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Der Parfum-Blog

Archive for the ‘Blick in meine Sammlung’ Category

Der Parfumflakon zwischen Kunst und Kommerz

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Duft und Liebe gehören für mich zusammen. Wie oft passiert es doch, daß der geflügelte Knabe Eros mit seinen unsichtbaren Pfeilen auf uns Menschen schießt und wir betört sind von einer zunächst undefinierbaren Aura, einem unsichtbaren Charme. Zu dieser unsichtbaren Aura gehört der Geruch. Manche Menschen verfügen über einen so angenehmen Eigenruch, daß ein Parfum sogar störend wirken würde, andere wiederum verbinden ihren eigenen Geruch geschickt mit dem Duft eines besonders gut passenden Parfums. Fest steht jedoch, dass unser Geruchssinn der archaischste unter unseren Sinnen ist.
Schon Neugeborene erkennen ihre Mutter und deren Milch am Geruch. Eltern tragen ihr Baby instiktiv so, daß sie seinen Duft an Kopf und Hals wahrnehmen können. Auf diese Weise wird die gegenseitige Bindung per Geruchssinn tief im Gehirn verankert. Kommt das Kind in die Pubertät, dient die Nase wieder als Wegweiser: Bei der Auswahl des Liebespartners spielt der natürliche Geruch eine große Rolle. Jene Kandidaten, deren immunologisches Profil dem eigenen am wenigsten ähnelt, werden als am attraktivsten empfunden. So wird der Genpool des zukunftigen Kindes aufgefrischt.

 

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Doch wenn der körpereigene Geruch so wichtig ist, wozu dann überhaupt Parfum?
Nun, zunächst sind ja leider nicht alle Körpergerüche angenehm. Menschen salben sich seit Jahrtausenden, um ihren Geruch zu optimieren, um unangenehme Gerüche zu überdecken und natürlich vor allem auch um erotische Signale auszusenden.

Außerdem: Jedes Parfum braucht ein Gefäß – und hier sind wir endlich beim ganz augenfälligen Thema dieser Ausstellung angelangt, dem Parfumflakon.

Um das Parfum herum ist seit circa 50 Jahren ein großer internationaler und extrem kreativer Designmarkt entstanden. Die Komplexität der Branche ist erstaunlich. Auch ihr Kundenkreis ist umfassend: Schon Kinder sind ganz klar als Zielgruppe der Werbeagenturen und Parfumhersteller definiert worden.

Die Idee zu dieser Ausstellung entstand daher durch das umfangreiche Flakonmaterial, das es gerade auf dem Kinderkosmetiksektor seit Jahren gibt. Dabei sind die Grenzen zwischen „Spielzeug“ und Flakon fließend, denn manche Hersteller offerieren ihre Düfte in Gefäßen, die Teddy-oder-Hasenköpfe aufweisen oder beliebten Figuren aus der Märchenwelt nachempfunden sind. Das Kind soll schon früh an den Konsum von Parfums herangeführt werden. Was liegt da für die Hersteller näher als ein Duft im vertrauten Barbie, Mickey-Mouse oder Spiderman-Look?

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Bereits im 19. Jahrhundert waren Flakons als bürgerliches Accessoire und Luxusobjekt, welches auf eine höfische Vergangenheit verwies. Daher finden sich auch im Hessischen Puppenmuseum Spielzeuge, die einen Bezug zur Parfümerie haben, z.B. eine ganze Parfümerie-Abteilung in einer historischen Puppenstube.
Unsere Parfum-Flakonausstellung zielt mit sehr sichtbaren Reizen auf ihre Beuscher und Besucherinnen. Was ich über Kunst und Geschichte weiß, habe ich nicht nur aus Büchern und der Uni, sondern auch von Trödelmärkten und aus Antiquitätenläden. Wir alle lernen vor allem an leibhaftigen Gegenständen, die man berühren kann. Auch ein Massenprodukt wie ein Parfumflakon wird durch den Gebrauch zu einem Unikat. Als dreidimensionales Objekt ist ein Flakon ein Gegenstand zum Anfassen, der uns etwas über Designstile, Modetrends und Konsumgewohnheiten sowie über Geschlechterbeziehungen verrät.

 

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Als Gegenstände in einem Museum sind Flakons keine flüchtigen Werbebilder, die man z.B. am Computer einfach wegklicken kann, sondern eine reale Präsenz, die durch die einzigartigen Collagen, die der Fotograf Roland Richter geschaffen hat, noch verstärkt wird.

