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007 Quantum James Bond Parfum


ein tragbarer, aber keinesfalls bemerkenswerter Alltagsduft. James Bond ist hier in geheimer Mission unterwegs, er will nicht auffallen und ist olfaktorisch in Deckung gegangen. Die Haltbarkeit dieses 0815-Herrenduftes läßt übrigens sehr zu wünschen übrig. Aber Filmhelden ziehen immer. Da ist es fast schon egal, welche Komposition in der Flasche steckt, Hauptsache der Kunde phantasiert sich in eine Welt aus rauchenden Colts und aufreizenden Damen hinein und zückt dafür an der Kasse des Drogeriemarkts schnell sein Portemonnaie. Wenn man(n) schon nicht so cool und sexy ist wie James Bond, dann braucht man(n) eben ein Quentchen

1740, Marquis de Sade


Bei diesem Namen könnte man erschrecken, aber das Parfum ist keinesfalls quälend, auch nicht sadistisch, im Gegenteil. Es handelt sich um einen wirklich sehr tragbaren, klassischen Duft, der nach Tabak und Leder riecht, aber einen falsch gewählten Namen hat (kein Einzellfall auf dem Parfummarkt). Dieser Marquis de Sade ist ausgewogen und angenehm, alles andere als ausscheifend! Die Komposition ist sehr stimmig von der Kopf bis zur "Fuß" -note. Einer der besten Leder-Düfte auf dem Markt.

24 Faubourg


Ein Duft aus dem Jahre 1995. Ein echter Klassiker, viele nennen ihn den"symphonischen Blütenduft" schlechthin, weil er so komplex und stark ist. Trotz aller Blüten, der vielen Aldehyde, der Früchte und der ambrierten Basis empfinde ich "24, Faubourg" besonders im Ausklang als etwas steif und seifig. Eine von Maurice Roucels stärksten Kreationen.

31 Rue Cambon von Chanel


Ein etwas süßlicher Chypre-Duft, viel leichter als Mitsouko and softer als das gute alte Givenchy III. Diese beiden Düfte müssen ja oft als Referenz herhalten, wenn man von Chypres spricht. 31 Rue Cambon verzichtet jedoch hier auf den klassischen Chypre-Bestandteil Eichenmoos und läßt an dessen Stelle eine pudrige Irisnote sprechen. Ein ganz leichter Pfirsichakzent macht sich ebenfalls bemerkbar, gibt dem Duft eine runde, weiche Note. Der drydown ist laktonisch-fruchtig, typisch Chanel (ähnlich auch wie in Eau Premiere von Chanel No. 5). Ein eleganter, angenehmer Duft ohne Ecken und Kanten. Ich muß gestehen, daß ich Mitsouko and Givenchy III (in ihrer Vintage-Version) diesem Chanel-Exklusiv-Duft vorziehe, wenngleich ich zugeben muß, daß 31 Rue Cambon ein absolut gelungenes Werk ist.

65 Let ("65 Jahre") von Novaya Zarya


Dieses Parfum wurde geschaffen, um den 65. Jahrestag des russischen Sieges über Hitlerdeutschland zu feiern. Man wählte hierfür ein starkes floral-orientalisches Duftgebilde, das sich an "Coco Mademoiselle" anlehnt. Erwarb diese Flasche in Moskau als Kuriosum für meine Sammlung, kann den Duft aber benutzen, da er gelungen ist.

AB von Blood Concept


"AB" ist der futuristischste, abgedrehteste Duft der "Blutgruppen-Reihe". Er soll urban und quasi "industriell" riechen, ein Mix aus Fabrikhalle und Steinen. Was ich wahrnehme, ist ein metallischer, extrem kühler Geruch, ganz leicht acquatisch-aldehydisch, aber anders als in gängigen Kompositionen. Als Vergleich fällt mir lediglich der alte "Charles of the Ritz"-Duft ein (aus den frühen 80ern); auch der roch eiskalt-metallisch, befand sich dazu in einem silberfarbigen Aluminiumflakon. "AB" geht aber viel weiter als "Charles of the Ritz", "AB" bleibt kompromißlos avantgardistisch bis zum Drydown und umgibt den Träger für Stunden mit einem Eishauch. Ein schwieriger Duft, konstruiert-übertrieben unnatürlich.

Acqua di Parma Profumo Acqua di Parma


Falls Sie einen Duft suchen, der ganz und gar in der edlen, klasssischen Chypre-Tradition steht und wirklich erstklassig riecht, kann ich Ihnen nur "Profumo" empfehlen. In den USA gibt es einen ähnlichen Duft, er heißt interessanterweise "The Party in Manhattan", aber auf dem deutschen Markt gibt es bisher nur "Profumo" für all jene, die sich einen fein ausbalancierten, nicht aufdringlichen, eleganten Duft im Stile Mitsoukos wünschen, den man dazu noch nicht an jeder Straßenecke riecht (bei dem hohen Preis auch nicht möglich). Meine einziger Kritikpunkt ist, daß Profumo ziemlich schnell verfliegt. Schon nach drei Stunden muß frau nachlegen...

Acqua Nobile Iris (2013) von Acqua di Parma


Bei diesem leichten Sommerduft handelt es sich um eine neue Eau de Cologne-Variante des bekannten "Iris Nobile" aus dem Jahr 2006. Das neue "Acqua Nobile Iris" aus dem Jahr 2013 ist ein erfrischender, strahlender Duft, der mit leichten Zitrusnoten (Mandarine, Grapefruit, Neroli) eröffnet, herrlich beschwingt und unbeschwert. Im weiteren Verlauf kann ich Veilchenblätter und einen leichten Orangenhauch wahrnehmen, bevor sich die in meiner Wahrnehmung "grüne" Iris zeigt. Leider kann ich keinen Vergleich zum "Iris Nobile Duft" von 2006 anstellen; ich habe den Duft nicht zur Hand, erinnere mich lediglich daran, daß er noch nie zu meinen Favoriten gehört hat, weil mir die Iris zu "dumpf" schien. Von "dumpf" kann hier bei der aktuellen Version keine Rede sein. Im Gegenteil, der Duft bleibt leicht, grün und elegant bis zum feinen Drydown, der ganz sanft mit etwas Vanille und Moschus ausklingt. Ausgezeichnet! Nur die Haltbarkeit läßt stark zu wünschen übrig. Ist eben nur ein "Acqua".

Acqua Oriens von Van Cleef&Arpels


Leichter und völlig belangloser Sommerduft. Unterscheidet sich nicht von anderen aus der leicht fruchtigen Ecke. Die Betonung liegt auf "leicht". Vielleicht ein gutes Zeichen? Die Hammer-Fruity-Florals scheinen out zu sein. Man verdünnt die übliche Sauce jetzt und verkauft sie teuer als "Sommerduft". Ich langweile mich langsam in den Mainstream-Parfümerien so stark, daß mein angenervtes Gesicht sicher eine Zumutung für die armen Verkäuferinnen ist. Die können ja nichts für den gleichförmigen Kram, den sie verkaufen müssen.

Agaressence von Brécourt


Fühlt sich an wie eine kleine, verarmte, ein bißchen hinkende Schwester von Aoud Rose Petals von Montale. Kein schlechter Duft, dieses Agaressence, aber leider gar nichts Außergewöhnliches oder Neuartiges. Außerdem: Eine quälend süße, sehr, sehr "barbiehafte" Kopfnote! OUD oder AGAR oder Aoud (alles Bezeichnungen für ein und dasselbe Material) läßt sich seit einiger Zeit ganz wunderbar im Labor nachbauen, so erklärt sich die Explosion der Aoud-Düfte, die wir momentan erleben. Letzte Woche hatte ich in London das Vergnügen, einen sehr hochwertigen Aoud-Duft zu testen (Kostenpunkt: 480 Pfund Sterling - ein neues Parfum von Roja Dove) - und ich sage nur: WOW! Hier riecht man noch die Qualität des echten Ouds. Brecourts Agaressence nutzt sicherlich die neue aromachemische Variante, wahrscheinlich habe ich deswegen das Gefühl, das diesem Duft etwas fehlt. Er hat keine Tiefe und plätschert so dahin... auf angenehmem Niveau, zugegeben.

Agent Provocateur EdP


Ein sehr lautes Parfum, manche nennen es auch vulgär. Viel dunkle Rose, ein gewisser orientalischer, beinahe "öliger" Touch – woher kenne ich diesen Duft? Es ist letzten Endes ein Remake von "Coriandre" aus dem Jahre 1973 von Jean Couturier, dessen Struktur sehr ähnlich war: viele Damaskone (künstl. Rosenmoleküle) auf einer Patchouli-Chypre-Basis. Da "Coriandre" reformuliert wurde, sollte man "Agent Provocateur" den Vorzug geben, wenn man auf diese Art von Hammerduft steht.

Agrumes en Fleurs von Yves Rocher


Wer hier einen Duft erwartet, der nach Zitrone riecht (also das Aroma enthält, das man wahrnimmt, wenn man eine Zitrone aufschneidet), wird sehr enttäuscht sein. Hier duftet es nach NEROLI, dem Öl, das aus den Blüten des Zitronenbaums gewonnen wird. Man sieht diese Blüten ja auch schon auf der Verpackung. Neroli wird hier mit Orangenöl kombiniert und ergibt einen beißenden Geruch. Ich muß an Toilettenreiniger denken, die ganz billige Sorte. Dieses EdT würde ich nicht 'mal als "Klospray" zu benutzen, es ist so schlecht, daß ich es nie mehr riechen möchte.



Al Oudh von L'artisan Parfumeur


Oudh mit orientalischen Gewürzen – Kumin und Kardamon oder wieviel "Gestank" erträgst Du? "Al Oudh" ist kühn konstruiert. Das hier präsentierte Oudh hat nichts mit der Montale-Aoud-Ecke zu tun. Es bleibt weich, rund und riecht gar nicht nach Medizin. Ein Hauch von Rose wird von Duchaufour sehr gekonnt eingebaut in diesen äußerst "menschlich" riechenden Duft. Ich will hier nicht "animalisch" sagen, denn "Al Oudh" ist für mich auf jeden Fall tragbarer als z.B. "Méchant Loup"von Lutens. Ob man diesen Duft mag, hängt vom eigenen Verhältnis zu Gerüchen ab, die alles andere als "sauber" riechen. "Al Oudh" ist der Kontrapunkt zu allen seifigen "Clean-Scents". Wer eine Kumin-Phobie hat, sollte diesen Duft jedoch meiden, und wer orientalisches Essen ablehnt und selbst nicht gern danach riecht, wird hier sicher Schreikrämpfe kriegen und den Duft schnell wieder abschrubben wollen. Ich bin hin-und-hergerissen. Irgendwie hat er was, der "Al Oudh". Er riecht durchaus orientalisch-männlich, aber selbst tragen möchte ich "Al Oudh" nicht. Ich leide zudem an Oudh-Übersättigung, dieser Inhaltsstoff dominiert den Parfummarkt seit circa 2009 in einer mich langsam aber sicher wirklich ermüdenden Form, wenn er auch hier 'mal anders dargeboten wird.

Alien Thierry Mugler


Das Interessante an Alien ist die Tatsache, daß in diesem Duft der normalerweise bekannte und klassische Jasmin so verändert worden ist, daß er seltsam riecht, etwas metallisch, fast wie vom anderen Stern. Man denkt nicht mehr an Blumen, sondern an etwas völlig Abstraktes – und hierhin liegen die Kunst und sicher auch der Erfolg dieses Parfums. Im Gegensatz zu Angel ist Alien weniger komplex konstruiert, als wäre der Duft ein Komet aus dem All, der nur aus einem einzigen Gestein besteht. Alle anderen Komponenten des Parfums ordnen sich dem neuartigen, monolithischen Jasmin unter. Dieser verklingt jedoch nach einiger Zeit (nach zwei Stunden auf meiner Haut) und macht einem sehr unspektakulären drydown Platz, der wohl aus "Cashmeran" besteht und ewig nachhallt. Kein Duft, mit dem ich mich jemals wirklich anfreunden konnte, der mich jemals wirklich berührt hätte. Zu kühl! Zu artifiziell! Die Sommerversionen sind leichter und unbeschwerter, am schönsten ist Alien Sunessence 2011.

Alien Aqua Chic von Thierry Mugler


Die Sommeredition 2012 von Alien ist leider für meinen Geschmack zu scharf und beißend geraten, ich finde sie harsch, all' jene Komponenten betonend, die mir an ALIEN ohnehin nicht so gefallen (das leicht Seifige, Jasminlastige). Während die Ausgabe aus dem letzten Jahr in die fruchtige Ecke ging ("Kiwi-Alien"), liegt in diesem Jahr der Akzent auf Ingwer und Zitronenmelisse. Diese Kombo harmoniert für mich nicht mit dem Alien-Grundgerüst, so daß ich "Aqua Chic" nicht bei mir einziehen lassen werde. Wer die Kopfnoten erträgt, erkennt natürlich im Herzen ALIEN wieder, ganz klar. Der Flakon kann mit dem spektakulären Entwurf von 2011 nicht mithalten, er wirkt viel braver und läßt mein Sammlerinnenherz nicht höher schlagen.

Alien Essence Absolue von Thierry Mugler


Ich wundere mich schon länger darüber, daß manche Firmen ihre Original-Kreationen selbst abwerten, indem sie eine neue Version präsentieren, die angeblich 1000x besser ist. In der Werbepost von Mugler (September 2012) heißt es: "Thierry M. geht einen Schritt weiter und präsentiert uns eine neue, intensive und kostbare Interpretation des Talisman-Parfums. Alien Essence Absolue. Um die Quintessenz von Alien zu gewinnen, hat T.M. Ihr Lieblingsparfum mit den wertvollsten und sinnlichsten Inhaltsstoffen angereichert." Ach, das alte Alien ist gar nicht so herrlich, kostbar und strahlend wie die Werbung noch vor kurzem suggerierte? Genau! Jetzt gibt es nämlich die "Essence Absolue", und wir sollen schnell mal über 100 Euro dafür auf den Tisch legen. Schon Dior hat mich mit dieser Art von Werbung abgestoßen (Beispiel "J'Adore", da erschien auch ein "Absolu", das angeblich besser riechen soll als das Original). Aber zurück zur "absoluten Essenz": Wer Alien-Fan ist, wird diese sicherlich mögen. Im Herzen riecht man ein bißchen Iris und zudem Myrrhe, der Duft wirkt tiefer und weicher als die Urfassung. Diese enthielt bereits viel Cashmeran, das auch in der "Essence Absolue" benutzt wurde. Das Alien-Gerüst ist sehr gut zu erkennen, die Verbesserungen sind meines Erachtens marginal und den Hype nicht wert. Aber rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft sollen die Kundinnen mit einem "Upgrade" ihres Lieblings beglückt werden: Diese Mission gelingt mit dem neuen "Absolue" garantiert. Ich war noch nie eine Anhängerin von Alien, "göttlich" finde ich auch die neue Variante nicht, angeblich eine "Amber-Vanille-Offenbarung". Dennoch: "Alien Essence Absolue" ist ein solides, starkes Parfum mit hohem Wiedererkennungswert und hebt sich zum Glück positiv von vielen anderen Mainstream-Düften ab, indem es sich traut, ein intensives Statement zu setzen. Dies allein nötigt mir Respekt ab.

Almost Innocent Forbidden Fragrance von Vive Maria


"Almost Innocent" fliegt aus dem Sortiment der Parfümerien raus, an der extrem reduzierten Flasche konnte ich als Flakon-Sammlerin nicht vorbeigehen. Der Duft ist zitronig-floral, Frische und Spritzigkeit bleiben fast bis zum Drydown erhalten. Nicht nur "fast unschuldig" (almost) - sondern komplett sündenfrei. Dieser Duft ist mädchenhaft adrett und nicht im geringsten verboten. Ein Duft, dessen Verschwinden aus der Parfum-Landschaft nicht besonders auffallen wird.

Amaani von Asghali


Ein extrem blumig-süßes Parfumöl auf einer starken Moschusbasis. Ein ganzer Blumengarten mit Zucker, Honig und Moschus ohne Ende. Etwas Oud ist auch dabei. Der Hersteller kommt aus Bahrain, wo die Geschmäcker anders sind als in Westeuropa oder den USA. Das Parfum ist nicht schlechter als vieles, was Montale in den letzten Jahren so in seine schlichten Metallcontainer gefüllt hat. Jetzt verstehe ich endlich, woher die ihre Inspirationen nehmen. Ashgali-Düfte halten stundenlang und sind hochkonzentrtiert, kosten aber viel weniger als Montale. Geheimtip!

Amaranthine by Penhaligon's


Bertrand Duchaufour hat einen unverkennbaren Stil, den er hier mit einer Arbeit für das englische Traditionshaus Penhaligon's hervorragend dokumentiert. "Amaranthine" (2009) ist ein fruchtiger Orientale, aber kein extremer Hammerduft, der alles übertönt. Die Kopfnoten von "Amaranthine" sind würzig-fruchtig, ich fühlte mich ein bißchen an "Sira des Indes" von Patou erinnert, was an der Bananenkomponente in der Kopfnote liegt. Im Herzen mixt Duchaufour verschiedene weiße Blüten zusammen mit einem charakteristischen, milchigen Vanilleakkord, der mir aus anderen Kreationen des Meisters für L'Artisan Parfumeur (z.B. "Vanille Absolument") sehr bekannt vorkommt. "Amaranthine" ist weich und legt sich angenehm auf die Haut, der Duft ist süßlich und erotisch genug, um als "Orientale" durchzugehen und er ist sicherlich die unkonventionellste und gewagteste Kreation, die die englische Traditionfirma Penhaligon's zu bieten hat. Nicht "100%" my cup of tea, aber im Winter eine nette, allerdings sehr ausgefallene, vanillig-milchig-bananige Abwechslung.

Amber Aoud von Roja Dove


"Amber Aoud" von Roja Dove wird bei Harrods an mehreren Stellen angeboten: Roja in der Edel-Parfümerie im 5. Stock präsentiert ihn, und in der neuen Perfume Hall im Erdgeschoß findet er sich ebenfalls; dort zudem an mehreren Stellen, man hat sogar einen eigenen Counter NUR für "Amber Aoud" aufgebaut. Man könnte sagen, daß man bei Harrods diesem Edel-Aoud-Parfum im Juli 2012 schwer entkommen kann. Preislich nicht gerade im Mitnahmesegment angesiedelt (ab circa 300 Euro aufwärts), erfreut dieser Duft mit einer weichen, feinen Aoudnote, von der ich annehme, daß sie natürlich ist. Die anderen Zutaten sind ebenfalls erlesen und ergeben zusammen ein harmonisches, schönes Duftgebilde. Dennoch empfinde ich das Parfum als hochgradig repetitiv, muß aber einräumen, daß ich ohnehin kein Aoud-Fan bin. Roja Doves "Amber Aoud" ist soldide gemacht, aber bar jeglicher Überraschungen. Zu einem derartig hohen Preis ist es möglich, sich weitaus spannendere und faszinierendere Düfte zuzulegen, ich würde hier z.B. zu "Inquisitive" von Bodiacea The Victorious raten (Stichwort: "Aoud einmal anders"). Der Aoud-Trend setzt sich in allen Segmenten fort, ob Mainstream oder Nische, ob ab 20 oder ab 200 Euro. Wann bringt eigentlich Ulric de Varens einen Aoud-Duft heraus? Und was ist mit Avon oder Oriflame? Jovan (Billiganbieter aus den USA) hat schon einen im Programm, der "Body Shop" auch.

Amber Oud von The Body Shop


"Amber Oud" fiel mir im Juli 2012 in England vor die Füße bzw. Nase. Der "Body Shop" hatte diesen Duft im Angebot, 15 Euro habe ich umgerechnet für 50 ml bezahlt. Meine Theorie vom Oud-Molekül aus dem Labor, das mittlerweile so gut und günstig hergestellt werden kann, daß es aktuell von fast jedem Parfumeur (ob Mainstream oder Nische) eingesetzt wird, scheint sich mit diesem preiswerten Duft zu bestätigen. Im Grunde ist es erfreulich, daß die natürlichen Adlerholzbestände nicht weiter dezimiert werden müssen, um Oud-Düfte zu produzieren. Auf der anderen Seite stellen sich bei mir bereits auf der Geruchsebene Ermüdungserscheinungen ein. Die Aoud-Parfum-Schwemme bringt mir persönlich nichts Neues mehr, meistens riecht man Oud-Rose-Kombinationen oder eben wie hier in der Body-Shop-Variante Oud-Amber-Mixe. Der Body-Shop-Duft ist prima für alle, die die starke, balsamisch-holzige, fast narkotisierende Aura des Aouds lieben. Unterlegt mit Labdanum und Vanille, leicht würzig und gut ausbalanciert haben wir hier einen günstigen Aoud-Duft, der den Vergleich mit hochpreisigen Kollegen nicht scheuen muß. "Amber Oud" hält gut, verströmt genau diese besondere "Aoud-Aura", die auch Roja Dove in seiner neusten Adlerholz-Kreationen nicht besser hinbekommt. Angeblich nimmt Roja natürliches Aoud, aber ist das wirklich besser, wenn man den Raubbau betrachtet, der sich an den Bäumen vollzieht? Geruchlich kann ich keinen eklatanten Unterschied zwischen künstlichem und natürlichen Aoud-Molekül erkennen. "Amber Oud" ist übrigens hervorragend zum "Layern" geeignet! Mit einem Rosenduft zusammen (z.B. Tea Rose von The Perfumer's Workshop) zaubert man für sehr wenig Geld einen "Montal-Effekt" auf die Haut. Wer also Aoud oder Oud (Schreibweise egal!) gern riecht, sollte nicht zögern, im Body Shop zuzuschlagen. Wie ich las, hat jetzt auch Jovan in den USA ein günstiges Aoud-Parfum lanciert. Aoud - das neue Moschus der 2010er Jahre...

Ambre Gris von Balmain


Dieses Parfum hat nichts mit der berühmten Substanz "Ambregris" zu tun. Die sonst so grandiose Firma Balmain (man denke an "Jolie Madame" oder "Vent Vert") hat hier einen Durchschnittsduft produziert, der eine synthetische Sandelholzbasis enthält und nichts Innovatives bietet. Wie immer bei Balmain hat das Parfum eine sehr große Haftfestigkeit

Ame Coquine von Chantal Thomass


Ein netter Duft mit Pfingstrose und Freesie. Konventionell, aber sehr angenehm und zudem langanhaltend. Erinnert mich an zahlreiche andere Parfums ähnlicher Machart, es fehlt ihm das "Alleinstellungsmerkmal", das ein Parfum wirklich außergewöhnlich macht. "Betty Barclay No. 3" riecht ähnlich (auch sehr rosa!) oder "Romance" von Ralph Lauren.

A*Men von Thierry Mugler


A*Men - das männliche Pendant zu "Angel" wurde 1996 eingeführt und setzte den Trend für Gourmand-Parfums, sogenannte "kulinarische Düfte" auf der maskulineren Ebene fort. "A*Men" beginnt mit aromatisch-säuerlichen Noten und präsentiert dann einen "Schokoladen-Akkord", der sich mit Vanille und Kakao zu einem sehr extremen Gemisch verbindet. Im Drydown gesellt sich zur Schokolade noch ein Touch von angebranntem Kaffesatz hinzu, eventuell ist dies der Effekt von sehr viel (zuviel!) Patchouli. Ein extremer "Love-or-Hate"-Duft, der polarisiert! Wer "Angel" nicht leiden kann, wird mit diesem starken Parfum aus der Schokoladen-Kaffee-Ecke auch nicht klarkommen. Besser abends als tagsüber benutzen.

