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Iris Ganache


erinnert von der Kopfnote her (wundervoll, wundervoll, wundervoll!!!) stark an meinen Liebling "Apres L'Ondée". "Apres l'Ondéé" mit Karamell-Note! Der Duft machte auf mich 2010 in der Guerlain-Boutique auf dem Champs d'Elysées so einen guten Eindruck, daß ich mich dafür entschied, eine Flasche zu erwerben. Hatte natürlich alle "Exclusif"-Düfte durchgetestet, relativ unerschrocken, assistiert von einer sehr gut ausgebildeten Verkäuferin (so sympathisch! Mit Erfahrung und Durchblick!) und den Eindruck gewonnen, daß "Iris Ganache" mein Favorit sei (die Kopfnote eben....). Auch meine Tochter war dieser Meinung. Und die nette Verkäuferin. Doch wir hatten zuviel probiert, 20 verschiedene Guerlain-Parfums mindestens...Re-Editions, die ganzen Serien, die es nur in den Guerlain-Boutiquen gibt. Am nächsten Morgen - mit frischer, erholter Nase, ungestört von anderen Parfums, versprühte ich "Iris Ganache" im Hotelzimmer bzw. auf mir und mußte konstatieren, daß ich mich vertan hatte. Plötzlich hatte das Parfum (nachdem die Kopfnote verflogen war) Ähnlichkeit mit "Insolence", einer Guerlain-Kreation, die ich nicht sehr mag. Nachdem ich "Iris Ganache" einen Tag lang getragen hatte, wurde der Duft softer, die harschen Noten verflogen, der Drydown blieb angenehm, sehr schwer, viel Amber, Vanille, Moschus. Ein "verrücktes" Parfum, fantastischer Anfang, enttäuschendes Herzstück, ganz angenehmer Drydown. Letzten Endes NICHT mein Lieblingsduft, aber auch kein echter Fehlkauf. Der Flakon läßt sich aufschrauben und mit einem Pumpzerstäuber versehen (wird mitgeliefert), also konnte ich viel für meine Freundinnen abfüllen. Die Flasche "Iris Ganache" ist langsam leer geworden, aber ich bedauere den Kauf.

Isles Lontaines von Keiko Mecheri


Riecht wie eine etwas "natürlichere", hochwertigere Version von J-L. Pozos Duft "In White", der wiederum eine Imitation von Diors "Pure Poison" darstellt. Orangenblüte, Jasmin und Orangeat werden bei "Isles Lontaines" kombiniert mit sehr starken Ambranoten. Sehr laut, viel zu schrill für mich und dem Namen nicht gerecht werdend. "Ferne Inseln" müßten in meiner Fantasie viel feiner und exotischer riechen, vor allem aber sollten sie kein Remake eines bekannten Mainstream-Blockbusters sein. Von einer teuren Nischen-Firma erwarte ich mehr Fantasie als hier gezeigt. "Pure Poison" oder "In White" gibt es sehr viel billiger als "Isles Lointaines" - und selbst die Flakons der beiden Erstgenannten sind hübscher. Ich finde diese schwarzen Blöcke von Keiko Mecheri häßlich. Die Glasflaschen enthielten früher 100 ml, die schwarzen Teile nur noch 75 ml, der Preis ist aber gestiegen. Außerdem weiß man nie, wieviel die Flasche noch enthält. "Isles Lontaines" ist meiner Meinung nach kein großer Wurf. Auch von der Haltbarkeit her sind "In White" und "Pure Poison" besser.

Itislove von Salvadore Dali Parfums (2008)


Die Lippen auf dem Flakon sind inspiriert worden von Dalis Gemälde "Das Erscheinen der Aphrodite in einer Pyramide." Aphrodite, die Göttin der Liebe, als Patin für einen unterdurchschnittlichen Duft, das ist schon gewagt. In der Kopfnote kann man (mit etwas gutem Willen) Granatapfel wahrnehmen, auch ein Liebessymbol. Doch leider ist der Duft, der ganz entfernt an Tocade von Rochas denken läßt, so schnell verflogen, daß man eigenlich nicht viel Worte über ihn machen sollte.

It's all about Spa von Förster&Johnsen


Förster&Johnsen ist eine in Deutschland von Douglas promotete Möchtegern-Nischenfirma, deren Düfte bisher allesamt lediglich mittelmäßig riechen; der Wellness-Duft "It's all about Spa" kommt leicht beißend, grün-säuerlich rüber und steigert nicht das Wohlbefinden, ist dafür aber ziemlich teuer. Vielleicht sollte man ihn umtaufen in "It's all about money", denn mit "Spa" hat dieses Wässerchen nichts zu tun.

Ivoire de Balmain Version 2012


"Parfum ist tot" – immer, wenn ich wieder eine neue Unterdurchschnittskreation rieche, dann juckt es mich in den Fingern, genau dies zu schreiben und endlich meine Zeit nicht mehr mit dem Probieren von neuen Cocktails aus den Chemielaboren der Großkonzerne zu vergeuden. Oder "Parfum wird überbewertet", auch einer dieser markigen Sätze, den ich mir oft vorsage, wenn ich vor den Schaufenstern der großen Parfümeriekette mit dem türkisen Logo stehe und die Auslagen betrachte, die zeigen, daß in diesem Business mittlerweile zu 80% Form über Inhalt triumphiert. Denn was ist schon ein Parfum im Gegensatz zu ... ach, ergänzen Sie doch die Leerstelle selbst. Aber: Jetzt kommt das neue Ivoire ins Spiel! "Parfum ist tot?" Das kann man nicht mehr schreiben, wenn man das neue Ivoire gerochen hat. Wohlgemerkt,die alte Version war nie mein Duft, obwohl sie ausgezeichnet ist, ausgestattet mit dieser dunklen, grünen Eleganz, die nur ganz große Meisterwerke verströmen. Das alte Ivoire ist unkonventionell und in seiner Kühle und Seifigkeit geradezu arrogant. Ich kann es nicht tragen, mag es aber an anderen. "Ach, an welchen anderen schon," mögen Sie da fragen – und natürlich, es gibt kaum Frauen, die heute noch nach Ivoire riechen. Immer wieder habe ich in den letzten Jahren versucht, das alte Ivoire selbst zu tragen. Es ist nichts für mich. Auf meiner Haut wird der Duft säuerlich und stechend. Und jetzt: "Enter the NEW IVOIRE". Skeptisch nahm ich zunächst die Nachricht von diesem Relaunch auf. Würde es 'mal wieder eine dieser legendären "Verschlimmbesserungen" sein? Ich riskierte mutig einen Blindkauf. Volltreffer. Endlich kann ich Ivoire tragen. Die neue Version ist weniger beißend, ach, was sage ich, sie beißt gar nicht. Das Galbanum ist reduziert worden, was der Frische jedoch keinen Abbruch tut, jedoch die Schärfe herausnimmt. Das neue Ivoire ist transparenter und leichter als das alte – und es fehlt ihm zu meiner großen Freude die starke Seifigkeit. Dennoch ist die Grundnote erhalten geblieben, ganz unverkennbar. Ivoire 2012 ist genial. Es ist genau richtig für Tage, an denen ich elegant und nicht überparfümiert wirken will. Ivoire 2012 drängt sich nicht auf, aber es ist stark genug, um mir Frische und Dynamik zu verleihen. Ich bin froh, daß dieser Relaunch geglückt ist. Zum Vergleich: Meine Flasche mit "Chanel No. 19 Poudré" steht immer noch fast voll bei mir herum und reizt mich nicht ein bißchen. Ein langweiliger Duft, den ich weder gut noch schlecht finde. Ich bekam ihn geschenkt, was soll's. Oder das neue "Coco Noir". Auch kein Knüller, sondern nur netter, angenehmer Durchschnitt. Ein Kandidat für die "Parfum-wird-überbewertet-Liste". Aber Ivoire 2012 ist genau das Gegenteil. Ivoire 2012 ist für mich schöner als das alte, damenhafte "Elfenbein" von 1980. Es ist ein willkommener Beweis dafür, daß Parfum nicht tot ist.