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Der schöne Duft selbst ist unsichtbar, doch die Gestaltung des Flakons macht aus einem optisch nichtssagenden Stoff, einer meist eher blassen, leicht öligen Flüssigkeit, ein Objekt, das Wünsche und Träume wachruft.

Daher nimmt es nicht Wunder, daß namhafte Künstler für die Parfumindustrie Flaschen entworfen haben.
Salvadore Dali z.B. entwarf den Flakon für „Le Roi Soleil“ von Schiaparelli. Der russische Künstler Kasimir Malevitch designte den Flakon für das EdCologne „Severny“. Der Entwurf stammt aus dem Jahr 1909 und zeigt einen Eisbären auf einer Eisscholle. Auch diesen Flakon können Sie hier bei uns im Museum bewundern.

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Natürlich müssen wir auch Rene´Lalique erwähnen, dessen Flakons außergewöhnliche Objekte des Art Déco darstellen.

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Die Stilrichtung des Art Déco läßt sich zeitlich nicht genau festlegen, wenn es um Flakongestaltung geht. Bestimmten Ornamenten, wie den organischen Parallellinien oder der extremen Stilisiertheit der figürlichen Motive, begegnet man auf dem Flakonsektor noch heute.

Wenn man von Flakondesign spricht, muß man Pierre Dinand nennen. Der 1932 geborene Franzose ist einer der berühmtesten Gestalter weltweit, über 500 Flakons stammen aus seinem Atélier, darunter so stilbildende Flaschen wie die für „Calandre“ von Paco Rabanne (1968), wo er zum ersten Mal eine Verbindung zwischen Glas und Metall realisierte, oder auch die Verbindung von Nylon und Glas für „Opium“ von YSL (1977).

In Deutschland ist es vor allem der Designer Peter Schmidt, der Flaschen für Jil Sander, Hogo Boss, Chopard, Joop und Gucci entworfen hat, als führender Kreativkopf zu nennen. Schmidts Flakon für Jil Sander No. 4 von 1984 befindet sich mittlerweile im Museum of Modern Art in New York (aber natürlich können Sie ihn auch in unserer Ausstellung heute bewundern).

Flakons repräsentieren die unterschiedlichsten Kunststile und Epochen. Neue Materialien wie Kunststoff kommen seit den 70er Jahren verstärkt zum Einsatz. Aber auch ältere Entwürfe werden immer wieder aufgegriffen und abgewandelt.

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So ähnelt z.b. der Flakon von Sun, Moon and Stars von Lagerfeld dem Flakon von „Dans la Nuit“ von Worth aus dem Jahre 1925.
Jean-Paul Gaultier erwarb die rechte an Elsa Schiaparellis Flakon „Shocking“ von 1937 und schuf nach diesem Flakonvorbild seine eigenen Parfumflaschen.

Die Kunst der Parfumpräsentation reflektiert stets den Zeitgeist.
Daher kann man gerade an dem stark wachsenden Markt für Kinderparfums einen gesellschaftlichen Trend ausmachen, den man durchaus kritisch sehen sollte.
Verkaufsförderung steht meist im Mittelpunkt der Aktivitäten der Industrie. Es liegt nicht in ihrem Interesse, unser Verständnis der Welt durch Analyse und Information zu vertiefen. Gerade wenn man sich hier im Museum die Fülle der Kinderparfums vor Augen führt, kann man über das Verhältnis von Kunst und Kommerz reflektieren.
Unsere Ausstellung spielt bewußt mit dem Verhältnis von Kunst und Kommerz und will Sie dazu anregen, sich zu diesem Thema Ihre eigenen Gedanken zu machen.

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Flakondesign oszilliert oft zwischen Kitsch und Kunst, zwischen Eleganz, understatement und Geschmacklosigkeit. All dies bildet unsere Ausstellung ab.

Daß die Industrie besonders gern an „archetypische Dufterlebnisse“ anknüpft, zeigt sich in dem Versuch, schon Kinder als Konsumenten heranzubilden.
Im „Dictionnaire des sciences médicales“ aus dem 19. Jahrhundert findet sich folgende Definition:
„Der Geruchssinn ist der Sinn der zärtlichen Erinerungen“.

Der Flakon selbst verkörpert die Schnittstelle zweier Welten. Einerseits ist er den Konsumanforderungen unterworfen, andererseits aber gehört er auch einer künstlerischen, kreativen Welt an. Wir laden Sie herzlich ein, diese Schnittstelle in unserer Ausstellung für sich zu entdecken und wünschen Ihnen viel Vergnügen!