Anais Anais


ist ein Parfum aus den 70er Jahren, unkompliziert und schön. Es ist zu komplex, um es in die Soliflore-Kategorie einzuordnen, bietet mehr als Lilien, obwohl diese dominieren. Man nimmt aber auch ein bißchen Jasmin, weiße Rosen, Iris und Vetiver wahr, dem das Parfum seinen grünen Touch verdankt: Es riecht sehr rein, seifig und unverwechselbar. Benannt nach Anaitis, einer alten persischen Liebesgöttin, ist dieser Duft nur vordergründig leicht, denn er haftet sehr gut und behält seinen charakteristischen Duft auch nach einigen Stunden. Parfumguru Luca Turin meint, "Anais Anais" sei eines der einflußreichsten Parfums in der Geschichte der schönen Düfte überhaupt, er nennt es ein "Monument". 1978 rochen junge Mädchen nach "Anais Anais", heute kaufen sie am liebsten "Fruity-Florals", die irgendwie alle gleich riechen. Ich würde "Anais-Anais" wieder mehr junge Fans wünschen.

Andalucia Sensuelle von Isabelle Derroisné


Nur für LiebhaberInnen von extrem starken Orangenblüten-Düften. Ein ganzer Orangenhain ist hier in eine außergewöhnlich hübsche Flasche gefüllt worden. Sehr langanhaltend und monothematisch. Eine sinnliche Reise nach Andalusien (wie auf der Umverpackung angegeben) stelle ich mir facettenreicher vor als diesen eintönigen Duft.

Angel The Taste of Fragrance von Thierry Mugler


Angel (geboren im Jahre 1992) war eine der einflußreichsten Kreationen, die die Parfumwelt je gesehen hat. Ein Meilenstein, der unsere Duftwahrnehmung und unseren Geschmack veränderte. Braucht ein solches Meisterwerk eine Auffrischung? Offensichtlich, denn Thierry Mugler bringt ab und an einige "Flanker" von Angel heraus, um die Marke immer wieder ins Gespräch zu bringen. Im Herbst 2011 gab's die neuste Variante, einen "Schokoladenduft". Schokolade, Kokos, "Candy" und Melone waren ja schon immer feste Bestandteile von "Angel". In dieser Version wird die Schokolade in der Kopfnote in den Mittelpunkt gestellt und erweist sich als sehr effektiv, sie "boostet" die anderen Komponenten, so daß die ganze Komposition noch dichter und aromatischer wird. Wer "Angel" nicht ausstehen kann, der wird jedoch auch mit dieser Version nicht glücklich werden, denn nach circa 15 Minuten ist "The Taste of Fragrance" wieder ganz klar auf dem Angel-Territorium gelandet und betört oder verstört (je nach Geschmack) seine User auf die diesem Parfum eigene, unverschämt laute und kompromisslose Art.

Ange ou Demon von Givenchy


Das Teuflische an diesem Duft sind seine Haltbarkeit und seine Penetranz. Ansonsten hat dieses Parfum keine dämonischen Züge. Es beginnt mit einer extremen Bubblegum-Note, die fünf Minuten in der Luft liegt und die Nase kitzelt. Dann wird der Duft zu einem ziemlich süßen, cremig-weißen Blumenparfum mit einer holzig-vanilligen Unterstimme, die nicht unangenehm ist. Der Drydown ist ziemlich chemisch auf meiner Haut, holzig mit Tonkabohne. Alles in allem ist hier extrem viel in einen Duft reingepackt worden: Kaugummi-Start, Blumenherz, Vanille-Holz-Drydown - zusammen ergeben sie eine sehr dichte, eine zu "fette" Konstruktion. Auf jeden Fall ein extrem auffälliger Abendduft mit Mega-Sillage. Hier bedeuten ein paar Spritzer "too much" schon den olfaktorischen Overkill. Und was ist mit der engelhaften Seite dieses Parfums? Ich muß gestehen, daß ich diese nicht ausmachen konnte. Es sei denn, Engel röchen besonders vulgär.

Ange ou Démon Le Sécret von Givenchy


Ein Flanker, der mir besser gefällt als das laute Original. "Le Secret" ist einfach angenehm, schöne frische Kopfnoten (grüner Tee, Cranberry, Grapefruit), die Herznote zurückhaltend-elegant mit einem leicht blumigen Touch. Äußerst feminin, wenn auch nicht ausgefallen, sondern lediglich fein abgemischt. "Le Secret" verströmt einen leicht "kosmetischen" Geruch, und dies ist hier positiv gemeint. Noch heute morgen benutzte ich eine einfache Nivea-Body-Lotion und dachte, daß gerade die Nivea-Produkte verblüffend gut riechen, vielleicht Teil ihrer Erfolgsgeschichte. "Le Secret" riecht nicht genau wie Nivea, nein, aber es riecht unspezifisch, unaufdringlich - und dabei trotzdem schön! Die Haltbarkeit ist bei mir überdurchschnittlich (6 Stunden) und die Einsatzmöglichkeiten dieses Duftes sind enorm. Ein unauffälliger, treuer Begleiter, der immer paßt - darin besteht hier wohl das "Geheimnis".

Angel Aqua Chic von Thierry Mugler


Hier wird wirklich dezidiert vom Angel-Grundton abgewichen - und was herauskommt, ist ein Duft, der so riecht wie "Coco Mademoiselle" mit einer hinzuaddierten Lakritz-Note. Von der Struktur her ist ja auch "Coco Mademoiselle" ein "Floriental" so wie "Angel", nur mit weniger Patchouli und Gewürzen. Es ist befremdlich, daß die Macher von "Aqua Chic" alle würzigen Komponenten aus dem "Ur-Angel" herausgestrichen haben, um dann mit einem Parfum aufzuwarten, daß an Abgedroschenheit kaum mehr zu überbieten ist. "Angel Aqua Chic" riecht ganz gut. So wie "Coco Mademoiselle" auch. Das Problem ist nur, daß das angeblich NEUE hier ein mittelmäßiger Mainstreamduft ist, der das Ticket "ANGEL" nutzt, um alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen. Thierry Mugler riskiert hier rein gar nichts, will lediglich einen komplett plattgewalzten Trend noch weiter ausschlachten. Wo Genie fehlt, regiert eben das Mittelmaß - auch in der Parfümerie.

Angel Schlesser EdT


aus dem Jahre 2000 ist eine Arbeit von Thierry Wasser, und keine schlechte. Zitrone und Wacholder bestimmen die kühle Kopfnote, bevor ein ganz feiner Blütenduft einsetzt (angeblich ein im Jahre 2000 neues Jasminmolekül gepaart mit einer neuen Maiglöckchenvariante aus dem Chemielabor). Die Basis bleibt kühl mit einem würzigen Hauch von Kardamon, fein und immer noch sehr erfrischend. Ein absoluter "Sauber-Duft", ohne jegliche Ausschweifungen, was man auch schon am Flakon erkennen kann. Vielleicht ein bißchen eisig von der Anmutung her, aber gerade deswegen zu empfehlen. Wer einen sehr frischen, klaren, aber nicht allzu verbreiteten Duft sucht, sollte "Angel Schlesser" probieren. Leider ist die Haltbarkeit unterdurchschnittlich.

Anniversary Roberto Cavalli


Die Kopfnoten sind wunderschön: Grüner Apfel, Himbeere und rosa Pfeffer. Dann folgt ein eher konventioneller Mix aus Blumen (Orangenblüte, Jasmin), den man schon 1000-mal gerochen hat. Olivier Polge soll der verantwortliche Parfumeur sein, nun, er hat schon sehr viel bessere Arbeiten abgeliefert. Der Flakon ist gestaltet wie der "Serpentine-Duft" aus dem Jahre 2005: rund mit einer Schlange drauf. Belanglose Kreation. Eines Geburtstages (hier der 40. des Hauses Cavalli) nicht würdig.

Antaeus von Chanel


Chanels "Antaeus" hat schon über 30 Jahre auf dem Buckel - und – wie könnte es anders sein – der Duft ist reformuliert worden. Ja, "Antaeus" riecht heute viel sanfter als früher. Er beginnt mit Aldehyden, es folgt eine zart-grüne Note und dann ein mildes, feines Lederaroma gepaart mit etwas Tabak. Der moderne "Antaeus" ist weich, schmeichelnd – ganz anders als der Vertreter aus den 80er, 90er Jahren. Während der frühe "Antaeus" von Polge stärker, ledriger und komplexer war und zudem viel mehr Sillage hatte, wirkt der heutige Duft wesentlich zahmer. Dies kann man bedauern! Mann bzw. Frau kann sich aber auch an der neuen Version erfreuen, denn "Antaeus" riecht immer noch wundervoll "retro"! Besonders für Frauen, die feine, ledrige Düfte mögen, könnte "Antaeus" eine gute Alternative zu vielen (teureren!) Nischendüften darstellen. (50 ml kosten circa. 60 Euro).

Aoud Ever von Montale


"Aoud Ever" riecht forever - zumindest auf einem Duftstreifen - der liegt seit einer Woche auf meinem Schreibtisch und grüßt seitdem sehr aufdringlich, wenn ich mich an meinen Rechner setze. "Schreib' was über mich", fordert er, dieser immerwährende Perma-Aoud. Sein Drydown ist dunkel, etwas ledrig, aoudig, stark. Sein Herz ist würzig - ob da in der Pyramide alle Gewürze genannt worden sind? Ich rieche Korkuma. Dieses senfgelbe Pulver, das leberstärkend wirken soll, verströmt einen leicht zitrischen, aber gleichzeitig auch muffigen Duft. In manchen orientalischen Speisen ist es unerläßlich und wundervoll, in einem Parfum muß ich es nicht haben. Schwarzer Pfeffer und Patchouli sind auf jeden Fall auch mit in "Aoud Ever" enthalten und verstärken den Eindruck der olfaktorischen Völlerei. Hier ist einfach so üppig würzig-ledrig-aoudmäßig zugeschlagen worden, daß die Verdauung bzw. Verarbeitung des Duftes durch meine Riechzellen mich Anstrengung kostet. Ich rieche "Aoud ever" und bin übersätttigt. Schon der Auftakt mit zitrischen Noten und Gewürzen erinnert wiederum an eine orientalische Küche mit Beimischungen von Safran, Kardamon und einer daraus resultierenden Schärfe. Dieser Duft ist mir persönlich zu extrem, zu sehr an kulinarische Genüsse angelehnt und außerdem zu langanhaltend. Will sagen: Heute trage ich "Y" von YSL, aber morgen möchte ich wieder anders riechen. Mit "Aoud Ever" kann das nicht gelingen. Bis Haut und Kleidung (ich würde diesen Duft NICHT auf Stoff geben!) diesen Duft resorbiert haben, vergehen Tage.

Aoud Gourmet von Micallef


Aoud-Gourmet ist eine außergewöhnliche Aoud -bzw. Adlerholzbaumkreation. Das spezielle Aoud-Aroma muß man mögen, um den Duft tragen zu können, der mit süßen Noten startet, um dann nach kurzer Zeit verschiedene Holzfacetten zu offenbaren. Neben Tabakblättern und Weihrauch rieche ich erdig-holzige Nuancen von Patchouli und Zeder. Balsamnoten im Drydown sorgen für eine sehr weiche, warme Aura, die dieses Qualitätsparfum aus der Duftmanufaktur Micallef in Cannes verströmt. Ich verstehe diesen Duft als eine Hommage an die edle Substanz Aoud, eine sinnliche Duftzutat, die das Parfum ungewöhnlich und samtig-warm riechen läßt.

Apparition von Ungaro


Die Zeiten, in denen Ungaro Parfums produziert hat, die man mit Vergnügen tragen kann (man denke an "Diva"), scheinen vorbei zu sein. "Apparition" (deutsch: "Erscheinung") zeichnet sich durch eine milchig-himbeerige, zuckrig-klebrige Note aus, die ein bißchen ins Faulig-Vergorene abdriftet und wohl wenig Freunde finden dürfte. So wundert es nicht, daß dieser Duft gefloppt ist und nun (2012) im Internet zu Niedrigstpreisen angeboten wird. Der Flakon ist allerdings hübsch.

Après l'Ondée Guerlain


Kritik basiert auf dem Eau de toilette (Parfum extrait ist nicht mehr erhältlich) Dieser Duft ist ein Glücksbringer, ein Bote aus einer längst vergangenen Epoche, jener, in der die Impressionisten ihre traumhaften Bilder malten und Ravel und Debussy ihre atmosspärisch dichte Musik komponierten... - 1906! Im Jahre 1906 war das berühmte Aldehyd C.14 noch nicht erfunden worden, es kam zwei Jahre später, doch bereits 1877 hatten die deutschen Chemiker Tiemann und Herzfeld die Synthese eines sogen. "anisischen Aldehyds" bewerkstelligt, indem sie eine Substanz mit dem Namen "Anetol" schufen. Diese Substanz verleiht Après L'Ondée heute noch viel von seinem Zauber. Ob man die Formel in den letzten Jahren verändert hat - ich vermag es nicht zu beurteilen, doch die feine Komposition dieses Duftes stimmt mich immer wieder glücklich. Gleichzeitig geht etwas Melancholisches von diesem Duft aus, ein poetischer, diffuser Zauber, der mich tief berührt. Ich halte nicht besonders viel davon, Parfums in ihre Einzelbestandteile zu zerlegen und glaube, daß auf vielen Parfum-Websites und auch bei vielen Herstellern keine konkreten oder irreführende Angaben zu einzelnen Inhaltsstoffen gemacht werden. Ein Kunstwerk wie Après l'ondée läßt sich daher für mich nur bedingt olfaktorisch "analysieren", es ist durch und durch harmonisch. Après l'ondée ist ein stiller, fast meditativer Duft. Man genießt ihn mehr oder weniger für sich allein, denn er hält nicht gut (besonders nicht als EdT), aber dies tut der Schönheit keinen Abbruch. Ein absolutes Meisterwerk.

Aqua Allegoria Bouquet de Mai von Guerlain


Nur auf Flughäfen zu finden. Ist aber nicht tragisch, denn dieses "Aqua Allegoria" ist uninteressant: Ein Mix aus weißen Blüten und etwas Grapefruit in der Kopfnote. Entwickelt sich leicht stechend und kratzig, Maiglöckchen sind im Herzen stark wahrzunehmen - aber wer braucht schon einen neuen, dazu auch noch schlechten Maiglöckchenduft? Schade, daß Guerlain auf dem Massenmarkt mit seinen Neulancierungen schon lange keine besonderen Parfums oder Eaux mehr präsentiert. "Bouquet de Mai" ist ein fader Duft, der einfach nur enttäuscht. Man hat nichts verpaßt, wenn man ihn nicht ausprobiert hat, weil man in diesem Jahr noch auf keinem Flughafen war.

Aramis Cool Blend Limited Edition 2010


zielt auf jene Gruppe von Kunden ab, die einen modernen, acquatischen Duft suchen, der von einer bekannten Firma hergestellt wird (hier Estée Lauder). Wenn man den Duft aufsprüht, erlebt man in der Tat eine wohltuende Frische, doch dieses Gefühl könnte auch ein Spritzer "Cool Water" vermitteln. Was ist anders oder besser an "Aramis Cool Blend"? Leider nicht viel. Die Kopfnoten sind zitronig-aquatisch, im Herzen findet sich ein Hauch von Würze, die entfernt an das Original "Aramis" denken läßt, der Drydown besteht aus einem relativ langweiligen Akkord, der leicht nach Plastik riecht. Diesen Versuch, den monumentalen Duft "Aramis" von Bernhard Chant zu modernisieren, kann man als fehlgeschlagen betrachten.

Architect von Oriflame


Riecht ähnlich wie "Burberry London" für Männer, zeichnet sich durch einen starken Patchouli-Holz-Mix aus. Langanhaltend und besser als viele teure Luxusdüfte. Sehr zu empfehlen.

Armani Lei


ist ein Bestseller, den ich nie verstehen werde. Weiße Blüten werden kombiniert mit einem auf mich unerträglich künstlich wirkenden Vanilleakkord. "Diesel Plus Plus Feminine" riecht sehr ähnlich, jedoch noch etwas synthetischer. Kein "Winner" für mich, dieser Armani-Duft, sondern ein "Scrubber" (muß schnell abgeschrubbt werden von der Haut!).

Aromadite von Farmacia SS. Annunziata


Sehr freundlicher, ruhiger Duft mit Orangenaroma, das mit Vanille, Ingwer und einem schönen, warmen Ambra im Drydown seine Spritzigkeit immer weiter einbüßt. Heißt: Vom Orangensaft zum warmen Vanillegetränk – so ungefähr könnte man die Duftentwicklung beschreiben. Sympathisch und nett. Leider ohne das "gewisse Etwas".

Aromatics Elixir Perfumer's Reserve 2011 Limited Edition


Keine Verbesserung gegenüber dem guten alten Hammerduft, der schon 40 Jahre auf dem Buckel hat und vom genialen Bernhard Chant komponiert worden ist (der ist auch verantwortlich für "Aramis" und "Azurée"). Das Parfum wirkt so, als habe man versucht, ihm die Ecken und Kanten abzuschleifen. Weniger Rose, weniger Patchouli. Weniger von allem. Immer noch ein grandioser Duft, aber nicht zwingend notwendig als Neuanschaffung, es sei denn, man sammelt Flakons.

Arpège von Lanvin


Vielleicht ist es die "Reformulation" (mal wieder....), aber ich erinnere mich daran, daß mir dieses Parfum auch als Kind schon nichts gesagt hat. Kürzlich hatte ich eine Vintage-Version von 1987 zur Hand, auch die kam über eine Durchschnittsnote nicht hinaus. "Unspezifisch"- so empfinde ich das Parfum, stumpf und dumpf, langweilig. Unangenehm ist es aber auch nicht, ich habe die Vintage-Version getragen und mich weder gut noch schlecht damit gefühlt, sondern "grau" oder höchstens "beige". Nothing to make my heart sing. Und dabei ist der Name doch Musik: "Arpege". Bedauerlich.

Art Collection #2 von Jacomo


Ein überraschend anderer Duft: Eine wirklich neue Zusammenstellung von amüsanten Elementen. Beim ersten Aufsprühen riecht man ein bißchen Farbe oder Lack, dann ein Kindergarten-Aroma – Knetgummi. Eine verrückte Mischung, die man so noch nie in einem Parfum wahrgenommmen hat. Es folgt ein sehr angenehmer, dessertartiger Vanilleakkord, der ganz leise im Hintergrund mit Leder unterlegt ist. Ziemlich einzigartig, dieses #2, ein kindlich-freundliches, verspieltes Parfum mit einem netten Vanille-Drydown. Die Verpackung ist von einer Künstlerin gestaltet, der Flakon orientiert sich am Vorbild eines simplen Tintenfasses. Wer Vanille-Düfte liebt, sollte dieses Parfum unbedingt probieren, da es anders ist als die gängigen und trotzdem die Lust auf Vanille befriedigt. Die "Sillage" ist mittelmäßig, Haltbarkeit auf meiner Haut vier Stunden.

Aura von Swarowski


Dieser Duft brauchte eine zweite Chance. Als ich ihn das erste Mal testete, fand ich ihn widerwärtig. Dann redete ich mit einer Parfümerie-Fachverkäuferin über schreckliche Kopfnoten im allgemeinen und die eklige Kopfnote von "Aura" im besonderen und sie meinte:"Ja, aber geben Sie dem Duft 'mal 10 min - und sie werden Ihr blaues Wunder erleben". "Aura" sei toll, die Kopfnote müsse man überwinden, um dann zu einem richtig tollen Herzen durchzudringen. Natürlich hatte der schöne Flakon in mir bereits den Sammlerinstinkt geweckt, aber nach meiner ersten Begegnung mit "Aura" hatte ich einen Kauf für absolut unmöglich gehalten. Jetzt habe ich doch eine Flasche, allerdings eine kleine Miniatur, sehr süß mit einem rosa Swarovski-Steinchen auf dem Verschluß... "Aura" ist ein blumig-rosiger Duft, der zwei Komponenten enthällt, die ich mag: Litchi im Herzen und Ambra in der Basis. Die Struktur des Duftes ist relativ transparent. Wenn man "Aura" mit vielen Erscheinungen des Jahres 2011 vergleicht, so schneidet der Duft (wenn die Kopfnoten verflogen sind!) doch ganz gut ab. Wer also blumig-fruchtige, moderne Parfums mag, sollte "Aura" nicht nur auf einem Duftkärtchen, sondern auch auf der Haut eine Chance geben.

Authentic Maroussia von Slava Zaitzev


Nicht mehr erhältlich. Eine grüne und frische Version des klassischen "Maroussia"-Duftes, leider ein bißchen zu spitz und zu laut geraten.

Autoportrait von Olfactive Studio


Die angegebenen Noten lassen auf einen hervorragenden Duft hoffen, doch leider wird man enttäuscht. "Autoportrait" ist ein handwerklich sauber gemachtes Eau de Parfum, doch unter dem Niveau von z.B. Celine Ellenas "Un Parfum des Sens et Bois" (um ein anderes Beispiel aus dem Nische-Sektor zu nennen). "Autoportrait" hat mich aus der Serie von OLFACTIVE STUDIO am wenigsten angesprochen: zu herb und holzig (durch den zu großzügigen Einsatz von Zedernholz), zu bitter, zu "dunkel" für meinen Geschmack (zuviel Weihrauch). Bestimmt kein schlechter Herrenduft, doch es gibt eine Menge Alternativen, die günstiger und besser sind.

Azzaro vintage (1975)


Dieser Duft wird leider nicht mehr hergestellt. Sein moosig-grüner und gleichzeitig zitroniger Auftakt wurde gefolgt von einem spannenden, dunklen Fruchtakkord. Von der Struktur her war dieser Duft klar ein fruchtig-grüner Chypre, doch seine Schönheit war außergewöhnlich! Auch optisch war "Azzaro" ein Vergnügen, mit diesem Flakon begann ich im Jahre 1978 meine Sammlung. 2008 hat man versucht, den Duft wiederzubeleben, der Flakon ist nun nicht mehr schwarz, sondern weiß. Die Neuauflage "Azzaro Couture" ist schön geworden, reicht aber an das Original nicht heran.

Be21 von Orlane


Be 21 hat sehr scharfe Kopfnoten (Ingwer?), fängt also unangenehm an. Nach einer Weile entwickelt sich der Duft jedoch sehr soft, leicht mandelig-holzig. Kein Meisterwerk, aber tragbar.

Baby Doll von Yves Saint Laurent


Nomen est omen. Dieser Duft ist ideal für alle, die nicht "erwachsen" riechen wollen. "Baby Doll" ist ein schon in die Jahre gekommenes Mitglied der stets wachsenden "Pinky-fruity-floral"-Community (wurde bereits im Jahre 2000 lanciert). Zum Glück riecht "Baby Doll" nicht nach Zuckerwatte, sondern besonders im Auftakt nach Grapefruit. Es folgt eine starke Maiglöckchen-Note, die leider sehr künstlich und schreiend wirkt. Niedlich und harmlos an ganz jungen Mädchen, aber ziemlich lächerlich an allen, die älter sind als 16.

