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Der Parfum-Blog

Archive for the ‘Neuerscheinungen 2014’ Category

“Re Profumo” : Eine Entdeckung in der Parfümerie Vollmar in Bonn

Neu

 

 

Bonn wirkt wahrhaftig nicht wie eine Metropole. Als ich gestern einen Bummel durch die ehemalige “Bundeshauptstadt” unternahm, fragte ich mich, wie Adenauer es nach 1945 überhaupt geschafft hat, ein solches Städtchen zum Mittelpunkt der Republik zu machen.

In der Straßenbahn fallen vor allem die Schilder auf, die nach Köln weisen. Und in der Stadtmitte erblickte ich neben Starbuck’s, Karstadt, Vapiano und Maredo eine Filiale von TKMAXX. Dort kann man, wenn man geduldig ist und Zeit zum Stöbern mitbringt, neben Designertaschen und T-Shirts so manchen knallhart reduzierten Duft ergattern und sich im Anschluß daran über die Mechanismen des Kapitalismus’ den Kopf zerbrechen. Man kann seine Schritte aber auch in eine bezaubernde Parfümerie lenken, in der es jenseits des Mainstreams außergewöhnliche Parfums zu entdecken gibt. Die Parfümerie Vollmar in Bonn ist ein so schöner Laden, daß sich die Fahrt nach Bonn für DuftliebhaberInnen auf jeden Fall lohnt. Hier wird man zudem von KennerInnen beraten, die sich Zeit für den einzelnen Kunden nehmen. Das Sortiment umfaßt neben Serge Lutens, L’Artisan Parfumeur, Clive Christian, Juliette Has A Gun, Montale, Amouage, Penhaligon’s, Morph und vielen, vielen anderen auch die verschiedenen Dufthäuser, die von der Firma Intertrade vermarktet werden. Ein Blick auf die Webseite von Intertrade zeigt, daß sich hier beliebte Nischenhäuser tummeln: Six Scents, Santa Eulalia, S-Perfume, Roads und auch die Marke “Re Profumo”, auf die ich hier näher eingehen will.

“Re Profumo” gibt es erst seit 2014. Ähnlich wie die italienische Firma “Morph” bedient sich auch “Re Profumo” einer Marketing-Strategie, die mir irgendwie anstrengend vorkommt.  Offensichtlich genügt es nicht mehr, lediglich Parfums herzustellen. In der Welt der Nischenmarken braucht es vor allem background-stories, um die Kunden auf die neuste Marke aufmerksam zu machen. Bei “Re Profumo” kann man auf der dazugehörigen Webseite kitschige Musik anhören und erfährt zudem einiges über Fulvio Fronzoni, der einen Fantasy-Roman verfaßt hat, welcher selbstredend “Re Profumo” heißt (so wie die Duftlinie). “Re Profumo”  ist Fronzonis erstes Prosawerk und seiner “leidenschaftlichen Passion”, dem Parfum, gewidmet.  Aha. Nun kann ich über diesen Debütroman nichts sagen, denn er liegt mir nicht als Buch vor und auf der Webseite konnte ich ihn auch nicht lesen. Angeblich (so die Werbetexter)

“vermischen sich Leben, Fantasie, Kopfnoten, Herznoten und Basisnoten, um schließlich in einem Gleichgewicht zu münden, genauso wie es bei einem erfolgreichen Parfum geschieht. Die Romanhandlung entwickelt sich wie eine olfaktorische Wolke, die sich über alle Seiten ausbreitet. Und der Autor fügt seine eigene Interpretation hinzu, die seine unzähligen Träume enthüllt – fantastische Geschichten verborgen in einem Parfum. Der Leser wird wie auf ein gedankliches Karussell katapultiert, auf dem die Charaktere und die Geschichten erscheinen“.

Hört sich nicht nach einem Buch an, das ich lesen möchte.

Aber: Der Roman wird ja von einer neue Linie aus fünf Düften begleitet, die angeblich von  international bekannten „Nasen“ entwickelt wurden. Leider erfährt man nirgendwo, wer genau diese Nasen sind. Nun, es soll ja – vordergründig! –  der Roman im Mittelpunkt stehen und nicht das Schaffen der Parfümeure. Zumindest scheint das die Marketing-Strategie zu sein. Meiner Meinung nach ein falscher Weg. Gerade im Bereich der Nischenparfümerie stehen die Parfümeure schon seit Jahren mit ihren Kompositionen im Fokus und Interesse der Kunden. Parfums werden nach ihren Schöpfern bewertet: “Ein typischer Duchaufour, ein klarer Elléna, ein eindeutiger Thierry Wasser…”.

