perfumeguide.de/Blog

Der Parfum-Blog

Posts Tagged ‘Eau Sauvage’

Eau Sauvage – der Signature-Duft eines Gentlemans

 

Eau Sauvage von Christian Dior

 

Dieser Duft prägt bis heute meine Vorstellung von einem perfekten Parfum!

 

Er ist leicht, transparent und elegant. Wahrscheinlich gehört „Eau Sauvage“ auch zu den Parfums, die ich von Kindheit an eingeatmet habe, denn es war der “Signature-Scent”, die olfaktorische Erkennungsmarke  meines Großvaters, der heute am 23.6.2013 genau 100 Jahre alt geworden wäre. Grund genug für mich, am heutigen Tag über „Eau Sauvage“ zu schreiben!

 

Eau Sauvage“ ist natürlich auch kein junger Hüpfer mehr, 2016 wird dieser Duft 50 und wird hoffentlich dann mit einer (weiteren) Reformulierung geehrt werden, die die Defizite der aktuellen Version ausgleicht. Ich beziehe mich in meinem Text hauptsächlich auf die Vintage-Version von „Eau Sauvage“.

Seine Spritzigkeit verdankt Eau Sauvage“ den Komponenten Bergamotte, Zitrone und Basilikum. Von der Idee her ist der Duft zudem eine Weiterntwicklung der klassischen Eau de Cologne-Struktur, die Roudnitska für Christian Diors „Eau Fraîche“ (1953) verwendete. Vergleicht man „Eau Fraîche“ mit „Eau Sauvage“ fällt jedoch auf, daß der Duft von 1966 eine Facette hat, die dem Vorläufer fehlt, nämlich ein gewisses dunkles, sinnliches Element, das Roudniska 1972 in „Diorella“ noch weiter ausbaute.

Der Charme und die Attraktivität von „Eau Sauvage“ liegen für mich an dieser Stelle:

Die zitrische Leichtigkeit (auch erzielt durch den Einsatz von Hedione, einer chemischen Komponente, die in „Eau Sauvage“ Premiere feierte) ist gepaart mit Wärme, die sich in der Basisnote entfaltet. Wahrlich ein passendes Parfum für meinen Großvater, der als perfekter Gentleman in der Öffentlichkeit immer höflich, freundlich, aber distanziert blieb, mir als Enkelkind aber große Zuwendung, liebende Aufmerksamkeit und emotionale Stabilität vermittelte. Oft malte er mit mir zusammen, schenkte mir die echten Ölfarben, die mir meine Mutter nicht kaufen wollte, erlaubte mir in einer teuren Kinderboutique in Düsseldorf, mir ein Traumkleid auszusuchen, das ich noch trug, als es mir schon längst zu kurz und zu eng war und schmierte mir morgens immer Brötchen mit viel Butter und Schwarzwälder Schinken (meine Eltern kultivierten ausschließlich persische Eßgewohnheiten).

Im Badezimmer stand immer ein großer Flakon mit „Eau Sauvage“, an dem ich morgens gern roch. Ich erinnere mich noch genau an das Ablageregal mit wenigen, ausgesuchten Kosmetika, einem Rasierpinsel, Lavendelwasser. Alles Opas Sachen, denn meine Großmutter bewahrte ihre Parfums im Schlafzimmer auf, wo sie herrliche kristallene Pumpzerstäuber hatte, aus denen ebenfalls immer wundervolle Düfte strömten („Cabochard“ z.B. und „Bandit“).

 

Düsseldorf im Jahre 1975… – ich bin wieder dort und sehe alles vor mir… – rieche „EauSauvage“

Avery Gilbert führte eine wissenschaftliche Studie durch, in der er bewies, daß die bloße Vorstellung , also das Denken an einen Duft, die selben positiven Effekte haben kann wie das tatsächliche Erleben. „The very act of remembering a fragrance activates an entire range of psycho physical responses“, schreibt der Wissenschaftler im „Journal of Mental Imagery“. Das sind gute Befunde, denn das reformulierte „Eau Sauvage“ reicht an die Vintage-Version nicht heran. Eichenmoos, der leicht indolische Touch des Jasmins – all diese Elemente wurden herausgenommen. Das aktuelle „Eau Sauvage“ gleicht einem sehr konventionellen Zitrus-Duft, der keinesfalls schlecht ist, aber uncharakteristisch wirkt.

So evoziere ich heute den Duft des alten „Eau Sauvage“ in meinem Kopf, meinen Großvater für immer in meinem Herzen bewahrend.

Parfums 25.10.2013 (2 von 47)   Vintage-Flakon