Bayadère von Les Vois Depliés


ist eine Kreation, die sehr stark an "Cinnabar" (vor der Reformulierung) von Lauder erinnert. Gewürze, Harze, balsamische Noten, Patchouli. Man kennt's. Wem der klassische "Cinnabar-Duft" zu stark und dominierend ist, dem kann ich Bayadère ans Herz legen. Dieser Duft ist leichter und dennoch üppig genug, um als Orientale gelten zu können. Außerdem ist er einfach schön, auch wenn man die Grundidee schon sehr gut kennt.

Beautiful (1985)


Eine von Sophia Grojsmans schönsten Kompositionen! Von ihr stammen auch die herrlichen Düfte "Trésor", "Kashâya" und "Yvresse" und natürlich der Vorreiter von "Beautiful", "Paris" von Yves Saint Laurent. "Beautiful" startet mit einem zitronig-frischen Akkord, der dann unverzüglich in eine süße, fruchtige Rose übergeht. Diese schöne Blume ist überzogen von Vanille und einer Mischung aus Laktonen und Ylang-Ylang sowie einer Amber-Note. Im "Drydown" findet man lediglich sanfte Anklänge an Hölzer, die Rose bleibt. Ein klassisches, strahlendes Parfum, das meiner Meinung nach niemals aus der Mode kommt.

Belle de Nuit Fragonard


Preiswerte Alternative zu Diors "J'adore". Nicht außergewöhnlich, aber angenehm.

Belle d'Opium von YSL


hat mit dem alten, leider vor circa zwei Jahren reformulierten Klassiker in etwa soviel zu tun wie Dieter Bohlen mit den Wiener Philharmonikern. "Belle" ist also keinesfalls ein "Opium light", sondern ein eigenständiger Duft, den ich eher in die blumige als in die orientalische Ecke einsortieren würde. "Belle d'Opium" beginnt mit einer geheimnisvollen, synthetischen, sehr süßen Blumennote, die ich leider nicht definieren kann (welcher Laie kennt schon die Namen der neuen "aromachemicals", aus denen die neuen Kreaktionen bestehen?). Nelke - wie im klassischen Opium - rieche ich hier auf keinen Fall. Im Herz des Duftes entfalten sich ein Mix aus Lilien und eine leicht fruchtige Note, die dann zu einer holzigen Basis aus synthetischem Sandelholz hinführen. Alles in allem ist "Belle" das Resultat der Anstrengungen des Hauses YSL, aus dem enormen Bekanntheitsgrad des Klassikers "Opium" nochmals Kapital zu schlagen. Es wurde wohl bewußt ein weniger prägnanter, moderner Duft geschaffen, der es an Komplexität mit dem alten "Opium" nicht aufnehmen kann, der aber auf der anderen Seite auch wenig Leichtigkeit oder Transparenz aufweist. "Belle d'Opium" wirkt auf mich wie eine Kreation des Kompromisses, es ist weder zu gewagt (wie z.B. Muglers "Womanity") noch zu reduziert (so wie die Düfte von J.C. Elléna). "Belle d'Opium" umhüllt die Trägerin mit einem Duftschleier, der relativ unspezifisch ist. "Frau" trägt ein angenehmes Parfum, aber welches? Es könnte auch "Sensuous" von Estée Lauder sein oder vielleicht etwas von Jil Sander... Männer scheinen das Parfum im allgemeinen positiver zu bewerten als Frauen; auf jeden Fall kenne ich einige, die "Belle d'Opium" sexy und inspirierend finden. Und das ist ja nicht das schlechteste Urteil über ein Parfum.

Bellissima Parfum Intense von Blumarine


Dieses Eau de Parfum Intense ist gut. Es erinnert ein bißchen an "Cashmere Mist" von Donna Karan, ist aber besonders zu Beginn fruchtiger und hält außerdem viel besser. Nachdem die Kopfnoten verflogen sind, kommen die cremigen und sanften Aspekte von Cashmeran, Vanille, Sandelholz und vor allem Heliotropin heraus. Dieses Parfum riecht sanft-verführerisch und gleichzeitig unschuldig, wird zum Schluß wunderbar pudrig und hält dazu sehr gut. Ein außgefallener Duft, den man nicht an jeder Ecke riecht und auch nicht überall in Deutschland oder Österreich bekommt. Blumarine ist in Italien sehr beliebt, nachdem ich einige Düfte der Firma getestet habe, verstehe ich, warum.

Bellodgia von Caron


Dieses zarte Parfum wurde nach einer kleinen Insel im Lago di Como benannt, wo im Frühling ganze Felder von zartrosa Nelken blühten. Diesen Blumen ist "Bellodgia" gewidmet (zumindest die Version vor der Reformulierung 2013). Wie ich hörte, hat Caron auch "Bellodgia" reformulieren müssen, da der Duftstoff, der für den Nelkencharakter des Parfums zuständig ist, nur noch in ganz geringen Dosen eingesetzt werden darf. Wie schade. Das reformulierte "Bellodgia" kenne ich noch nicht. In seiner alten Form ist "Bellodgia" ein wundervoller, friedlicher, sanfter Nelkenduft, der eine leichte Pudrigkeit aufweist. Nelkendüfte muß man/frau natürlich grundsätzlich mögen, um "Bellodgia" etwas abgewinnen zu können. Ich finde diesen Caron-Duft herrlich nostalgisch und sehr fein.

Bergamotto Marino von Gianfranco Ferré


Ein sehr "normales" Eau de Cologne, will sagen: Durchschnitt. Da Pierre Boudon der Schöpfer ist, hatte ich mir sehr viel mehr erwartet. "Bergamotto Marino" riecht geringfügig besser als 4711, verfliegt schneller als 4711 und ist im Hochsommer sicher angenehm, wenn man es aus dem Kühlschrank herausnehmen und zur Erfrischung benutzen kann. Wer ausdrucksvollere, individuellere Colognes sucht, sollte bei Guerlain (EdC Impériale) oder bei Mugler schauen ("Cologne" von Thierry Mugler), auch Chanel hat ein geniales Eau de Cologne im Programm oder Fragonard ("Cologne Grand Luxe").

Billet Doux Fragonard


Warmer Nelkenduft - ein "soliflore" der alten Schule. Weich und mit Vanille abgerundet. Für mich eine gute Alternative zu Comme des Garcons Carnation und anderen, die wesentlich teurer sind. Herrlich altmodischer kitschig-niedlicher Flacon. Duft hält sehr gut!

Black Ananda von Micallef


"Ananda" von Micallef ist zart-blumig und wunderschön, der Flanker "Black Ananda" ist ebenso bezaubernd, ein strahlender, freundlicher, betörender halborientalisch-blumiger Duft. Leider hält er sehr schlecht. Dies ist bei einem Preis von 80 Euro für 30 ml äußerst traurig, besonders weil es sich um einen ausgesprochen schönen Duft handelt.

Black Aoud von Montale


Black Aoud ist ein dunkler und holziger Rosenduft, der beweist, daß man aus Rosen mehr zaubern kann als zarte Jungmädchendüfte oder nostalgische Hommagen an englische Landschaftsgärten. Interessanterweise hat "Black Aoud" eine relativ einfache Struktur, doch dies muß kein Nachteil sein. Wir riechen hier ein sehr starkes Oudh, eine dunkle rote Rose und eine sehr tragfähige, ledrige Patchouli-Basis. Die Inhaltsstoffe sind von erstklassiger Qualität und bewirken, daß der Duft unglaublich gut hält. Er entwickelt sich sehr langsam, nach drei bis vier Stunden auf der Haut wird er sanfter als zu Beginn und man meint, einen gewissen Anteil Sandelholz zu riechen. Der Gesamteffekt ist opulent und umwerfend stark. Dieses Parfum reicht mehrere Jahre, denn es ist nur in einer 100 ml Flasche erhältlich. Man braucht aber nur drei Spritzer, um 24 Stunden parfümiert zu sein.

Black XS L'Exces for her von Paco Rabanne


Ein absoluter Exzess der Geschmacklosigkeit. Extrem stark, kaugummiartig, lähmt die Geruchsnerven und ist eines der unangenehmsten und aufdringlichsten Parfums, die ich kenne. Der Grufti-Look (Totenkopf auf der Flasche) ist doch schon lange passé, aber das Zeug riecht wirklich wie "out of hell". Insofern passt das Outfit doch ganz gut. Peinlicher "Killerduft".

Bliss von Accessorize


Unkomplizierter junger Duft mit starker Grapefruit-Note. Für circa 10 Euro ein guter Duft für junge Mädchen. Niedliche Verpackung!

Boisé Torride von Guerlain


"Boisé Torride" ist ein Eau de Parfum aus "Les Elixirs Charnels" -Serie. Der Name ist irreführend, denn extrem holzig ist der Duft nicht. Er enthält zwar Patchouli und Zedernholz, wirkt aber auf mich wie eine teurere Variante eines typischen "Florientals" im Stil von "Coco Mademoiselle". "Boisé Torride" würde sicher ein wesentlich größeres Publikum ansprechen, wenn sein Preis niedriger wäre. 180 Euro für 75 ml eines relativ unorginellen Duftes sind "too much". Aber auch wenn "Boisé torride" von seiner Komposition her (Thierry Wasser, 2009) nicht viel Neues bietet, so ist der Duft doch reizvoll und vor allem sehr "warm". Die angegebenen Kopfnoten von Bergamotte, rosa Pfeffer und Mandarine sind kaum relevant für das EdP, es wird vor allem von süßen und anfangs noch leicht holzigen Noten bestimmt. Guerlain führt hier die Komponente "Marshmallow" an, erwähnt dazu Orangenblüte, Jasmin, weißen Moschus und das Duo Zeder/Patchouli. Das Resultat ist ein weicher, aber dennoch starker, sinnlicher Duft, der in die Gourmand-Richtung geht. Vorbilder aus der Vergangenheit sind sicherlich "Angel" und das schon erwähnte "Coco Mademoiselle". Der Guerlain-Duft ist allerdings subtiler, doch ich meine, auch in "Boisé Torride" Ethylmaltol zu riechen, einen der Hauptbestandteile von "Angel". Im Vergleich zu dieser Bombe ist "Boisé Torride" viel zurückgenommener, aber dennoch hat er etwas von einem "Leckerchen" (so würden es manche Rheinländer ausdrücken). "Boisé Torride" ist eine süßlich-warme Mischung, die sich sehr angenehm trägt, besonders bei kälteren Temperaturen. Als Komposition aus meiner Sicht kein großer Wurf – so wie (leider) alle Düfte aus der "Elixir Charnel"-Abteilung. Vielleicht greift Guerlain "Boisé Torride" nochmals für den Mainstream auf (so wie 2012 "La petite robe noire"), sollte dann aber den Namen ändern. Mein Vorschlag wäre "Miss Guerlain", um den Girly-Anteilen in dem Duft gerecht zu werden ("Marshmallow" läßt grüßen). Man kann "Boisé Torride" mit Vergnügen tragen (Haltbarkeit und Sillage sind im Mittelfeld), das Zeug zu einem "Signature-Duft" hat dieser Komposition jedoch nicht. Für das Theater, das Guerlain um seine "Exclusifs" macht, ist "Boisé Torride" viel zu gewöhnlich. Würde es z.B. normale Duftpröbchen/Phiolen von den "Exklusiv-Parfums" für die Kunden in den "Maisons Guerlain"geben , würden sich Überbewertungen vermeiden lassen. Doch durch die Strategie der "rare distribution" ist die Kundin gezwungen, sich entweder umständlich irgendwo im Internet in einem Parfum-Forum eine Abfüllung zu organisieren oder sich ein von einer der Guerlain-Fachfrauen vor Ort einen der teuren Düfte seufzend auf ein Kärtchen sprühen zu lassen. "Dieser hier ist wie für Sie geschaffen". Ich rate dazu, sich zumindest mit dem ausgewählten Exclusiv-Duft parfümieren zu lassen und einige Stunden, besser noch Tage, mit dem Kauf zu warten. Vorteilhafter ist es immer, eine Probe zur Hand bzw. zuhause zu haben – aber wie schon gesagt verweigert Guerlain dies. Schade.

Bombay Bling von Neela Vermeire


Die Kopfnote ist wunderschön, was folgt, ist für mich eher abstoßend. Leider nehme ich nur nur überreife, beinahe verfaulte Früchte wahr, die ich als sehr unangenehm empfinde. Mango dominiert, nur riecht die hier zum Tragen kommende nach Schweiß und daher äußerst irritierend. Im Englischen sagt man: "A real scrubber". Ich mußte diesen Fruchtcocktail schnell wieder von meiner Haut abschrubben. Schade!

Borneo 1834 von Serge Lutens


"Borneo 1834" ist ein reduzierter Duft, der sich vor allem dadurch definiert, was er wegläßt, um nicht zu enden wie "A*men" von Mugler: zu süß, zu üppig, zu pappig. "Borneo 1834" kombiniert Patchouli mit Schokolade und erzielt damit einen würzigen, ganz zart blumigen Effekt. Während "A*men" sich in Vanille-Fantasien ergeht, läßt es "Borneo 1834" bei dem Patchouli-Schokoladen-Duo bewenden. Die Patchouli-Note ist wundervoll, sehr reich und würzig, die Schokolade ist bitter, man riecht sogar ein bißchen Kampher und Harze, zum Glück sehr wenig Honig (ich kann Honig nicht ausstehen). "Borneo 1834" hält sehr gut und ist ein wundervolles Parfum für alle, die einen Patchouli-Duft ohne beschwerende Süße und Dessert-Anklänge suchen.

Born Wild von Ed Hardy


Wassermelönchen-Duft mit Haarshampoo-Anklängen. Süß und relativ harmlos, da er schnell verfliegt. Was hat Wassermelone mit "Wildheit" zu tun? "Born wild" stelle ich mir olfaktorisch anders vor.

Boss Nuit pour femme


Extremer Werberummel, ein Name, der mir schmerzlich ins Bewußtsein ruft, wie gut Parfums früher waren, die "Nuit" im Namen tragen (man denke an "La Nuit" von Paco Rabanne oder "Nuit de Noel" von Caron) - und dann dieser Duft, der jetzt seit zwei Stunden auf meiner Haut vor sich hindämmert, ohne daß ich ihn positiv bemerken würde. "Boss Nuit" ist banaler Durchschnitt aus dem Chemielabor, eine graue Verpackung hätte besser zu ihm gepasst als das stylische Black. Überhaupt SCHWARZ - scheint ja ('mal wieder!) superangesagt zu sein, Chanel bringt COCO NOIR (auch keine Offenbarung!) als Megablockbuster, Guerlain "La petite robe noire" als Massenmarkt-Launch. Zumindest der Guerlain-Duft ist ganz klar von den Düften im Stil von BOSS NUIT zu unterscheiden, bei Chanel ist dies auch der Fall. Eben immer noch eine andere Liga als BOSS. Der Boss-Nachtduft ist so auswechselbar, daß es in der Dunkelheit sehr schwer werden wird, jemanden allein an diesem Parfum zu erkennen. Allen, die nicht grau, sondern wirklich BLACK riechen wollen, empfehle ich übrigens das geniale "Bulgari BLACK" oder auch "Black Aoud" von Montale.

Bottega Veneta


Das perfekte Beispiel für die große Begabung des Michel Almairac, Parfums zu entwickeln, die sich tief ins Gedächtnis einprägen. "Bottega Veneta" ist einer der besten Düfte, die Coty 2011 herausgebracht hat, vielleicht der beste. Hier haben wir einen zeitgenössischen Chypre mit Leder und Pflaume - und dazu (ich frage mich, wie die das geschafft haben - wegen der Beschränkungen) Eichenmoos. Ich liebe die holzig-ledrigen Noten im Hintergrund, alles ist sehr subtil, fast "pastelig". Aus der Ferne erweckt dieser Duft einen nostalgischen Eindruck, man glaubt, ihn von früher zu kennen, aus der Nähe ist er sanfter und cleaner als alle anderen ledrigen Chypres. Aber genau deswegen gefällt mir "Bottega V." auch so gut. Einziger Nachteil: Unterdurchschnittliche Haltbarkeit. Dennoch exzellent.

Bottega Veneta Eau légere


Dort in moosumrankten Klüften,

Wo der Kühlung Weste wehn,

Und den Kranz um Schläf und Hüften

Elfen sich im Tanz ergehn.


Joseph von Eichendorff



Der neue Duft von Bottega Veneta, Eau legere, ist so gelungen, daß ihn nur Poesie angemessen beschreiben kann – in diesem Falle natürlich nicht meine eigene, sondern die eines großen Romantikers. "Moosumrankte Klüfte" finden sich in Bottega Veneta E.L. in der Tat, die herbe Frische von Eichenmoos (welcher Ersatz hier für das 'real thing' gefunden worden ist, vermag ich nicht zu sagen, Eichenmoos steht ja auf der Liste der Geruchsstoffe, die aus Parfums verschwinden sollen) ist spürbar, Kühlung erfährt die Verwenderin dieses Duftes durch Zitrone, die aber nicht beißt, sondern zusammen mit ganz dezenten Blütennoten wie auf einem grünen Pfad ins matte Licht führt. Hier ist alles wirklich nur hingehaucht, auch die softe Ledernote. Dennoch kann gerade die Feinheit und zurückgenommene Eleganz dieses "leichten Wassers" Wonne in müde Seelen hauchen – grandios, was der Parfümeur hier vollbracht hat... und dann kommt das ganze auch noch von einem Mainstream-Giganten, nämlich von Coty... - Wunder gibt es immer wieder. Ja, es gibt einen kleinen Wehrmutstropfen – wie viele schöne Eindrücke verläßt dieses "leichte Wasser" mich nach zwei Stunden wieder, es verblüht ein bißchen zu früh, aber ich sehe es ihm nach, denn es ist so vergnüglich und perfekt so lange es präsent ist. Und für alle, die es weniger poetisch mögen: Das Bottega Veneta Eau de Parfum hält besser (verständlich), hat mehr ledrige Anteile und einen deutlicheren Chypre-Charakter. Das hier von mir gefeierte Eau legere zeichnet sich durch seine zitrusartigen, grünen Kopfnoten aus, die im Sommer besonders angenehm sind. Dieses "leichte Wasser" ist genau der Sommerduft, nachdem ich schon immer gesucht habe.

Bouquet d'orient von Girard


Ein stark ambrierter Duft, sehr opulent mit Patchouli und sehr pudrigen Noten. Ganz weitläufig verwandt mit "Youth Dew", aber nicht ganz so einprägsam und originell. Vanille, Myrrhe und (künstliches) Zibet bilden eine warme, erotisierende Basis, während Gewürze weniger im Vordergrund stehen. Dieser Duft zelebriert den Zauber der 1920er Jahre, der "années folles", ist aber keine billige Kopie von "Shalimar" (wie öfter zu lesen ist), sondern eine eigenständige Kreation. Durchdringend und gleichzeitig animalisch (Zibet!) ist dieser Duft dem Abend vorbehalten. Zu dem niedrigen Preis, den ich bezahlte, ein überraschend langanhaltender Duft, der mich zwar nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißt, den ich aber allen empfehlen kann, die eine günstige Alternative zu teureren orientalisch-pudrigen Parfums suchen. (10 Pfund in UK bei Boots; der Flakon und die Aufmachung sind sehr niedlich!).

Brezza di Seta von Calé Fragranze d'Autore


ist ein ruhiges, sanftes Parfum. Obwohl die Kopfnoten frisch sind (Zitrus, Lavendel), hat dieser Duft im weiteren Verlauf eine fast "pastellige" Ausstrahlung. Die Herznoten sind weich, pudrig und aromatisch, ein bißchen Veilchen, etwas Rose, weiterhin Lavendel. Der pudrige Effekt ist äußerst angenehm, aber anders als in vielen anderen Düften. Wenn man sich eine leichten Puderhauch vorstellen könnte, der zwischen grün und rosé oszelliert, dann käme man dem Duft näher... - "Brezza di Seta" ist ein transparenter Dufthauch, leicht verträumt, etwas nostalgisch, aber nicht langweilig. Auch die Basisnote in "Brezza di Seta" ist ausgezeichnet, sie bleibt trotz Vetiver weich und seidig. Von allen Düften, die ich bisher von Calé Fragranze d'Autore getestet habe, ist "Brezza di Seta" mein Favorit. Calé Fragranze d'Autore haben einen interessanten Mittelweg zwischen den traditionell starken, italienischen Parfums und der eher reduktionistischen, transparenten neuen französischen Parfumkompositionsweise gefunden. Ich finde die meisten Düfte dieses Nischen-Hauses sehr gelungen.

Brilliant White Diamonds von Liz Taylor


Hier funkelt's so doll, daß die Flasche beinahe explodiert - die Aldehyde wollen raus. Extrem starkes, sehr synthetisch riechendes Powerparfum, das einen erschlägt und so überladen ist wie der hübsche Hals von Liz Taylor früher mit Schmuck behängt war. Dabei wirkt der Duft kühl und fast abweisend, auch der Drydown riecht noch so künstlich wie die Kopfnoten. Kein guter Duft aus der Taylor-Reihe. Der Bestseller "White Diamonds" ist erträglicher.

Bronze Goddess Capri von Estee Lauder


Unfaßbar langweiliger Duft von einer Firma, die früher wirklich Besseres produziert hat. In "Capri" trifft eine beißende Zitrone auf Babypuder und etwas Vanille. Leider bleibt die ätzende Zitrone bis in den Drydown hinein erhalten und macht dieses Wässerchen zu einem dissonanten Gebilde. Übrigens liebe ich Zitronenduft, wenn er gut ist. Leider ist hier das Gegenteil der Fall. "Capri" hat eine sehr geringe Sillage (zum Glück!) und hält nicht länger als 120 min. Der reguläre "Bronze Goddess" ist um Längen angenehmer!

Bulgari pour femme (1994)


Eine weitere geniale Komposition von Sophia Grojsman. Diesmal rieche ich keinen fruchtig-rosigen Chypre-Duft, (vgl. Trésor, Kashâya, Yvresse, Beautiful), sondern ein sehr viel transparenteres, luftigeres Gebilde. Der Duft erreicht eine feine Balance aus Jasmine, Veilchenblatt, pudrigem Heliotropin und Aldehyden. "Bulgari pour Femme" riecht frisch und strahlend, vielleicht könnte man es als Nachfolgeduft zu "Silences" von Jacomo oder "Y" von YSL sehen (beides Lieblinge von mir). Doch anstelle eines grünen Chypre-Ausklangs riecht man bei "Bulgari" eine leichtere Grundnote. Es ist ein Parfum, das fast jedem/jeder gefällt, niemals unangenehm wird und sich überall tragen läßt.