Jammin von Reminiscence (2006)


Nicht nur für Reaggae-Fans und Freunde von Bob Marley, aber definitiv mit einer starken Marihuana-Note. Diese wird mit rosa Pfeffer und Tonkabohne abgerundet. Die "Hasch-Note" ist außergewöhnlich, habe ich noch nie so stark in einem Parfum wahrgenommen. Man könnte den Duft auch als "Stinkbombe" bezeichnen, aber was soll's. Kaufte ihn im Sommer 2011 für 10 Euro in Berlin, als die Lafayette-Dependance auf der Friedrichstraße Ausverkauf machte (regulärer Preis 59 Euro). Ist wohl nicht so gut angekommen, der bekiffte Duft. Kann ihn auch nicht empfehlen.

Jardin d'Antalya von Isabel Derroisne


Meine kleine Tochter mixte sich vor einiger Zeit einen Duft selbst und nannte ihn "Vanilla Rose". Verwendet hatte sie lediglich Rose, Vanille und ein paar Spritzer Himbeeren. "Jardin d'Antalya" riecht fast genau wie die Kreation meiner Tochter, wie ein türkisches Loukhoum mit extrem viel Rosenwasser: extrem süß und dessertartig. Die "Jardin-Serie" von Isabel Derroisne enthält angeblich nur rein natürliche Duftstoffe, was mir beim Schnuppern plausibel erschien. Ein sehr simpler Duft, für dessen Kreation es keines besonderen Talents bedurfte.

Jardins de Bagatelle von Guerlain


Dieser Duft bezieht seine Inspirationsquelle aus den Bagatelle-Gärten, die 1777 für Marie Antoinette in Paris angelegt wurden. 1983 beschloß Jean-Paul Guerlain, die Blütenpracht in dem üppigen Garten in einem Duft einzufangen. Das Resultat ist ein sehr opulentes Bouquet, daß so kunstvoll zusammengestellt ist, daß man die einzelnen Komponenten, selbst die oft dominiernde Tuberrose, nicht mehr einzeln herausriecht. Zusammen mit Rose, Jasmin, Magnolie, Orangenblüte, Veilchen, Bergamotte und Vetiver wird "Jardins de Bagatelle" zu einem lieblichen, romantischen Parfum, das zudem einen hohen Wiedererkennungswert hat. Ich würde es als "Blütenfanfare" bezeichnen und nur jenen ans Herz legen, die polyphone, starke Blumenparfums mögen.

Jasmin Rouge von Tom Ford


Jasmin pur, leider auch nichts Neues, lediglich teuer. Ich kann diese Trends zu monothematischen Düften nicht nachvollziehen. Es gibt genügend andere Jasmin-Düfte auf dem Markt, einer eigenen Tom Ford-Variante hätte es nicht bedurft.

Jazz von Yves Saint Laurent


"Jazz" war der zweite Herrenduft, den YSL in den 80er Jahren herausbrachte, nachdem "Kouros" 1981 super eingeschlagen war. Damals hatte "Jazz" sowohl blumige Anteile als auch eine leichte Tabaknote, ansonsten war es ein aromatischer Fougère, der stundenlang hielt, einer der letzten großen Klassiker dieses Genres. Die jetzt erschienene Re-Edition enthält keinen Tabak und wenig Eichenmoos. Dafür beginnt der Duft warm und würzig mit Koriander und Zimt, bevor Beifuß (engl. Artemisia) zu vernehmen ist. Die Basis besteht aus Coumarin, Zeder und ein bißchen Patchouli. "Jazz" spielt mit diesen verschiedenen Komponenten, ist aber diskreter als der große Fougère-Bruder "Azzaro pour Homme". Die Re-Edition ist ganz nett, hält jedoch nur wenige Stunden auf meiner Haut oder der meines Mannes. Ein "Old School Duft", der klassisch und unspektakulär herüberkommt und dem der Stoff fehlt, den man heute so oft Herrendüften beimischt, um sie frisch wirken zu lassen: Dyhydromyrcenol (wichtigstes Molekül in "Cool Water"). Der neue alte "Jazz" ist eine Reise zurück in die Prä-Cool-Water-Epoche der 80er. Der Duft plätschert angenehm vor sich hin, läßt mich jedoch letzten Endes gleichgültig zurück, denn die Noten, die früher mein Herz höher schlagen ließen, sind in der neuen Version nicht enthalten.

Jean-Louis Scherrer


Parfums wie dieses lassen mich ins Schwärmen geraten. Jean Louis-Scherrers erster Duft ist einer der besten grünen Düfte, die jemals produziert wurden. Ein dunkler, geheimnisvoller, ledriger Chypre, der elegant und kühl ist, unter dessen Oberfläche es jedoch brodelt. Alles an diesem Parfum ist perfekt: Die Haltbarkeit, die Inhaltsstoffe, das Konzept ("Haute Couture") und die Komposition natürlich. Nicht zu übertreffen.

Je reviens Couture von Worth


Dieser Klassiker aus dem Jahre 1932 ist unzählige Male reformuliert worden. Vor einigen Jahren kam er als "Couture"-Version heraus, dennoch kann er mich nicht überzeugen. Das Beste an "Je reviens" ist der Drydown, den man in seiner Pudrigkeit ganz angenehm finden kann. Doch die Kopfnoten und das Herz mag ich nicht. "Je reviens" ist genau der Duft, den ich als ultra-madamig und absolut passé bezeichnen würde. Irgendwie riecht er muffig wie ein lange nicht gelüftetes Zimmer. Vielleicht liegt dies an der Kombination aus Aldehyden und Ylang-Ylang mit Weihrauch. "Je reviens" ist leider ein altes Parfum, das ich weder tragen noch empfehlen kann.

Jil Sander Eve


In der Kopfnote anders als die bisherigen Jil-Sander- Düfte. Sehr viel mehr Vanille als sonst und warme, einhüllende Noten. Für den Herbst/Winter sicher richtig. Umgehauen hat mich diese Kreation nicht (die Verkäuferin meinte spitz: "Nichts worauf die Welt gewartet hätte!"), aber ich fand den Duft angenehm und meine, daß er sehr tragbar ist. Der Flacon ist für meinen Geschmack zu schlicht geraten. Das ist puristisches Design auf totaler Sparflamme.



Jil Sander Scent 79 Woman Jil Sander


Ein Re-Launch, der mich freut: Scent 79 ist eine Neuinterpretation des allerersten Jil Sander-Duftes, der 1979 lanciert wurde. Die Kopfnoten wurden verändert und fruchtiger gemacht, anstelle des animalisch-chyprischen Drydowns wurde ein eher sanfterer, blumigerer Ausgang gewählt. Jene, die den ursprünglichen Duft zurückerwartet haben, werden nicht 100% zufrieden sein, wenn man sich jedoch einen modernen, äußerst eleganten Chypre-Duft wünscht, liegt man mit Scent79 richtig. Leider hält dieses Eau de Parfum, das es nur in einer Größe gibt, nicht so lange an wie frau/man dies für den stolzen Preis erwarten dürfte. Nach nur drei Stunden ist Scent79 auf meiner Haut komplett verflogen.



Joy of Pink von Lacoste


Startet superspritzig mit Grapefruit - wundervoll. Dann folgt Pfingstrose, ebenfalls sehr nett. Simpler, freundlicher Alltagsduft, der besonders im Frühling/Sommer angesagt ist. Angenehmer Durchschnitt.

Juniper Sling


Es wäre cool, wenn es ein Parfum gäbe, das den Geruch von Dry Gin einfangen könnte. Wacholderbeern, Zitrone – herrlich! Lubins Version eines Wacholder-Duftes "Gin Fizz", war eine Riesenenttäuschung, künstlich und schreiend. Das Haus Penhaligon's und dessen Versuch, einen Gin-Tonic-Duft zu schaffen, kann man ebenfalls für gescheitert erklären. Der Duft erfreut mit einer Wacholdernote, die circa zwei Minuten anhält, um dann zu einem langweiligen Allerwelts-Cologne zu mutieren. Geldrausschmeißerei.

Karleidoscope von Karl Lagerfeld


Die Zeiten, in denen Lagerfeld starke und einprägsame, eventuell sogar stilbildende Parfums produziert hat, sind vorbei. Erinnern Sie sich an den Klassiker mit dem Fächer-Flakon, an "KL"? Der "Karl-eidoskop"-Duft riecht vor allem nach Veilchen, allerdings nicht nach einem nostalgischen Veilchen, sondern nach einem eleganten und modernisierten. Das liegt wohl an der Umgebung des Blümeleins, besonders am leicht erdigen Drydown mit Patchouli, aber auch an der Herznote, die durch Freesie und Heliotrop pudrig, aber nicht verstaubt wirkt. "Karleidoscope" ist ein netter Duft, aber "nett" sollte dem Karl eigentlich nicht reichen. Die Sillage ist zudem sehr mäßig und die Grundidee (den modernen Veilchenduft) würde ich auch nicht als wirklich innovativ bezeichnen, an "Violets" haben sich ja in letzter Zeit viele versucht (Tom Ford, z.B.). "Karl-Eidoskop" ist gut einsetzbar, fällt nicht unangenehm auf und ist alles andere als provokant. What's the matter with you, Karl? Je ne te comprends plus...

