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Drakkar Noir und der neue Song aus dem Album “Bankrupt” von Phoenix

Auf dem neuen Album der Band Phoenix findet sich doch tatsächlich ein Song, in dem es um Drakkar Noir von Guy Laroche geht! Doch offensichtlich weiß Sänger Thomas Mars kaum etwas über diesen Duft, der in den späten Achtzigern des 20. Jahrhunderts ein emblematisches Duft-Erkennungszeichen in lesbischen Kreisen war. Oder ist er gar gegen die gerade in Frankreich so heiß debattierte “Homo-Ehe”? Nein, soviel “intertextuelle Bezüge” traue ich dem Mann nicht zu.

Drakkar Noir

In einem Interview mit der FR von heute (24.4.2013) sagt er auf die Frage, warum er eine “Ode auf einen Achtziger-Männer-Duft” singen würde, folgendes: “Für mich als Franzose muss ein Parfum die besten Essenzen von allen beinhalten. Doch Drakkar Noir ist das Gegenteil: es ist billig. Der Flakon ist häßlich. Man bekommt es nicht mal mehr im Duty-Free. “Drakkar Noir” ist also ein Song über Durchschnittlichkeit.” Gefragt, ob es denn wirklich so “scheußlich rieche” sagt er: “Nun, ich habe es noch nie ausprobiert. Ich hätte Angst davor.

Lieber Thomas Mars, wie absurd ist das denn, einen Song über einen Duft zu machen, den man nicht mal selbst probiert hat?  Und wie hohl und arrogant ist die Bemerkung, daß es “für ihn als Franzose” ein Duft sein müsse, der die “besten Essenzen von allen” enthalte? Für uns andere als Russen, Chinesen, Amerikaner, Weltbürger, Wutbürger oder gar als sauerkrautkonsumierende Deutsche reicht auch ein Parfum aus schlechteren Inhaltsstoffen?

Schon sehr amüsant, daß sich hier ein Franzose so sehr mit der Parfum-Kultur seines Landes identifiziert, daß er sich zu solch einer chauvinistischen Haltung versteigt.

Und was wären denn das für Essenzen – die “besten von allen”? Leider erfährt man dies aus dem Interview nicht.

Monsieur Mars ist wahrhaftig kein Parfum-Kenner, sondern wohl nur jemand, der einen ausgefallenen Songtitel gesucht hat.

“Drakkar Noir”, heute leider ein wenig “reformuliert”, aber weder extrem “billig” noch extrem widerlich, ist ganz und gar nicht durchschnittlich.

Ein hoher Preis ist ohnehin nicht immer eine Garantie für einen guten Duft. Man kann auch aus sehr feinen, sehr exklusiven Inhaltsstoffen scheußliche Parfums kreieren.

Im Parfum-Forum “Parfumo” bekam” Drakkar N.”  79% Zustimmung (aus momentan 87 Bewertungen), viele User geben dem Duft 100%, da sie ihn seit 1982 (Erscheinungsdatum) lieben.

Thomas Mars (geb. 1977) sollte keine Angst vor “Drakkar Noir” haben. Was gerade in den letzten zehn Jahren circa ab  2000 auf den Markt gekommen ist, ist wesentlich scheußlicher als “Drakkar Noir”. Und viel, viel durchschnittlicher. “Drakkar Noir” hat Wiedererkennungswert und ist markant!

Der französische Sänger sollte sich in Zukunft gründlicher auf Interviews vorbereiten. Was er da über “Drakkar Noir”  abgelassen hat, ist nicht nur durchschnittlich, sondern ganz weit darunter.

Aber – qui sait – vielleicht trägt er mit seinem Song zu einer Renaissance von “DN” bei?

Im Duty-Free-Shop in London ist er auf jeden Fall noch zu bekommen, das weiß ich ganz genau. Und auch bei Karstadt ist er zu haben, bei Kaufhof auch, sogar momentan in einer 200 ml Sondergröße. Im altbewährten 80er-Design. Wenn das keine schauderhafte Vorstellung für den armen Thomas Mars ist, le pauvre.