Bull's Blood von Imaginary Authors


Die Reihe "Imaginary Authors" ist "Clever Niche" - durch und durch! Sie spielt sehr gekonnt mit der Lust der User auf ständig neue Reize, die im Falle von "Imaginary Authors" nicht durch die Düfte selbst, sondern durch die amüsant bis absurden Namen getriggert werden. J. C. Elléna würde hier von einem "narrativen Parfum" sprechen. Ich konnte die Reihe durchtesten und muß sagen, daß ich keinen Duft gefunden habe, der nicht schon Bekanntes rezitiert oder kopiert, im besten Falle ("The Soft Lawn") neu und spannend anordnet. Durch die clevere Assoziationskette, die wir als BenutzerInnen jedoch schnell in unserem Kopf bilden, meinen einige wohl wirklich, Tennisbälle (wie in "The Soft Lawn" als Zutat angegeben) oder "Blut" zu riechen. "Bull's Blood" enthält jedoch meines Erachtens keinerlei Blut, sondern jede Menge Patchouli kombiniert mit Tabak. Diese Kombi muß man mögen, um "Bull's Blood" zu schätzen. Rose (wie ebenfalls in der Pyramide genannt) ist nur in der Kopfnote zu vernehmen, der gesamte Duft ist extrem "maskulin". "Bull's Blood" ist ein solider Patchouli-Tabak-Duft, der weder abstoßend noch unangenehm auf mich wirkt, den ich aber nicht kaufen würde, weil es auf diesem Gebiet einige Vertreter gibt, die besser sind. Das Patchouli in "Bull's Blood" ist zu staubig, nicht warm genug - und der Tabak zu "blond", für mich könnte er würziger sein.

Burberry London for Men


Fast schon ein Klassiker: würzig, warm - mit sehr viel Patchouli. Ausgesprochen angenehm, für mich der beste Burberry-Herrenduft. "Architect" von Oriflame ist eine extrem gute Kopie (für alle, die den seltsamen Flakon von Burberry im Stoffmäntelchen nicht mögen).

Burberry Weekend


Der Auftakt ist super-angenehm, frisch und grün. Einfach herrlich – ich kann mir nicht vorstellen, daß diese Kopfnoten jemandem mißfallen könnten. Was dann folgt, ist ein blumiger Mix mit etwas Pfirsich, doch zum Glück kein konventioneller Fruity-Floral, sondern ein schöner Akkord, der mich entfernt an "Beautiful" von Estee Lauder erinnert. Die blumigen Noten ziehen sich durch bis zum Drydown, bleiben diskret, aber dennoch wahrnehmbar. Die Stärke dieses Duftes liegt in seiner unaufdringlichen Präsenz. Für mich eines der besten Burberry-Parfums.

Byzance


Enthält viele weiße Blüten, Jasmin und Tuberose, außerdem Vanille und einen leicht holzigen Akkord, der die Komposition vor dem Abrutschen ins Gewöhnliche bewahrt. Ich würde den Duft jedoch nicht ins orientalische Lager einordnen, dafür ist er zu leicht und in seiner gegenwärtigen, überarbeiteten Form zu seifig. Das "Byzance" aus den 80er Jahren hatte mehr Power und Charakter, wahrscheinlich hat man das Eichenmoos herausgenommen.

Cabochard


heißt auf Französisch dickköpfig ... - oder beharrlich, leider ist das reformulierte EdT nicht mehr so stark wie das Original von 1958. Nachdem Madame Gres von einer Indienreise zurückgekehrt war, schuf sie diesen außergewöhnlichen Duft (bzw. ließ ihn von Bernhard Chant kreieren). Gewürze und Patchouli dominieren, aber natürlich riecht man auch Eichenmoos für den Chypre-Touch und einen Hauch Tabak und Leder. Cabochard hat einen hohen Wiedererkennungswert, es ist unverwechselbar. Wenn es auch von Indien inspiriert wurde, so riecht es ganz und gar nicht wie die heutigen Düfte, die mit dererlei Assoziationen spielen, sondern ist pariserisch chic und sehr herb. Ein ausgezeichnetes Parfum, das ich immer wieder gern trage. Das Pendant zu "Cabochard" im Männersegment ist übrigens "Aramis", auch von dem genialen B. Chant geschaffen und noch nicht reformuliert, daher noch näher dran an der "Urform".

Cabotine Moonflower von GRES


Es ist schwierig, noch den Überblick zu behalten bei all' den verschiedenen Flankern von Cabotine. Cabotine Gold, Cabotine Rose, Cabotine Green Summer... - keiner kann überzeugen. Moonflower ist bisher der schönste Cabotine-Flanker, ein blumig-vanilliger Duft mit Pfingstrose und ganz leichten holzigen Anklängen, sogar einem Touch Weihrauch (für's "Moon-Feeling"). Kein "Must-Have", aber ein angenehmer, unaufdringlicher Begleiter.

Caligna von L'Artisan Parfumeur


"Caligna" - was heißt das überhaupt? Ist es ein Mädchenname? Nein, "Caligna" ist abgeleitet von einem Wort, das auf Provençal "flirten" oder "jemandem den Hof machen" heißt. "Caligna" möchte uns also in die Provençe entführen, in die Nähe von Grasse, an den Busen der französischen Parfumindustrie. Der Text auf dem Umkarton meines Pröbchens verspricht: "Aromatisch und unwiderstehlich, ein Hauch leichten Wahnsinns im Hinterland von Grasse." (Nein, es liegt nicht an der Übersetzung, "un vent de douce folie" hört sich zunächst auch nicht sinnvoller an). Der Wahnsinn "light" besteht in der Zusammenführung von Salbei, Feige, Fichtennadeln, Baumharz und einem Akkord aus "Jasmin-Marmelade". Tja. Rosen-Marmelade kenne ich, aber Jasmin-Marmelade habe ich noch nie gekostet. Was die Parfümeurin Dora Baghriche-Arnaud genau unter dieser Zutat versteht, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Ich interpretiere es so, daß die Süße des Jasmins ihr dazu dient, den Salbei in neuem Licht zu präsentieren, was ihr außerordentlich gut gelingt. "Caligna" ist ein "narratives Parfum", (es berichtet von einem konkreten Ort), reproduziert jedoch keines der üblichen Klischées. Das Hinterland von Grasse wird nicht durch Lavendelfelder oder Thymiansträuße evoziert, sondern die Parfümeurin benutzt neue Komponenten, die von mediterraner Landschaft künden. Der Salbei wird zusammen mit der Jasmin-Marmelade und der Feige (hier rieche ich Anklänge an "Premier Figuier") zu einem ungewöhnlichen Landschaftsbild montiert. Fichtennadeln und Harze im Ausklang lassen an einen lichtdurchfluteten Wald denken, der ganz in der Nähe des Meeres liegt. "Caligna" ist sommerlich, der "vent doux" aus der Beschreibung findet sich hier. Dennoch kann mich der Duft nicht wirklich überzeugen, ich würde ihn wohl benutzen, wenn ich ihn geschenkt bekäme, reihe ihn aber nicht in die Liste meiner Lieblinge von "L'Artisan" ein. Ich muß jedoch dazu sagen, daß ich weder Jasmin noch Salbei zu meinen Favoriten zähle, wenn es um Kräuter bzw. Blumen geht. Von "L'Artisan" liebe ich z.B. "Safran Troublant" oder auch "Traversée du Bosphore", die wesentlich stärker und pudriger sind. Ich könnte mir vorstellen, daß "Caligna" all jenen gefällt, die krautig-harzige Düfte mögen. In Flirtlaune versetzt mich der Duft überhaupt nicht; der Name ist daher aus meiner Sicht nicht besonders passend. Trotzdem ist diese Neuerscheinung bemerkenswert, weil sie neue Kombinationen auslotet und frische Dufterfahrungen bietet. Ganz "Nische", also doch "un vent de douce folie....".

Calyx von Prescriptives


Calyx ist die Urmutter aller Obstsalat-Düfte auf dem Markt, ein Pionier der Obstsalate in der Flasche. Ich werde nie vergessen, wie überraschend und aufregend ich den Duft im Jahre 1986 fand, als ich ihn in Hamburg zum ersten Mal roch und sofort kaufte. "Calyx" war damals eine fantastische Alternative zur "Cinnabar-KL-Red Door-Coco-Liga". Wenn ich den Duft heute wieder in die Nase bekomme, so muß ich sagen, daß ich ihn immer noch viel besser finde als den Escada-Tutti-Frutti-Mix des Jahres, aber ich würde "Calyx" heute nicht mehr tragen, denn mittlerweile empfinde ich die Obstnote als künstlich und überholt. Trotzdem empfehlenswert für alle, die den Duft noch nicht kennen und den Ursprüngen eines Megatrends nachspüren wollen. Haltbarkeit und Sillage sind ausgezeichnet. Es ist ja auch ein US-amerikanisches Produkt einer Estee-Lauder-Tochter.

Camera On by Camera Paris


Ein angenehmer, harmonischer, zitroniger, leicht krautiger Duft mit etwas Lavendel und einer holzigen Basisnote, typischer "Fougère" . Bleibt dezent im Hintergrund und hält nicht lang, kann aber mit einem amüsanten Flakon punkten, der das Herz von Fotofreaks höher schlagen lassen wird. Schönes Sammelobjekt.

Candy Prada (2011)


Der Flakon ist wirklich gelungen – ebenso die Verpackung und natürlich die Werbekampagne! Wirklich niedlich! Wie ist der Duft? Naja, so la-la. Nicht übel, würde ich sagen. Mehr nicht? Mehr nicht! Warum? Candy ist völlig harmlos, fast schon belanglos. Ein süßer Vanille-Hauch, sehr zuckrig. Nicht pudrig, sondern karamellartig. Verfliegt ziemlich schnell. Meine Tochter (19 J.) liebt diesen Duft und hat ihn sich gekauft (zum Glück im Sonderangebot). Ich persönlich finde, daß man sein gutes Geld nicht für niedlich verpackten Vanille-Karamell-Pudding in der Flasche ausgeben sollte. Selbst dann nicht, wenn der Duft von Prada ist!

Cardinal von Heeley


Ein sehr "liturgischer" Duft mit Weihrauch als Hauptinhaltsstoff und einzigem Thema. Sehr viel leichter und zitrischer als "Avignon", "Zagorsk" oder auch Montales "Full Incense", aber eben auch viel substanzloser. Verfliegt schnell, riecht ganz nett und ist überteuert. Eine Art "Full Incense Light".

Carita Eau de Parfum von Carita


Die Kosmetikfirma Carita, die zur Shiseido-Gruppe gehört, hat einen eigenen Duft herausgebracht, einen zart-blumigen Cocktail auf einer leicht ambrierten Basis. Carita EdP trägt die Handschrift von Alberto Morillas, dem Schöpfer des Blockbusters "Kenzo Flower". Die Parallelen sind deutlich, wobei Carita für mich eine "up-market"-Version von "Flower" ist, für meinen Geschmack zu "understated"und sittsam. Der Flakon mit dem Ballonzerstäuber hat bereits eine Welle von Reklamationen ausgelöst; er ist extrem unhandlich und der "Auf-Zu-Mechanismus" am Flaschenhals funktioniert nicht richtig, so daß der Duft nicht aus der Flasche herauskommt...- man muß ihn umfüllen, alles andere klappt nicht.

Cartier de Lune von Cartier


Es ist schwer zu begreifen, fast unglaublich, daß dieses Wässerchen das neuste Parfum von Cartier sein soll. Welches Briefing hat der Parfumeur hier bekommen und welches Budget? Die Marketing-Abteilung scheint zu glauben, daß es reicht, einen poetischen Namen zu benutzen oder zu mißbrauchen, um die Kunden zum Kauf zu bewegen. Dieses EdT ist von 1000 anderen, viel billigeren Kaufhaus-und-Drogerie-Duftwässerchen nicht zu unterschieden in seiner generischen, uncharakteristischen Machart. "Capture the ephemeral" steht auf meinem Testmuster, allerdings, dieser Duft ist genau das, extrem "vergänglich", denn er verfliegt nach dreißig Minuten. Die Blumen stoßen noch ein trauriges, verwelktes Wispern aus und riechen ganz entfernt verrottet, so daß ich beim Testen geneigt war, meine Hand schnell abzuschrubben, aber zum Glück war der Spuk schnell vorbei. Selten habe ich einen alberneren Duft zu diesem Preis gerochen - dazu noch versehen mit pseudo-poetischem Werbegewäsch.

Ça Sent Beau von Kenzo


Das riecht gut – stimmt. Das Geheimnis liegt hier in der Simplizität: Starke Blumennoten wurden verbunden mit ziemlich lauten Moschusakkorden. Die Blumen sind alle "orange" (ich meine, auch Orangenblüte zu riechen), aber die Moschusnoten sind dunkel, ein bißchen weniger "clean" als sonst. Anders als Yvresse (süßer und fruchtiger), auch ein Chypre, ist "Ça Sent Beau" schärfer, weniger pudrig im Drydown und abstrakter. Es unternimmt keinerlei Anstrengung, irgendwie "natürlich" zu riechen. Vielleicht ein unterbewerteter Vorreiter von Comme des Garçons?

Cèdre von Fragonard


Dieser Duft riecht kaum nach Zeder, sondern ist ein leichtes, frisches Eau mit einem Spritzer Apfel.Cedre ist sehr "low key" und hat keine große Sillage. Wer nach einem echten Zedernduft sucht, wird hier nicht fündig.

Central Park West von Bond No. 9


Gardenien-Düfte sind eigentlich nicht mein Ding. Tuberrose auch nicht. Narzisse aber schon. Und "Central Park West" von Bond No. 9 steht ab heute auf meiner Top-Five-Liste der besten Bond-Parfums. Dieses Parfum ist stark, extrem blumig und richtig laut. Es hat Power ohne Ende, riecht aber dennoch nicht künstlich oder zu synthetisch. Die Üppigkeit der Gardenie wird in diesem einzigartigen Parfum gekonnt mit der würzig-frischen Narzisse vermischt. Sagenhaft! Das habe ich bisher noch nie so gerochen - hier ist der Parfümeur auf etwas NEUES gekommen. Chapeau! Einige Spritzer von diesem Blumen-Elixir genügen, um knallig-blumig parfümiert zu sein. Ja, unwillkürlich denkt man an die 80er-Jahre, an Parfums, die fast "neonpink" rochen oder "quietschgelb" ("Paris" von YSL, "Giorgio Beverly Hills"), aber man muß ja nicht ganz so hoch dosieren und kann "Central Park West" vorsichtig einsetzen. Natürlich sollte ein Hang zu blumigen Parfums bei der Trägerin/dem Träger vorhanden sein, um dieses neue Werk (2012) aus dem Hause Bond No. 9 ins Herz schließen zu können. Und wer verhaltene, sanfte Blumen liebt, wird mit diesem Duft garantiert nicht glücklich. Er haut nämlich ganz schön rein oder haut auch bei Bedarf um... - mich im positiven Sinne.

Chai Tea Demeter Fragrance


Unkomlizierter Duft, der nach Zimt-Gewürz-Tee riecht. Der echte indische Chai, den ich sehr liebe, ist noch pfeffriger und feuriger, der Demeter-Chai-Duft ist zwar zimtig-würzig, aber nicht wirklich gut als Hautparfum ("parfum de peau") geeignet. Ich werde ihn vermutlich in der Weihnachtszeit als "Ambiance Fragrance" versprühen. Wie viele Demeter-Düfte ist diese Variante sehr, sehr einfach gestrickt - keinerlei Vielschichtigkeit. Hält circa 3 Stunden.

Chambre noire von Olfactive Studio


Hinter dem OLFACTIVE STUDIO steht Celine Verleure, Liebhaberin von Geschichte und Geschichten, von bildender Kunst und von Parfums. Sie versucht mit diesem Projekt, ihre Interessen zusammenzubringen, die Photographie und die Parfumkunst zu vereinen. Mit den bisher erschienen Düften erzählt sie mittles der visuellen und der olfaktiven Schiene von Abenteuern, von Momenten, von Gefühlen. Drei Photos finden ihre Entsprechung in drei Parfums: «Still life», «Autoportrait» und «Chambre noire» sind drei Eaux de Parfum, die von drei verschiedenen Parfumeuren basierend auf ihrer Interpretation eines von Celine Verleure ausgewählten Bildes geschaffen wurden. Die Dunkelkammer, das «Chambre noire», geschaffen von Dorothee Piot, hat mich am meisten fasziniert. Er ist sanft und warm, ledrig und holzig. Obwohl die Inhaltsstoffe (Weihrauch, Patchouli, Veilchen, Pflaume) auf einen sehr kräftigen Duft hindeuten, ist «Chambre noire» eher zurückhaltend, auf subtile Art verführerisch und anschmiegsam wie ein ganz feiner Lederhandschuh. Wer den Duft "Daim Blond" von Lutens kennt, kann sich vorstellen, in welche Richtung das Eau de Parfum geht. Konzept und Duft passen perfekt zusammen und stellen eine bemerkenswerte Neuentwicklung auf dem Niche-Sektor dar. Einer der schönsten, harmonischsten Lederdüfte, die ich kenne. Sehr zu empfehlen.

Champion von Davidoff


Langweiliger, stechend-ätzender Herrenduft, den man nicht weiter beachten sollte.

"Champs Elysées"


aus dem Jahre 1996 wird von Luca Turin mit einem kläglichen Stern bewertet. Auch Parfum-Päpste können irren - oder besser gesagt: Vive la différence, denn Geschmäcker sind einfach verschieden. Zum Glück! Ich z.B. liebe "Champs Elysées". Das Parfum ist aus herrlichsten Blüten komponiert worden: Rosen, Sommerflieder, Mimose. Es ist weder zu schwach auf der Brust noch haut es einen um, sondern ich empfinde es als perfekt ausbalanciert. "Ananda" von Micallef ähnelt "Champs Elysées" entfernt, ist aber viel luftiger und leichter. Guerlain hat mit "Champs Elysées" damals keine falsche Richtung eingeschlagen, wie Turin nicht müde wird zu betonen, im Gegenteil, es war der richtige Weg hin zu einem modernen Blumenduft, der zudem einprägsam und unvergeßlich ist, was man von vielen anderen Parfums leider nicht sagen kann.

Chance Eau Fraiche von Chanel


Chemischer Blumen-Cocktail, wie die Aufschrift auf meinem Sample schon sagt: "The unexpected Floral Fragrance". So einen schlechten Duft hätte ich in der Tat von Chanel nicht erwartet. Hier würde ich unbedingt zum regulären "Chance" raten, das ein bißchen mehr Persönlichkeit hat.

Chantilly von Dana


Review des neuen "Parfum-Extraits" (reformulated). Ein klassisches Parfum zu einem sehr guten Preis (habe für ein Set mit Eau de toilette und Extrait zusammen 10 Euro bezahlt). Leicht zitronig-pfeffrig, aber dennoch im Herzen blumig (Nelke und vor allem Orangenblüte) mit einem trockenen Sandelholz als Basis. Wirkt feminin, klar und herrlich nostalgisch. Die Vintage-Version besaß mehr Gewürze und einen angenehmeren Drydown. Im reformulierten "Chantilly" riecht man nach paar Stunden nur noch diesen typischen Toilettenseife-Geruch. Dennoch ist dieser Duft aus der Billig-Abteilung englischer und amerikanischer Drogerieketten ein echtes "Schnäppchen", denn "Chantilly" ist ein Charakter-Parfum, das man auch nach seiner Reformulierung noch sofort erkennt und das ähnlich wie "Tabu" (ebenfalls von Dana) nicht umsonst viele treue Fans hat.

Charme von La Perla


Dieser Duft ist in der Tat charmant - wie der Name schon sagt. Er nutzt zwei in der Parfümerie sehr gängige Bestandteile, Rose und Vanille, um einen dennoch verblüffend originellen Effekt zu erzielen, eine gewisse leuchtende Leichtigkeit zu vermitteln. Die saftigen, frischen Kopfnoten harmonieren perfekt mit dem rosigen Herzen und dem pudrigen Drydown. Seltsamerweise erinnert mich "Charme" an einen berühmten Duft aus dem Jahre 1994, an "Tocade" von Rochas. "Charme" ist allerdings viel leichter und "fluffiger", verfliegt auch wesentlich schneller als "Tocade". "Tocade light" sozusagen.

Charriol Eau de Parfum von Charriol


Eine gute Alternative zu "Angel". Weniger aufdringlich, in den Kopfnoten ein bißchen holzig, im Drydown dann mit viel Ethylmaltol und der charakteristischen Praliné-Patchouli-Note, aber angenehmer als "Angel". Kein großer Wurf, besonders nicht, wenn man bedenkt, daß "Charriol" im Jahre 2008 mit dieser Variante eines offensichtlich nie endenwollenden Themas aufwartete. Wirkt anachronistisch.

Cheeky Alice von Vivian Westwood


Anfang März 2012 habe ich noch im "Independent" einen lobenden Artikel über Vivian Westwood gelesen. Ihre neuste Mode-Kollektion soll sehr überzeugend sein. Für das Schlußdefilée wählte sie für sich selbst ein Kleid, das mit lauter Geldscheinen bedruckt war, um Kritik am Bankensystem zu üben (Vivian Westwood goes Occupy?). Wozu ich das erzähle? Um von meiner Enttäuschung über den neusten Duft von V.W. "Cheeeky Alice" zu berichten, die auf dem eben skizzirten Background noch größer wird. "Cheeky Alice" ist ein olfaktorisches Leichtgewicht, ein komplett belangloser Duft, der zu einer Modeschöpferin von Format nicht paßt. Wer berät V.W. in diesen Fragen? Oder hat sie einfach ihren Namen verkauft und keine Kontrolle über die Parfums mehr? Ich wundere mich über die Diskrepanz zwischen der Mode, den politischen Statements der Westwood und diesen mädchenhaften Harmlos-Düftchen.

Cherry in the Air von Escada


Kirschlutscher in der Flasche, offensichtlich ein neuer Trend, nachdem selbst Guerlain seinen ursprünglich guten Duft "La petite robe noire" , den es früher nur in der Guerlain-Boutique gab, für den Massenmarkt mit Kirsche, Kirsche, und Kirsche überfrachtet hat. Auch das Eau de toilette von "La petite robe noire" stellt die süße Kirsche in den Mittelpunkt, allerdings raffinierter als Escada, deren "Cherry in the Air" an infantiler Banalität kaum zu überbieten ist. "DM" (der Drogeriemarkt) hatte übrigens im Sommer 2013 ein Duschgel im Angebot, das 69 Cent kostete und den angesagten Kirschduft auch sehr schön in die Flasche gebannt hatte.

Choc de Cardin


Choc ist eine wundervolle Alternative zu Diorella. Weniger frichtig, zitroniger, herber und frischer, aber dennoch außergewöhnlich. "Choc" riecht klar und stark, die Basis ist eindeutig ein Chypre. Heute gibt es dieses Parfum kaum noch, was sehr schade ist. Perfekt passend für beide Geschlechter.

Chocolate Greedy von Montale


Popcorn! Verbranntes Popcorn mit Schokoladensauce! Für mich ist "Chocolate Greedy" kein abstraktes Parfum, sondern konkrete Programm-Duftmusik. Mir ist es schleierhaft, warum mann oder frau so riechen will! Hier wird weder die Fantasie beflügelt, noch wird ein Duft geschaffen, der NEU ist (also vorher nicht in dieser Form existierte), hier wird lediglich der Geruch von einem Kirmesstand, an dem Karamel, Schokolade und Popkorn verkauft werden, in eine Flasche gepresset. Ein mir nicht verständliches, meine Geruchsnerven stark auf die Probe stellendes Duftkonzept. Haltbarkeit und Sillage sind - wie immer bei Montale - außergewöhnlich. Was meinte die freundliche Verkäuferin doch, als sie mir das Pröbchen spendierte: "Vielleicht auch etwas für ihren Mann. Viele unserer männlichen Kunden fahren total darauf ab!" Mein Mann – zum Glück - nicht.