Katy Perry Purr


Aufmerksam wurde ich auf diesen Duft wegen seines Flakons. Katy Perry ist mir egal; ihre Musik nicht mein Ding. "Purr" heißt auf Englisch "Schnurren", doch was man zunächst riecht, wenn man den Duft aufsprüht, verleitet nicht dazu, Laute des behaglichen Wohlbefindens auszustoßen! Es ist eine ziemlich beißende Fruchtsauce, die einem da entgegenschlägt. Ich kann zum Glück vermelden, daß die Kopfnote relativ schnell verfliegt, um Kokosnuß Platz zu machen. Nach einer Stunde riecht man weiterhin Kokosnuß auf einem angenehm daherschnurrenden Bettchen aus leichten Moschusnoten. Nicht übel, aber sehr monothematisch und arg synthetisch. Kein großer Wurf - parfumtechnisch - aber die originelle Flasche macht diese negativen Aspekte wieder wett.

Kim Kardashian von Kim Kardashian


Ein guter Mix aus Tuberose und Gardenia. Ich bin kein großer Fan von "big fat white florals", die meisten Düfte aus dieser Gruppe sind zu extrem für mich. "Michael Kors" fällt in diese Kategorie (noch stärker als "Kim Kardashian" und noch blumiger, leider aber auch sehr synthetisch), natürlich muß man "Fracas" erwähnen, den edelsten Duft dieser Gruppe und Madonnas "Truth or Dare". "Kim Kardashian" ist ein erstaunlich schöner Duft, der weniger süß ist als z.B. "Truth or Dare" und würziger als "Fracas". Der Drydown ist fantastisch: auch nach acht Stunden kann man die charakteristische Grundnote noch vernehmen. Ein paar Spritzer genügen - und Du bist für den ganzen Tag parfümiert, ohne nachlegen zu müssen. Wer (so wie ich) nur gelegentlich Lust auf einen Tuberose-Gardenia-Mix hat und zudem nicht viel Geld anlegen möchte, der sollte "Kim Kardashian" probieren.

King Solomon von Kings&Queens


Bravo! Ein preisgünstiger Herrenduft aus Griechenland, der alles hat, was man(n) zu seinem olfaktorischen Glück braucht: viel Würze (mit Rosmarin), Fougere-Noten und den Mut zu einem äußerst klassischen, betont männlichen Duft-Statement. Ausgezeichnet.

Kinski von Kinski


Muß die Verkäuferin zitieren, die den Duft (so wie ich) auch nicht wirklich ins Herz geschlossen hat: "Kinski riecht wie Kinski". Übrigens, nach Erdbeermund riecht "Kinski" nicht. Man möchte fast hinzufügen: Leider.

Knightsbridge von Robert Piguet


harrods – mein Lieblingskaufhaus in London. Natürlich auch der Ort, an dem ich meiner "perfume-mania" so richtig frönen kann; schließlich verfügt der Laden über eine der besten Parfümerie-Abteilungen der Welt im Untergeschoß und eine Hyperedel-Parfumboutique unter dem Dach (Roja Doves "Haute Parfumerie"). Als ich hörte, daß Robert Piguet einen Duft herausbringen würde, der speziell "Harrods" gewidmet sein sollte, wurde ich sofort neugierig. Meine Tochter besorgte mir ein "sample" (was sie einige Überredungskünste am Piguet-Counter bei Harrods gekostet hat) – und jetzt ist der Duft bei mir. Was soll ich sagen? Wo soll ich beginnen? Zunächst einmal muß ich über mein eigenes "Guichard-Bashing" der letzten Monate schmunzeln. Guichard ist nämlich die Nase hinter "Knightsbridge". Da sieht man mal, was es bewirkt, wenn einem Parfümeur künstlerische Freiheit gelassen wird. Sein "Briefing" lautete: "Stellen Sie sich vor, wie Harrods um zwei Uhr nachts riecht". Mehr nicht. Der Duft eröffnet mit Muskatnuss und Rose; diese Kombination gefällt mir gut. Es folgt ein sehr üppiges Bouquet aus Sandelholz und Iris, wobei alle Aspekte der Iris (Iriswurzel, Irisbutter) zum Tragen kommen. Sehr opulent! Besonders schön finde ich im weiteren Verlauf die feine Ledernote, die zusammen mit Tonkabohne einen weichen, verführerischen Effekt ergibt. Nach vielen Stunden riecht man immer noch die pudrige Iris zusammen mit der Tonkabohne. Auf Stoff gesprüht ist "Knightsbridge" tagelang wahrnehmbar. Guichard hat mit "Knightsbridge" nach "Chinatown" (2005) (gewisse Anklänge an "Chinatown" sind sogar gegeben) und "Azzaro Couture" (2008) einen Volltreffer gelandet. Wenn ich auch die meisten seiner Mainstream-Düfte nicht mag, so muß ich ihn für "Knightsbridge" bewundern. Von diesem Duft möchte ich gern eine ganze Flasche haben. Leider liegt der Preis bei 155 engl. Pounds. Dafür gibt es ihn aber auch nur exklusiv bei Harrods in London.

Knowing Estee Lauder


Knowing wird immer wieder genannt, wenn jemand äußert, daß er oder meistens sie einen Chypreduft sucht, der eine starke, metallische Rosenkomponente enthält, sogen. "damascones" (nicht natürlichen Ursprungs). Knowing ist außerdem der Duft, der als erster die Blüten des "Pittosporum"-Strauches in einem Parfum zum Einsatz brachte. Knowing ist extrem haftfest, reicht ewig und erfüllt ein ganzes Zimmer mit seinem unverwechselbaren Duft. Knowing ist trotzdem - ich will es ganz offen sagen - nicht 100% mein Ding. Irgendetwas stört mich an diesem Parfum, doch ich kann nicht genau sagen, was es ist. Knowing riecht edel, distinguiert - es hat eigentlich alles, was ein guter Duft meiner Meinung nach braucht: Charakter, Originalität, Präsenz. Aber Knowing ist irgendwie schwierig, kompliziert. Was ich sagen will: Unbedingt testen, bevor Sie kaufen. Vielleicht kann Knowing ihr Favorit werden, vielleicht ist Knowing aber doch zu bombastisch für Sie?

Kobe von Xerjoff


Kobe beginnt sehr zitronig und erinnert an Opas schlechtestes Rasierwasser, dann riecht der Duft nach Schnaps, der mit getrockneter Limone serviert wird. Eigentlich nicht der Rede wert, wenn nur das absurde Preisschild und der Hype um diese Firma nicht wären...