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Ab 10.5. in Hanau: Die bunte Welt der Parfumflaschen – Flakons für Groß&Klein, Spielzeugflaschen für Kinder und Puppen

Jedes Parfum braucht ein Gefäß, einen Parfumflakon, der den Duft und dessen Botschaft widerspiegelt. Bereits im 19. Jahrhundert entstand eine große Bandbreite von künstlerisch wertvollen Flakons, die als bürgerliches Accessoire und Luxusobjekt, welches auf eine höfische Vergangenheit verwies, sehr begehrt waren.
Mit Beginn der industriellen Produktion von Parfums ist seit circa 80 Jahren ein großer internationaler und extrem kreativer Designmarkt entstanden, der wächst und wächst.

 

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Die Komplexität der Branche ist erstaunlich. Auch ihr Kundenkreis ist umfassend: Schon Kinder fallen ganz klar in den Zielbereich der Werbeagenturen und Parfumhersteller.

 

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Das umfangreiche Flakonmaterial, das es gerade auf dem Kinderkosmetiksektor seit Jahren gibt, bildet daher den Ausgangspunkt für eine Ausstellung mit Parfumflakons, die am 10.5. 2015 im Hesssischen Puppen-und-Spielzeugmuseum eröffnet werden wird.

“Die bunte Welt der Parfumflaschen: Flakons für Groß&Klein, Spielzeugflaschen für Kinder und Puppen”  (vom 10.5.- 4.10. 2015 in Hanau).  

 

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Offensichtlich sind die Grenzen zwischen „Spielzeug“ und Flakon fließend: manche Hersteller offerieren ihre Düfte in Gefäßen, die Teddy-oder-Hasenköpfe aufweisen oder beliebten Figuren aus der Märchenwelt nachempfunden sind.

Doch die Parfum-Flakonausstellung in Hanau zeigt nicht nur Flakons für Kinder.

Als dreidimensionales Objekt ist ein Flakon ein Gegenstand zum Anfassen, der uns etwas über Design-Stile, Modetrends und Konsumgewohnheiten sowie über gängige Geschlechterbeziehungen verrät. In einem Museum sind Flakons keine flüchtigen Werbebilder, die man wie am Computer einfach wegklicken kann, sondern eine reale Präsenz, die durch großformatige Collagen noch verstärkt wird.

 

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Das Parfum selbst ist als olfaktorische Substanz unsichtbar, doch die Gestaltung des Flakons macht aus einer meist blassen, leicht öligen Flüssigkeit, ein Objekt, das unterschiedliche Wünsche und Träume wachruft. Ohne sein Kleid ist ein Parfum unverkäuflich und volatil.

 

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Daher nimmt es nicht Wunder, daß namhafte Künstler für die Parfumindustrie Flaschen entworfen haben.
Salvadore Dali z.B. entwarf den Flakon für „Le Roi Soleil“ von Schiaparelli. Kazimir Malevitch designte einen Eisbär-Flakon. Gerhard Richter hat leider noch keinen Flakon gezeichnet. Aber vielleicht kommt das noch ….

 

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Flakons repräsentieren die unterschiedlichsten Kunststile und Epochen. Neue Materialien wie Kunststoff kommen seit den 70er Jahren verstärkt zum Einsatz. Aber auch ältere Entwürfe werden immer wieder aufgegriffen und abgewandelt (sehr gut zu sehen bei der Firma Lalique oder an den verschiedenen Entwürfen für “L’Air du temps” von Nina Ricci).

 

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Die Kunst der Parfumpräsentation reflektiert stets den Zeitgeist. Daher kann man gerade an dem stark wachsenden Markt für Kinderparfums einen gesellschaftlichen Trend ausmachen, den man durchaus kritisch sehen sollte. Ich denke, daß Verkaufsförderung immer im Mittelpunkt der Aktivitäten der Industrie steht. Es liegt nicht in ihrem Interesse, unser Verständnis der Welt durch objektive Analyse und Information zu vertiefen. Gerade wenn man sich daher in einem musealen Kontext die Fülle der Kinderparfums vor Augen führt, kann man über das Verhältnis von Kunst und Kommerz trefflich reflektieren.
Flakondesign oszilliert zwischen Kitsch und Kunst, zwischen Eleganz, understatement und Geschmacklosigkeit. Die neue Ausstellung im Hessischen Puppenmuseum spielt bewußt mit diesem spannenden und manchmal schwierigen Verhältnis von Kunst und Kommerz und will die Besucher dazu anregen, sich zu diesem Thema ihre eigenen Gedanken zu machen.