Chypre fruité von Montal


Der Name weckt Erwartungen, die nicht erfüllt werden, denn besonders fruchtig ist dieses Parfum nicht. Es ist aber auch nicht besonders "chypre-mäßig". Vielleicht liegt das an den IFRA-Regeln? Schließlich ist "Chypre Fruité" eine moderne Komposition. Also: Erwarten Sie keine neue Version von "Mitsouko" oder "Femme". Der Duft startet mit einem trockenen, leicht pudrigen Akkord, "verstaubte Früchte unter einer Moosdecke". Herz und Drydown sind etwas wärmer, bleiben aber seltsam ausdruckslos. Dennoch alles in allem elegant und akzeptabel.

Clear Day von Etienne Aigner


Der Name paßt! Ein sehr seifig-klarer, kaum blumiger Duft, etwas zu metallisch, etwas zu synthetisch, um für meinen Geschmack als schön gelten zu können. Vermittelt die Aura des "Frisch-Gewaschen-Sein", wirkt dabei aber angestrengt-verkrampft, nicht locker und jugendfrisch wie "CK One", sondern penibel sauber wie im Hygiene-Institut. Haftet sehr lange. Wer sich stundenlang "ent-erotisieren" möchte, könnte mit diesem Duft glücklich werden. Er ist für mich das Gegenteil von "sexy".

Cleopatra von Tocca


"Cleopatra" - der riecht wie ein bekannter Blockbuster, ist fast identisch mit "Narcisco Rodriquez for Her". "Cleopatra" ist gar nicht mein Ding. Zu laut! Der Duft ist sehr süß und blumig, mit Tuberose und Jasmin auf einer Moschus-Vanille-Basis. Eben wie Narcisco R. Hält sehr gut, eine echte Bombe! Vorsichtig dosieren!

Climat


Ist stark verwandt mit "Chanel No. 5", auch wenn "Climat" erst 1967 lanciert wurde. In seiner Vintage-Form ist "Climat" ein Duft aus weißen Blüten und Aldehyden. Ich stelle mir dieses Parfum zu einem klassischen französischen Kleid vor ("petite robe noire"), zusammen mit Perlenkettchen und rotem Lippenstift vor. Auch die Wiederauflage von 2007 riecht sehr elegant und konventionell. Kein besonders aufregender Duft. Dennoch nicht übel.

Coco von Chanel (Parfum Extrait)


Dieser Duft, kreiert im Jahre 1984, ist leider auch Opfer der Reformulierungswut geworden. Zum Glück riecht er auch in seiner aktuellen Form noch sehr gut. Ein Orientale, ja, aber nicht zu süß oder zu balsamisch, sondern samtig und leicht holzig-ledrig. Jacques Polge hatte die geniale Idee, einen orientalischen Duft zu kreieren, der Leder und Schokolade enthält. Herausgekommen ist ein Parfum, das vor seiner Reformuliereung barock-opulent war, heute jedoch viel von seiner Tiefe verloren hat. Dies kann daran liegen, daß "Damskone", künstlich hergestellte "rosenartige" Bestandteile von Coco, die besonders komplex und dunkel riechen, heute nicht mehr so eingesetzt werden dürfen wie früher. Der Duft macht insgesamt einen leichteren Eindruck als noch vor einigen Jahren, ist aber immer noch zu erkennen. Das Parfum ist dem EdP vorzuziehen, da es der alten Version näher kommt als das EdP.

Coco Noir von Chanel


Wie so oft in letzter Zeit verwendet man viel Energie und Know-how auf die Kopfnote, um die Kundin schnell zum Kauf zu bewegen; time is money. Die Vorbilder sind klar: die alte Coco grüßt aus der Ferne und dat Mademoisellschen auch. Nach einer Stunde ist von dem EdP im schwarzen Flakon kaum mehr etwas zu riechen; die Vorgängerin Coco M. hält viel länger und hat wesentlich mehr Persönlichkeit. Schwarz ist zudem keine Farbe oder kein "Konzept" (falls man "NOIR" in der Parfümerie mit Opulenz, dem Abend oder gar Verführung gleichsetzt) das zu diesem Duft paßt. Beige wäre okay. Er riecht für mich auch nicht nach Venedig (stand in einer Pressemitteilung, die Inspiration soll mal wieder aus Venedig stammen)! Viel zu wenig Substanz hat er, um auch nur im entferntesten diese großartige Stadt evozieren zu können. Fazit: Chanel hat wohl auch beschlossen, konturenlose Mainstream-Düfte zu entwickeln. Während mir "Eau Premiere" noch richtig gut gefallen hat, ist "Coco Noir" für mich kein großer Wurf. Außer der schönen Kopfnote kann ich nichts Besonderes riechen.

Collection Extraordinaire Muguet Blanc


Maiglöckchen. Ein Maiglöckchen ist ein Maiglöckchen ist ein Maiglöckchen. Nur hier kostet es 145 Euro. Zum Vergleich: Diorissimo kostet circa 55 Euro, Muguet de Bonheur 39.00 Euro. Diorissimo riecht zudem wesentlich besser als "Muguet Blanc". Im Frühling 2012 gibt es einen Weichspüler von "Vernell", der riecht auch sehr schön nach Maiglöckchen. Die Frühlings-Edition eben. (P.S. Maiglöckchenduft ist immer synthetisch und einer der billigsten Duftstoffe schlechthin, wir sprechen hier über Hydroxycitronellal, fast in jedem Putzmittel enthalten).

Come L'Amore von Bois 1920


In Deutschland nur in streng limitierter Edition zu bekommen. Ist mir auch egal, er war nach 60 min völlig verflogen (immer noch besser als sein Bruder in der blauen Flasche, "Oltremare", der war nach einer halben Stunde weg). Aber er roch ganz nett, dieser "Come L'Amore". Dio mio, immer nur AMORE! Blumarine bringt "Innamorata", Bois diesen "Come l'amore". Die italienischen Firmen schwelgen wohl 2012 im Parfum-Liebes-Klischée! Was den Duft selbst betrifft, der wie die Liebe riechen soll, so muß ich sagen, daß diese Art von Amore mir zu "flau" ist. Sie plätschert nett dahin, mit vielen schönen Blumen und natürlich auf einem Moschusbettchen. Und sie kostet 150 Euro. Amore gibt's auch billiger. Und sogar besser!

Comme Une Evidence L`Eau Yves Rocher


Leider ist auch dieser Duft von einer gewissen unangenehmen Schärfe. Ich kann ihn nicht ausstehen- so wie alles, was den Namen "Comme une evidénce" trägt. "Comme une evidence" original ist gruselig, für mich die schlechteste Kreation, die Yves Rocher jemals hervorgebracht hat. Dieses neue Eau ist ein bißchen besser, aber wirklich nur ein bißchen. Auch dies ist ein Duft, der mit richtig schlechte Laune macht, weil er so mies ist. Blumig? Nein. Ätzend. Beißend.

Coriandre von Jean Couturier


"Coriandre" ist ein ist ein klassischer Rosen-Chypre Duft mit einer einfachen Struktur: viele Damaskone zusammen mit einer Patchouli-Basis und Eichenmoos (welches in der neuen Version durch häßliche synthetische Moleküle ersetzt worden ist). Trotz der blumigen Anteile wirkt "Coriandre" distanziert und seriös, vielleicht sogar etwas u kühl. Vetiver und Eichenmoos mögen dafür verantwortlich sein; diese sind leider in der aktuellen Version nicht mehr wahrzunehmen, so daß ich hier nur zum Kauf eines Vintages raten kann (oder zu "Agent Provocateur", der "Coriandre" nachempfunden ist, allerdings viel wärmer und verführerischer wirkt!).

Cuero Mujer von La Martina


Wundervoll! Erinnert an "Feminité du bois" von Lutens gepaart mit Leder. Kraftvoll und trotzdem nicht aufdringlich. Leider verfliegt "Cuero" viel zu schnell. Dennoch ein ausgezeichneter Duft.

Cuir Beluga von Guerlain


Ein Duft, der sehr wenig mit den schweren, starken, oft maskulin wirkenden, würzig-ledrigen Parfums gemein hat, die man in dieser Kategorie erwartet und kennt ("Knize Ten", "Cuir de Russie"). "Cuir Beluga" ist von der Struktur her ein sehr vanillebetonter, ambrierter Duft, der eine zarte, weiche Ledernote enthält, die in eine warme, edle Wolke aus olfaktorischem Wohlbefinden eingebettet ist. Im Drydown riecht man kaum Leder, sondern vor allem Vanille, was diesen Duft zu einem idealen Einstiegsparfum in die "Lederabteilung" macht. Er ist jedoch von einer gewissen Eindimensionalität, bietet außer Vanille, Heliotropin, Ambra und sanftem Leder nichts. Zudem ist er nur in den Guerlain-Boutiquen zu bekommen und kostet circa 180 Euro. Sillage und Haltbarkeit sind sehr gut, dennoch fehlt "Cuir Beluga" das gewisse Etwas, das den Duft zum Meisterwerk machen und den hohen Preis rechtfertigen könnte.

Cuir de Lancôme


Ähnelt sehr stark dem legendären "J'ai Osé" von Guy Laroche. Harzig und rauchig, doch ohne Süße oder Ambranoten. "Cuir de Lancôme" enthält auch ein bißchen Zibet (hoffen wir mal, daß es synthetisches Zibet ist), eine Komponente, die mich stört. Leder und Bergamotte dominieren in der Kopfnote, dann folgen sehr "trockene" Blumen und Iriswurzel. Der Drydown ist krautig, ledrig-herb, ohne Vanille, ohne Moose. Ein ausgesprochen charakteristischer, eigenwilliger Lederduft. Gut gemacht! (Wenn nur das Zibet nicht wäre).

Cuir Fauve von Keiko Mecheri


Aus der Linie "Bespoke": Hochwertiger, edler Lederduft in Vollendung - wundervoll. Leider kostet er 260 Euro, der Flakon enthält 50 ml. Die gesamte "Bespoke-Serie" ist außergewöhnlich schön. Ein Traum aus sehr teuren Inhaltsstoffen.

Cuir Fétiche von Maitre Parfumeur et Gantier


Ein Parfum, das sich auf einem bekannten Terrain bewegt. Perfekt gemachter Lederduft, weich, dennoch rauchig, anschmiegsam, dennoch lodernd. Hohe Qualität, wirklich exzellent. Kaum zu unterscheiden von "Cuir von Lancome", der Drydown ist MPeG jedoch noch besser gelungen als der Konkurrenz. Wer ein gutes Lederparfum sucht, kann mit diesem Duft nichts falsch machen. Empfehlenswert, wenngleich sehr konventionell.

Daisy Eau So Fresh von Marc Jacobs


Gänseblümchen stinken, dieser Duft hier zum Glück nicht. Er ist freundlich, blumig-leicht, angepaßt und mainstreamig-banal. Ich denke, die Zielgruppe sind 12-18-jährige Mädels, die auf "Hello Kitty"-Taschen stehen.

Dahlia Noir Eau de toilette von Givenchy


Das neue "Dahlia Noir Eau de Toilette" ist ein völlig anderer Duft als das Dahlia Eau de Parfum (welches ich bevorzuge). Während das Eau de Parfum eine ziemlich durchdringende Mischung aus Rose und Patchouli darstellt und dazu noch einen schönen Glamour-Faktor aufweist, ist das Eau de Toilette eine realtiv schüchterne Duftnummer mit Pfirsich und Zitrusnoten, die dann einem Rosenakkord weichen, der auf einem konventionellen holzig-ambrierten Bettchen vor sich hindämmert. "Dahlia Noir EdT" ist ziemlich unspannend, vielleicht das richtige Parfum für einen gepflegten Nachmittagskaffee. Ein trivialer Duft. Wer den neusten Givenchy-Hervorbringungen eine Chance geben möchte, sollte "Dahlia Noir Eau de Parfum" probieren. Hier werden Rosen, Iris und Mimosa so kombiniert, daß sie einen gewissen Knalleffekt ergeben. Das EdP wird in der Werbung als "sinnlich pudriger floraler Chypre" beschrieben (gar nicht so falsch), während das EdT das Etikett "strahlender Fruity Floral" verpaßt bekommen hat. Wenn man das Adjektiv "strahlend" durch "langweilig" ersetzt, stimmt's.

David Garrett


Die Violinkünste des attraktiven David G.s sind auf jeden Fall höher zu loben als das Parfum, welches unter seinem Namen läuft. Nach einem frischen Start mit Grapefruit vereebt der Duft sehr schnell (nach fünf Minuten) zu einem leisen fruchtig-zitronigen Wispern. Auf der Geige wäre es die E-Seite, die neu gestimmt werden müßte, um diesem Werk mehr Power zu verleihen – und außerdem wäre es nicht übel, wenn die anderen Saiten auch benutzt würden. Außere hohen Tönen ist hier nämlich nichts zu vernehmen. Der Duft entbehrt jeglicher Grundlage (außer einer kommerziellen natürlich).

Decibel von Azzaro


Azzaro bringt manchmal "Twin-Düfte" heraus, z.B. "Duo" oder Azzaro "Now" - beides mutige, moderne, spannende Neuerscheinungen der letzten Jahre - und alles Flops (auch die Damendüfte). Zu "Decibel" gibt es kein weibliches Pendant, eigentlich schade... so ein Mikro in knallrot hätte mir schon gefallen, die Assoziation soll hier nicht nur mikrophon-mäßig ausfallen, sondern - die Form zeigt es an - hier soll es absolut männlich zur Sache gehen. So vermittelt der Duft vor allem zunächst Volumen, er ist laut und schreit uns seine extrem süßholz-lastige Botschaft sofort entgegen. Wer diese Zutat nicht mag, (ich z.B.), der sollte diesen Lakritz-Hammer gar nicht erst in Erwägung ziehen. (Es sei denn, er/sie sammelt Flakons, denn ausgefallen ist die Flasche wirklich). Zurück zum Duft: Weihrauch ist die zweite Stimme, die sich in den Fortissimo-Chor des Lakritzgebrülls einmischt, leider dringt der Weihrauch nicht durch, er ist zwar ein Bass, hat aber heute eine leicht belegte, kratzige Stimme. Schade! Zum Abschluß schafft es der Dirigent, die Lakritz-Schreihälse dazu zu bewegen, piano zu singen, indem er ihnen angenehme, sonore Baritone aus Vanille und Tonkabohne an die Seite stellt, die beinahe süßlich-kitschig herumsülzen und deren Tremolo ein bißchen dezenter sein könnte. Aber was soll's, so hört man wenigstens die Lakritz-Stimmen nur noch gedämpft. Von 120 Decibel auf gerademal 15...- in ungefähr 60 min. So ist er also, der Decibel-Mann, am Anfang tritt er laut brüllend in Aktion, aber am Ende liegt er doch ermattet auf der Couch, seinen CD-Recorder hat er ausgeschaltet, weil die Nachbarin sich beschwert hat und in der Hand hat er ein Stückchen Vanille-Schokolade, weil die so schön die Nerven beruhigt. Irgendwie fühlen sich seine Lippen noch klebrig an, ach ja, ein bißchen Lakritz sieht man noch. Das muß er jetzt abwischen und Mutti anrufen, denn heute ist Sonntag. Er ist doch ein braver Bub! Dabei hätte Mutti durchs Telefon doch gar nichts von den Lakritzspuren gesehen - aber so schlau is' er nun auch wieder nicht, der Decibel-Man. Er ist ein ziemlicher Simpel. (Ob der Duft floppt? Ich schätze schon!)

Déclaration d'un Soir von Cartier


Kein langweiliger, überflüssiger Flanker, sondern ein gelungener Duft, der die Würze und Holzigkeit des Originals beibehält, aber als neue Komponente Rose hinzufügt. Viele Männer schrecken vor "Rosenduft" zurück, doch hier ist der Mix geglückt, erinnert an rauchigen Rosentee. Man kann von einer echten Innovation sprechen. Ausgezeichnet. Eine der besten Neuerscheinungen des Jahres 2012.

Déja vu von Rodenstein


Wer könnte als Flakonsammlerin einer Flasche wie dieser widerstehen, die eine der berühmtesten Rodin-Skulpturen nachbildet? "Der Kuss" - wunderschön. Leider triumphiert hier Form über Inhalt. Der Duft ist ein konventioneller 80er Blumen-Power-Hammer mit einer orientalischen Basis im Stil von "Red Door". Nicht im geringsten originell oder empfehlenswert. Also nur kaufen, wenn der Flakon fasziniert.

Délicieuse Histoire von Hubert Maes Créations


Die Birnen-und Beerenkopfnote wirkt auf mich zu meiner großen Überraschung extrem indol-lastig und gefällt mir überhaupt nicht. Der Gourmet-Aspekt in der Herznote ("Praline") wiederum ist sanft und ganz angenehm. Doch alles in allem ist dieser Duft zu "obstig" und gleichzeitig zu muffig, um als delikat gelten zu können. Er riecht ein bißchen abgestanden und ist für mich nicht tragbar. Keine "délicieuse", sondern eine heikle Geschichte, besonders für den hohen Preis.

Demi-Jour


Demi-Jour ist ein Blumenduft mit einem leichten grünen Touch und kommt ursprünglich aus dem Hause Houbigant, wurde aber von Dana (USA) gekauft. Der Flakon ist besonders hübsch in seiner Viktorianischen Anmutung, aber das reicht natürlich nicht, um dieses Parfum auch zu mögen. Im Gegensatz zu "Quelques Fleurs" (auch von Houbigant) ist "Demi-Jour" ein blumiger Chypre-Duft, der sehr eigenwillig ist. Veilchen, Rose und Hyazinthe dominieren das Herz des Parfums. Für Leute, die ausgefallene, romantische Düfte suchen.

"Diaghilev" von Roja Dove


Roja Doves Parfümerie im letzten Stockwerk des legendären Kaufhauses Harrods ist eine Extremerfahrung. Aber eine außergewöhnlich gute. Man kann dort stundenlang zusammen mit dem exzellent ausgebildeten Personal großartige Entdeckungen machen. Möchte man allerdings vom Maitre selbst bedient werden, so muß man im Vorfeld einen Termin vereinbaren und 250 Pfund bezahlen. Und wenn einem Roja ein "Bespoke Perfume" kreieren soll, dann werden 30.000 Pfund fällig. Soviel verlangt Guerlain auch für diesen Service, allerdings in Euro. Ich würde daher (falls ich jemals im Lotto gewinnen sollte) eher zu Guerlain gehen, was mich zum eigentlichen Thema führt, dem herrlichen "Diaghilev". Ich habe irgendwann 'mal gelesen, daß der große russische Balletmeister die Kulissen für seine Aufführungen in Paris mit Mitsouko besprühen ließ - und so bezieht Roja Dove seine Inspiration für seinen Duft aus der Vergangenheit. Die klassische Chypre-Struktur dieses Parfums ist von "Mitsouko" und "Sous Le Vent" abgeleitet. Zitrische Kopfnoten gehen in eine blumig-rauchige Herzphase über, während man im Drydown Eichenmoos und etwas Vetier wahrnehmen kann. Laut Aussagen des Verkäufers bei Roja Dove wollte Roja eine moderne Version von Mitsouko schaffen, was ihm meiner Meinung nach sehr gut gelungen ist. Mitsouko war wohl auch 30 Jahre lang (bis zur Reformulierung) Rojas "Signature-Scent" - zumindest schreibt er das in seinem Buch. Leider ist der hier abgebildete Flakon mit Pumpzerstäuber im nostalgischen Outfit nicht mehr erhältlich! Schade, schade. "Diaghilev" wird jetzt in einem Metallcontainer angeboten, einem sehr häßlichen, schmucklosen Teil, das aber 200 ml Extrait enthält und wie der shop-assistant sagte, "for ages" reichen soll (allerdings nicht, wenn man zuhause im Stil von Serge Diaghilev seine Laken mit dem Parfum einsprüht). Der Preis für den "ugly container" liegt bei fast 800 Pfund, wenn ich mich recht erinnere (solche Preise verdränge ich lieber). Ich liebe Mitsouko - und ich war begeistert von Diaghilev. Doch letzten Endes ist Roja Doves Parfum doch nur ein Remake, das zwar edel und hochwertig riecht (vor allem angesichts der Tatsache, daß Mitsouko reformuliert wurde), aber dann doch nicht 100% überzeugen kann. Sehr ähnlich duftet übrigens "The Party In Manhattan" (auch ein "Mitsouko-Wannabe"). Ich kaufte "Diaghilev" nicht und dachte mir, daß es auch möglich wäre, sich mit einem Mitsouko-Vintage-Parfum zu behelfen. Auf der anderen Seite ist "Diaghilev" schon einer der besten Chypres, die ich aus neuerer Produktion je gerochen habe.

Dior Addict Eau Sensuelle


Eine extrem zarte, blumige Komposition von Francois Demachy. Die Kopfnote ist rosig-frisch, dann folgen leichte Jasminanklänge, die zusammen mit der Rose an einen Sommergarten erinnern. Alles ist sehr zurückgenommen und harmonisch. Der Duft wirkt so wie eine wattierte, rosafarbene Brille für die Nase. Soft- flauschig endet er mit weißem Moschus, keine Ecken, keine Kanten: Pure Blütenharmonie. Gepflegte Langeweile.

Diorling (Vintage)


Ein ledrig-grüner Duft, der trotzdem etwas pudrig riecht. Ein Chypre, ganz klar. Die pudrige Note gibt dem Parfum etwas Verstaubtes, Muffiges. Kein schlechter Duft, aber meiner Meinung nach nicht unbedingt ein "Must-Have" für Vintage-Liebhaber. Es gibt andere Vintage-Chypre-Düfte, die wesentlich schöner sind (z.B. Cabochard, Derby oder Scandal).



Dita von Teese Rouge


Bin angenehm überrascht! Hatte mir nicht viel erwartet und bin begeistert darüber, daß dieses Parfum kein Fruity-Floral ist. Dita sagte in einem Interview, daß sie fruchtige, girlie-hafte und harmlose Düfte nicht mag. Ihr Parfum solle "glamorous" riechen. Bis zu echtem Glamour ist es bei dieser Kreation aber noch ein weiter Weg. Es bedürfte vor allem besserer Inhaltsstoffe von höherer Qualität. Die Ideen, die hier vom Chemielabor umgesetzt worden sind, finde ich gar nicht verkehrt: Bulgarische Rose, Pfeffer, Patchouli sollen angeblich drin sein (ich denke, es handelt sich dabei nicht um natürliche Essenzen!) Die Ausführung ist "roh" und ungeschlacht. Allerdings ist dieser preiswerte Duft nicht schlechter als andere Produkte, für die frau mehr hinblättern muß, weil sie ein "besseres" Label tragen (Gucci "Guilty" oder Burberry wären hier an erster Stelle zu nennen). Der kleinere Flakon (20 ml) kann nicht hingestellt werden, paßt aber gut in die Handtasche für den Diskobesuch (in der Oper oder bei großen Festen würde ich dieses Parfum nicht tragen - das zum Thema "Glamour"). Der größere Flakon mit dem Pumpzerstäuber ist häßlich und sehr billig verarbeitet, zudem unpraktisch.