Kokoriko von Jean Paul Gaultier


Der Name ist derartig albern, daß ich schon allein aus diesem Grund einen Mann, der diesen Flakon im Badezimmer stehen hätte, seltsam finden würde. "Kikeriki" oder "Kokorico" auf Französisch ist das neuste Herrenparfum von Gaultier - und Aufmerksamkeit wird diesem Duft schon allein wegen des Flakons, des Namens und der Werbe-Kampagne sicher sein. In Deutschland evoziert das Bild des Hahns nicht unbedingt nur Positives, besonders wenn der Hahn als Sinnbild für den Mann stehen soll. "Eitler Gockel, Hahn im Korb, Hahnenkampf..." etc. In Frankreich jedoch ist der Hahn, der gallische Hahn eben, positiv konnotiert. Er ist ja sogar das Symboltier Frankreichs. Stets kampfesbereit, wachsam und agil verkörpert der französische Hahn doch alle Eigenschaften von... sagen wir - Sarkozy, oder? Parfum-Marketing muß heute international ausgerichtet sein, und ich bezweifele, daß deutsche, britische oder chinesische Männer oder deren Frauen den Weckruf des Hahnes als Namen für einen Duft einleuchtend finden. Aber, clever wie die Strategen von Gaultier sind, wissen sie, daß man vor allem zunächst gewisse Reize braucht, um die Kunden dazu zu bringen, den grotesken Flakon anzufassen und den Duft aufzusprühen. Kommen wir also endlich zum Duft - ist er ein Weckruf, ein fideler Hahnenschrei, ein maskuliner Brüller? Naja. In den meisten Foren wird er bisher mit "L'Instant pour homme" von Guerlain verglichen. Will sagen: Kikeriki-Kokerico ist keine Offenbarung und bietet nichts Neues. Er startet ziemlich kräftig mit Feige und Patchouli. Die oft erwähnte Kakao-Note errieche ich mehr im Hintergrund, es ist vor allem Patchouli, das dominiert - und nun wirklich bar jeglicher Überraschungen ist. Wer hätte nicht schon 'mal einen starken Patchouliduft gerochen? Und... wenn ich mich für Patchouli entscheide (oder mein Mann), dann gibt's in diesem Segment wirklich bessere Vertreter! Da muß es nicht der neue Gaultier-Duft sein, der außerdem nicht besonders lange hält. Nach zwei Stunden ist der "Brunftschrei" schon vorbei. Andere Herrendüfte fangen dann erst an, richtig zu betören... Für mich ist dieser Flakon (irgendwie dem Konterfei des Monsieur Gaultier nachempfunden) zusammen mit seiner albernen Aufschrift eher ein Gag! Der berühmte französische Satiriker Coluche meint übrigens, daß der Hahn das beste Sinnbild Frankreichs sei. Warum? Weil er das einzige Tier ist, das noch fröhlich singt, wenn es schon mit den Füßen in der "Merde" steht. Aber dies nur nebenbei.

Krefeld Femme


Von der Stadt Krefeld und deren Marketing-Abteilung in Zusammenarbeit mit Henkel Düsseldorf herausgebrachter Duft, der deutliche Ähnlichkeiten zu "J'Adore" von Dior aufweist. Keine schlechte Idee, so ein "Städte-Parfum". Ich warte noch auf "Wanne-Eickel pour femme" oder "Chemnitz pour homme".

Laguna von Salvadore Dali


Mark Buxton, der heute fast nur noch teure Nischendüfte kreiert, entwickelte diesen leichten, fein-aquatischen, durchaus fruchtigen Duft im Jahre 1991 und nahm mit diesem Werk viele Ideen vorweg, die in den folgenden Jahren ultramodern werden würden. "Laguna" ist frisch, aber nicht zitronig-hesperidisch, fruchtig, aber nicht von Mango oder Papaya geprägt, sondern eher von einer säuerlich-abstrakten Fruchtigkeit, "Laguna" ist aquatisch, aber keine Calone-Bombe wie "Escape" o.ä. Letzten Endes ist "Laguna" (nach dem ersten Dali, dem Signature-Parfum des Hauses) für mich der schönste und tragbarste Dali-Duft schlechthin. Ein kleines, völlig unterbewertetes Schätzchen. Für 30 ml "Laguna" zahlte ich im Nov. 2012 bei Karstadt 4.95 Euro (reduzierter Wühltischpreis). Ich hege die Befürchtung, daß die Produktion von "Laguna" bald eingestellt werden wird. Also: Zuschlagen so schnell es geht. Einen echten Mark-Buxton-Duft für diesen Preis bekommt man nicht oft.

L'Air du temps von Nina Ricci


"L'Air du temps" gehört zusamen mit "Joy", "Shalimar", "Arpege" und "Chanel No. 5" zu den berühmtesten und erfolgreichsten Parfums der Welt, wie schade, daß man diesen Klassiker reformuliert hat! Wahrscheinlich liegt dies an der heute nur eingeschränkt erlaubten Verwendung von Benzylsalycilat, das für den leichten Nelkenduft in "L'Air du Temps" sorgt(e). "L'Air du temps" kam 1948 heraus und unterschied sich mit seiner feinen und leichten blumigen Note deutlich von den schwereren Düften der 30er und 40er Jahre. Mit Sandelholz verfeinerte Nelke, Gardenie... eine Blumenharmonie. Zwei engumschlungene Tauben, die man als Symbol für den wiedergefundenen Frieden in Europa interpretieren kann, zieren den original Lalique-Flakon, zumindest wenn man das Extrait kauft(e). Ich mag die Leichtigkeit und Diskretion, die Feinheit und die zarte Würze dieses Duftes. Man kann ihn auch in seiner reformulierten Fassung noch erkennen, ein Glück. Besonders das Eau de Parfum hat noch große Ähnlichkeit mit dem Original.

La Môme von Balmain


Edith Piaf gewidmet, dem "Spatz von Paris". Hatte mir viel mehr erwartet, zumal Balmain zu meinen Lieblingsfirmen zählt. Ein sehr konventioneller, sehr "anständiger" Duft, der nicht im geringsten an die freche und mutige Edith denken läßt. Rose, Veilchen und Iris wurden hier verwoben, die Basis ist leicht pudrig, ein bißchen ambriert. "La Môme" ist mir zu langweilig, zu zurückhaltend. Kann man im Büro tragen, klar. Was aber hat so ein Duft mit "La Môme" zu tun?

Lanoé No. 8


Hinter dem Phantasienamen dieser Firma (die Buchstaben stehen für die Adektive lebendig, anziehend, nobel, originell und elegant) steht die Deutsche Simone Schmelzer, die ihre edlen Düfte nur in ausgewählten Parfümerien vertreibt z.B. bei "Apropos" in Köln oder in der "Kleinen Theatiner Parfümerie" in München. (Dort habe ich meine Flasche erworben, ein entzückender kleiner, aber feiner Laden mit ausgesucht freundlichem, geschulten Personal. ) Lanoé 8 ist ein ungewöhnlicher, wundervoller Duft, der sowohl von Männern als auch von Frauen getragen werden kann, da er weder zu süß noch zu würzig riecht. Er ist herb-exotisch, mit interessanten Akzenten von Orchidee, die im Duftverlauf mit Pfeffer, Zedernholz und Patchouli abgerundet werden. Eine gewisse grüne Frische, etwas leicht Grasiges, ist ebenfalls wahrzunehmen und verleiht dem Duft zusätzlichen Charme. Lanoé verspricht nicht zuviel: No. 8 ist definitiv sowohl originell als auch elegant. Ich wünsche dieser Newcomer-Firma viel Erfolg, sie hat ihn verdient!

La Nuit von Paco Rabanne


Eines der besten Parfums, die es jemals gab. Immer wieder wird in Zusammenhang mit "La Nuit" das Wort "animalisch" gebraucht, was mir nicht einsichtig ist. Dieses Parfum ist nicht "animalisch", es sei denn, das Wort "animalisch" steht für außergewöhnliche Schönheit, Originalität und Perfektion. Im Mittelpunkt des Duftes befindet sich eine Rose, die so völlig anders ist als in "Paris" oder in "Knowing", denn sie wird umrankt von Leder und rauchigen Noten. "Komplex" ist hier das Stichwort. Die Rose in "La Nuit" ist zweideutig und keinesfalls lieblich. Sie wird umrahmt von sehr starkem, erdigen Patchouli und duftet unverwechselbar verführerisch und gewagt. Der "Drydown" ist geprägt von Leder und Patchouli. Dieses Parfum riecht man aus weiter Entfernung, dunkel und geheimnisvoll, kein bißchen gefällig oder gar niedlich. Manchmal noch auf Ebay zu finden. Ich habe fünf "Back-up" Flaschen. "La Nuit" soll mir niemals ausgehen!

La Petite Robe Noir Guerlain


Ein Duft, der völlig anders riecht als er heißt! Ich erwartete einen Klassiker, vielleicht einen Chypre-Duft, auf jeden Fall etwas ganz anderes als in dieser hübschen Flasche steckt..."Das kleine Schwarze" - tja, es ist ein fruchtig-floraler Duft, einer aus der mittlerweile berühmt-berüchtigten "fruity-floral" Kategorie. Normalerweise ist diese absolut nicht mein Fall, aber La petite robe noire konnte ziemlich schnell meine Nase für sich einnehmen. Es ist ein süßer, fruchtiger (rote Beeren aller Arten!) Cocktail, der mit einer karamelligen, weichen Basis abgerundet wird. Die Kopfnoten sind einfach köstlich, das Herz betörend und der sanfte toffemäßige Drydown ein wahres Vergnügen. Kein Klassiker im üblichen Sinne, aber sicherlich eines der besten Parfums dieser trendigen Kategorie. Sehr zu empfehlen!