Doch bei “Re Profumo” erhält man nur die Info, daß die Parfums Alèxandros, Adone, Ekstasis, Sogno d’Amore und Superuomo in Zusammenarbeit mit Parfümeuren von “Intertrade” entstanden sind. Alle Parfums seien inspiriert vom “Geist des dekadenten Venedigs”, was auch immer dies konkret heißen mag.

Bei Vollmar in Bonn verschonte mich die freundliche und kompetente Parfümeriefachkraft Nadja A. zum Glück mit diesem ganzen Werbegewäsch. Es lag auch nirgendwo ein Exemplar des Romans von Fulvio Fronzoni herum, statt dessen konnte man aber die Parfums aus der “Re Profumo”-Linie in sehr angenehmer Atmosphäre testen und ohne Belästigung durch schwülstige literarische Verkaufsprosa genießen. Und: Die Düfte sie sind wirklich gut!

 

Vollmar Bonn Parfumerie Vollmar in Bonn

Gerade deswegen würde ich zu gern erfahren, wer sie komponiert hat. Wer z.B. hat sich getraut, die Königin der Blumen, die üppige Tuberose, zusammen mit frischer Bergamotte und Tonkabohne zu einem narkotisierenden, sinnlichen Traumduft zu verbinden? “Ekstasis” heißt das Parfum, vom dem ich hier spreche und das ich meiner Sammlung hinzugefügt habe. Es hat (wie bei einem Tuberose-Parfum nicht anders zu erwarten) einen gewissen indolischen Touch, der aber zusammen mit der kunstvoll gewebten Basis, der ein Tröpfchen Vanille hinzugefügt wurde, erotisierend wirkt.

Sogno d’amore” hingegen war erheblich süßer und gourmandiger, aber ebenfalls ausgezeichnet. Die Düfte von “Re Profumo” sind allesamt echte Extraits, also konzentrierte Parfums, keine Eaux. Entsprechend gut halten sie. Für circa 125 Euro werden sie in einem 50 ml Flakon angeboten, der sehr klobig ist (kein Design-Exstase-Punkt für die Firma!). Der unhandliche Deckel kann zum Glück durch einen kurzen goldenen Stöpsel ersetzt werden, der der Parfumschachtel beiliegt, dennoch hätte ich einen weniger grobklotzigen Flakon bevorzugt. Vieleicht wäre es besser gewesen, weniger Gehirnschmalz in die Entwicklung einer Romanhandlung zu investieren und das Geld lieber einem kreativen Flakonkünstler zu geben. Die meisten Leute können ohnehin besser gucken als lesen.

 

Ekstasis Re Profumo


Ludovica di Loreto’s new fragrance “Lú Donna”

Ludovica Di Loreto belongs to a family of Italian perfumers. She studied fashion at the University of Rome and at the London College of Fashion.

The inspiration for her beautiful new fragrance springs from a stay in Stockholm, where she decided to embark on her perfume project evoking the colour and warmth of Italy. Stockholm, the melancholic nordic city, formed a stark contrast to her beloved Rome and by creating her fragrance, Ludovica was able to travel to Italy in her mind. So far, so good.

Now believe me or not, I wasn’t really intrigued when Ludovica told me that her fragrance belongs to the group of “fruity-florals”. I have always been attracted to non-mainstream perfumes and don’t enjoy most of these fashionable fruit-scents mixed with artificial flowers.

But “Lú Donna” is different! It’s a high quality fragrance with a much lower distribution level and it smells utterly gorgeous!

From the point of view of creativity, I have to confess that Ludovica Di Loreto really managed to come up with a fragrance which is very beautiful and versatile at the same time – and all of this in spite of the hackneyed fruity-floral genre.

LuEdP

 

“Lú Donna” mixes traditional Italian scents like mandarin and Calabrian bergamot with fresh lemon blossom and grapefruit. Although there are some conventional fruity notes in the centre, (raspberry, peony, apple), the addition of violet redefines this modern fruity-floral: no overripe bananas or mangos, but kind-hearted, soft floral beauty instead. Also present are vanilla, white musk, patchouli and sandalwood for warmth and smoothness and an underlying sensuality.
“Lú” floats a veil of tranquil beauty over you, but it also gives out sunny glints throughout the day. Indeed, “Lú Donna” manages effortlessly to epitomize “la dolce vita” and symbolizes this particularly passionate Romanesque enthusiasm for love and life.

Bellissimo!

LumitPackung


My year in perfumes: discoveries&developments, presents&pleasures

Deckblatt Perfumeguide

Dear readers and friends,

2014 was a very productive year for me. In January, I staged and performed my first very own play for the Hanauer Marionettentheater, “KING”.  And I discovered that one of the ugliest perfume vessels on the planet  policetobeking2 looked fantastic on stage. Yes, this awful “bottle” turned into an essential prop.

