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99 Duftballons – das Parfum-Buch

 

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“99 Duftballons” ist ein kleines, feines Buch für alle Parfum-FreundInnen, SammlerInnen von Flakons und DuftliebhaberInnen, die einen unabhängigen und kritischen Schreibstil schätzen. Wer Spaß daran hat, neue Parfums zu entdecken und alte Duftschönheiten wiederzufinden, dem möchte ich mein Buch sehr empfehlen, das mir als bibliophilem Menschen mehr bedeutet als meine Präsenz hier im Internet.

Durchweg sorgfältig und liebevoll mit wunderschönen Photographien der besprochenen Parfums bebildert, spiegelt “99 Duftballons” meine Tätigkeit als Parfum-Kritikerin wider und ist bewußt zweisprachig gehalten, wobei über 60 Texte in deutscher Sprache abgefaßt sind und der Rest in Englisch, denn auch meine Website ist bilingual.

Sämtliche Parfums, darunter viele Raritäten und Nischendüfte (u.a. von FriedeModin, Frapin, Parfumerie Générale und Atkinsons), aber auch bekannte und beliebte Klassiker von Guerlain oder Balmain, Patou oder Paco Rabanne habe ich selbst benutzt und ausführlich getestet.

Für das hochwertige Hochglanz-Cover des Buches wurden 1000 einzelne Flakons in einer außergewöhnlichen Fotocollage zusammengestellt. Eine wahre Freude und Augenweide für jeden Parfum-Fan.

Das Buch “99 Duftballons” können Sie per e-mail bestellen:

info@perfumeguide.de  

Deckblatt - Werbung Jale 4


Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft: Da wurde wieder viel auf den Markt geworfen

Seit Jahren steigt die Zahl der neuen “Würfe” auf den offensichtlich schier unersättlichen Parfummarkt (aus dem Französischen “lancer” = werfen”, oder?), aber die meisten zielen komplett daneben. Circa 2300 Neuerscheinungen beglücken uns im Jahre 2013!

Im Vergleich dazu: In den 1980er Jahre kamen nicht mehr als ungefähr 200 Parfums pro Jahrgang heraus. Diese immense Zahl von aktuellen Düften des Jahres 2013 kann kaum ein Kritiker mehr umfassend besprechen bzw. testen. Die meisten Parfumhersteller folgen gewissen Trends, momentan ist es die Aoud-Welle, die zu meinem großen Leidwesen immer noch nicht abgeklungen ist. Aoud oder Oud bzw. Adlerholz ist jetzt fast überall drin… – kaum ein Haus, das nicht mindestens einen Aoud-Duft im Programm hat. Selbst in einem Low-Budget-Drogeriemarkt-Duft spüre ich Anklänge (nämlich in Dita von Teeses “Erotique”), auch wenn in diesem Fall nicht ausdrücklich vor dem Aoud “gewarnt” wird.

Doch lassen wir diesen abgedroschenen Trend beiseite und reden wir über Neuerscheinungen, die Spaß machen. Hier wäre zunächst die Wiederauferstehung des Labels Atkinsons zu nennen.

NuptialBouquetatkinsons

Die traditionsreiche englische Firma hatte zuletzt in den 80er Jahren Parfums herausgebracht, war dann aber in der Versenkung verschwunden. Ich erinnere mich noch an einen schweren Duft namens “Indolence”, an dessen Namen mein Vater mir erklärte, was man unter der “Oblomow’schen Krankheit versteht”.

Der italienische Hersteller Morris hat nun die Rechte an Atkinsons gekauft und wirbt mit dem Logo “London 1799″.  Im August entdeckte ich den Duft “The Nuptial Bouquet”, der vom Brautstrauß der Queen Victoria inspiriert worden sein soll, bei Harrod’s in London, konnte aber schon einen Monat später erfreut konstatieren, daß auch die Parfümerie Koberger in Frankfurt a.M. die Marke Atkinsons jetzt führt. Atkinsons1atkinsons3atkinsons2

“The Nuptial Bouquet” ist eine wundervoll frische, blumig-anmutige Komposition. Sehr zu empfehlen ist auch “The Odd Fellow’s Bouquet” mit einer warm-holzigen Michung aus Rum, Leder und rauchigen Noten. Enttäuscht bin ich von der neuen Version des Atkinson-Klassikers “24 Old Bond Street”, der “modern-stromlinienförmig” riecht.