 

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Die Industrie geht extrem raffiniert vor, indem sie an archetypische Dufterlebnisse anknüpft, und versucht, Kinder gezielt als Konsumenten heranzubilden. Schon im „Dictionnaire des sciences mécicales“ aus dem 19. Jahrhundert findet sich folgende Definition:
„Der Geruchssinn ist der Sinn der zärtlichen Erinerungen“. Wer in der Kindheit positive Erlebnisse mit Parfum verbindet, der wird auch als Erwachsener weiterhin gern Düfte konsumieren. Der Flakon verkörpert im Kontext des Dufterlebens die Schnittstelle zweier Welten. Einerseits ist er den Konsumanforderungen unterworfen, andererseits aber gehört er auch einer künstlerischen, kreativen Welt an.

Wir laden Sie herzlich ein, diese Schnittstelle ab dem 10.5. 2015 in Hanau  für sich zu entdecken!

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Die Parfumflakon-Ausstellung ist ein Fest für die Augen, das natürlich auch Lust macht, die Parfums mit der Nase zu entdecken! Hierzu wird es im Laufe der Ausstellung im Rahmen von Workshops unter der Leitung von Dr. Jale Richter die Möglichkeit geben.

Mehr Infos und Termine zu den Workshops demnächst in diesem blog.

Infos auch hier: http://www.frankfurt-live.com/front_content.php?idcat=11&idart=79250

 


Lalique-Flakons: Die perfekte Synthese von Parfum und Design

Frankreich verdankt den Korsen so einiges. Als der Jahrhundertparfumeur Francois Coty (geboren im Jahre 1860 als Francisco Giuseppe Spoturno auf Korsika) sein Geschäft auf der Place Vendome in Paris eröffnete, hatte er ziemlich schnell den genialen Einfall, den Glaskünstler René Lalique mit ins Boot zu holen.  Die Zusammenrabeit zwischen Lalique und Coty erwies sich als extrem fruchtbar und produktiv, denn die Idee, Parfum in einem eigens für eine bestimmte Sorte angefertigten Flakon als fertiges Gesamtprodukt zu verkaufen, war relativ neu.

Man muß sich klarmachen, daß vor Coty die KundInnen ihren Duft fast immer in eher einfachen Glasflaschen beim Parfumeur ihrer Wahl erwarben, um ihn dann in einen persönlichen Schmuckflakon umzufüllen. Coty präsentierte seine Parfums in Flakons von Lalique, die so schön waren, daß sich ein Dekantieren in andere Behältnisse erübrigte.

Schon 1909 designte Lalique für Coty die ersten Flakons (“Cyclamen”), und da Laliques und Cotys Produkte sehr gut ankamen, folgten flugs Aufträge anderer Parfumhäuser, z.B. von Roger&Gallet im Jahre 1910 (“Cigalia”) oder von D’Orsay 1911 (“Ambre D’Orsay”).

Rosine und Worth beauftragten Lalique ebenfalls mit der Herstellung von Flakons, und Lalique eröffnete 1921 eine Glasfabrik in Wingen-sur-Moder (in der Nähe von Strasbourg), die noch heute besteht.

Auf der Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes in Paris im Jahre 1925 gewann Lalique viele Preise und erntete höchste Anerkennung mit seiner Kunst. Nach René Laliques Tod am 5. 5. 1945 übernahm sein Sohn Marc die Fabrik.

Die berühmteste Parfumflasche, die Lalique jemals produziert hat, ist die ikonische Taubenflasche (Deux colombes) für “L’Air du temps” aus dem Jahr 1947. Das Design wird auch heute noch verwendet und variiert:

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L’Air du Temps Flakon von Designer Philipp Starck (liegend, links).

 

In den 70er und 80er Jahren produzierte Lalique 50% aller Flakons für Nina Ricci, eine großartige Zeit für Sammler, denn die Flakons waren gemessen an heutigen Preisen noch relativ erschwinglich.

Der Schoenste (16 von 12) Hier der Lalique-Flakon von “Farouche”.

NinaaltOder der Flakon für “Nina” (heute leider ein ganz anderer Duft).

Nina Ricci Parfums werden heute auch noch in sehr hübschen Flakons angeboten, doch ist der Flakonhersteller schon lange nicht mehr Lalique – und die meisten Flaschen haben Stöpsel und Verschlüsse aus Plastik.

Nicht so die Parfumflakons, die von der Firma “Art&Fragrance” herausgebracht und die auch heute noch von Lalique in Wingen-sur-Moder in Handarbeit aus Kristall mundgeblasen werden:

 

 

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Der Schoenste (13 von 17)Der Schoenste (25 von 17-02)

Hier die limitierte Edition “Deux Paons” von Lalique aus dem Jahre 2014.