La petite robe noire 2012


Bei Selfridges in London und auf den Flughäfen von Großbritanniens Hauptstadt wird sie schon feilgeboten und angepriesen: Die Massenmarktversion des 2009-Duftes "La petite robe noire". Während man die ursprüngliche Edition nur in den Guerlain-Boutiquen kaufen konnte, so wird dieses ultrafruchtige Duftkleidchen bald überall zu haben sein (natürlich auch ab Herbst 2012 bei uns). Und - is this a good thing? Schwer zu sagen. Werden wir alle nach Kirschkompott riechen? Wollen wir überhaupt so "fruity-frilly-sweet" riechen? Meine Tochter, die die 2009-Version liebt, ist der Meinung, daß das neue Kleid "vulgärer" riecht als die Erstausgabe. In der Tat, die Kirschen sind noch stärker betont worden, die Kopfnoten sind umwerfend süß. Der Verkäufer auf dem Airport meinte: "Most people turn away in horror - I don't think this is going to be a topseller." Auf die Kirschen folgt eine weitere Hardcore-Gourmet-Dessert-Attacke mit Mandeln, Lakritz und Noten von Vanilletee. Ja, die erste Version war subtiler, weniger synthetisch! Ich bin trotzdem der Meinung, daß LPRN 2012 ein gelungener Fruity-Gourmand ist, der einzige den ich überhaupt mag. Das Parfum ist natürlich NICHT der edlen Tradition des Hauses Guerlain nachempfunden, sondern zielt auf ein junges und trendbewußtes Publikum ab. Guerlain versucht, an Blockbuster anderer Firmen anzuknüpfen ("Black XS", "Princess Night von Vera Wang"); doch die Frage ist wirklich, ob der Plan aufgehen wird. Der Verkäufer auf dem Flughafen meinte nämlich, daß Guerlain-Stammkundinnen den Duft nicht mögen und junge Frauen den Preis abschreckend finden (circa 50 Pfund für 50 ml - wird sicher bei uns noch teurer sein!). Die Sillage von LPRN 2012 ist übrigens MEGA. Das ist ein Pluspunkt (good value for money).

Lavender Palm von Tom Ford


Ich würde jedem Lavendel-Fan dazu raten, sich ein gutes ätherisches Öl aus der Provence zu kaufen, echten Lavendel, kein Lavandin. Im Bioladen ab 15.00 Euro zu bekommen. Dann wird dieser Duft von Tom Ford garantiert überflüssig.

La Muguet von A. Goutal


Pünktlich zum Frühling 2012: Ein Relaunch eines Maiglöckchen-Soliflores (von Goutal schon 2001 präsentiert). Soliflores sind ein uraltes, sehr abgedroschenes Thema in der Parfümerie. In dieser Kategorie geht es um naturgetreue Imitation von Blütendüften. "Muguet du Bonheur" von Caron (1952) und "Diorissimo" (1956) haben hier die Claims schon lange abgesteckt. Der neue Maiglöckchen-Duft von Goutal ist komplett überzuckert geraten. Geschmackssache.

La Nuit de l'Homme von Yves Saint Laurent


Ein Durchschnittsduft, lanciert 2009. Das Label YSL – früher legendär, heute nur noch Produzent von banalen Langweilern. Kouros, Opium, Jazz, Paris, Rive Gauche – das waren Duft-Persönlichkeiten. "La Nuit De L'Homme" ist lediglich mittelmäßig. Nicht 'mal am oberen Rand der Mittelmäßigkeit angesiedelt, sondern am unteren. Bitte lassen Sie sich im Laden unbedingt einen YSL-KLassiker zeigen, bevor Sie sich diesem olfaktorischen Nichts zuwenden.

La Pluie von Miller Harris


Regen - in der Parfümerie als Thema seit Jahren beliebter als im Wetterbericht. "Quand vient la pluie" von Guerlain, "Apres l'ondée" von Guerlain, "Rain" von Marc Jacobs, "Un matin d'orage" von Goutal... - und "La Pluie" von Miller Harris. Bei "La Pluie" handelt es sich meiner Meinung nach um einen weniger aquatischen als blumigen Duft, denn weiße Blüten (Jasmin und Ylang-Ylang) sind deutlich in "La Pluie" zu vernehmen, bis in den Drydown hinein bleibt besonders Ylang-Ylang präsent. Lyn Harris hat sich hier nicht vom englischen Regen inspirieren lassen, sondern entführt uns in wärmere Gefilde. Ein neuer und spannender "nasser Akkord", vielleicht aus Mimose und Kräutern - wer weiß das schon so genau - vielleicht aber auch eine moosige Komponente, erinnern besonders in den ersten Minuten wirklich an einen feuchten, schwülen Blumengarten, den man barfuß bei 30 Grad Außentemperatur und anhaltendem "light drizzle" - in der Dämmerung genießt...die Kleidung klebt auf der Haut, aber man fühlt sich trotzdem gut. "La Pluie" hat nichts von der entrückten, melancholischen Schönheit des Guerlain-Meisterwerks, das dem "Sommerregen" gewidmet war, erinnert aber auch nicht an die moderne, acquatische Regen-Variante eines Marc Jacobs. Nein, dieser Regen-Duft hier ist sehr eigenständig und auf zarte, leise Art ansprechend. Einer der schönsten Düfte von Miller Harris.

La vie est belle von Lancome


"La Vie est Belle" ist äußerst clever durchkomponiert, Chapeau! Die Marketing-Strategie ist ausgeklügelt, der Flakon bezaubernd, Julia Roberts Gesicht immer ein Hingucker. Aber das Leben selbst und viele andere Düfte der letzten 100 Jahre sind zum Glück sehr viel schöner als dieses Parfum, das die Megatrends der Parfümerie der letzten zehn Jahre aufgreift. "La vie est belle" wurde von drei weltberühmten Nasen komponiert (Polge, Ropion, Flipo), die offensichtlich versucht haben, aus den großen erfolgreichen Parfums der jüngsten Vergangenheit eine Art Essenz herauszukitzeln. Viktor & Rolfs "Flowerbomb" klingt an, ein bißchen "Miss Dior Chérie", dann eine feine Irisnote. Die Iris muß ja oft herhalten, wenn einem Duft Eleganz eingehaucht werden soll. Der Basisakkord erinnert an "Shalimar Parfum Initial" und stellt sich nach drei Stunden auf meiner Haut ein. "La Vie est Belle" wird sicherlich ein Topseller, mir persönlich ist der Duft viel zu konventionell.

La vie est belle Eau de Parfum Légère von Lancôme


Leider paßt auch diesmal der Name nicht, denn das Leben ist unendlich viel schöner als dieses Parfum...ein lauter, "Gourmand-Fruity-Floral", der kaum anders riecht das reguläre Eau de Parfum. "Légère" paßt also schon mal nicht, von "belle" kann auch keine Rede sein, zumindest nicht aus meiner Perspektive. "Légère" ist nach 3x Händewaschen und fünf Stunden immer noch sehr stark wahrzunehmen, wäre ja auch kein Thema, wenn der Duft mir gefiele, im Gegenteil - aber mit diesem Flanker hat die Firma Lancôme keine Verbesserung des Originals erzielt. Was mich besonders stört, ist dieser chemische Geruch nach Vanille und Haselnußpralinen ("Toffefee" läßt grüßen), der sich schon kurz nach dem Verfliegen der fruchtigen Kopfnote einstellt. Iris und "arabischen Jasmin" stelle ich mir auch ganz anders vor (und habe ich in hochwertigeren Parfums auch schon in völlig anderer Form wahrgenommen). Für mich ist "La vie est belle L'Eau de Parfum Légère" eine Chemiekeule aus den L'Oréal-Laboratorien, ein unangenehmer, penetranter Gourmand-Duft, der mich regelrecht stört, da er so wenig Facetten und so wenig Individualität hat.

La Violette von Annick Goutal


Der gelungenste Duft aus der Soliflore-Serie von Goutal. Das Veilchen mit seiner pudrigen Retro-Note wird hier sehr hübsch eingerahmt von einem Kranz aus Rosenblättern. Leider ist die Haltbarkeit sehr dürftig (weniger als zwei Stunden). Als etwas spannendere Veilchen-Alternative empfehle ich "Verte Violette" von L'Artisan Parfumeur. Allerdings hat Goutal den hübscheren Flakon!