February saw the publication of my little book “99 Duftballons“:

Deckblatt - Werbung Jale 3

In March, I tried some of Oriza L. Legrand‘s gorgeous perfumes for the very first time… and fell in love with this one:

Foin3

Foin Fraichement Coupé” – a perfect scent for spring.

In April I tried nearly 30 new fragrances, but most of them were not in the least memorable. Here’s is an acceptable one which stuck out:

 

67Pomellato

And here’s is one I can’t recommend, because it’s just a copy of “Candy” with a French name.

Bonbon1

 

In May, I watched a fascinating tv-documentary devoted to the house of Lubin and their perfumers Delphine Thierry and Thomas Fontaine. When Delphine said that her perfume “Akkad” was “résineux et représente la richesse florale de la Provence, mais aussi les choses dorées et une pierre chaude” I decided to try it. It has become one of my favourite scents.

akkad4

June 2014 was a very warm month. On a trip to Munich I wasn’t sure which perfume to wear: an old friend or a newcomer? I finally opted for a timeless classic: “Christalle” by Chanel.

ChristalleChanel

And I discarded that one:

Theseus

In July I went to England. Here are some of the fragrances I brought back from Bristol, Bath, Exeter and Newquay:

Holly Sharpe1

KenzoMyAmour2JuliettehasagunMadmadam1BlackStoneneues im Dez12-16

Well, I have to confess that some of them were heavily reduced and that their vessels attracted me more than their contents. Madonna’s “Truth or Dare Naked” isn’t available in Germany and at the price of 10 Pounds, it was a bargain. Staying-power is excellent, the fragrance itself is a sweet, slightly woody gourmand.

When I travelled to Poland in August, I couldn’t find a single fragrance which was made in the country itself. Of course I’m familiar with “Pani Waleska“, but even this popular Polish perfume wasn’t on display. Instead I spotted Calvin Klein’s “Beauty”,

Beauty2 which I had wanted for quite a while and which cost half of the regular price they charge in Germany. And for those who don’t mind bootlegs from China, street vendors in Gdansk offered imitations of various French and Italian fragrances, for example:

RicciRicci

September was a great month, because it’s always a pleasure to receive fragrant birthday gifts. This year, I was particularly lucky. A friend from Istanbul gave me a perfume he created only for me:

Jaleprivat It’s a rich, deep, wonderful chypre. Thank you so much, Omer!

And I also got this:

Fleur dereine3Fleur de Reine“, a big, fat tuberose.

And LairdutempsPutman “L’Air du temps” in a collector’s bottle.

 

In October, I found out that Balmain’s “Extatic” comes in a fantastic vessel, but can’t be compared to the fabulous relaunch of “Ivoire“. Unfortunately, “Extatic” is just another triumph of form over content.

Extatic1

I also continued preparations for an exhibition of my perfume-vessels in the “Hessisches Puppen-und-Spielzeug-Museum” in Hanau, Germany. The exhibition will open in May 2015 and you’ll read much more about it on this blog next year.

WeltderPfs

In November, I bought some fragrant Christmas-presents and picked the following perfumes  for my daughter Julia:

CollectionRoge1MicallefWeih14-neu01-5

This year’s new releases like “Black Opium” and the latest “Euphoria“-flanker were totally repulsive, so I bought a beautiful Micallef-scent from 2012 and Etro’s “Rajasthan” from 2013 for my discerning offspring.

In December I discovered yet another fascinating perfume by Oriza L. Legrand. My  wonderful Parisian friend Helene took the trouble of buying a set of samples for me at 18, rue Saint-Augustin and made sure it included the newly released “Violettes du Czar”.

Should you happen to love violets, this should go on your test-list.

 

OrizaViolettes

 

The end of the year 2014 also saw the release of a new “city-fragrance”. Krefeld (a city in North-Rhine-Westphalia) released a fragrance which is supposed to celebrate the particular atmosphere of the hitherto famous fashion-town. Since I passed nine years of my childhood and school-life in Krefeld, I decided to grab a bottle of this limited edition fragrance:

ESNC Crefeld1ESNCCrefeld2

The vessel is stylish, but as for the scent… it’s so “meh”: an uninventive mixture of greenish, fruity notes on a slightly woody base. I would have thought Henkel from Düsseldorf, the chemical giant behind the production, could have done better. By the way, Krefeld’s first fragrance was much nicer (it smelled like a copy of “J’adore”).

Krefeld    But isn’t it funny that my old hometown seems to be the only place in Germany which releases perfumes for promotional purposes?

Finally I received a stunning gift for Christmas last week: half a liter of “Shalimar” in the iconic Guerlain “abeille”-bottle. WOW!