 

 

Lalique (17 von 24)Lalique (19 von 24) Hier die Edition “Cascade” aus dem Jahre 2010.

sherazadeLallick Tag (8 von 40)Lallick Tag (14 von 40)Und last not least die Edition 2008 im Flakon, der den Namen “Shéhérazade” trägt.

Die Parfums, die unter dem Label “Lalique” produziert werden, sind allesamt starke und eigenständige Kreationen. Lalique (31 von 22)

Auch die Herrendüfte sind empfehlenswert. Hier werden heute beim Flakon-Design u.a. Motive benutzt, die Lalique ab 1925 für die Motorhauben/Kühler von Luxuslimousinen entworfen hatte.

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Bei den Damendüften muß man natürlich den großen Klassiker “Lalique de Lalique” hervorheben, einen eleganten Blumenduft, der manchen vielleicht ein bißchen “madamig”  vorkommt, den ich persönlich aber wesentlich ansprechender finde als so manche moderne Nischen-Komposition, die zumeist in einer öden puristischen, rechteckigen Glasflasche steckt. “Lalique de Lalique” ist zudem eine Kreation der großartigen Parfumeurin Sophia Grojsman, die meiner Meinung nach noch nie ein schlechtes Parfum komponiert hat.

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Lalique (30 von 24) Hier das Eau de Parfum im Zerstäuber und das Extrait im limitierten Kristallflakon. Lalique (25 von 24)

 

Wer einen hochwertigen Duft in einem außergewöhnlich Gewand sucht, wird bei Lalique stets das Besondere finden.

 

 


Gib mir Tiernamen!

pantheregeilImmer wieder muß die arme gequälte Tierwelt herhalten, wenn es gilt, einen angeblich umwerfenden, atemberaubenden, erotischen “Ultraduft” zu vermarkten. Besonders beliebt sind Großkatzen, die wir oft mit besonderer Klasse, Geschmeidigkeit, Raffinesse, Kraft und Exotik verbinden. Fabergé brachte schon 1938 ein Parfum mit dem Namen Tigress heraus und auch im Jahre 2006 hatte der Löwe als Assoziationsträger noch nicht ausgedient, wenn auch nur in dem verniedlichenden Parfumnamen Let me play the lion von LesNez. 

leopradDoch es gibt auch Leoparden, Antilopen (seltsamer Ausreißer: Antilope Weil, 1945, bis heute verstehe ich den Namen Antilope im Kontext mit einem Parfum nicht) und einige Tiger in der bunten Welt der Parfumfläschchen.

Espritdutigre Heeley beschwört den “Geist des Tigers” (ja, dieser Duft riecht wirklich nach dem bekannten Tigerbalsam), und Kenzo brachte in den 90er Jahren eine Tigerin als Ergänzung zum Elefanten (leider schon vom Markt verschwunden, diese Katze, obwohl sie gut roch!)

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Kenzos Duft, der seit 1996 auf dem Markt ist und angeblich aus dem Dschungel kommt, riecht stark nach Pflaume und Zimt, und dies so unverwechselbar und stark, daß andere Parfum-Tiere nicht gegen ihn anstinken können. Ein echter Elefant eben. KenzoElephant

Heute würde wohl kein Mainstreamduft mehr auch nur den Hauch einer Chance auf dem Markt haben, wenn er so individualistisch und brachial daher käme wie Kenzo Jungle Elephant. Zwar sind Wildtiere und hier besonders Raubkatzen weiterhin schwer en vogue, doch kann der neue Panther-Duft von Cartier (2014) trotz einer extrem aufwendigen Werbekampagne und einem klobig-protzigen Flakon nicht halten, was der Name verspricht.  Noch vor einigen Tagen las ich einen Reklametext zum Produkt, der die Bezüge zwischen dem Panther-Motiv in Cartiers Schmuck-Kollektionen und dem neuen Parfum verdeutlichen sollte. Schmuckstücke mit Panther-Ornamenten gibt es bei Cartier schon seit fast 90 Jahren. Interessanterweise wurde in der Werbung mit keinem Sterbenswörtchen der alte Panther-Duft erwähnt, der anno 1978 das Licht der Welt erblickte und sehr viel ausdruckskräftiger war als das neue “Pantherin-Wasser”.  Der frühere Duft enthielt zum Glück keinen Rhabarber in der Kopfnote (ich mag dieses “Gemüse” oder ist es gar “Obst” ??? absolut nicht leiden). Rhabarber verleiht dem neuen Panthere-Parfum einen metallischen Touch, was schade ist, denn von der Grundkomposition her ist Mathilde Laurents Raubkatzen-Kreation gar nicht verkehrt. Nur will dieses Parfum eben too much. Vergeblich bemüht es sich, die “eierlegende Wollmilchsau” der modernen Mainstream-Parfümerie zu verkörpern: frisch, aber nicht zu frisch, blumig, aber nicht dominant floral, leicht ledrig-chyprisch, aber nicht zu streng, ein bißchen erotisch, aber nicht zu vulgär, transparent, aber nicht zu leicht…