L'eau Ambré by L'Artisan parfumeur


ist 'mal kurz am "Ambre" vorbeigegangen, hat aber nicht viel abgekriegt. Zu leicht, kaum wahrnehmbar. Ohne Substanz. Ein Amber-Duft sollte schon mehr Power haben, welchen Sinn hat er sonst? Überflüssig, dieses Wässerchen.

L'Eau de Chloe´von Chloé


Ein banaler Duft, jedoch alltagstauglich und erfrischend. Erinnert ganz entfernt an Issey Miyakes "A Scent", den ich nicht übel finde, nur daß Chloé einen etwas weniger synthetischen Drydown hat und mir durch die Rosenwasserkomponente lieblicher vorkommt. Mir liegt die Kombi "Grün plus Blumen" sehr, aber der Duft blieb sehr hinter meinen Erwartungen zurück. Kein Meilenstein der modernen Parfümeriekunst, leider. Hält schlecht, Sillage ist mäßig.

L'Eau de Monteil von Monteil


Dies ist ein aquatischer Duft, der als Hauptbestandteil nicht Calone aufweist (so wie die meisten anderen), sondern den Meerwassereffekt dadurch erzielt, daß er grüne Noten, zarte Blüten und Aldehyde gekonnt mischt. "L'Eau de Monteil" riecht nicht genau wie das Meer, sondern erinnert an einen von der Meeresbrise umwehten tropischen Garten. Eine gewisse würzige Note wird durch Nelke erreicht. Der Drydown ist sehr gelungen, er läßt auf der Haut einen Duft wie von einer "blauen Lagune" zurück...(auch der wunderschöne Flakon nimmt diese Farbe auf). Leider bereits ein "vintage". Wie schade, daß er nicht mehr produziert wird.

L'Eau d'Hiver aus der Edition Malle


Der Held der "nouvelle parfumerie", Jean-Claude Elléna, hat sich offensichtlich hier sehr stark an einem alten Vorbild orientiert, nämlich an Guerlains Meisterwerk "Après l'Ondée". Da ich eine große Liebhaberin dieses poetischen Guerlain-Parfums bin, finde ich sehr leicht einen Zugang zu "L'Eau d'Hiver", einem sehr schönen, melancholischen Vanille-Mandel-Heliotropin-Parfum. Neben einem ganz leicht pfeffrigen Touch ist "L'Eau d'Hiver" eine sanfte, sehr zarte Schönheit, geprägt von der Handschrift des Meisters Elléna, der auch in seiner Hermèssence-Linie zu reduktionistischen Formeln neigt. Wer wie ich eine starke Heliotropin-Note mag, wird diesem Duft eine Menge abgewinnen können. " Après L'Ondée", das große Vorbild, ist komplexer und wartet mit zusätzlichen Nuancen von Iris, Veilchen, Kräutern und Moschus auf, ist aber leider auch 2010 reformuliert worden (und der Vintage-Duft ist sehr schwer zu bekommen). "L'Eau d'Hiver" ist eine willkommene Alternative.

L'eau froide von Serge Lutens


Erstaunlich, daß die Hauptnote in einem Duft, der an kaltes Wasser erinnern soll, Weihrauch ist. Nachdem die frischen hesperidischen Kopfnoten verflogen sind, bleibt Weihrauch zurück. Das ist nicht negativ, erweckt aber in mir zunächst keinerlei "Kälteassoziationen". Der Drydown erinnert an Comme des Garcons "Avignon", einen bekannten Weihrauch-Duft. Serge Lutens ist ein Meister der Ironie, er benutzt einen Weihrauch-Akkord, um Kälte auszudrücken. Und wenn ich genauer über diesen Kniff nachdenke, erkläre ich mir diese Kreation so: Man tritt aus der Hitze einer sommerlichen Stadt (nehmen wir Florenz) in eine Kathedrale (nehmen wir Santa Maria Novella) hinein. Der Unterschied zwischen drinnen und draußen wird sofort spürbar, wir können uns in der Kühle der sakralen Mauern erfrischen...wir riechen Weihrauch. So wirkt "L'Eau froide".



L'eau Mixte von Parfums de Nicolai


Angeblich sollen Frauen, die ein Grapefruit-Parfum tragen, von Männern mindestens fünf Jahre jünger geschätzt werden. Grapefruit ist eine problematische Note in der Parfumerie, schwer zu fixieren, da äußerst flüchtig. Guerlains "Pamplelune" war bisher mein Favourit, doch seitdem ich bei Parfums de Nicolai in der Londoner Filiale (die einer solch traditionsreichen Firma in ihrer Winzigkeit unwürdig ist - doch dies nur nebenbei gemerkt) "L'Eau Mixte" erworben habe, muß ich sagen, daß hier alle meine Ansprüche an ein Parfum mit Pampelmuse erfüllt werden. Dieser Duft hat eine große Frische und Leichtigkeit, aber auch eine sehr gut konstruierte Basisnote. Eine wundervolle Komposition der genialen Patricia de Nicolai, deren Parfums ich immer wieder nur empfehlen kann (man sollte sie aber lieber in Paris testen. Der Londoner Shop in der Fulham Road ist so klein, daß wir zu dritt kaum reinpassten. Außerdem war der Verkäufer wohl nur für's Kassieren zuständig, er hatte keinen blassen Schimmer von Parfums. Nicht schlimm für uns, da wir genau wußten, was wir wollten, aber sehr wenig zielführend für Kunden, die sich mit dem Parfums de Nicolai-Sortiment nicht auskennen.)

L'Eau Nirique" Stephanie de Saint-Aignan


beginnt mit einer "lemon cheesecake" Note, die schnell einem Akkord aus Tuberose und Jasmin Platz macht. Ich bin keine Freundin von starken Jasmin-Noten, aber in diesem Parfum bringt der Jasmin die tropischen Komponenten, die im Anschluß in der Herznote herauskommen, sehr schön zur Geltung, nämlich Kokosnuss und Banane. In der Basis rieche ich sanftes Moschus. Schön für einen Sommerabend oder auch, um sich Strandfeeling in der Flasche nach Hause zu holen. Angenehm und unprätentios.

"L'Heure Convoitée" von Cartier


Mathilde Laurents Kreationen für Cartier aus der Reihe "Les Heures" (2011) sind für meinen Geschmack allesamt zu gefällig und zu brav. "L'Heure Convoitée" beginnt mit einer Kombo, die an "Lipstick Rose" und "Dans tes Bras" von Malle erinnert, schwingt sich dann aber schnell auf eine abgedroschene, verwässerte Lilie gepaart mit einer dominanten Nelke ein. Und die Nelke bleibt. Nach einer Stunde ungefähr wird der Duft etwas holziger, vermag aber nicht im geringsten zu beeindrucken. Wer einen überzeugenderen Nelkenduft will, sollte einen Klassiker probieren, z.B. den preisgünstigen Fragonard-Duft "Billet doux" oder Carons "Bellodgia". Wer den Drydown mag, den "L'Heure Convoitée" kopiert, der wird bei "Fleurs de Rocaille" (auch von Caron) fündig. "L'Heure Convoitée" ist ein simpler Duft. Gradlinig. Er würde gut ins Programm großer Mainstream-Anbieter passen, aber Cartier fährt die Luxus-Verpackung aus Leder und den ganzen Werbezirkus auf, um die vermeintliche Exklusivität des Duftes zu betonen. Für 40 Euro würde ich wohl 'mal ein Fläschchen erwerben, doch niemals würde ich 225 Euro für 75 ml dieses banalen Nelkenparfums anlegen - Lederetui hin oder her.

Le 3` Homme de Caron Caron


Dieser Duft - hochgelobt von der Kritik (siehe Turin/Sanchez)ist in der Tat klassisch-gut. Wem Azzaro ein bißchen zu stark und zu plakativ ist (ich finde Azzaro aber GENIAL), der könnte hier eine ideale Alternative finden. Ein fein-würziges, ausgewogenes Bouquet, ein wirklich gelungener Duft - und trotzdem ein Außenseiter. Vielleicht liegt's am Namen? Wer will schon der "Dritte Mann" sein? (Angeblich ist der Duft nach einer Romanvorlage von Graham Greene und dem gleichnamigen Film mit Orson Welles benannt - The Third Man). Vergessen Sie den Namen... - probieren Sie diesen feinen, sehr männlichen Duft. Bestimmt keine 3. Wahl.

