würzig-ambriert, leicht süß – keinesfalls so gefährlich wie der Flakon vermuten läßt.

Geschmackvoll und garantiert ein willkommenes Geschenk unter den diversen Weihnachtsbäumen dieser und anderer Republiken wird dieses Jahr der neuste Kenzo-Duft sein: Flower in the Air.

flowerintheair2

Wer leichte, schwebende Rosenparfums mag, kommt auf seine Kosten. Hier erdrückt einen keine Mega-Sillage, hier sind keine Gewürze, die stören könnten, sondern “Flower in the Air” bezaubert mit Blütenharmonien. Sanft, ruhig, friedlich.

Das kann man von vielen anderen Neulancierungen nicht behaupten. “Dolce&Gabanna Intense” versucht als Floriental mit Blumenpower und Patchouliwolken zu punkten, unterscheidet sich aber kaum vom Vorgänger aus dem letzten Jahr. Dies gilt für “Manifesto l’Elixir” von YSL ebenfalls. Keine neuen Ideen, nur noch mehr Vanille und Ambroxan. Alles nur “Flanker”, die den Umsatz erhöhen sollen, die aber fast austauschbar riechen.

Issey Miyakes “Pleats, please” kommt als Eau de toilette erdrückend künstlich rüber, ist aber in seiner allerneusten Form als Eau de Parfum wesentlich erträglicher.

Besonders öde finde ich das neue “Si” von Armani. Eine starke Cassis-Note ebnet den Weg zu einem langweiligen, fruchtig-blumigem Allerweltsparfum, das mich die großen Würfe des Hauses (“Sensi”, “Mania”) um so schmerzlicher vermissen läßt. “Si” ist keinesfalls schlecht, es duftet ganz nett. Aber es ist (wie es z.B. ein Verkäufer bei Harrod’s in London so schön formulierte) “nothing special”. Einen weiteren “nothing special”- Kandidaten schaue ich mir in den nächsten Tagen näher an: das neue “Joy Forever” von Patou. Das benötigt einen eigenen Beitrag…


Neuerscheinungen 2013 – ein Rundumschlag (Teil 2)

Von Thierry Mugler gibt es jetzt im Frühling/Sommer 2013 die neue “Aqua Chic Kollektion” – drei Flanker, die die Ursprungsdüfte verwässern. Verwässern heißt hier nicht grundsätzlich verschlechtern, denn alle drei sind “Erleichterungen”. Wie das jetzt gemeint ist?

“Angel” kann ich ohnehin nicht ausstehen…   – ich weiß, daß der Duft einen Meilenstein der Parfumgeschichte darstellt… ja,ja… – aber ich kann ihn kaum ertragen.

“Angel Aqua Chic” fügt der Grundnote Rosenwasser hinzu und verwandelt das unerträglich schwere, süße “Angel” in eine für mich gerade noch akzeptable Variante.

“Alien Aqua” wartet mit Orangenblütenwasser auf… – diese Variante ist gelungen und paßt zum “Alien”-Grundgeruch. Auch hier empfinde ich die Verwässerung als Verbesserung (“Alien” ist auch nicht gerade eines meiner Lieblingsparfums).

“Womanity” jedoch ist gründlich mißlungen in seiner verwässerten Form. Die starke, provozierende, ausgefallene salzig-nussige Note in “Womanity” wurde durch Koriander und sehr viel Feige ersetzt. So riecht “Womanity” auf jeden Fall massenkompatibler und wird vielleicht als angenehmer empfunden, die Innovation und das Außergewöhnliche des Parfums gehen aber flöten.

Hilfiger bringt “Flower” – gähn. Die an das Pröbchen angeheftete lila Stoffblume ist so undefinierbar nichtssagend wie der Duft selbst. Süßlich-langweilig. 1000x schon gerochen, absolut belanglos.

Acqua di Parma lanciert eine Variante ihres Dauerbrenners “Iris”. 2013 heißt das neue Wässerchen schlicht “Acqua Nobile Iris” und ist elegant, leicht, geschmackvoll und gut gemacht, verfliegt aber im Nu – und ist daher viel zu teuer.

Viktor&Rolf erfreuen die Welt mit einer weiteren Bombe, diesmal nicht aus Blumen, sondern aus Gewürzen. “Spicebomb” kommt in einem Flakon daher, der mich ärgert, da er häßlich und unhandlich ist – und ich ohnehin das “Bombenmotiv” nicht ausstehen kann. Ich lehne Gewalt ab und empfinde Bomben als todbringende Waffen. MIt dieser Idee in der Werbung bzw. schon bei der Namensgebung zu spielen, sichert natürlich dem Konzern (in diesem Fall L’Oréal) und seinem Produkt Aufmerksamkeit. Man kann mich als moralinsaure Spaßverderberin bezeichnen, aber mir sind sowohl “Flowerbomb” als auch “Spicebomb” schon aufgrund ihrer Namensgebung ein Dorn in der Nase… und auch im Auge.

“Spicebomb” riecht ganz gut, würzig-zimtig einerseits und vanillig-warm andererseits. Die Haltbarkeit ist nicht besonders, wie sollte es auch anders sein, der Duft kommt von l’Oreál und entspricht den neusten EU-Vorschriften. Da ist nicht viel “Power” in der Basisnote. Ein bißchen erinnert “Spiecebomb” an einen alten Duft von MCM, “Obelisque”, früher ein starkes Zimtgeschoß (um im Bild zu bleiben), heute auch nur noch ein Schatten seiner selbst.