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Man braucht als ParfumeurIn wahrscheinlich die Weisheit einer Eule, um all den Ansprüchen gerecht zu werden, die an eine große Neulancierung heute gestellt werden. Oder man gibt Tiernamen, die einfach nur süß sind und vergißt den ganzen Exotik-Erotik-Kram! Hello Kitty, Bambi, Kaloo – willkommen beim Festival der Niedlichkeiten!

 BambiHelloKittywomanKalooTeddytasmaninadevilOkay, der Tasmanian Devil ist nicht niedlich! Er riecht aber harmlos. Fast so wie das Schäfchen von Avon SchafAvonUnd dann gibt es ja noch die unzähligen cats.

Die heimlichen Heldinnen der Tiernamen-Parfümerie, die harmlosen Hauskatzen! Anders als die Tiger und Panther, die Löwen und Leopraden, riechen die Kätzchen fast alle freundlich und fruchtig-floral. “Pussy Deluxe” tut sich hier als brand name besonders hervor, im englischen Sprachraum ist die Marke aufgrund ihres ziemlich “amüsanten” Namens nicht so beliebt wie bei uns, aber spätestens seit “Pussy Riot” sollten auch Deutsche wissen, was “pussy” auf Englisch neben Kätzchen noch bedeutet… 

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Hier “Purr” (Schnurr) mit Flanker KatePerrykateperrycatrosa

und natürlich – Tierwechsel- ein Häschen für die ganz Kleinen: Kinderhasekaloo

Tierliebe Männer können sich wahlweise an einem Flakon mit Pferdekopf delektieren

Laliquepourhommepferdoder auch am berühmten Krokodil Essentialsportcrocodile – nur leider tragen diese Düfte gar keine Tiernamen, was mich zu der Vermutung veranlaßt, daß Werbestrategen meinen, daß Frauen eher auf Animalisches stehen als Männer. 

In der Vergangenheit waren es jedoch manchmal auch sehr unschuldige, untypische Tiere, die von der Parfumindustrie für ihre Zwecke eingespannt wurden:ColibriDralleKolibris oder gar Hundeflakon –  kleine Hunde. 

Wer einen sehr individuellen, nachfüllbaren Flakon sucht und ungefährt 500 Euro dafür ausgeben möchte, kann sich in Wien in einer Porzellanmanufaktur umschauen, wo ich  kürzlich dieses ausgefallene Objekt entdeckte:

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Und wem der ganzen Hype um Tiernamen in der Parfümerie am Allerwertesten vorbei geht, der sollte einfach das folgende Gedicht lesen. Sagt mehr als 1000 Panther-Parfums…

Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris


Eye Candy Part II: Violins, Angels, Love &Luck

Es gibt sogar Weihnachtsbaumkugeln, die kleine Parfumfläschchen beherbergen. Das weiß ich allerdings erst, seitdem ich vor einigen Tagen von einer Parfumflakon-Sammlerin, mit der ich in regem Ausstausch stehe, folgendes geschenkt bekam:

Boticelli

 

Avon bietet seit Jahren entzückende Sammelobjekte, z.B. diesen Engel mit Geige. Er ist mit dem Duft “Soft Musk” gefüllt. Avon Engel1 Auch diesen Flakon erhielt ich von meiner Sammler-Freundin. Er paßt wunderbar in unseren musikalischen Haushalt (Geige, Cello und Klavier).

Violon de Vienne So wie auch dieser Mini-Flakon aus Wien, dessen Inhalt übrigens umwerfend gut duftet! Ein fruchtiger Chypre.

TabuDanaDas kann man von “Tabu” (von Dana) nicht behaupten, auch wenn der Flakon mir überaus gut gefällt, weil er ebenfalls ein Streichinstrument darstellt.