Divina La Perla


Die von La Perla aufgelisteten Noten lassen auf einen herrlichen Duft hoffen, aber leider, leider Fehlanzeige! Bißchen Erdbeere und eine leichte, süße Champagnernote riecht man in der Tat in der Kopfnote (soll ja die Kaufentscheidung maßgeblich beeinflussen), aber der Rest ist "tausendmal gehört - tausendmal ist nix passiert" - in dem Falle natürlich tausendmal gerochen, zwar in mein Gehirn gekrochen, aber NICHT im positiven Sinne. Ein müder Abklatsch der endlos langweiligen chemischen Fruchtblumen-Sauce. Verkauft sich eben gut. Einen "göttlichen" Duft stelle ich mir wahrhaftig anders vor. Bisher der allerschlechteste Duft von La Perla!!! Da sind sowohl "J'aime" als auch "J'aime la nuit" besser!!

Diva von Ungaro


Ist der Schwestern-Duft zu "Coco" von Chanel. Beide Düfte stammen von Jacques Polge. In "Diva" riecht man mehr Honig als Hölzer, die in "Coco" enthalten sind ("Coco" gefällt mir daher besser). "Diva" ist ein blumiger Chypre, der aber leider in den letzten Jahren überarbeitet worden ist und viel von seiner Strahlkraft verloren hat. Soviel, daß ich ihn nicht mehr empfehlen kann.

DKNY Sweet Delicious Creamy Meringue


Ein Duft aus dem US-Eiscafé-Sortiment. Sehr simpel, mit einem einzigen Akkord versehen, aber einem wirklich leckeren. Lemon-Cheesecake. Blumen nehme ich keine wahr, und auch die Basis duftet weiter delikat im selben Zitronenkuchen-Stil. Monothematisch, aber angenehm unanstrengend und fröhlich. Macht gute Laune und Lust auf den Sommer. Die Haltbarkeit finde ich durchschnittlich (3 Stunden auf meiner Haut) und eine große Sillage hat dieser Duft auch nicht, was aber auch gar nicht zu seinem Style passen würde. Die Handhabung des Flakons gefällt mir nicht (so wie das gesamte "Apfeldesign" von DKNY meiner Meinung nach einfach nur billig aussieht), aber das ist kein Argument gegen den Duft selbst... "Sweet Delicious Creamy Meringue" wird sicher ein Topseller der Saison 2012.

Dolce&Gabbana pour femme 2012


Die neue Version des Klassikers von 1992. Früher in rotem Samt, heute in "purple". Hat nicht viel mit der alten Nummer gemeinsam. Die Aldehyde in der Kopfnote und die eher seifigen Aspekte der 1992-Version wurden komplett ersetzt durch Zucker, Marshmallow und Früchte (Himbeere sticht hervor) plus einer Mega-Portion Vanille. Die Kunden kennen und lieben diese Bestandteile mittlerweile, die Industrie weiß, daß sie sich gut verkaufen. Die Vanille im neuen D&G wirkt übrigens billig und künstlich. Der Drydown mit synthetischem Sandelholz bietet nichts Neues. Es geht alles in Richtung "Candy", "Aquolina Pink Sugar", aber es finden sich auch Anklänge an "Hanae Mori" aus dem Jahr 1995 und vor allem erinnert der Duft an "M" von Mariah Carey (übrigens sehr viel preiswerter als D&G). Das neue D&G ist banal und auswechselbar, aber effektiv und beliebt.

Dries van Noten (Collection Malle)


Der neue Duft "Dries van Noten" aus der Malle-Kollektion ist ein moderner, leichter Orientale. Parfümeur Bruno Javanovic brauchte 18 Monate, um die Philosophie des Modeschöpfers in einen Duft zu übersetzen. Inspirationen für Dries van der Notens Mode kommen z.B. aus dessen Vorliebe für Stickerei und aufwendige Muster aus Indien, daher wurde wohl Sandelholz (echtes!) als Hauptnote für den Duft gewählt. Auf der anderen Seite kann man einem Interview mit Malle entnehmen, daß es auch die Herkunkft des Dries van Noten ist, seine flämische Heimat, die sich in dem Duft widerspiegeln soll, hier vor allem die flämische Küche mit ihren Waffeln und Keksen. Außer Sandelholz enthält der Duft Safran, Zitrone, Bergamotte, Nelke, Muskatnuss, Jasmin, Patchouli, Vanille und das "aromachemical" Sacraosol, dazu Perubalsam und Moschus. Nach einem leicht zitrischen Start, der mir sehr gut gefällt, kriegt der Duft einen milchigen Dreh, wird sehr blass, die Gewürze bleiben im Hintergrund. Obwohl die Note nicht gelistet ist, wirkt der Duft ein bißchen so als würde man an einer Tasse Tee vorübergehen, die nicht lange gezogen hat, in der aber sehr viel Milch und zuviel Wasser stecken. Dieser Tee ist leicht gezuckert, er ist sehr angenehm, beruhigend, total soft. Eine Vanille-Waffel liegt neben der Teetasse, aber auch sie ist kaum zu riechen , verbreitet aber dennoch eine gemütliche Stimmung. Nach einer Stunde kommt ganz sachte ein bißchen Moschus zum Vorschein, alles ganz gemächlich und zurückhaltend. Der Duft hat kaum Sillage, er ist ein "skin scent" im wahrsten Sinne des Wortes, also weder raumgreifend, noch die zu erwartende Präsenz einer Person ankündigend. Sicherlich liegt hier für viele der Charme des Duftes. Er drängt sich nicht auf, sondern ist so ruhig, daß man sich ihm im Laufe des Tages immer wieder zuwendet, sich besser auf ihn konzentriert als auf andere Kreationen, die lauter sprechen. Die reduktionistische Formel gefällt nicht jeder/jedem, mir persönlich zum Beispiel ist dieser Duft zu still, einen Touch zu ausgewogen, nicht gewagt genug. Ich kann mich in diesem Duft nicht wiederfinden, bin aber in der Lage zu verstehen, was andere an ihm mögen könnten, nämlich gerade diese Qualität, im Hintergrund zu bleiben. Er trägt sich wie eine zweite Haut und ist "understatement pur".

Eau de Cartier Essence d'Orange


Leider keine Verbesserung des normalen "Eau de Cartiers", sondern ein durchschnittliches Eau de Cologne mit Orangen-Anklängen. Erfrischend im Sommer, aber banal und den hohen Preis nicht wert. Wunderschöner Flakon, besonders die "Special Edition".

Eau de Cologne Extra Vieille Jean-Marie Farina von Roger&Gallet


Große Ähnlichkeit zum typischen 4711-EdC. Wer hier näher am Original liegt, die Glockengasse oder Roger&Gallet, kann ich nicht beurteilen. Ein klassisches EdC, das die Lebensgeister weckt.

Eau de Courrèges (2012)


Eau de Courrèges Version 2012 ist gelungen. Die frischen Kopfnotten aus Limette und Bergamotte, die leichte Minznote im Herzen, der blütige Hauch von Maiglöckchen dazu, der sehr moosige Chypre-Drydown im Ausklang. Eine Alternative zu "Eau de Rochas", das allerdings noch schöner ist! Es freut mich, daß Eau de COURREGES alt und die neue Version sich kaum unterschieden. Auch die Tatsache, daß am Flakon von 1974 kaum etwas geändert wurde, gefällt mir. Es gibt viele Eaux auf dem Markt, die gut sind, aber der Relaunch dieses 70er-Jahre-Duftes wird sicher nicht nur Nostalgiker und eingefleischte Chypre-Fans ansprechen.

Eau de Fleurs von Nina Ricci


Wie schade, daß dieser Duft schon lange nicht mehr produziert wird, zumindest ist es schwierig, ihn zu finden. Der Charme von "Eau de Fleurs" ist kaum in Worte zu fassen, die leicht würzigen Elemente konstrastieren mit lieblichen Blumen, die aber an keiner Stelle aufdringlich wirken. Ein besonderer Flakon des Eaus, der von Lalique stammt, vereinte verschieden Techniken der Glasbearbeitung, in der Mitte befand sich eine mattierte Blume, die mit dem farblosen Klarglas der runden Flasche wirkungsvoll konstrastierte. Doch zurück zum Duft: Er bekam durch Aldehyde einen besonderen Kick und blieb trotz seines Erscheinens an der Schwelle zu den 80er-Powerhouse-Düften im Bereich des Romantischen, versuchte an die Tradition des Hauses und den Erfolg von "L'Air du temps" anzuknüpfen. Blühender Klee (Isoamylsalicylat) und ein Schuß Vanille (Vanillin) sind klar wahrzunehmen, doch Zartheit und Frische bleiben im Duftverlauf stets erhalten. "Eau de Fleurs" griff mit seinen Anspielungen auf Blumen und die Natur ein beherrschendes Thema der Flakon-Gestaltung der Firma Lalique für Nina Ricci auf und vereinte in Duft und Konzeption die Welt des Luxus mit den zarten Botschaften der Blumen. Ein wundervoller Duft, der mich stets nostalgisch stimmt.

Eau de Iceberg Pour Femme von Iceberg


Startet fruchtig mit Birne und Ananas, dann folgt eine arg künstliche Feige mit Blumenverzierung, die den Duft süß und leicht kaugummiartig macht. Sehr stark der konventionellen Fruity-Floral-Kategorie verpflichtet und ganz und gar nicht frisch genug, der Name "Eau" ist hier irreführend. Wer diese Art von Parfum mag (es bleibt seltsam unauffällig und "ausstrahlungslos" auf der Haut) kann mit "Eau de Iceberg" ein Schnäppchen machen (14.95 Euro im Kaufhof/100ml/Stand Mai 2012). Dieser Duft ist so banal, daß man sich an 100 andere ähnliche Fruity-Florals erinnert fühlt, die man in der Vergangenheit, ohne große Begeisterung zu verspüren, gerochen hat. Nicht unangenehm, aber reizlos und fad. Die Flasche ist schick, gutes Design, da merkt man die italienische Herkunft.

Eau d'Ivoire 2013 von Balmain


Das neue "Eau d'Ivoire" hat mit "Ivoire" nichts zu tun, weder mit dem alten noch dem neuen "Ivoire". Natürlich bedauere ich das, denn ich hätte mir einen grünen, frischen Duft gewünscht, keinen durchschnittlichen, auswechselbaren "Fruity-Floral". Die Kopfnoten sind frisch, aber dann schlägt schnell die Süße des Osmanthus-Absolue durch und durch die Magnolie wird der blumige Eindruck verstärkt. Auf keinen Fall ist dieses neue "Eau d'Ivoire" schlecht oder gar unangenehm, nein, es ist völlig bar jeglicher Überraschungen, plätschert so vor sich hin, ganz freundlich, aber mehr nicht. Unzählige andere Düfte sind ähnlich gebaut und gehen in die selbe Richtung. Da mir "Ivoire" neu so ausnehmend gut gefallen hatte, waren meine Erwartungen hoch. Aber ich bin heute vom "Eau" sehr enttäuscht worden. Für mich ist "Eau d'Ivoire" kein großer Wurf. Auswechselbar und viel zu angepaßt.

Eaudemoiselle von Givenchy


"The delicate grace of a rebellious rose" - so heißt der Werbeslogan zu diesem Duft - auf Französisch "une rose rébelle". Wie übersetzt der Parfumeur F. Demarchy eine rebellische Rose in Duftmoleküle? Oder handelt es sich wieder nur um das übliche Werbe-Gesülze? Nach einem netten Start mit Zitrusaromen wirkt dieses EdT leicht abgestanden, die Rose ist ganz und gar nicht rebellisch, sondern kaum zu erkennen, eine Mutation offensichtlich. Die Basis aus Ambrettekörnern und Moschus versöhnt mich auch nicht mit diesem durchschnittlichen Duft im Retro-Outfit (hübsch!), wenn ich bedenke, was für geniale Parfums Givenchy früher produziert hat ("Ysatis", "Organza", "Givenchy III" - um nur drei Ikonen zu nennen), dann ist dieses EdT aus dem Jahre 2010 enttäuschend, wenn auch nicht völlig untragbar oder unangenehm. Es gibt allerdings zahlreiche bessere und ausdrucksvollere Rosendüfte auf dem Markt, rebellisch oder nicht, "Eaudemoiselle" kann ich nicht empfehlen.

Eaudemoiselle "Bois de Oud" von Givenchy


Seitdem es den cleveren Chemikern in Holzminden vor ungefähr zwei Jahren gelungen ist, das wertvolle AOUD künstlich nachzubilden, gibt es kaum mehr ein Parfum-Haus, das sich dieses neue Aromachemical nicht in einen Duft einbauen läßt. Für mich ist dieses künstliche Aoud das neue Moschus der 2010'ger Jahre. Es nervt mit seiner üppig-erotischen Sirenenwirkung, macht fast jeden Duft schwül und klebrig und evoziert ständig Haremsatmosphäre. Also, jetzt gibt es eine Aoud-Rose-Kombo von Givenchy.... wie spannend (gähn). Der Grundton von Eaudemoiselle wurde hier übrigens beibehalten und kommt im Drydown besonders stark zum Ausdruck, aber leider hat mich bereits das ursprüngliche Eaudemoiselle nicht vom Hocker gerissen, daher bringt mir dieser Flanker mit Aoud gar nichts. Ich langweile mich einfach nur und hoffe, daß diese "Aoud-Manie" bald vorbeigeht. Wer hochwertiges Aoud will, kann sich z.b. bei Montale umschauen oder einiges von Amouage testen... - die haben schon vor Jahren Adlerholz verwendet, da dies bestimmten arabischen Parfumtraditionen entspricht. Mir sind diese Parfums fast immer zu schwer und bis auf wenige Ausnahmen mag ich die Aura sowieso nicht, die Aoud-Parfums oft verbreiten (es gibt auch Ausnahmen, z.B. "Black Aoud" von Montale). Um auf Givenchy zurückzukommen: Die bringen schlicht und einfach zuviele Flanker heraus, die in den meisten Fällen keine Bereicherung darstellen. "Bois de Oud" ist so ein Fall.

Eau de France von Rancé 1795


Statement Jacques Polge, Parfümeur (aus einem Fernseh-Feature über "Parfum", produziert von der Neuen Züricher Zeitung im Jahr 2006): «Als ich vor langer Zeit in diesem Beruf begann, war die Distanz zwischen Männer und Frauenparfums ziemlich groß. Sie haben sich inzwischen soweit angenähert, daß gewisse Marken bereits Unisex-Parfums haben. Bei uns ist es nicht dasselbe, ein Parfum für Männer oder Frauen zu kreieren, aber es hat Maskulines im Femininen und umgekehrt, das ist alles eine Frage der Dosierung und heute eine der wichtigen Inspirationsquellen. Ich glaube, man könnte eine Geschichte unserer Kultur schreiben anhand der Geschichte des Parfums.» Kann Rancé 1795 an vorderster Front mitmischen, wenn es darum geht, Geschichte und Kultur Frankreichs zu vermitteln? Das Haus wurde 1795 gegründet und belieferte sogar Napoleon Bonaparte. "Eau de France" wird als Duft für alle "Patriotinnen und Patrioten" vermarktet, angeblich soll das Eau zuerst 1807 produziert worden sein. Warum erinnert es mich dann an "Par Amour toujours" von Clarins? Das liegt bestimmt nicht an meiner Liebe zur "grande nation", obwohl "Eau de France - par amour toujours" sich richtig gut anhören würde. Das Konzept von "Eau de France" wirkt nicht sehr überzeugend. Unisex aus dem Jahr 1805? Polge zumindest scheint nicht daran zu glauben. Man könnte "Eau de France" höchstens als Eau de Cologne sehen – und die waren in der Tat schon immer unisex. Doch "Eau de France" ist keines dieser in ihrer Vielzahl geradezu unüberschaubaren Eaux de Colognes. Es ist kein leichter und frischer, sich als sommerliche Reisebegleiter anbietender Duft, sondern eine parfümistisch komplexere Interpretationen. Die Website der Firma bezeichnet "Eau de France" als "floral musky amber", was völlig korrekt ist. Nur die Kopfnoten sind leicht und grün, dann folgt ein Herz aus Ylang-Ylang, Gardenie und Veilchenblättern auf einer Basis aus Vetiver, Moschus, Sandelholz und Patchouli. Mit einem Unisex-Eau de Cologne hat "Eau de France" nichts zu tun. Der legendäre Männerduft "Eau sauvage", von Edmond Roudnitska 1966 für Dior geschaffen, ließe sich in die Kategorie "Unisex" einreihen. Vermeintliche Damendüfte wie "Eau de Rochas" und "Ô de Lancôme", die als Chypre jeweils von einer Eichenmoosnote getragen werden, sind ebenfalls perfekte Unisex-Varianten. "Escale à Portofino" von Dior wäre ein Beispiel aus neuerer Zeit. "Eau de France" dagegen ist blumig und durch die ambrierte Note im Fond gar nicht so "leicht" wie man es von einem "Eau" erwarten würde. Natürlich kann dieser leicht süße Duft auch von Männern getragen werden – schließlich entscheidet immer nur der persönliche Geschmack! Ich empfinde "Eau de France" als eher "feminin", die alte Formel wurde offensichtlich modernisiert und unserem Zeitgeschmack angepaßt. Dabei herausgekommen ist ein angenehm florales, sanftes "Eau", das gute vier Stunden hält und das aus hochwertigen Inhaltsstoffen hergestellt ist. Neue synthetische "Aroma-Chemikalien" kann ich nicht wahrnehmen, allerdings auch keine mich wirklich begeisternde Komposition. "Eau de France" ist solide gemacht, aber für mich keine große Entdeckung.

Eau de Mandarine Ambreé von Hermes


Dieser neue Kreation von Elléna erreicht eine sehr hohe Plastizität, d.h. eine sehr greifbare, sehr konkrete Mandarine haben wir hier vor uns, ich schmecke sie förmlich, sehe das Fruchtfleisch, lasse den Saft an meinen Händen herunterlaufen... Vielleicht sind hier besonders hochwertige, gute Öle verarbeitet worden- auf jeden Fall ist der Auftakt eine Freude für alle, die Mandainen mögen. Aber Elléna wäre kein Könner seines Faches, wenn dieser Duft "nur" Mandarine wäre. Er hat es auf eine verblüffende Art geschafft, die Mandarine mit dem Amber zu verbinden, ohne sie zu killen... - will sagen, du riechst die Mandarine auch noch, wenn der Amber schon lange eingesetzt hat. Der Übergang ist fließend und äußerst clever, selbst die grünen Noten im Hintergrund (kein Elléna scheint ohne diese auszukommen) und das etwas bittere Petitgrain stören den Verlauf nicht, sondern fügen einen spannenden Touch hinzu. Amber und Mandarine – eine perfekte Mischung? Was ich hier versuche, ist zunächst die Würdigung der Parfumkunst des J.C. Elléna. Ob mir der neue Duft gefällt? Nein, er gefällt mir gar nicht, da ich kein Fan von Mandarine bin und die Vermählung mit dem Amber keinesfalls angenehm finde, sondern sogar irritierend. Wer jedoch auf beide Komponenten steht, sollte unbedingt testen! Dies hier ist kein abgedroschener Durchschnittsduft, sondern eine Innovation.

Eau de Patou von Patou


Dies ist ein Eau für Frauen und Männer mit einem Hang zu Vintage-Düften. Es ist frisch und grün, mit herben Gräsern, ein bißchen Geißblatt und einem ganz leichten Blütenhauch (Ylang-Ylang). Ein Kind der 70er, dessen Basis animalischer klingt (Zibet und Moschus) als das Resultat riecht. Ohne kompliziert zu sein, ist dieses Eau ziemlich exquisit und ziemlich ideal für alle Altersgruppen, ohne Gender-Zuschreibungen. Leider schon lange "discontinued".

Eau de Rochas von Rochas


Ein klassisches, zitroniges, ausgezeichnetes "Eau" mit ausgeprägter Chypre-Struktur. Lange vor "CK1" von Calvin Klein war "Eau de Rochas" seit seiner Lancierung im Jahre 1970 bereits ein Unisex-Hit. Der Duft beginnt sehr frisch, wird dann aber durch Patchouli und Eichenmoos in der Herznote eindrucksvoll abgerundet. "Eau de Rochas" ist ein enger Verwandter von "Diorella" und riecht sogar trotz Reformulierung noch überragend gut.

Eau Dynamisante von Clarins


Ein Klassiker (aus dem Jahre 1987), zudem ein wundervolles Aromatherapeutikum. Frisch und würzig. "Eau Dynamisante" ist die Provence in der Flasche, ein Chypre, der belebt und einfach immer paßt. Es gibt keinen schöneren "Körperpflegeduft". Genial.

Eau Oceane von Biotherme


Paradisone und Cascalone, diese neuen Moleküle hätte Biotherm bißchen stärker in das neue Pflegewasser reinhauen können, denn ich finde sie gut! Nur leider sind sie hier zu schwach dosiert. "Eau Oceane" riecht herrlich belebend nach frischer Meeresbrise und leicht salzig, man fühlt sich wirklich wie am Meer, wenn man die Augen schließt. Leider viel zu schwach auf der Brust - und wer hat schon Lust, gleich die ganze Serie mit Duschgel und Lotion zu kaufen, nur um mehr von diesem "oceanic feeling" zu haben?

Eau Sauvage von Dior


Dieser Duft prägt bis heute meine Vorstellung von einem perfekten Parfum! Er ist leicht, transparent und elegant. Wahrscheinlich gehört "Eau Sauvage" auch zu den Parfums, die ich von Kindheit an eingeatmet habe, denn es war der Signature-Scent meines Großvaters. 2016 wird dieser Duft 50 und wird hoffentlich dann mit einer (weiteren) Reformulierung geehrt, die die Defizite der aktuellen Version ausgleicht. Ich beziehe mich in meinem Text hauptsächlich auf die Vintage-Version von "Eau Sauvage". Seine Spritzigkeit verdankt "Eau Sauvage" den Komponenten Bergamotte, Zitrone und Basilikum. Von der Idee her ist der Duft zudem eine Weiterntwicklung der klassischen Eau de Cologne-Struktur, die Roudnitska für Christian Diors "Eau Fraîche" (1953) verwendete. Vergleicht man "Eau Fraîche" mit "Eau Sauvage" fällt jedoch auf, daß der Duft von 1966 eine Facette hat, die dem Vorläufer fehlt, nämlich ein gewisses dunkles, sinnliches Element, das Roudniska 1972 in "Diorella" noch weiter ausbaute. Der Charme und die Attraktivität von "Eau Sauvage" liegen für mich an dieser Stelle: Die zitrische Leichtigkeit (auch erzielt durch den Einsatz von Hedione, einer chemischen Komponente, die in "Eau Sauvage" Premiere feierte) ist gepaart mit Wärme, die sich in der Basisnote entfaltet.

Eclat Eternel von ID-Parfums


Ein ewiges Strahlen ("éclat éternel") erfüllt mich nicht, wenn ich an diesen Duft denke. Eher ein langanhaltendes Gähnen. Eine langweilige Mischung aus "Poison" und "Alien", Tuberose und Jasmin gehen hier eine sehr konventionelle Partnerschaft ein, besonders schlecht aber ist der Drydown aus Cashmeran und einer sehr muffigen Vanille. Nicht zu empfehlen.