Shalimar500ml1

I also received this one

Wardasina2Wardasina” by Sospiro. (Shame on me, I had never heard of the brand before). It certainly is very beautiful from the outside, with the vessel being cled in red velvet:

Weih14-neu01-13 The fragrance is an extremely potent mix of rose, aoud, saffron and other strong components done in the style of “Black Afgano”. Since I’m not into this kind of fragrances at all,  “Wardasina” will probably be passed on to someone else.

So much about 2014 in terms of fragrances.

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A happy and healthy NEW YEAR to all my readers and friends!

And please remember: In 2015, I hope to meet you at our exhibition in Hanau/Germany!

See you soon!

Background-Rosenstrauch

 


No perfume recommendations for Christmas 2014?

Let’s face it: Many of us haven’t even finished last year’s bottle of their annual Christmas gift-pack. With more than 1700 (!!!) NEW fragrances flooding the market in 2014 and the most popular mass-market fragrance family still being the fruity floral, I have to ask the question of whether it is really worth buying the latest releases.

Since “niche fragrance” has become the new hype, many so-called “niche lines” have been launched by well-known, big companies. So be concerning:  an extremely high price and the aspect of “limited distribution” in a posh perfumery do not automatically entail a genuine, “artistic” niche fragrance. We all know that the big companies have to worry about budgets and focus groups, cost and saleability. That’s why you find so many repetitions and copies on the market: one mega-seller always becomes the model for other fragrances done in the same way.

But let’s look at some of this year’s mainstream launches.

BottegavenetaKnotot Knot – by Bottega Veneta. Neroli and lavender rule. A white, clean bathroom-scent. Average. The first Bottega Veneta was much better.

 

DaisyDreamRol Daisy Dream – by Marc Jacobs. Light, fresh, generic. Just another flanker in a pretty perfume vessel.

 

ForeverVera Forever Vera – forever fruity-floral? It seems as if they never  change the basic formula, they just add some new aromachemical reaking of a new type of fruit/flower.

 

Wunderwasser for herWunderwasser” by 4711- even Eaux de Colognes have to take the fruity road – no wonder and no admiration on my part here. An inoffensive EdC, not distinctive enough to be called “Wunderwasser”.

 

LotusIsseyMiyake1 L’Eau d’Issey Lotus – by Issey Miyake: a nice flanker. But if you haven’t emptied your bottle of the original L’eau d’Issey yet and if you aren’t a collector, why bother?

 

KarlLagerfeldfemmeneu The 2014 Karl Lagerfeld fragrance is the worst scent ever released under his name. I bet the great designer never tried this awful chemical soup himself.

 

LLaimeEdt L L’Aime Eau de toilette – by Lolita Lempicka. The Eau de Parfum from 2013 was called “Elle l’aime” and smelled much better. Why should you buy this 2014 Eau de toilette?

 

CoqueD'Or Poudre1 Coque d’Or Shimmering Powder  – by Guerlain. Such a huge disappointment. The bottle is from cheap plastic and the powder itself doesn’t even emanate a distinctive smell. At the price of approx. 78 Euro this was my worst Guerlain-experience ever.

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If you want to give your family&friends a good perfume for Christmas, try to find out what they liked/wore/loved/used in the past and don’t give them the latest flanker, the perfume in the most attractive vessel or the random designer fragrance recommended by the charming young shop-assistant.

Instead, follow your nose and start by looking at perfumes from the same fragrance family. If your friend is fond of a particular perfume, she/he will probably like others belonging to the same category.

Maharani intense2

Always remember that perfumes are a way of communicating without words. A fragrance  expresses, represents and defines its wearer – and it always has an impact on others.

So what is it YOU want to communicate by choosing a particular fragrance for your loved ones?

penhaligon'sXmasboxitems

 

Don’t make your choice in a few minutes, don’t be guided by the brand-name, the image, the campaign. Devote more energy than just a short visit at the perfume counter to your aim of finding the right fragrance for someone you love/like.

Thus picking the right gift could turn into an exciting journey off the beaten track of fragrance campaigns.

Sturztag (59 von 167-02)

 

P.S. If you need further inspiration, you can certainly find some in my book:

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 99 Scented Balloons reveals the secrets of 99 different perfumes (niche and mainstream),  an informative and entertaining bilingual guide.