Bei Harrod’s in London stolperte ich über ein weiteres Highlight des Jahres 2013: Aurélien Guichards neues Meisterwerk “Knightsbridge”. Die nähere Beschreibung dieses außergewöhnlich gelungenen Duftes befindet sich hier in der Rubrik “Reviews” bzw. Kritiken.

Eine weitere, interessante und noch sehr junge Nischenduft-Firma mit Sitz in London ist Friedemodin.

Roseé de Nuit 2

Mein persönlicher Liebling aus der Kollektion der beiden Firmengründerinnen (einer Schwedin und einer Deutschen) ist “Rosée de Nuit” – “Tau der Nacht”. Zart blumig-holzig, transparent, ungewöhnlich – und zudem vom Sohn des großen Guy Robert kreiert (Guy Robert schuf z.B. “Madame Rochas” oder “Amouage Gold”).  Die Düfte der Friedemodin-Kollektion kann man mixen, “combination perfumery” heißt das Konzept, das natürlich nicht neu ist;  man kennt es von Jo Malone oder Il Profumo. MIr gefällt “Rosée de Nuit” ohnehin zu gut, um es mit anderen Eaux de Parfums überlagern zu wollen. Aber die Möglichkeit an sich ist durchaus spannend.

Was macht der Mainstream? Estee Lauder hat einen neuen Duft lanciert, der den nicht gerade Feminismus-verdächtigen Namen “Modern Muse” trägt. ModernMuse2

Hier soll eine angeblich innovative “duale Struktur” die konventionelle Pyramide mit Kopf-Herz-und-Basisnote ersetzen. “Modern Muse” riecht zu Beginn blumig-taufrisch, entwickelt sich aber schnell zu einem sehr holzigen, fast kratzigen Duft, den ich mir sehr gut an Männern vorstellen könnte. Synthetisches Patchouli und Zedernholz dominieren und ergeben zusammen keinen besonders harmonischen Eindruck. Die “moderne Muse” riecht (anderes als der Duft “Muse” von Rochas) nicht gefällig, schmeichelnd sanft oder gar erotisierend. Sie paßt gut ins Großraumbüro und ist irgendwie “effizient”. Inspirierend ist sie keinesfalls.

Den Preis für den häßlichsten Flakon der Saison Herbst/Winter 2013 bekommt das Label Police:

PoliceTobeKing

 

Geht es noch geschmackloser? “To be – The King” sieht grotesk aus, riecht aber wider Er- warten ganz gefällig, nämlich würzig-ambriert, leicht süß – keinesfalls so gefährlich wie der Flakon vermuten läßt.

Geschmackvoll und garantiert ein willkommenes Geschenk unter den diversen Weihnachtsbäumen dieser und anderer Republiken wird dieses Jahr der neuste Kenzo-Duft sein: Flower in the Air.

flowerintheair2

Wer leichte, schwebende Rosenparfums mag, kommt auf seine Kosten. Hier erdrückt einen keine Mega-Sillage, hier sind keine Gewürze, die stören könnten, sondern “Flower in the Air” bezaubert mit Blütenharmonien. Sanft, ruhig, friedlich.

Das kann man von vielen anderen Neulancierungen nicht behaupten. “Dolce&Gabanna Intense” versucht als Floriental mit Blumenpower und Patchouliwolken zu punkten, unterscheidet sich aber kaum vom Vorgänger aus dem letzten Jahr. Dies gilt für “Manifesto l’Elixir” von YSL ebenfalls. Keine neuen Ideen, nur noch mehr Vanille und Ambroxan. Alles nur “Flanker”, die den Umsatz erhöhen sollen, die aber fast austauschbar riechen.

Issey Miyakes “Pleats, please” kommt als Eau de toilette erdrückend künstlich rüber, ist aber in seiner allerneusten Form als Eau de Parfum wesentlich erträglicher.

Besonders öde finde ich das neue “Si” von Armani. Eine starke Cassis-Note ebnet den Weg zu einem langweiligen, fruchtig-blumigem Allerweltsparfum, das mich die großen Würfe des Hauses (“Sensi”, “Mania”) um so schmerzlicher vermissen läßt. “Si” ist keinesfalls schlecht, es duftet ganz nett. Aber es ist (wie es z.B. ein Verkäufer bei Harrod’s in London so schön formulierte) “nothing special”. Einen weiteren “nothing special”- Kandidaten schaue ich mir in den nächsten Tagen näher an: das neue “Joy Forever” von Patou. Das benötigt einen eigenen Beitrag…