Egoiste von Chanel


"Egoiste" erschien 1990, nach dem Meisterwerk "Pour Monsieur" und dem nächsten genialen Coup, "Antaeus" und vor den sehr viel kommerzielleren Düften "Egoiste Platinum", "Allure pour Homme" und "Bleu". In meiner Wahrnehmund nimmt "Egoiste" daher auch eine Zwischenstelllung ein: Nicht ganz so außergewöhnlich wie "Pour Monsieur" oder "Antaeus", aber auf jeden Fall besser als die Düfte, die folgten. Der Duft beginnt fruchtig-holzig, leicht süßlich. Kein Schocker, kein extremer Auftakt. Dann, bevor das Hauptthema einsetzt, rieche ich leicht fruchtige Akkorde, unterlegt mit Gewürznelke und Koriander. Rose, Sandelholz, Vanille und Tabak bilden das Zentrum. Schön! Angenehm. Kein Chypre-Klassiker wie "Pour Monsieur", kein Verführer wie "Antaeus", aber auch kein strahlend-stechender Heldenduft wie "Platinum Egoiste" oder gar ein Sport-Fragrance-Verschnitt wie "Bleu". Ruhiges Mittelfeld. Vertrauenserweckend.

Elie Saab Le Parfum EdP


Ein moderner Megaseller! Weiße Blüten: Orangen und Jasmin im Übermaß. Nicht gerade ausgefallen, aber wirkungsvoll. Muß man sehr mögen, um den Duft tragen zu können. Die Basis ist patchouligeschwängert und erinnert entfernt an "Angel". Sillage und Haftfestigkeit sind überdurchschnittlich. Die Ideen und Inhaltsstoffe, die in diesem Parfum stecken, sind es nicht.

Elle L'Aime von Lolita Lempicka


Eine gelungene Komposition aus Zitrus-Kokoscreme-Düften, nicht innovativ (man denke an DKNYs "Creamy Meringue", das so ähnlich riecht), aber sehr angenehm, wenn man diese Art von süßem Zitronenduft mag. Die vom Hersteller in der Pyramide angegebenen Noten wie Jasmin, Ylang-Ylang oder gar Myrrhe kann ich nicht wahrnehmen. Zwar bietet der Duft eine angenehme leicht holzig-blumige Milde im Drydown, doch meine "übergeordnete" Assoziation zu diesem Parfum ist eher "gourmandig". "Ein lecker Düftschen".

Encounter von Calvin Klein


Die Kopfnoten beeinflussen die Kaufentscheidung maßgeblich, denn viele Kunden fackeln nicht lange, bis sie zur Kasse gehen. Daher werden die Kopfnoten der meisten Düfte von Jahr zu Jahr besser und besser. "Encounter" hat sehr schöne Kopfnoten. Mandarine, Cognac...hmm. Leider sind diese nach zwei Minuten verflogen und auf der Haut bleibt nach 15 Minuten ein Hauch von einem holzig-moschusmäßigem Nichts zurück. Von Oud (vom Hersteller angegeben!) keine Spur! "Encounter" ist eine Begegnung mit einem cleveren Kosmetik-Konzern, nämlich mit Coty Prestige, der außer Kopfnoten nichts in die Flakons gefüllt hat, was den Preis von circa 49.90 Euro für 50 ml dieses Herrenduftes rechtfertigen würde. Axe-Deos oder andere Drogeriemarkt-Produkte bieten sich hier als Alternative an. Für die Jahresmitte rechne ich mit "Encounter Summer", dann für 2013/14 mit "Encounter Sport" , auch an "Encounter at Night" oder "Encounter Intense" wäre als Flanker bereits zu denken. "Encounter in Bed" wäre wohl zu gewagt für Coty, doch eventuell bietet sich auch ein Cross-Over an: "Encounter Gaga – Black Liquid". Mit Oud, roter Beete, Patex-Kleber und Obertönen von Korkuma, abgerundet mit Bärlauch, Jasminwasser und einem Touch Wasserstoffperoxid (für den besonderen Effekt auf der Haut!). Alles in der Kopfnote drin!

Encre Noire pour femme von Lalique


"Encre noire" für Herren ist ein Duft, der viele Liebhaber hat, bei "Encre noire pour femme" sieht das anders aus. Die beiden Parfums haben außer dem Namen "Schwarze Tinte" nichts gemeinsam. Wir haben es hier bei der weiblichen Variante mit einem extrem starken, floralen Duft zu tun, der in der Nase schmerzt. Alles wirkt artifiziell: Künstliche Freesie, künstliche Hyazinthe, künstliche Maiglöckchen. Ein bißchen erinnert "Encre noire" an eine pervertierte Form von "Quelques fleurs" von Houbigant, doch da, wo der Houbigant-Duft nach einigen Stunden sanft wird und Klasse zeigt, schreit dieses Lalique-Parfum einem seine Blumen-Botschaft so laut entgegen als gelte es, Tote zu erwecken. Hält 24 Stunden, rund um die Uhr. Abscheuliches Parfum.

Eros von Versace


Aurélien Guichard steht neuerdings für Düfte, die 100% im Einklang mit den neuen EU/IFRA-Regeln sind. Schon sein "Pleats Please" ließ mich fast verzweifeln – und mit "Eros" geht es mir nicht besser. Abgesehen von der aus meiner Sicht schauderhaften, im Neo-Mussolini-Stil gehaltenen Reklame, bereitet mir auch der Duft selbst keine Freude. Ambroxan kommt mal wieder in großen Mengen zum Einsatz, ziemlich abgedroschen. Okay, vorher riecht man die Kopfnote, ein Vanille-Minz-Bonbon. Ist Minze erotisch? Egal! Nach einigen Minuten wird "Eros" komplett abturnend in seiner unverschämt-synthetischen Einfallslosigkeit. Ein langweiliger Drydown aus künstlichem Zedernholz setzt ein, das Ambroxan stinkt vor sich hin. Wie erfreulich, daß es wohl allergiegetestet und zugelassen ist! Und bestimmt gar nicht teuer! Daher ist es ja jetzt auch fast überall drin... zum Teufel mit den bösen natürlichen, unkontrollierbaren Naturessenzen. "Eros" riecht derartig künstlich, daß ich es kaum in Worte fassen kann.

Erotique von Dita von Teese


Dita lanciert ihren dritten Duft, nach der lila Blumenparade folgt nun im Herbst 13 das würzige "Erotique". Für mich der bisher beste Duft von Dita, da er nachdem die pfeffrig-scharfe Kopfnote verflogen ist, würzig-holzig weitergeht und sogar einen Hauch Leder enthält. Für einen Drogeriemarkt-Duft ausgesprochen gelungen und fast schon gewagt. Nichts für Liebhaberinnen von sanft-blumigen oder fruchtigen Parfums, sondern für Leute, die holzig-herbstliche Töne mögen.

Escada S Escada


Banaler, aber nicht unangenehmer, fruchtig-blumiger Duft für den Alltag. Stört nicht, fällt nicht negativ auf, ist aber auch nicht besonders originell. Riecht so wie unzählige andere neuere Düfte aus der fruchtig-blumigen Ecke auch... - hält circa 3 Stunden. Hübscher Flacon!

Escala a Parati von Dior


Kein schlechtes Eau fraiche! Aber mittlerweile ist es einem Parfümeur fast unmöglich ist, dem Genre des frischen Zitrus-EdC noch neue Facetten abzugewinnen. Das Terrain ist seit Jahren, ja Jahrhunderten sogar, schon besetzt, zum Teil mit Meisterwerken (einige selbst von Dior geschaffen, aber durch Reformulierung zerstört, z.B. "Eau Sauvage"). Das brandneue "Escale a Parati" enthält viel Petitgrain und erzielt dadurch eine wunderschöne Spritzigkeit, die man aber ohnehin erwartet. Viel passiert nach dem Auftakt nicht, es geht zitrisch-herb weiter wie in einem gewöhnlichen Eau de Cologne. Völlig unspektakulär und nicht im geringsten einprägsam, wäre es für mich schwierig, dieses Eau wiederzuerkennen. Der Drydown ist kratzig, mit zuviel Rosenholz (Tonkabohne rieche ich hier leider nicht). Bei "Parati" geht es Dior wohl nur um Marketing und die Suggestivkraft einer Neulancierung, aber nicht um den Duft selbst. Eine Flasche 4711 würde den gleichen Dienst tun wie "Escale a Parati", aber welcher Werbe-Profi würde Köln mit Brasilien vergleichen?

Esencia Loewe


ist ein aromatischer, etwas ledriger Chypre. "Esencia Loewe" ist kein Langweiler, aber auch kein typischer Vertreter des extremen "80's Styles". Vielleicht liegen seine Wurzeln eher in den 70er Jahren – man denke an "Polo" oder an große Fougères wie "Azzaro pour Homme". Bergamotte, Zitrone, Magnolie, Jasmin, Sandelholz, Patchouli und Vetiver bestimmen diese großartige Kreation aus Spanien.

Especially Escada von Escada


Harmloser, völlig banaler Fruity-Floral mit leichtem Rosenakzent, wobei die Rose arg künstlich wirkt und sich nicht in den Vordergrund drängt (die Werbung suggeriert hier etwas anderes, leider). Verfliegt schnell, beeindruckt lediglich durch das Manko an Individualität. Nicht zu empfehlen.

Esprit Urban Nature Summer von Coty


Positive Überraschung: Bis dato der angenehmste Duft, den Esprit (von Coty hergestellt) bisher herausgebracht hat. Zitrisch-grün mit leicht cremigem Unterton. Angenehm und für den Preis (circa 10 Euro/15 ml, Mai 2012) zu empfehlen.

Estée von Estée Lauder


Welche Enttäuschung! Dieses Parfum ist reformuliert worden. Wie unglaublich schade. 1968 kam es heraus, ein außergewöhnlicher, knalliger Duft. Strahlend, funkelnd. Die starken Aldehydes ließen die abstrakten Blumen in dieser Komposition fantastisch zur Geltung kommen. Und das Parfum hielt und hielt...es war auffällig anders als andere Düfte. Es half mir dabei, mich zu konzentrieren, es war irgendwie intellektuell und abstrakt. Und was habe ich mir da heute aufgesprüht? Eine schwache Kopie, von der man meinen könnte, sie sei von Hinterhofbanditen irgendwo zusammengemischt worden, aber doch nicht von der Firma EL selbst. Was heute als "Estee" verkauft wird, erinnert nur ganz entfernt an den Powerduft von 1968. Ich weiß nicht, wann die Reformulierung stattgefunden hat, leider. Meine letzte Flasche mit dem Originalduft kaufte ich im Jahre 1995. Das "Estee" von 2012 ist leicht acquatisch-salzig, ein bißchen wie "Acqua di Sale" von Profumum Roma. Man hätte "Estee" gleich vom Markt nehmen sollen, wenn man eine Reformulierung, die dem Original angemessen ist, so gar nicht hinbekommt. Den 2012-Estee-Duft kann ich nicht tragen. Mich macht das traurig. Sehr traurig

Eternity Aqua


Eine nette Kombo, leicht, frisch und keineswegs unangenehm. Hat aber mit dem alten "Ätternitty" nix zu tun. Der Duft hat eine gewisse "gurkige" Frische, die schnell verfliegt. Ein paar ganz zarte Blümchen rieche ich im Duftverlauf, alles unaufdringlich und unauffällig. Hier stört nichts und nervt auch nichts, außer der Einfallslosigkeit des Parfumeurs! Düfte wie "Eternity Aqua" gibt's bereits unzählige - kann jemand die noch alle auseinanderhalten? Wer einen komplett unauffälligen, frisch-aquatischen Duft sucht, sollte hier zuschlagen, wenn "Eternity Aqua" 'mal im Sonderangebot sein sollte, denn es verfliegt schnell!

Eternity von Calvin Klein


Dieses Parfum wird oft negativ bewertet, vielleicht liegt das daran, daß man sich in den letzten 20 Jahren an ihm "sattgerochen" hat. Für mich ist "Eternity" ein blumiger Klassiker der Top-Kategorie. Es hat eine sehr klare, strahlende Reinheit und bleibt immer eindeutig. Manche Leute finden "Eternity" zu seifig und zu grün, andere stört die Veilchennote, die mit Rosen gemischt ist. Die große Sophia Grojsman hat hier einen Duft geschaffen, der sehr viel gradliniger und kühler wirkt als ihre anderen Kreationen, aber wenn man "Eternity" mit "White Linen" vergleicht, dann strahlt "Eternity" für mich wesentlich mehr Harmonie aus als "White Linen". "Eternity" ist stets wiederzuerkennen und sehr tragbar. Für mich immer noch eine bessere Wahl als der allerneuste "Fruity-Floral-Cocktail" von Gucci.

Eternity for men von Calvin Klein


Dieser Duft steht stellvertretend für alle durchschnittlichen, banalen Herrendüfte. Gesichtslos. Auswechselbar. Ein bißchen Zitrone, ein bißchen herbe Frische, Langeweile in einer Flasche. Das Schlimme ist, daß dieser Duft einen Trend gesetzt hat und ihm unendlich viele folgten, die ähnlich rochen und riechen.

Etienne Aigner Pour femme


Ein durchschnittlicher Fruity-Floral, der sich an Chloé-EdP (2010) anlehnt, aber etwas fruchtiger riecht und zudem eine leicht würzige Komponente hat. Kein schlechter Duft, aber nicht herausragend. Sillage und Haltbarkeit sind überdurchschnittlich.

Evening edged in Gold von Ineke


"Evening edged in Gold" ist ein blumig-orientalischer, sehr ausgefallener Duft, der garantiert nicht jeder/jedem gefällt. Osmanthus ist im Duftverlauf hier ganz extrem stark herauszuriechen, aber im ersten Moment werde ich vor allem an Pflaumen in Rum erinnert, leicht mit Zimt bestäubt. Ein bißchen Safran gesellt sich dazu, dann der Osmanthus und außerdem eine Blume, deren Geruch ich nicht aus der Natur kenne. "Angel trumpets" blühen vor allem in San Fransico, wo die Parfümeurin Ineke lebt und arbeitet. Eine andere Blume namens "Midnight Candy" ist ebenfalls beigemischt, auch diese kenne ich nicht, erwähne sie nur der Vollständigkeit halber und weil ich es gut finde, daß auch 'mal andere duftende Schönheiten in einem Parfum zum Einsatz kommen als Jasmin und Rose. "Evening edged in gold" ist sehr opulent, warm, fast schon narkotisierend. Aufgrund der starken Osmanthus-Komponente und der Opulenz erinnert mich der Duft entfernt an "1000" von Jean Patou, wobei "1000" komplexer und schwerer ist. "Evening edged in Gold" wird nie mein Lieblingsduft werden, ist aber dennoch "irgendwie"faszinierend. Ein Nischenduft, den jede/r selbst erleben muß.

Everose von Jil Sander


Das ursprüngliche "Eve" vom letzten Jahr (2011) gepaart mit einem Rosenakkord. Rose kommt immer gut, Heidi Klum hat auch gerade einen neuen Duft mit Rose auf den Markt geworfen ("Shine Rose" – riecht abscheulich!). Wie der Name "Everose" schon sagt ist dieser neue Duft bar jeglicher Überraschungen, aber dennoch ganz nett. Er kommt ganz dynamisch-modern 'rüber, was an der "Evebasis" liegt und gefällt mir besser als "Eve" selbst. Ein freundlicher Tagesduft, keine kitschig-schwülstige Rose (würde ja auch nicht zu Jil Sander passen). "Everose" ist ein Parfum, gegen das man nicht viel einwenden kann. Große Begeisterung kommt allerdings auch nicht auf. Angenehmes Mittelmaß.

Excess Tokyo Milk Parfumarie de Curiosité


Ein extremer Duft, dominiert von bitterem Orangenöl und Patchouli, einem sehr erdig-herben Patchouli, plus sehr viel Galbanum. Das Resultat dieser Mischung ist kräftig und in meiner Wahrnehmung äußerst maskulin; ich persönlich fühle mich mit diesem Duft absolut falsch parfümiert. Das bitter-staubige Aroma hält stundenlang. Dunkel und abweisend, so würde ich die Aura dieses Parfums beschreiben. Sehr ausgefallen, etwas " for the darkest hour."

Explosive von Etienne Aigner


Einer der lautesten, aufdringlichsten Düfte schlechthin. Heute in Deutschland wohl nur noch bei Rossmann zu bekommen, wird er in Lizens von PUIG/Spanien hergestellt (wie die anderen Aigner-Düfte auch). Eine Inkarnation aller Negativa, die man mit 80er-Jahre Hammerparfums verbindet. Alles an diesem Duft ist krude, ungeschlacht, unelegant und bombastisch - wie der Name schon sagt. Eine echte Explosion aus der Zeit der Dauerwellen und des Blau-Metallic-Lidschattens. Es ist gut, daß sich der Pazifismus immer mehr durchsetzt; auch in der Parfümerie. Für mich brauchst's weder "Explosive" noch "Flowerbomb" (aber da wären wir schon in einem anderen Zeitalter gelandet). Parfums wie "Explosive" können auch den friedlichsten Zeitgenossen zu einem angeriffslustigen Monster mutieren lassen.

Expression von Jacques Fath


Heute nicht mehr zu bekommen, war dies eines der stärksten und durchschlagendsten Parfums, die ich jemals gerochen habe. 80er in Reinform, ein lauter und unfaßbar starker Mix aus dunklen, schweren Akkorden, die einen ganzen Saal füllten und die Trägerin tagelang umhüllten. Dieses Parfum kannte keine Gnade und war in seiner Opulenz und Aufdringlichkeit eine der größten olfaktorischen Zumutungen, die Frankreichs Parfumindustrie je hervorgebracht hat. Es war unvergleichlich; ich kann keinen Duft nennen, der Expression ähnlich wäre.

F von Salvatore Ferragamo


Schicker Flakon, aber die Schuhmode von Ferragamo ist besser als diese künstliche Parfum-Fruchtlimonade, die unerträglich riecht. F*** it.

Falling into the Sea von Imaginary Authors


"Falling into the toilet" - leider. Zu mehr als diesem Satz inspiriert mich dieses Machwerk nicht. Dieses angebliche "Parfum" ist für mich vom Geruch her mit einem Mittel zur Reinigung von Klobecken gleichzusetzen.

Far Away Exotic von Avon


"Far Away Exotic" ist ein energiereicher, sehr starker Duft. Ich wundere mich darüber, daß Avon-Parfums in Deutschland lediglich müde belächelt werden, gibt es doch unter ihnen einige, wenn auch wenige, die mit viel teureren Labels mithalten können. "Far Away Exotic" ist so ein Fall. Der Duft startet mit einer immensen Würze, zimtig, mit Anklängen an "Chai Masala". Unterlegt von dieser würzigen Aura nimmt man im Verlauf sehr deutlich Kokosnuss wahr, gepaart mit Mango und unterstützt von leicht blumigen Akzenten (Rose, Jasmin). All diese Eindrücke sind stark und bleiben so; "Far Away Exotic" hält stundenlang, bis er auf einer Basis aus synthetischem Sandelholz (nicht ganz so schön) ausklingt. In dieser Phase ähnelt der Avon-Duft einem anderen US-Produkt: Hilary Duff "With Love" (ebenfalls sehr günstig, einer der besten Celebrity-Scents). "Far Away Exotic" wird sicherlich niemandem gefallen, der die Idee von einer Tasse Chai Masala gepaart mit einem Fruchtcocktail aus Mangos und Kokosnuss abstoßend findet. "Far Away Exotic" ist außerdem kein diskreter Duft, sondern ein dominanter Typ, der wahrgenommen wird und nicht vornehm im Hintergrund verweilt. Wer jedoch einen sehr preisgünstigen und dennoch nicht banalen (d.h. nicht auswechselbaren) Duft sucht, den man sehr gut wiedererkennen kann, der viel eigenen Charakter hat und wer etwas Fruchtig-Würziges möchte, ganz ohne Chyprebasis, ganz ohne Zitrone, ohne Amber, der sollte "Far Away Exotic" probieren. Es muß ja nicht immer etwas Teures, Vornehmes sein.

FCUK-Her (2004)


Angenehmer, unauffälliger, leicht blumiger Duft. Absolut unspektakulär. CK1 mit leichten Blumenanteilen. Haftet ausgezeichnet. NEIN, der Name heißt nicht f***, sondern steht für French Connection United Kingdom. Momentan in England überall im Sonderangebot (im November 2011).

Fifi Chachnil neu


Das neue "Fifi Chachnil" wird seit Januar 2012 vom Club des Créateurs de Beauté vertrieben, welcher zum L'Oréal-Konzern gehört und hat sich verändert. Rose steht nicht mehr im Mittelpunkt, sondern das Parfum riecht wie eine verwässerte Kopie von "Lolita Lempicka L'Original". Die Lakritz-Note ist am dominantesten im neuen "Fifi", aber der Duft ist allgemein sehr zart und kein bißchen aufdringlich, ein "parfum de peau", das man nur riecht, wenn man der Trägerin sehr nah kommt. Dieses Konzept paßt gut zu den zarten Dessous von Fifi Chachnil, auch der Flakon ist niedlich mit seinem rosafarbenen Ballonzerstäuber. Eine Alternative zu "Lolita Lempicka" für alle, die einen weichen, unaufdringlichen "Hautduft" suchen.

Figuier à Bordighera von Les Bains du Marais


Ein sehr leichter Duft, der an eine Siesta im Schatten eines Feigenbaumes erinnert. Noten von Feige, Zitrone und Bergamotte sind fein abgemischt mit Geranie, Jasmin und einem Hauch von Hölzern. Für mich handelt es sich bei "Figuier à Bordighera" um einen wundervollen, stillen Sommerduft, der die Atmossphäre in der ligurischen Küstenstadt Bordighera einfängt. "Figuier à Bordighera" gehört zu einer Linie von vier unterschiedlichen "Eaux parfumées", die in Paris in dem Spa-Komplex "Les Bains du Marais" verkauft werden. Manchmal findet man den Duft in seinem rosafarbenen Outfit auch in großen Pariser Kaufhäusern. Auf mich wirkt dieser Duft sehr entspannend und beruhigend. Dieses "Eau parfumée" drängt sich nicht auf, sondern ist ideal für alle, die keinesfalls überparfümiert, synthetisch oder modisch-provokant daherkommen wollen.

Fiori di Riso von Farmacia SS. Annunziata


"Reisblume"? Der gewisse Reis-Touch fehlt hier völlig. Statt dessen enthält dieser Duft viel Benzoeharz, wahrscheinlich genau die Komponente, die mich in der hier verwendeten Form abstößt. Neben der Pudrigkeit bekommt der Duft so eine gewisse dumpfe, muffige Note. Vanille ist ebenfalls deutlich zu vernehmen, jedoch wird mir persönlich die Freude an ihr getrübt durch die stumpfen Obertöne. "Fiore di Riso" haftet gut (wie so oft bei Parfums, die mir nicht gefallen).

Fire+Ice von Bogner


ein gelungener Fruity-Floral mit einer leicht würzigen Kopfnote (Kardamon!) und einem netten Mix aus hellen Blüten. Nicht zu süß und nicht zu abgedroschen, läßt sich sowohl im Büro als auch in der Freizeit tagsüber sehr gut tragen. Für alle, die frischere, grüne "Sport-fragrances" nicht mögen.