Order your personal copy via e-mail: info@perfumeguide.de

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All copyrights exclusive to:

Schriftzug 03. de

 

 

 

 


L’Homme idéale von Guerlain – ein süßer Typ ohne Ecken und Kanten

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Der ideale Mann ist für das Traditionshaus Guerlain offensichtlich ein harmloser Typ mit einer Vorliebe für süßen Pudding. Das läßt mich als Frau doch irgendwie aufatmen. In der neuen Flasche aus Paris steckt kein neuer Prototyp eines männlich-markanten, scharf-herben Herrenduftes, sondern ein freundliches Softie-Parfum, das auch prima von weiblichen Wesen getragen werden kann. Der ideale Mann ist nämlich ein ganz Lieber! Und zum Glück auswechselbar. Er ist nicht ‘mal besonders sexy oder gar muskulös. Vielleicht aber ganz clever, denn er heftet sich einfach an die Fersen anderer Typen, die es schon gepackt haben. Marketingtechnisch ist “L’Homme Idéale” eindeutig “La Petite Robe Noire” pour homme Nur während beim Damenduft ein weniger anmaßender Name gewählt wurde (okay, wir Frauen definieren uns ja eh nur über unsere Kleider), hat Guerlain sich mit diesem angeblich “idealen Parfum” namens “L’Homme Idéale” strategisch weiter aus dem Fenster gehängt. Ein solcher Name bleibt im Gedächtnis und provoziert. Vor allem aber weckt er Erwartungen, die nach dem ersten Testen und auch beim längeren Tragen des Duftes nicht erfüllt werden.

Nach einem konventionell-frischen Start mit bißchen Zitrone kommt ziemlich schnell eine Variante des charakteristischen “Petite Robe Noire”-Mandel-Akkords hoch, hier noch mehr in Richtung “Amaretto” gehend und ohne die Kirschkomponente, dennoch eindeutig “gourmand” und ziemlich süß – oder wie mein Mann gestern sagte “metrosexuell”.

Das vom Parfumeur angegebene Leder bleibt ganz dezent im HIntergrund, während viel Vanille und Moschus den Eindruck eines “Gourmand-Duftes” noch verstärken. Ich vermute, daß Guerlains Chef Thierry Wasser viele Superseller der letzten Jahre im Hinterkopf hatte, als er den neuen Duft schuf; vor allem Paco Rabannes “One MIllion” oder auch “Black XS”.

Der neue, angeblich “ideale Duft” greift also nur einen bereits vorhandenen Mainstream-Trend auf, anstatt selbst einen zu setzen. “Was sich in der Damenabteilung super verkauft (“Kirsch-Mandel-Pudding” in der Flasche), wird auch bei den Männern gut ankommen”, war wohl hier das Leitmotiv. Momentan ist “One MIllion” noch Top-Seller, doch Guerlain hat mit seinem angenehm riechenden, netten Duft bestimmt gute Chancen, richtig viel Profit zu machen.

Der “ideale Mann” ist wohl aus Sicht des Luxusgüterkonzerns LVMH, dem Guerlain angehört, ohnehin ein harmloser Konsument, der alles kauft, was neu und mainstreamig ist und vor allem ein Individuum, das mit seinem Parfum nicht als solches erkannt werden möchte.  Süßlich-vanillig-mandelig wabern sie um uns herum, all’ diese auswechselbaren und fast identisch riechenden Massenmarkt-Düfte für Typen, die sich die Augenbrauen zupfen, ihre Schamhaare komplett abrasieren und im Bad mehr Zeit brauchen als ihre Freundinnnen.

Für mich persönlich ist jede Art sich zu parfümieren okay, nur nicht die langweilige. Daher kann ich  “L’Homme Idéal” niemandem empfehlen, der einen Duft mit Charakter und hohem Wiedererkennungsfaktor sucht. Wer jedoch einen gourmandigen, soften “Woody-Oriental” von der Stange mag und einen neuen Flakon für’s Auge, für’s Image oder für’s Badezimmerregal braucht, der ist mit “L’Homme Idéale” auf der sicheren Konsum-Seite.


Frühlingsdüfte 2014: Flanker, Früchte und “FOIN”!

0AFoin3

Frühling! Ja, dieses Jahr schon seit Anfang März und jetzt im April sowieso…

Die Parfümerien sind wie immer zu dieser Jahreszeit bestrebt, die neusten Kreationen an die Frau und den Mann zu bringen. Flanker über Flanker werden uns als “Neuheiten” präsentiert, also Parfums, die fast so ähnlich heißen wie das  “Erstprodukt” und fast immer auch so ähnlich riechen. Bevor ich einige dieser Düfte hier aufliste, wende ich mich einer perfekten Duftschöpfung zu, die im Retro-Stil daherkommt und denoch erst dieses Jahr wieder aufgelegt wurde: “Foin fraichement coupé von der Pariser Nischenfirma Oriza L. Legrand. Der Duft wurde 1886 zum ersten Mal präsentiert, aber dieses Jahr wiederbelebt, ähnlich wie die Firma, die es zwar auch seit 1720 gibt, aber erst seit kurzem ihre Wiederauferstehung auf dem Duftsektor feiert. Meine Einschätzung zu diesem Duft liest sich auf Englisch so:

“A new fragrance which smells strikingly old-fashioned – but in a very good way. This charming scent expresses the perfumer’s intense appreciation of the beauty of nature. It’s full of gentle warmth in spite of the wild mint in the top-notes. Imagine yourself under a shady tree in spring deeply inhaling the mild air. Aromatic notes are there, but they aren’t fierce, you catch a whiff of soothing hay and the earthiness of ivy and clary sage plus a very fine note of white, soft musk, very subtle, a muskiness that Oriza L. Legrand achieves without any effort. Tinges of green (clover) were added to create a fresh but not strident effect. An outdoorsy fragrance, of course, which emanates a sensuous charm below the surface. “Foin f. coupé” is definetely a beautiful scent which appeals to me in its versatility, great on both sexes and suitable wherever you go. No flowers, no aldehydes, no amber, no oudh, no intentions of seduction. Wearing it is like following a distant tune in a springtime forest that calls for you to enter, a beguilingly romantic call which leaves you with an idea of sensual awareness beyond the harsh world of synthetic mainstream fragrances. A small wonder.

Foin2

Oriza L. Legrand ist ein herausragendes Haus auf dem Nischensektor, jedes einzelne grandiose Parfum dieser Firma verdient Beachtung.

Ebenfalls sehr angenehm riecht das neue Eau de Cologne “Essence Aromatique” von Bottega Veneta.

BottegavenetaEssenceAro“The original Bottega Veneta is one of my favourite mainstream fragrances of the last years. This new, extremely light interpretation is a beautiful and aromatic mélange of fresh bergamot and coriander, subtle rose and patchouli (yes, there is such a thing as a low-key-patchouli note in this scent) resting on a base of languid tonka bean and vanilla plus a dash of sandalwood. It does disappear quickly on my skin (after 1 h), but I know it is an Eau de Cologne, so I shouldn’t complain.

Natürlich ist die Duftwirkung sehr zurückhaltend und dezent, aber das mögen viele ja.  Gerade im Hochsommer könnte “Bottega EdC” extrem gut ‘rüberkommen.

Eine weitere Neuerscheinung, diesmal einen Duft, der sich an einen älteren fast gleichen Namens anlehnt, präsentiert Cartier. Doch die neue Version von “Panthere” hat mit dem Parfum aus dem Jahr 1987 nicht viel gemeinsam. Meine Einschätzung auf Englisch: 

“La Panthère” by Mathilde Laurent for Cartier is by no means a remake of the discontinued “Panthère” from 1987, which was a dense powerhouse-fragrance. If you expect a “parfum de femme fatale”, don’t be disappointed, the new Cartier is civilised and starts with fruity top-notes of apple and rhubarb, quite transparent and not heavy. Then the star of the composition is brought into play, Laurent says it’s gardenia, but it’s not the usual kind of gardenia many of us know. The gardenia in “La Panthère” is understated in its opulence, it’s vague and amorphous, somewhat “unreal”. Fortunately, the floral accord is teamed with oakmoss and musk (a modern fruity chypre?), and when all the notes have unfolded, the perfume seems to glide and fade into the dusk without any jungle snarls. Anyone from 25 to 100 can lose themselves in the subtle elegance of “La Panthère” and seasons don’t pose a problem either, “La Panthère” is equal to any occasion and all climats. For Cartier devotees it fills the gap between the “Eau de Cartier” range with its clean simplicity and the soliflore-composition of “Le Baiser”. “La Panthère” by the great Mathilde Laurent is innovative without being conversely complex, intense without being overwhelming and pervasive without aiming at any great depth. A nice armchair adventure, with the wild animal, la panthère sauvage, at a safe distance.

Der Versuch, einen modernen fruchtigen Chypre zu schaffen, kann als gelungen bezeichnet werden, wenngleich ich selbst Mathilde Laurents Komposition zu “lau” finde.

Rosabotanica” von Balenciaga (2013/14) schließt an den Vorgänger “Florabotanica” an und setzt auf die allseits geliebte Rose, die mir hier allerdings sehr künstlich vorkommt. Der ganze Duft hat eine synthetische Aura, die mich nicht begeistert.