Notenschlüssel Dieser Schmuckflakon ist ein weiteres Highlight meiner Sammlung, das Musik und Parfums verbindet. So wie auch dieser Billigduft aus den Niederlanden, der “Love Song” heißt und fast so duftet wie “L’AIr du temps”.

 

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  Deckblatt PerfumeguideProfumo” von Aqua di Parma ist ebenfalls ein Hingucker, hier weihnachtlich mit einem Engelchen kombiniert.

 

Munich2 Hier nochmal “Munich” von Ricarda M, riecht unspezifisch fruchtig-blumig, kommt aber in einem niedlichen Engel-Flakon daher.

 

almsot6Almost Innocent” von Vive Maria könnte man als ironischen Kommentar auf das sich immer mehr zum gigantischen Konsum-Festival entwickelnde Weihnachten verstehen…  (muß man aber nicht). Am besten, man setzt (inhaltlich!) auf LOVE& LUCK!  Love and Luck Das braucht man immer.

In diesem Sinne: See you next year! 

31ruecambon2 Für die stilvolle Parfümierung zum Fest oder  Jahreswechsel empfehle ich z.B. “31 Rue Cambon” von Chanel

joypatouJoy” von Patou (hier im Vintage-Flakon) oder

lanuit3  “La Nuit” von Paco Rabanne, einen meiner absoluten Lieblingsdüfte.

 


Eye Candy Part I

Im Advent zeige ich Euch heute und nochmals ganz kurz vor Weihnachten einige schöne Objekte aus meiner Flakon-Sammlung:

08.01. Neues Jahr (57 von 225)“Metallica” von Guerlain

 

08.01. Neues Jahr (34 von 225)“Boucheron” in einem goldenen Flakon

 

08.01. Neues Jahr (148 von 225)“Chamade” als “Doppelherz”

 

12.01. Neues Jahr (75 von 245)“Fendi Palazzo”

 

12.01. Neues Jahr (117 von 245) Ensemble I

 

Lallick Tag (5 von 40) “Shéhérazade” von Lalique, enthält 30 ml des Parfums “Lalique de Lalique”

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Lallick Tag (30 von 40)“Ananda Black” von Micallef

 

Pengs neu heute (51 von 182)“Or des Scythes” von Novaya Sarya

 

Parrfums neu (16 von 90)“L’instant Magique” von Guerlain

 

ensemble5 Ensemble II

 

Mammut-Shooting Parfums (131 von 132) Ensemble III

Mammut-Shooting Parfums (121 von 132)Ensemble IV

 

02.02.2013 - Parfums (21 von 27-02) “Parure” von Guerlain, ein Duft, den ich schmerzlich vermisse, seitdem er vor einigen Jahren eingestellt wurde. In diesem Flakon ist noch ein Rest, der leider nicht ewig halten wird… – aber das liegt in der Natur der Sache. Die Flaschen können lange aufbewahrt werden, die Düfte selbst gehen nach einiger Zeit kaputt.

Vorbeugend kann man sie allerdings im Kühlschrank “lagern”, dort halten sie ein Leben lang. Der echte Freak schafft sich zu diesem Zweck einen eigenen kleinen “fridge” an, den er auf 10 Grad temperiert. Denn wer will schon im Kühlschrank anstelle der Soja-Sauce aus Versehen ein Fläschchen “Youth Dew” greifen?  Da ist jeder noch so verständnisvolle Partner schnell genervt, wenn er im Butterfach kleine Parfum-Fläschchen findet und diese dann aufgrund einer ungeschickten Bewegung seinerseits auslaufen und sich über den “Le Tartare” ergießen. Man sollte olfaktorische Kunstwerke und kulinarische Genüsse im Wohnbereich strikt trennen. Schon aus Rücksicht auf die Mitbewohner. Und zum Schutz der wertvollen Parfums.

 


Blick in meine Sammlung: Russische Vintage-Parfums

 

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Heute noch echte Parfums aus Zeiten der Sowjetunion aufzutreiben, ist gar nicht so einfach. Ich habe den Vorteil, schon im Jahre 1982 (als Schülerin) mit einer Gruppe nach Moskau, Leningrad und an den Baikal-See gereist zu sein und damals bereits Parfumflakons gesammelt zu haben. Einige Exemplare in meiner Sammlung sind daher echt „vintage“ – und alle bringen sie Erinnerungen zurück.