Le Bouquet Absolu von Givenchy


Dieses Givenchy-Parfum riecht ähnlich wie das poppige,kaugummi-artige Ma Dame von Gaultier, allerdings liegt hier bei Givenchy die Betonung auf der Rose, einer arg künstlichen rosaroten Rose. Ein "one shot", muß bestimmt nicht neu aufgelegt werden, denn leider ist der Duft sehr durchschnittlich. Die Bubblegum-Note ist gar nicht edel (so wie der Name vermuten ließe) und nervt ungemein, wenn man den Duft länger trägt.

Le Parfum de Therese von Edmond Roudnitska


Roudnitska, der 1905 in Nizza geboren wurde, ist einer der bedeutendsten Parfümeure der Moderne. Als er 1996 starb, hinterließ er der Welt einige Meilensteine der Parfumgeschichte (u.a. "Diorella" und "Eau Sauvage"). Posthum wurde im Rahmen der "Editions de Parfums F. Malle" der Duft veröffentlicht, den Roudnitska für seine Ehefrau komponiert hat; ein Parfum, das aus der Mitte der 1950ger Jahre stammt, aber dennoch auch im 21. Jahrhundert modern riecht. "Thereses Parfum" weist Ähnlichkeiten zu Diorella auf, wobei der Jasmin eine "animalischere", dunklere Seite zeigt. Trotz der oft beschworenen Fruchtigkeit (Melone und Mandarine in der Kopfnote, Pflaume im Herzen) und der Blumigkeit im Zentrum (Rose, Jasmin) empfinde ich den Duft als leicht und wunderbar unsüß. Vielleicht sorgt die Basis aus Zeder, Vetiver und Leder für diesen Effekt. Alles bleibt dezent, fein, perfekt abgemixt. Es gibt kaum ein ausbalancierteres Parfum von Roudnitska, besonders die Basis ist so gut, daß nach längerem Tragen bei mir eine große Freude darüber aufkam, daß dieses Parfum ganz normal im Laden zu erwerben ist. Trotzdem gestehe ich, daß mir " Diorella" (als Vintage!!!) noch besser gefällt. Da es aber Vintage-Versionen immer seltener gibt, die noch erhältlichen manchmal nicht mehr intakt sind und sie mich ohnehin melancholisch stimmen, empfinde ich "Le Parfum de Therese" als großartige Alternative zum alten "Diorella-Parfum". Wie traurig, daß die Firma Dior selbst ihre Formeln nicht bewahrt, sondern ständig verändert bzw. verwässert. So bleibt zum Glück immer noch der Griff ins "Nischen-Regal" in einer exklusiven Parfümerie.

Light my heart von Morgan


Der Duft ist sehr leicht, unauffällig und angenehm. "Unisex", auch für Männer geeignet. Eine frische Kopfnote aus Grapefruit macht einem pudrigen Herzen mit leichten Moschusnoten Platz. Kein Fehlgriff.

Like a Walk in the Summer Rain von Essence


Ein superguter Low-Budget-Duft! Sehr zart und leicht zitronig, unaufdringlich acquatisch mit dezenter Meerwassernote. Für heiße Tage und zum großzügigen Versprühen wunderbar geeignet. Viel besser und günstiger als das neue Oceane-Wässerchen von Biotherme, das nur 5 min hält. Diesen taschengeldkompatiblen Duft riecht man nach einigen Stunden noch deutlich, was 'mal wieder eindrücklich beweist, daß es nicht immer einer großen Geldausgabe bedarf, um sich in Wohlgeruch zu hüllen.

Lilas Mauve von Yves Rocher


Der beste Duft des neuen Trios 2012. Schließlich ist er von Annick Menardo (ja, die Frau, die "Hypnotic Poison" kreiert hat und auch das geniale "Bulgari Black"). Fein, leicht, natürlich und bezaubernd wie Fliederbüsche im Garten. Ausgezeichnet. Versöhnt mich ein bißchen mit der Serie "Un Matin au Jardin", die leider auch einen gruseligen Zitrusblüten-Duft beinhaltet. Den Zitrusduft hat eine Anfängerin kreiert - kein Vergleich mit der fantastischen Madame Menardo!

L.I.L.Y. von Stella McCartney


Leicht und ebenso langweilig wie die anderen Neuerscheinungen, die ich Anfang März 2012 getestet habe. Maiglöckchen konnte ich klar wahrnehmen, bei Trüffel bin ich mir nicht sicher - und Eichenmoos? Das gehört doch sonst zu Chypre-Düften und darf nur begrenz verwendet werden (EU-Regulations). In diesem Duft ist kein Eichenmoos wie ich es kenne. Er ist auch kein Chypre. Höchstens eine pervertierte Form davon.

Limoncello von Judith Williams


Zitronenduft wie man ihn von Geschirrspülmitteln und aus dem deutschen Putzmittelbereich kennt. Für Leute, die nach dem Hausputz ebenso riechen wollen wie ihr gerade frisch geschrubbtes Badezimmer.

L'Interdit de Givenchy Version 2007


Die Vintage-Version dieses Duftes ist mir leider nicht präsent, doch diese Neuauflage von 2007 riecht äußerst angenehm. Ich denke sofort an Audrey Hepburn, für die L'Interdit entworfen wurde, an ihre Eleganz und ihren ausdrucksvollen Lidstrich. Sie sagt zu ihrem Filmpartner Humphey Bogart in "Sabrina", er solle sich Paris ruhig im Regen anschauen, da die Stadt dann am besten rieche. Dies stimmt zwar im Jahre 2011 meiner Meinung nach nicht mehr mehr, aber trotzdem finde ich den Satz in einem Film bemerkenswert. L'Interdit ist sehr aldehydisch, wer diese Komponenten nicht mag, wird sich nicht mit diesem Duft wohlfühlen können. Ein bißchen erinnert L'Interdit an No. 5 Eau Premiere, aber während der Chanel-Duft spritziger ist, hat dieser Givenchy-Klassiker eine milchige, sehr ausgeprägte Grundnote, die den ganzen Tag gut wahrnehmbar bleibt. Unbedingt probieren, wenn Chanel No. 5 Ihnen nicht 100% gefällt, der Dufttypus aber schon. Könnte eine gute Alternative sein.

Lola von Marc Jacobs


Ein Flakon, der ins Auge fällt. Leider ist er das Beste an diesem Produkt. Lola riecht so ähnlich wie viele andere Fruity-florals, noch ein bißchen süßer, ähnlich wie Gummibärchen. Es gibt aber auch gar nichts an diesem Duft, was ich mag – außer der Flasche natürlich.

L'Orchidée Terrible von Imaginary Authors


L'Orchidée Terrible ist ein Mix aus "Je reviens" von Worth und "Blue Grass" von Arden. Total "retro" und deswegen schon einen Versuch wert! Blumig-aldehydisch und indolisch-aufdringlich geht es schnell ohne große Duftentwicklung zur Sache, und ähnlich wie bei "Je reviens" heißt es auch hier: "Ich bin gekommen, um zu bleiben." Wer auf extrem blumige Retro-Vibes steht: Unbedingt ausprobieren!!!

Louban von Montale


Montale hat eine lange Reihe von Aoud-Rose-Düften herausgebracht, die sich ziemlich ähneln und die man nur schwer auseinanderhalten kann. "Aoud Damascus" ist ein solcher Duft, der bekannteste sicher "Black Aoud", ein geniales Parfum für Wagemutige, die auffallen wollen. "Louban" aus dem Jahre 2009 ist dagegen ein sanfter, weicher, anschmiegsamer Montale-Duft, anders als seine Geschwister. Das Verhältnis zwischen Aoud und Rose in diesem Duft ist fein ausbalanciert. Durch die Beigabe von Weihrauch wird das Aoud abgemildert, während die Rose in "Louban" grüner und weniger süß ist als in anderen Montale-Kreationen. "Louban" ist wundervoll präsent (auch nach vielen Stunden noch), aber für mich origineller als die anderen Montale-Exemplare aus der Aoud-Reihe (abgesehen von "Black Aoud"). Wer sich einen weichen, schmeichelnden, aber nicht zu aoud-lastigen Duft mit einer nicht süßen, sondern leichteren Rose wünscht, sollte "Louban" testen.

