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Der Parfum-Blog

Gib mir Tiernamen!

pantheregeilImmer wieder muß die arme gequälte Tierwelt herhalten, wenn es gilt, einen angeblich umwerfenden, atemberaubenden, erotischen “Ultraduft” zu vermarkten. Besonders beliebt sind Großkatzen, die wir oft mit besonderer Klasse, Geschmeidigkeit, Raffinesse, Kraft und Exotik verbinden. Fabergé brachte schon 1938 ein Parfum mit dem Namen Tigress heraus und auch im Jahre 2006 hatte der Löwe als Assoziationsträger noch nicht ausgedient, wenn auch nur in dem verniedlichenden Parfumnamen Let me play the lion von LesNez. 

leopradDoch es gibt auch Leoparden, Antilopen (seltsamer Ausreißer: Antilope Weil, 1945, bis heute verstehe ich den Namen Antilope im Kontext mit einem Parfum nicht) und einige Tiger in der bunten Welt der Parfumfläschchen.

Espritdutigre Heeley beschwört den “Geist des Tigers” (ja, dieser Duft riecht wirklich nach dem bekannten Tigerbalsam), und Kenzo brachte in den 90er Jahren eine Tigerin als Ergänzung zum Elefanten (leider schon vom Markt verschwunden, diese Katze, obwohl sie gut roch!)

JungleTigress

Kenzos Duft, der seit 1996 auf dem Markt ist und angeblich aus dem Dschungel kommt, riecht stark nach Pflaume und Zimt, und dies so unverwechselbar und stark, daß andere Parfum-Tiere nicht gegen ihn anstinken können. Ein echter Elefant eben. KenzoElephant

Heute würde wohl kein Mainstreamduft mehr auch nur den Hauch einer Chance auf dem Markt haben, wenn er so individualistisch und brachial daher käme wie Kenzo Jungle Elephant. Zwar sind Wildtiere und hier besonders Raubkatzen weiterhin schwer en vogue, doch kann der neue Panther-Duft von Cartier (2014) trotz einer extrem aufwendigen Werbekampagne und einem klobig-protzigen Flakon nicht halten, was der Name verspricht.  Noch vor einigen Tagen las ich einen Reklametext zum Produkt, der die Bezüge zwischen dem Panther-Motiv in Cartiers Schmuck-Kollektionen und dem neuen Parfum verdeutlichen sollte. Schmuckstücke mit Panther-Ornamenten gibt es bei Cartier schon seit fast 90 Jahren. Interessanterweise wurde in der Werbung mit keinem Sterbenswörtchen der alte Panther-Duft erwähnt, der anno 1978 das Licht der Welt erblickte und sehr viel ausdruckskräftiger war als das neue “Pantherin-Wasser”.  Der frühere Duft enthielt zum Glück keinen Rhabarber in der Kopfnote (ich mag dieses “Gemüse” oder ist es gar “Obst” ??? absolut nicht leiden). Rhabarber verleiht dem neuen Panthere-Parfum einen metallischen Touch, was schade ist, denn von der Grundkomposition her ist Mathilde Laurents Raubkatzen-Kreation gar nicht verkehrt. Nur will dieses Parfum eben too much. Vergeblich bemüht es sich, die “eierlegende Wollmilchsau” der modernen Mainstream-Parfümerie zu verkörpern: frisch, aber nicht zu frisch, blumig, aber nicht dominant floral, leicht ledrig-chyprisch, aber nicht zu streng, ein bißchen erotisch, aber nicht zu vulgär, transparent, aber nicht zu leicht…

Lapantherecartier

Euleklein

bellunatrio

Man braucht als ParfumeurIn wahrscheinlich die Weisheit einer Eule, um all den Ansprüchen gerecht zu werden, die an eine große Neulancierung heute gestellt werden. Oder man gibt Tiernamen, die einfach nur süß sind und vergißt den ganzen Exotik-Erotik-Kram! Hello Kitty, Bambi, Kaloo – willkommen beim Festival der Niedlichkeiten!

 BambiHelloKittywomanKalooTeddytasmaninadevilOkay, der Tasmanian Devil ist nicht niedlich! Er riecht aber harmlos. Fast so wie das Schäfchen von Avon SchafAvonUnd dann gibt es ja noch die unzähligen cats.

Die heimlichen Heldinnen der Tiernamen-Parfümerie, die harmlosen Hauskatzen! Anders als die Tiger und Panther, die Löwen und Leopraden, riechen die Kätzchen fast alle freundlich und fruchtig-floral. “Pussy Deluxe” tut sich hier als brand name besonders hervor, im englischen Sprachraum ist die Marke aufgrund ihres ziemlich “amüsanten” Namens nicht so beliebt wie bei uns, aber spätestens seit “Pussy Riot” sollten auch Deutsche wissen, was “pussy” auf Englisch neben Kätzchen noch bedeutet… 

Showcat2

Hier “Purr” (Schnurr) mit Flanker KatePerrykateperrycatrosa

und natürlich – Tierwechsel- ein Häschen für die ganz Kleinen: Kinderhasekaloo

Tierliebe Männer können sich wahlweise an einem Flakon mit Pferdekopf delektieren

Laliquepourhommepferdoder auch am berühmten Krokodil Essentialsportcrocodile – nur leider tragen diese Düfte gar keine Tiernamen, was mich zu der Vermutung veranlaßt, daß Werbestrategen meinen, daß Frauen eher auf Animalisches stehen als Männer. 

In der Vergangenheit waren es jedoch manchmal auch sehr unschuldige, untypische Tiere, die von der Parfumindustrie für ihre Zwecke eingespannt wurden:ColibriDralleKolibris oder gar Hundeflakon –  kleine Hunde. 

Wer einen sehr individuellen, nachfüllbaren Flakon sucht und ungefährt 500 Euro dafür ausgeben möchte, kann sich in Wien in einer Porzellanmanufaktur umschauen, wo ich  kürzlich dieses ausgefallene Objekt entdeckte:

SkelettkopfWien

Und wem der ganzen Hype um Tiernamen in der Parfümerie am Allerwertesten vorbei geht, der sollte einfach das folgende Gedicht lesen. Sagt mehr als 1000 Panther-Parfums…

Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris



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