“Spicebomb” wird sicher ein Erfolg. Eine olfaktorische Rebellion stellt die Bombe nicht dar, aber für einen Mainstreamduft ist die hier vorgestellte Gewürzmischung ziemlich weit vorne.


Neuerscheinungen 2013 – ein Rundumschlag (Teil 1)

 

Endlich, endlich! Schönes Wetter, Frühling – ein Grund, ‘mal wieder loszuziehen und neue Düfte zu testen. Ich habe Lust auf etwas Neues, doch vielleicht sollte ich dann lieber in einer Modeboutique schauen und nicht in der Parfümerie-Abteilung. Denn was mir da dieses Jahr (mal wieder!) alles so entgegenweht, ist alles andere als Innovativ oder modern. Wie immer gibt es Flanker, also “Nebendüfte” von “Hauptdüften”, z.B. das neue Daisy Sunshine Eau so fresh” in einem Plastikblumen-Design, neben dem die klassische Prilblume bieder wirkt. Marc Jacobs ist ohnehin der Held es Plastik-Stöpsels, seine Flaschen sind für jeden Recyclingfan eine wahre Herausforderung. “Eau so fresh” ist aber kein herausfordernder Duft, sondern eine banale Fruchtblumensauce. Ähnlich verhält es sich mit See by Chloé, auch dieser Duft ist an Abgedroschenheit kaum zu überbieten. Allerdings riecht er sehr viel erträglicher als das neue Pleats, please“, das unerträglich chemisch daherkommt. Der Flakon mit seinem plissierten Muster ist jedoch gelungen und einfallsreich.

Estee Lauder bringt eine leichte Eau-Variante von “Pleasures”, die sich kaum vom Original unterscheidet, akzeptabel, aber ebenfalls zum Gähnen. Cavalli probiert weiter am endgütigen, ultimativen Orangenduft herum, auf das edlere “Roberto Cavalli” folgt 2013 “Just Cavalli”, von der Werbung zum Sexy-Duft hochstilisiert, doch in Wirklichkeit nur ein Orangendüftchen mit beißendem Unterton. Lacoste lanciert Eau de Lacoste, ganz nett, zumindest kein Störenfried, tragbar. Das neue “Zen Sun ist süßlich-leicht und auch keine Verbesserung gegenüber dem alten “Zen”, aber den Vogel abgeschossen hat dieses Jahr für mich Escada mit Cherry in the Air.   Kirschlutscher in der Flasche, offensichtlich ein neuer Trend, nachdem selbst Guerlain seinen ursprünglich mal guten Duft “La petite robe noire” , den es früher nur in der Guerlain-Boutique gab,  für den Massenmarkt mit Kirsche, Kirsche, Kirsche überfrachtet hat. Auch das neue Eau de toilette von “La petite robe noire” stellt die Kirsche in den Mittelpunkt, allerdings raffinierter als Escada, deren “Cherry in the Air” an infantiler Banalität nicht zu überbieten ist. “DM” (der Drogeriemarkt) hat übrigens ein Duschgel im Angebot, das 69 Cent kostet und den angesagten Kirschduft auch sehr schön in die Flasche gebannt hat.

Und was treibt die Firma Dior dazu, jedes Jahr eine andere Version vonMiss Dior zu lancieren? Das Kuddelmuddel ist kaum mehr zu entwirren. Das neue “Miss Dior Version 2013” ist auf jeden Fall kein Chypre, kein Klassiker und hat nichts mit dem alten Duft aus dem Jahre 1948 zu tun. Dieser wird wohl unter dem Namen “L’Original” verkauft, fragt sich nur, wie lange noch.

Gruselig wird es im Dorgerie-Markt. Dita von Teeses neuer Duft im lilafarbenen Flakon ist blumig-kreischend-schauderhaft und kaum mehr abzuwaschen. Heidi Klumm erwähne ich nicht weiter. Sie verdient keine Aufmerksamkeit, nicht einmal negative.

Mir fällt auf, daß ich für heute bedient bin – noch ein schneller Blick zu den Männern – die  sollen mit “Versace Eros” glücklich gemacht werden, ich empfand den Duft abstoßend. Chemisch und beißend. Da würde ich eher zum neuen Armani” raten, einer Neuinterpretation des Klassikers. Durchaus gelungen und zurückhaltend-fein, zitronig-frisch.  Oder auch das neue “Dior Homme Eau”, nicht weltbewegend, aber ganz angenehm, frisch, dezent. Gutes Mittelfeld. So wie auch “White Mulberry” von H&M, für 4.95 Euro zu haben. Unisex.

07.02.2013 - Parfums (2 von 12)

Vielleicht liefert H&M den Duft nochmal nach, er wurde ziemlich schnell “abgegriffen”. Sehr verständlich, riecht der doch besser als so manche Kirschlollypop-Nummer, die das fünffache kostet.

Aber ich gebe nicht auf – auch 2013 werde ich sicher doch noch einige gute Düfte entdecken können! Auch wenn diese Mission schwierig ist, denn der Markt wird immer eintöniger.