Als Mädchen aus Westdeutschland verblüffte es mich zunächst, daß die meisten Parfums, die ich 1982 teilweise für weniger als einen Rubel kaufen konnte, so extrem blumig und aus meiner damaligen Sicht als Teenager „damenhaft“ rochen. Keiner der Düfte gefiel mir, aber die Flakons wollte ich trotzdem für meine Sammlung. Irgendetwas mit „СССР“ stand auf den Verpackungen drauf (damals konnte ich noch kein Russisch, das kam später). Und so besitze ich noch heute einen Flakon von «Русь» (Rus) oder von “Sardonisk”.

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Als ich 1991 gerade nach der Wende in die sich auflösende Sowjetunion reiste, gab es dort bereits eine Vielzahl von französischen und US-amerikanischen Parfums, doch diese interessierten mich als Sammlerin nicht. Ich wollte etwas „Landestypisches erwerben. Also schenkte mein damaliger russischer Verlobter mir „Rotes Moskau“, einen Duft, den er übrigens selbst ganz schauderhaft fand. Offensichtlich roch man ihn in Rußland an jeder Ecke und vor allem an „älteren Matronen“ (sein Eindruck damals), für mich war „Rotes Moskau“ komplett neu und gefiel mir in seiner Schwere und nelkenlastigen Würze sogar gut.

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Wie ich heute weiß, ist „Moscow Rouge“, das immer noch hergestellt wird, leider in den letzten Jahren verwässert worden. Die Version, die ich 2012 kaufte, kann man nicht mit der aus dem Jahr 1991 vergleichen. Zudem ist, was viele vielleicht nicht glauben mögen, für meine Nase eine Tatsache: Die sowjetischen Parfums enthielten hochwertige Zutaten, z.B. hohe Anteile an natürlichen Blütenölen und die Produktionsstandards wurden vom Staat hochgehalten. Wenn ich betrachte, was die Firma Novaya Zarya, die heute die meisten russischen Düfte herstellt, jedes Jahr auf den Markt wirft, ist leider von Qualität nicht mehr viel zu spüren. Alle Klassiker sind reformuliert worden (z.B. auch Russkaya Krasavitza oder Taina).

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Warum sollten es die Moskauer Firmenchefs anders machen als die großen weltweit agierenden Chemiekonzerne? Doch gerade die Russen hätten auf dem Parfumsektor ein großes kulturelles Erbe zu bewahren und einen Ruf zu verteidigen. Die Firma „Bokard“ (Брокар), aus der Novaya Zarya hervorgegangen ist, wurde 1864 gegründet. 1889 gewann die Firma auf der Weltausstellung in Paris z.B. eine Goldmedaille für den Duft«Персидская сирень» (Persische Sirene).

Heute rümpfen die meisten Russinnen und Russen nur die Nase, wenn ich sie auf Parfums aus ihrem Heimtland anspreche. Dabei geben sie Unmengen an Geld für Düfte und Kosmetik aus; gerade die extrem teuren Marken wie Clive Christian oder Xerjoff stehen dort hoch im Kurs. Parfümerien gibt es in den Großstädten auf Schritt und Tritt („gefühlt“ viel mehr als in Deutschland) und ich kenne keine einzige Russin, die sich nicht parfümiert. Doch wer will schon nach dem Parfum der Babuschka riechen, das es bereits zu Stalins Zeiten gab (nämlich „Rotes Moskau“)? Die sowjetischen Düfte sind ideologisch belastet; kaum jemand, der aus der damaligen UdSSR stammt und über 40 Jahre alt ist, kann sich diesen Parfums zuwenden, ohne den Hintergrund mitzubedenken oder gar „mitzuriechen“. Auf der anderen Seite lese ich in der letzten Zeit oft euphorische Kommentare von Sammlern, die bei der Beschreibung von Düften aus der UdSSR in Klischées schwelgen. Es fängt mit der „russischen Seele“ an und hört mit endlosen Beschreibungen einer von den meisten noch niemals bereisten, aber mit Fantasie und Vergnügen imaginierten Taigalandschaft inklusive Holzhäuschen und Wodkagelage auf.

Was mich zu der Frage verleitet: Falls es einen „Nationalcharakter“ gibt, bildet er sich dann etwa in Parfums ab? Wie aufgeladen mit Stereotypen sind Düfte und unsere Wahrnehmungen derselben?

65letrusskajaschal2Parfums 19.11.13 (33 von 28)

Ach ja, ich bin übrigens eine überzeugte Anhängerin von „blind tests.“ Wie gern würde ich jedes Parfum grundsätzlich BLIND testen. Ohne Angabe des Herkunftslands, des Namens, des Parfümeurs, der Inhaltsstoffe und des Preises. Zu diesem Bekenntnis paßt zum Schluß das gleichnamige Parfum… 

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