Flash Jimmy Choo


"Flash" ist viel besser als Choos erster Duft, den ich nicht mochte (ein Fruitchouli-Gourmand-Mix). "Flash" präsentiert sich als blumig-frischer Vertreter, doch er hat auch eine aromatische Komponente, bietet mehr als weiße Blumen. Erdbeere (wie vom Hersteller angegeben) kann ich kaum wahrnehmen, dafür einen synthetischen Holzgeruch, besonders stark im Drydown ausgeprägt. Flash hat einige Gemeinsamkeiten mit der neuen, reformulierten (!!!) Version von Poison EdT (Dior), dies liegt an der Verarbeitung der Tuberose. Dennoch ist "Flash" moderner und strahlender, zudem langanhaltend. Dies würde man am Anfang gar nicht vermuten, da wirkt "Flash" sehr leicht und volatil. Doch besonders in der Kleidung hält dieser parfümierte "Blitz" mehrere Tage. Man muß sich allerdings auf einen sehr synthetischen Duft gefaßt machen. Roberto Cavalli (2012) schwamm auf einer ähnlichen Welle, ebenso Marc Jacobs mit seinen leichteren Daisy-Eaux-Düften. "Flash" ist kein "einzigartiger" Duft, arg synthetisch, aber noch "ganz okay". Der Flakon sieht leider "in real life" ziemlich billig aus und kommt auf Bildern besser heraus. Die Flasche ist klobig, von der Qualität eines geriffelten Apfelweinglases. Diesen Duft kann eine junge Frau schnell 'mal leersprühen, aber ich frage mich, ob irgendjemand sein Herz an diesen "Flash" hängen wird. Blitzschnell könnte er also auch wieder vom Markt verschwinden, dieser "Flash"...und wirklich traurig wäre kaum jemand. Die nächste olfaktorische Eintagsfliege wird bestimmt schon in einem anderen Chemielabor zusammengekippt.

Fleur de Chocolat Molinard


Ein einfach strukturierter Gourmet-Duft, der weich und süß nach Schokolade und ein bißchen Vanille duftet. Unkompliziert und freundlich. Die Flasche gefällt mir ebenfalls! Hält nicht lang...höchstens ein Stündchen. Läßt sich gut mit anderen Düften kombinieren.

FleurTeese von Dita von Teese


Wenn man den Namen englisch ausspricht, kling er wie "Tease", was mich dazu verleitet, den Duft einen "Flieder-Teaser" zu nennen, denn wirklich nach Flieder (so wie er im Mai draußen blüht) riecht diese sehr synthetische Komposition nicht, obwohl in der Werbung behauptet wurde, hier käme ein neuer Fliederduft. Die Kopfnoten sind sehr schrill und stechend, dann aber wird der Duft blumiger und bleibt einige Stunden konstant künstlich-frühlingshaft. Er ist gut wiederzuerkennen und sehr stark, vorsichtig dosieren! Letzten Endes kein bißchen schlechter als andere hochsynthetische Designer-Produkte (z.B. von Kenzo "Pleats, please"), die auf den Zauber künstlicher Blütenaromen setzen. Dita von Teese ist nur preisgünstiger. Der Flakon in seinem strahlenden Lila sieht übrigens schön aus.

Flora Gorgeous Gardenia von Gucci


Gardenien sind wertvollste und schönste Bestandteile in blumigen Bouquets - und ich mag Gardenien-Duft in Parfums, wenn er gut ist. Also war ich sehr gespannt auf dieses EdP mit dem vollmundigen Namen "Gorgeous Gardenia". Doch - wo ist die Gardenie? Ich kann keine riechen, zumindest nichts, was mich im entferntesten daran erinnern würde! Statt dessen - ein "fruity floral". Beeren, die übliche Fruchtsauce, sehr süß. Einen kleinen Hauch des normalen "Floras" riecht man, etwas Moschus- aber GARDENIA - dazu noch gorgeous - where are you??? Dieser "Fruity floral" entwickelt sich sehr sanft, weich und unspektakulär. Eine extrem abgedroschene Kreation, unkreativ bis zum Äußersten, abgesehen vom Namen und dem nicht erfüllte Gardenia-Versprechen. Klar, der Duft ist ganz nett, gefällt aber sicherlich nur jenen, die noch niemals richtige Gardenien-Parfums gerochen haben. Man kann den Duft vergleichen mit "Viva la juicy" oder "Hanae Mori" - vielleicht liegt er da "inbetween". Nichtsdestoweniger ärgere ich mich über den irreführenden Namen. Wenn Blumen sprechen könnten, würden die Gardenien der Welt sich gegen diesen Duft erheben!

Flores von Vittorio&Lucchino


Ein Duft aus Spanien, leider komplett mißlungen. Schreiende, beißend-synthetische Blumensauce, die sich nicht verändert und komplett linear verläuft. Der Anfang ist so scheußlich wie das Ende, welches erst nach vielen Stunden eintritt (Haltbarkeit ist 1 A!). Eine blumige Qual.

Flower Party Limited Edition 2011 Yves Rocher


Hier sind anders als der Name vermuten läßt, keine Blumen, sondern frische Zitrusaromen im Spiel. Die Anmutung dieses herrlich frischen und leichten Duftes ist für mich eher hesperidisch-grün-fruchtig als blumig. Eine ganz leichte Pfirsichnote rundet das Parfum ab, das mir besser gefällt als das reguläre "Flower Party". Die Haltbarkeit ist dürftig, nach einem Stündchen ist die Party vorbei, aber "it's fun while it lasts". Nett und harmlos.

Flowers of Eden von Essential Garden


Eine Kreation aus dem Drogerie-Markt-Segment, hübsch aufgemacht, preisgünstig, nicht schlecht. Ja, "Flowers of Eden" ist als Name sehr hochgegriffen für ein durchschnittliches Düftchen, das angenehm nach Pfingstrose riecht, aber die Marketing-Abteilungen müssen sich ja etwas überlegen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Der Markt ist schnellebig und die KundInnen gieren ständig nach etwas Neuem. In diesem Fall sind Design und Name "neuer" als der Inhalt, denn Blütendüfte dieser Machart gibt es unzählige.

Folavril von Annick Goutal


"Folavril" war das erste Goutal-Parfum, das in die Kategorie der leicht fruchtigen, grünen Blumendüfte gehört. In späteren Jahren kamen "Eau du Ciel", "Le Chèvrefeuille", "Eau de Camille" und "Eau de Charlotte" hinzu, die alle die gleichen Wurzeln haben. "Folavril" zeigt Spuren von Tomatenblättern, Basilikum, Thymian und anderen Kräutern, in der sehr krautigen, leicht stechenden Kopfnote. Der blumige Teil von "Folavril" präsentiert sich mit einem sehr grünen Jasminakkord, unterstützt von ebenfalls grüner Mango. Der Duft erhält durch diese Komponenten eine arg seifige Anmutung. Er kommt sogar ein wenig "chemisch" rüber, obwohl Goutal eigentlich für natürliche Rohmaterialen steht. Der seifige Akkord hält für circa drei Stunden und wird gefolgt von einem klaren Moschus-Drydown. Ich empfinde "Folavril" als geschlechtsneutral, auch Männer könnten diesen Duft benutzen. Er gibt einem dieses Gefühl von "frisch geduscht" und "ultra-clean".

Fontana di Trevi No. 18 von Aqua di Genova


Eine italienische Nischenmarke, die in diesem Falle einen bereits etablierten Liebling der Szene kopiert: "Teint de Neige" von Villoresi (ebenfalls aus Italien). "Fontana di Trevi No. 18" riecht beinahe identisch. Etwas günstiger als Villoresi, also eine gute Alternative für alle Liebhaberinnen dieses ultra-pudrigen Schneewittchen-Duftes.

Fracas


Der klassische "Soliflore-Duft" schlechthin! Schon 1948 kreiert, begeistert er noch heute. Ich finde ihn leider zu stark, viel zu dominant! Fracas kann man sofort erkennen und aus vielen anderen Düften "herausriechen", das Parfum ist unverwechselbar. Tuberose, Tuberose und nochmals Tuberose. Mehr nicht. Es gibt Alternativen zu "Fracas", die leichter und dennoch komplexer sind. Da wären z.B. "Carnal Flower" oder Marc Jacobs ("Perfume"). "Fracas" heißt nicht umsonst "Lärm" auf Französisch. Geruchslärm eben.

From Russia with Love von Koto


Ein Kinderparfum aus der Hello-Kitty-Abteilung. Wie riecht's? So niedlich wie der Flakon mit Matrioschka-Verpackung aussieht: mädchenhaft-süß. Grüner Apfel, Kirschblüte, Kokos, Praline. Zum Glück sehr zurückhaltend. Besser und dezenter als viele dieser vulgären Hammer-Fruity-Florals.

Genny Eau de Genny


Günstige Version eines perfekten Sommerduftes - riecht ähnlich wie Aria di Mare von Il Profumo. Klasse!

Guess Seductive


Kein Duft, der einen umhaut oder wirklich begeistert. Das Genre ist bekannt und abgedroschen: "fruity-floral". In der Kopfnote nimmt man süße Birnen, ein bißchen Jasmin und Orangenblüten wahr, im Anschluß erinnnert der Duft dann ein wenig an "Armani Mania", aber leider ist er viel süßer. "Guess Seductive" ist ein absoluter Durchschnittsduft, der nicht unangenehm auffällt.

Gianfranco Ferre Classic (1984)


Das erste Parfum von GF – eine Komposition aus weißen Blüten mit einer gehörigen Portion Aldehyden. Strahlend, freundlich und sommerlich, durch die Aldehyde glitzernd wie ein Diamant. Die heute im Verkauf befindliche Version reicht nicht an das Original heran.

Gin Fizz von Lubin


Diesen Duft soll früher Grace Kelly 'mal getragen haben, er wurde neu aufgelegt und ist seit 2009 in der jetzigen Formulierung erhältlich. "Gin Fizz" ist ein schöner aromatisch-zitroniger Duft, der wirklich in der Kopfnote stark nach GIN riecht. Dies ist schon ein gewisses "Alleinstellungsmerkmal" ("Juniper Sling" von Penhaligons kam später...) aber Wacholder bzw. Gin allein macht für mich noch keinen guten Duft. Die Besonderheit und Spritzigkeit bekommt "Gin Fizz" durch Zitrone und Galbanum, gekonnt kombiniert mit etwas Eichenmoos im Drydown. Ich entdecke also eine leichte Chypre-Qualität, die mir an diesem Eau de Toilette den meisten Spaß macht. Keinen großen Spaß macht jedoch die relativ schlechte Haltbarkeit, schade! Dafür ist der Flakon absolut gelungen und formvollendet. Ein wahres Vergnügen, ihn anzuschauen.

Giorgio


Ein Symbol der 80er! Ein Hammer in der floralen Gruppe: Orangenblüte,Ylang-Ylang, Tuberose, Jasmine...eine Indol-Attacke erster Güteklasse. "Giorgio" ist völlig linear, macht keine Entwicklung durch. Wirkt extrem kalt und synthetisch. Kann Kopfschmerzen und Migräneattacken auslösen, besonders, wenn der Duft zu stark aufgetragen wird, was schnell passieren kann bei seiner Stärke! Einer dieser unerträglichen Düfte, der dafür verantwortlich ist, daß einige Leute Parfums schauderhaft finden.

Giorgio Blue von Giorgio Beverly Hills


Ein wirklich herrlicher Duft für den Tag, leicht, acquatisch, nicht aufdringlich, aber auf angenehme Weise präsent. Der Duft paßt super zu allen Anlässen, ob Shopping oder Büro, "indoors" oder "outdoors". Er ist sanft und gleichzeitig frisch und klar, Wasserlilie und Jasmin kann man im Herzen schön wahrnehmen - auch nach vier Stunden noch. Erinnert an ein "Eau fraiche", hat aber mehr Sillage - und im übrigen keinerlei Ähnlichkeit mit dem klassischen gelben "Giorgio"!

Givenchy III


Ein Meilenstein und Meisterwerk. Nach einem extrem aromatischen Auftakt rieche ich trockene, krautige Anteile, gefolgt von einem Akkord aus weißen Blüten auf einer sehr starken, herben grünen Chypre-Basis. Ein bißchen erinnert "Givenchy III" an "Mitsouko", jedoch fehlt die Pfirsichnote. Hier ist gar nichts Fruchtiges im Spiel! "Givenchy III" ist herb und bleibt herb. Eines der besten Chypre-Parfums überhaupt und ein sogen. Referenzduft für dieses Genre. Die Neuauflage ist wundervoll, verfliegt jedoch leider viel zu schnell!

Glam Musk Collection Ulric de Varens


Preisgünstiger Moschusduft mit dem Charme eines Weichspülers. Verfiegt schneller als ein Wäschepflegeprodukt. Nicht zu empfehlen.

Glowing von Jennifer Lopez


Ja, die Frau Lopez ist schon lange im Geschäft. Ihr erster Duft hieß "Glow" und kam 2002 heraus, der neuste (2012) heißt "Glowing" und soll angeblich an "Glow" anknüpfen. Ein "clean scent" (ähnlich wie "Glow") soll "Glowing" sein. Naja, er ist nicht übel. Ziemlich viel Kokosnuss, ein bißchen Moschus. Nicht übel, aber banal und schnell verflogen. Beim Sprühen leuchtet's in der Flasche. Wow!

Grand Neroli von Atelier Cologne


Ein leichtes Eau de Cologne, anmutig. Duft-Tableau: Die weit geöffneten Fenster lassen die Sonnenstrahlen herein und mit ihnen trägt der Sommerwind einen leichten Orangenhauch ins Zimmer. Sie geht zum Fenster und pflückt einen Birkenzweig ab, der sich mit der bloßen Hand vom dritten Stockwerk aus erreichen läßt. Ihre dunkelblauen Augen leuchten.

Grass von Demeter


Die Demeter-Düfte halten das, was sie auf dem Etikett versprechen. Hier haben wir frisch gemähtes Gras auf Knopfdruck. Wer's mag. Immer noch besser als der Demeter-Duft "Funeral Home" (= Bestattungsunternehmen).

Green Tea Lotus von Elizabeth Arden


Für mich einer der schwächsten Düfte aus der Green Tee Serie. Der Lotus ist mir zu süßlich, verdirbt die Transparenz des Duftes und nimmt dem grünen Tee seine Frische. Sillage und Haltbarkeit sind sehr schwach.

Green Tea Tropical von Elizabeth Arden


Ein netter Flanker aus der Green Tea-Serie. Litschi und Maracuja sind nur ganz sanft in der Kopfnote zu vernehmen, Magnolie ziemlich stark und zu Beginn etwas beißend. Der Grüntee-Akkord kommt im Herzen zum Vorschein, flankiert von allerlei zitrischen Noten, die dem Duft die Frische verleihen, die ihn zu einem sehr guten Begleiter bei Hitze machen. "Tropical" ist nicht ganz der passende Untertitel zu dem Duft, der übrigens völlig frei von Kokos oder Frangipani ist. Der allgemeine Eindruck bleibt grün und meeresfrisch. Auch die Basisnote ist gelungen, ein bißchen "musky" und dennoch acquatisch-sauber. Für ein "Eau" ist die Haltbarkeit gut (mehrere Stunden). Preislich sehr moderat. Ein empfehlenswerter Sommerduft!

Gucci Eau de Parfum


Ist ein volles, rundes Parfum, das 2002 lanciert wurde und so riecht als käme es aus einer anderen Epoche (zum Glück!). Ein leicht süßlich-pflaumiger Akkord kombiniert mit viel Vanille, Heliotropin und vor allem Kumin bilden diesen Duft, der zudem noch eine leichte Orangenblüten-Note enthält. Sehr "retro", von der Anmutung her ein bißchen wie "Femme" von Rochas, jedoch würziger durch das Kumin. Kaum noch zu bekommen. Schade! Viel besser als alle anderen Gucci-Düfte, die nach 2002 folgten.

Guilty Black von Gucci


Ein Floriental! Wie ausgefallen! Wahnsinn! Ich fühle mich total guilty!!! "Guilty Black" empfinde ich als abgedroschen, banal und langweilig, der Mix aus den üblichen Verdächtigen, diesmal in schwarzem Gewande mit bißchen rot in der Mitte. Sündig, sündig! "Schuld" ist ja bekanntlich fast immer irgendwie an Sex gekoppelt und sexy Düfte sind meistens in schwarzen Flaschen drin... Die diabolische Häßlichkeit der Guilty-Black-Pulle ist allerdings für meinen Geschmack kaum zu toppen, aber wat soll's, black sells, sex sells, und wo ich gerade dabei bin: Auch der Werbespot ist an Primitivität kaum zu überbieten! Der Duft ist beerig-fruchtig mit starken Patchouli-Anteilen, Jimmy Choo hat das schon gemacht, der neue D&G geht in diese Richtung, es gibt viele Vertreter auf dem Markt, die die Idee von Sex und Verführung an einen Floriental aus roten Früchten, Amber und Patchouli koppeln. Verkuppeln, sozusagen. Ist der Duft gar fies oder widerlich? Nein, keinesfalls. Er ist lediglich ein gutes Beispiel für die Marketingmaschinerie und das Zugpferd "Sex" in der zeitgenössischen Parfümerie - und dabei kein bißchen originell.

Habanita


Riecht an mir wie eine Mischung aus altem Puder und Tabak. Weder Rose noch Pfirsich kann ich in diesem Parfum aus dem Jahre 1921 wahrnehmen. Einige Leute vergleichen "Habanita" mit "Shalimar", aber ich persönlich finde die beiden nicht sehr ähnlich. Vielleicht ist die aktuelle Version auch sehr anders als der Vintage-Duft, den ich noch nie probiert habe. "Habanita" in seiner jetzigen Ausprägung ist ölig-ranzig auf meiner Haut und muß schnell wieder heruntergewaschen werden.

Halston


Meine Mutter trug diesen Duft in den 70ern, er war umwerfend, ein toller, voller Chypre. Wenn ich die heutige Version aufsprühe, erkenne ich nur noch die Kopfnoten wieder, dann nehme ich ein gewisses Veilchenaroma wahr, das früher nicht vorhanden war. Traurig. Nicht umsonst in den USA und UK nur noch ein billiger Drogeriemarkt-Duft.

Happy Spirit Magical Nights Intense EdP von Chopard


Fruchtig (Himbeere, Blutorange) im Auftakt, dann folgt eine starke Toffeenote. Diese vermischt sich mit Orchideenblüten. Ein jugendlicher Gourmand-Duft, ziemlich künstlich und süßlich. Dennoch besser als viele andere aus diesem Genre.

Head over Heels von Revlon


"Sunflowers" von Arden riecht ähnlich extrem. Das Molekül Calone machte dies in den 90er-Jahren möglich. Absolut synthetisch und kaum zu ertragen. Hält leider mehrere Tage. Kopfschmerzen inklusive.

Heinrich Heine EdT von Schnitzler


Düsseldorf war für Heinrich Heine der Schauplatz seiner relativ unbeschwerten Kindheit und Jugend. In seinem "Buch Le Grand" und in den "Memoiren" findet sich eine Mischung aus kindlicher Märchenwelt, Lokalkolorit und historischen Ereignissen. Mit Heine fand Düsseldorf Eingang in die Weltliteratur, es ist daher kein Wunder, daß die Stadt das Andenken des großen Sohns pflegt, der am 13. Dezember 1797 im Hintergebäude des Hauses Bolkerstraße 53, in der heutigen Altstadt, geboren. Seit 1991 befindet sich im Heine-Haus ein Literaturtreff, indem im Jahr ungefähr 50 Literaturveranstaltungen stattfinden. Nicht weit von der Bolkerstr. entfernt liegt auch die Düsseldorfer Parfümerie Schnitzler, die 1997 den Heine-Duft herausbrachte. Schade, daß es ihn schon lange nicht mehr zu kaufen gibt. Abgesehen von meiner eigenen Heine-Verehrung, der Tatsache, daß auch ich in Düsseldorf geboren wurde und daß diese Stadt für meine Familie und mich immer einer der wichtigsten Orte in unserer persönlichen Geschichte bleiben wird, also – abgesehen von kindisch-egoistischen Motiven - hätte es dieser Duft verdient, wiederaufgelegt zu werden. Er ist sehr gelungen.


In Heines Gedicht "Rückschau" heißt es:

Ich habe gerochen alle Gerüche

In dieser holden Erdenküche;

Was man genießen kann in der Welt

Das hab ich genossen wie je ein Held!


Der Heine-Duft von Schnitzler inkorporiert übrigens keinen Knoblauchgeruch (auch hierzu finden sich Bezüge in Heines Werk), sondern ist ein erdiges, holzig-mänliches Eau de Parfum, dessen zitrische Kopfnoten die Zerrissenheit und Zwiespältigkeit in Charakter und Werk des großen deutschen Dichters zum Ausdruck bringen, denn sie leiten kontrastreich über zum Schwerpunkt des Duftes, einem Herzen aus Patschuli, Sandelholz, Zeder, Vetiver, Leder und Amber. Hier wird der Duft besonders überzeugend und mitreißend. Die Chypre-Ausrichtung ermöglicht in ihrer Anordnung mit Patchouli im Herzen und Eichenmoos im Drydown das hautnahe Erleben der Biographie Heines, indem der Duftverlauf als repräsentativ für die komplizierte Psyche des Dichters gelten kann. Der Wandel des Kämpfenden und politischen Menschen hin zum Leidenden, aber auch zum sensiblen Lyrikers und zum karikierenden Satiriker könnte man an den Komponenten des Duftes ablesen. Um diesen Wandel olfaktorisch darzustellen, nutzte der Parfümeur nämlich die ganze Facette seines Könnens. Extrem vielseitig und nuancenreich entwickelt sich der Duft von einem schweren, starken Elixir hin zu einem Decrescendo der Extraklasse mit Eichenmoos und einem Hauch von Tabak. Diese spannende Zurücknahme und das pointierte Herz ergeben einen der effektvollsten Düfte, die ich kenne und lassen diese duftende Hommage an Heine zu einem außergewöhnlichen Erlebnis werden.

Higher von Dior


Ein Duft von Dior, da hat man unweigerlich gewisse positive Erwartungen: Leider werden diese von "Higher" alle enttäuscht. Hier ist das Niveau nicht höher als bei "Diorella", "Eau Sauvage" und "Fahrenheit", sondern definitiv viel niedriger. Ein völlig belangloser, frischer Durchschnittsduft. Viel Calone ist drin; das bewirkt die "aquatische" Note.

Hilary Duff With Love


Ein starker und aussagekräftiger Duft, der zu den besten Celebrity-Scents gehört, die ich kenne. Tropische Früchte, vor allem Mango, dazu Vanille und Hölzer im Drydown ergeben eine starke Kombination, die warm und kraftvoll wirkt. Riecht edler als der Preis vermuten läßt (im Mai 2012 circa 8 Euro über cheapsmells.com).

Hilfiger Woman Pear Blossom von Hilfiger


Naja. Geht so. Fruity-Floral mit Birne in der Kopfnote. Wer's mag. Unauffälliger Mainstream.

Hippie Rose von James Heeley


Der Hippie, der sich diesen Duft leisten kann (um die 160 Euro), muß ganz gut bei Kasse sein - dies vorab. Billiger wird's für echte Patchouli-Fans mit einem "hippie heart" jedoch, wenn sie sich im Bioladen Rosenöl, Patchouli, einige Tropfen Weihrauchessenz und etwas Moschus-Öl holen und zusammenmixen. Schlecht ist "Hippie Rose" nicht, aber überteuert und nicht besonders originell. Die Rose&Patchouli-Kombination kann man günstiger und schöner haben (z.B. von der Firma "Juliette has A Gun").

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