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Und jetzt ein kurzer Überblick über Düfte aus dem Jahr 2014, die wegen ihrer Repetitivität und des sie kennzeichnenden “Gähn-Faktors” wohl nicht lange auf dem Markt bleiben werden:

Langweilig und überflüssig ist Biotherms neustes Erfrischungsspray “Eau fraiche”. Auch nicht viel besser (“Duschgel”-Aroma): Evergreen von Jil Sander. “Escada Born in Paradise” bringt keine Abwechslung, mal wieder ein Obstsalat in der Flasche, “Manifesto L’Eclat” von Yves Saint Laurent ist eben ein Flanker (“Manifesto light”) und bleibt eine süße, klebrige Angelegenheit (“Dessert zum Aufsprühen”). “Brit Rhythm for women” geht neue Wege, will einen modernen Lavendel-Duft mimen, scheitert aber an der Ausführung, “Sol de Bahia” von Lancaster ist eine banale Kokosnuss-Nummer für den WM-Sommer 2014.

Doch den Vogel schießen die neuen Düfte von Karl Lagerfeld ab: Scheußlich! Sie sind beide so stromlinienförmig industriell abgemischte Durchschnittskreationen, daß ich mich frage, ob Lagerfeld sie wirklich selbst jemals gerochen hat, bevor er seinen Namen dafür hergab.

cavalliexotic2Nun, die Fußball-WM wirft ihre Schatten weit voraus, viele Parfumproduzenten meinen, ‘mal wieder mit dem bereits seit Jahren geläufigen Obstsalat-Parfum in mannigfaltigen Variationen punkten zu können. Auch Roberto Cavalli beteiligt sich an dieser Frucht-Meisterschaft und lanciert einen Flanker zu seinem Erfolgsduft aus dem Jahr 2011. Er kommt diesmal in Pink daher und heißt, surprise, surprise“Exotica”.  Laura Biagiotti bringt “Blu di Roma Donna”, einen leicht acquatischen, dennoch fruchtigen Langweiler heraus. Sehr enttäuscht hat mich Balmains Parfum “Extatic”. Von Ekstase keine Spur; es handelt sich um einen lauten und sehr synthetischen, fruchtig-vanillligen Mainstream-Duft. Schade, denn nachdem mir die Re-Orchestrierung von “Ivoire” so gut gefallen hatte, waren meine Erwartungen an den neuen Balmain-Duft hoch. Und last, not least erwähne ich heute noch Guerlain, die einen weiteren Flanker zu ihrem gefälligen Kirsch-Lakritz-Pudding-Duft “La petite robe noire” lanciert haben, “La petite robe noire couture”Couture als Begriff wird hier von Guerlain umgedeutet und heißt: “leider auch mainstream und von der Stange.” Einfallsloser geht’s kaum.

 

 

 

 

 


99 Duftballons – das Parfum-Buch

 

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“99 Duftballons” ist ein kleines, feines Buch für alle Parfum-FreundInnen, SammlerInnen von Flakons und DuftliebhaberInnen, die einen unabhängigen und kritischen Schreibstil schätzen. Wer Spaß daran hat, neue Parfums zu entdecken und alte Duftschönheiten wiederzufinden, dem möchte ich mein Buch sehr empfehlen, das mir als bibliophilem Menschen mehr bedeutet als meine Präsenz hier im Internet.

Durchweg sorgfältig und liebevoll mit wunderschönen Photographien der besprochenen Parfums bebildert, spiegelt “99 Duftballons” meine Tätigkeit als Parfum-Kritikerin wider und ist bewußt zweisprachig gehalten, wobei über 60 Texte in deutscher Sprache abgefaßt sind und der Rest in Englisch, denn auch meine Website ist bilingual.

Sämtliche Parfums, darunter viele Raritäten und Nischendüfte (u.a. von FriedeModin, Frapin, Parfumerie Générale und Atkinsons), aber auch bekannte und beliebte Klassiker von Guerlain oder Balmain, Patou oder Paco Rabanne habe ich selbst benutzt und ausführlich getestet.

Für das hochwertige Hochglanz-Cover des Buches wurden 1000 einzelne Flakons in einer außergewöhnlichen Fotocollage zusammengestellt. Eine wahre Freude und Augenweide für jeden Parfum-Fan.

Das Buch “99 Duftballons” können Sie per e-mail bestellen:

info@perfumeguide.de  

Deckblatt - Werbung Jale 4


Im Dickicht der Düfte oder “how can I cut the crap”?

Ein neues Jahr – und schon läuft die Werbemaschinerie weiter, sie steht ja sowieso niemals still. Neue duftende Industrie-Produkte sind angekündigt, Ankündigungen für die allerneusten Flanker gehen bei mir ein, dabei habe ich noch nicht ‘mal geschafft, die Best-Of-Listen meiner Blogger-Kollegen durchzugehen, die sich auf 2013 beziehen, kenne nicht alles vom letzten Jahr. Stress kommt auf, doch bevor ich diesem Gefühl des Gehetzt-Seins nachgebe, lasse ich Fakten sprechen.

Die Datenbank der größten deutschen Parfum-Community “Parfumo” weist für das Jahr 1968 genau 24 Parfums auf, die in diesem Jahr lanciert wurden. Zehn Jahre später, 1978, waren es 83 Neuerscheinungen. 1988 immerhin schon 144, 1998 lag die Zahl bei 259.

Aber 2008 konnte die Kundin bereits 1256 neue Parfums ausprobieren – und ACHTUNG – letztes Jahr sogar 2451.  Im Schnitt müßte eine Parfumkritikerin täglich bis zu sieben neue Düfte testen, wenn sie alle Neuerscheinungen riechen wollte.  Eine nicht zu bewältigende Aufgabe, vor allem, wenn man bedenkt, daß die meisten dieser Produkte innerhalb von zwei Jahren wieder vom Markt verschwinden, weil sie schlecht, nichtssagend oder die Kopie der Kopie der Kopie von einem erfolgreichen Duft sind. Firmen wie Escada präsentieren jedes Jahr einen neuen Frucht-Duft für junge Frauen, letztes Jahr war es “Cherry in the Air”,

escada_cherry2-9 dieses Jahr wird es “Born in Paradise” sein.

Douglas schickte mir eine Einladung zur “Vor-Premiere”: Ich könnte den Duft jetzt schon (blind!) bestellen, bevor er in ein paar Wochen sowieso überall zu haben sein wird. Nun, ich verzichte gern.

2012 und 2013 wurden auch insgesamt vier Düfte auf den Markt geworfen, die die Popularität der James-Bond-Serie ausschlachten – keiner dieser Langweiler erinnert auch nur im entferntesten an die Kino-Helden. Selbst Flakon und Verpackung sehen billig aus. 007quatum2-8

Jedes Hollywood-Sternchen, jeder Sänger, jeder Teenie-Star vermarktet seinen Namen mittels eines Duftes:

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Justin Bieber, z.B., bringt auch jährlich mehrere Düfte heraus, die fast alle identisch riechen, von Beyoncé, Jennifer Lopez, Katy Perry, Rihanna, Christina Aiguliera, Nicki Minaj etc. ganz zu schweigen.

Die Fülle an billigen “aromachemicals”, die z.B. in Deutschland von Symrise hergestellt werden, ermöglicht die Produktion von immer neuen, stets identisch riechenden Wässerchen. Sie sind vom Duft her auswechselbar, während ihre Verpackungen/Flakons immer bunter und aufwendiger werden.

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“Aromachemicals” von Symrise finden sich nicht nur in Düften zum Aufsprühen, sondern auch in Schokolade (siehe die aktuelle “Ritter-Sport-Debatte”) , Joghurt, Müsli, Tee und Fruchtsäften. Unser gesamter Alltag scheint “durcharomatisiert” zu sein. Was diese zugesetzten Aromen für unsere Gesundheit bedeuten, vermag ich nicht zu beurteilen, doch  positiv werden sie sicherlich nicht auf den Organismus wirken.

Ich nehme zudem wahr, daß seit einiger Zeit besonders Weichspüler Trends aus der Mainstream-Parfümerie aufgreifen. Sie riechen jetzt auch schon wie gängige “Fruity-Florals” oder behaupten, ihre Verwendung sei so gut und sicher wie “natürliche Aromatherapie”.

Kein Wunder, daß es immer mehr Menschen gibt, die den künstlich parfümierten Alltag ablehnen und die Marketing-Strategien der Chemie-Giganten durchschauen. 2451 neue Parfums aus dem Jahre 2013 sind garantiert nicht 2451 neue olfaktorische Kunstwerke, die in jahrelanger Feinarbeit von begnadeten Parfümeuren kreiert worden sind, sondern die Zahl steht vor allem für eine Expansion der chemischen Industrie, die es geschafft hat, Parfum zu einem billigen Massenprodukt zu machen, das riesige Profite erzeugt.

Für dieses Jahr sind bereits folgende Neulancierungen angekündigt: Cool Water Night Dive, Endless Euphoria, Eau de Lacoste Sensuelle, La petite robe noire Couture, La tentation de Nina, Hilfiger Woman Flower Rose, Manifesto L’Eclat, Signorina Eleganza…

es sind fast auschließlich “Flanker”, also Variationen des schon längst Gesagten, Wiederholungen des Themas aus dem letzten Jahr in leicht anderer Verpackung mit einem neuen Untertitel. ‘Mal sehen, wieviele Neuerscheinungen am Ende des Jahres 2014 in den Datenbanken gelistet sein werden. Mehr als 2500? Ich befürchte es. Und weigere mich, diese Flut an Industrieprodukten auszuprobieren. Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes die Nase voll.