Loud von Tommy Hilfiger


Super, diese neuen Ideen aus der Marketing-Abteilung. "Bang," "Bang-Bang" und "Loud." "Loud" ist aber nur der Name, der Duft ist banal. Man kann ihn leider in einem Blind-Test nicht von 100 anderen aus der selben Sparte unterscheiden. Die Dinger sind alle austauschbar. Zitrone, Calone und eine dieser unerträglich künstlichen Billignoten, die neuerdings für "Holz" stehen müssen und wenig Holz kosten, um im Bilde zu bleiben. Angeblich soll Aurélien Guichard der Parfumeur sein, der "Loud" verbrochen hat. Seltsam, daß jemand, der Azzaro Couture und Chinatown gemacht hat, jetzt solchen Schrott entwickelt haben soll. Vielleicht eine 5-min Arbeit? Länger kann es nicht dauern, solche Düfte in Labor zusammenzufrickeln.

Love, Chloé Intense (2011)


"Love" von Chloé ist ein sehr "künstlicher", aber äußerst pudrig-vanilliger Duft, der für mich irgendwie angestaubt und altmodisch riecht. Die Intense-Version ist dem Ursprungsduft sehr ähnlich, jedoch empfinde ich sie als Verbesserung, da dem pudrig-angestaubten Parfum ein bißchen Würze und Wärme hinzugefügt worden sind. Sowohl Intense als auch das normale Love, Chloé halten sehr gut und können einen umhauen, wenn man sie überdosiert. Auf keinen Fall "blind" kaufen.

Love etc. von The Body Shop


"Love etc." ist ein Duft von Spitzenparfümeur Dominique Ropion. Er arbeitet auch für F. Malle (Portrait of a Lady, Carnal Flower) und hat Welterfolge wie z.B. Alien, Euphoria, Ysatis, Safari und Pure Poison geschaffen. Doch ist "Love etc." auch ein Spitzenduft? Nein, leider nicht. Doch zumindest ist er angenehm durchschnittlich. Ein blumig-orientalischer Vanilleduft im Stil von "Armani Mania", (auch von Ropion) jedoch leichter und weniger haltbar. In der Kopfnote mischen sich Birnen mit Maiglöckchen, nett und tragbar. Momentan (Juli 2013) stark reduziert zu bekommen. Ich vermute, daß der Duft aus dem Body Shop Sortiment herausgenommen wird.

Love in Black von Creed


Extremer Mix aus erdrückend starken, chemischen Komponenten: ein Irisakkord kombiniert mit holzigem Veilchen. Das Ganze wird noch verstärkt durch Aldehyde, die dem Duft eine schreiende, fast quälende Komponente verleihen. Gibt es eine Entwicklung? Nein. Wir haben es hier mit einem fast völlig linearen Gebilde zu tun. Ganz spät, wenn man hofft, es sei vorbei, lugt unter der Chemiekeule noch eine weitere künstliche, fruchtige Rosenkomponente hervor, die den Duft noch unerträglicher macht. Ein Paradebeispiel für ein Parfum, das überteuert, geschmacklos und nervtötend ist.

Lovely Day von Ramon Monegal


Ein irreführender Name, leider. Dieser Duft riecht in der Kopfnote nach vergorenem Obst, danach folgen irgendwelche süßen Akkorde aus chemischen Blumen und pappigen Moschusverbindungen. "Lovely day" ist unangenehm und unnötig von einem Nischen-Anbieter, denn klebrige Obstsalat-Düfte gibt's billiger und besser von anderen Anbietern! Ein "scrubber"!

LR-Classics Antigua LR


Gute Imitation von Trésor. Die Düfte von LR werden alle mit Materialien aus Holzminden hergestellt, sind made in Germany. Im Direktvertrieb und nicht in Parfümerien erhältlich, habe ich sie heute von einer Beraterin vorgestellt bekommen. Eigene Kreationen sind im Sortiment eher rar, die meisten EdPs kopieren Erfolgsdüfte großer Marken (Angel, Coco Mademoiselle, Tresor, Cerrutti 1886 pour femme, Gaultier le Male). Preislich liegen sie zwischen 22.00 und 36.00 Euro. Die Flacons sind nicht besonders ansprechend. Habe alle Düfte getestet. Heraus kam: Femme Noblesse von LR riecht fast wie Fidji -gute Alternative zu dem EdT von Guy Laroche!

Lua von Xerjoff


Eine warme Komposition mit Mandeln und einem sehr pudrigen, sanftem Touch. Angenehm, aber viel zu teuer.

Lys carmin


Schöne Kopfnoten, nicht süß, aber auch nicht wirklich der Geruch, den echte Lilien verströmen...- von der Anmutung her ist der erste Eindruck bei diesem Duft eher grün und frisch. Die vom Hersteller angegebenen Gewürze wie Zimt und rosa Pfeffer halten sich im Hintergrund, nach einer Stunde ist von diesem teuren, angeblich qualitativ so hochwertigen Duft nicht mehr viel übrig als ein leiser Hauch, Iriswurzeln vermute ich. Dies ist ein eleganter und angenehmer Duft, nicht übel, aber sehr reduziert und meiner Meinung nach überteuert (so wie die gesamte "Collection Extraordinaire"). "Extraordinaire" ist hier nur der Preis. Für mich ist dieses Parfum der Beweis dafür, daß Mainstream-Firmen versuchen, auf den "Nischenzug" aufzuspringen, indem sie "Limitierte Editionen" in puristischem Design herausbringen, Düfte, die weder besonders ausgefallen noch kreativ sind, die aber einen edlen Touch haben und die sogenannte "Premium-Kundin" ansprechen sollen. Ein bißchen verhält es sich mit diesen Editionen so wie mit den nicht sichtbaren Gewändern im Märchen "Des Kaisers neue Kleider" - man riecht nichts Neues, soll aber viel für dieses "Nichts" bezahlen und sich an dem teuren Label freuen, das im Badezimmer prangt. Label vor Inhalt - ein Trend, den ich nicht unterstütze.

Lys Soleia von Guerlain


Ein sommerlicher Acqua-Allegoria-Duft, der nach warmer tropischer Luft und exotischen, von der Sonne verwöhnten Blüten duftet. Tuberose, Ylang-Ylang und Lilie ergeben einen intensiven, betörenden Effekt. Außerdem erinnert "Lys Soleis" an ein in den Tropen gern benutzes Öl: "Monoi de Tahiti". Doch nach dem blumigen Start, der recht angenehm ist, wird der Duft leider zu drückend und schwül, er entwickelt sich zudem kaum. "Lys Soleia" ist offensichtlich eine Neuinterpretation des tropischen Blumenthemas, letzten Endes aber doch zu schwer, um sich "Acqua" nennen zu können.

Madame Rochas von Rochas


Guy Robert entwarf diesen Duft für Rochas - noch viele Jahre bevor er für "Amouage" das Parfum "Gold" kreierte. Da "Madame Rochas" völlig reformulated ist - nur noch ein Schatten seiner selbst - kann ich allen, die sich nach der alten, symphonisch-blumigen Großartigkeit dieses Klassikers sehnen, nur raten, es mit "Gold" zu versuchen (wenn bloß der Preis nicht wäre... - sehr hoch). Das heutige "Madame Rochas" ist ein seifiger Duft im Stile der 70er, riecht wirklich (traurig, dieses Wortspiel!) "ultra-madamig".

Ma Faute von Molinard


Eine gute Kopie von "Narciso Rodrigues For Her", leichter und etwas frischer. Schöne Alternative zum Original, auch preislich (EdT 100 ml circa 20 Euro). Prima Sillage, hält lange. Den seltsamen Namen "Ma Faute" (= "Meine Schuld") vermag ich nicht zu interpretieren.

Magie Noire, neue Version


"Magie Noire" - eine nüchterne Glasflasche, eckig. Früher war der Flakon schöner, rund. Ein Handschmeichler. In schwarz mit orange-braunen Halbkreisen. "Magie Noire". Im Herzen mit Rose und Jasmin, aber vor allem im Fond mit würzig-erdigem Patchouli, warmem Sandelholz und süßer Vanille, etwas Weihrauch... die Kopfnoten - anders als früher, spritziger, aber gut. Für wen oder wozu benutzen wir Parfum? Für uns selbst und im besten Falle für jene, von denen wir wissen, dass sie es ebenfalls lieben. Parfum verschafft uns einen unmittelbaren Zugang zu unserem limbischen System und zu unseren ureigensten Emotionen. Daher ist "Magie Noire" ein guter Name für einen Duft, der es vermag, erotische Gefühle zu evozieren. Dass auch dieses außergewöhnliche Parfum reformuliert wurde, ist traurig, aber die neue Version hat noch ungefähr 70% ihres Zaubers behalten. Nicht übel, wenn man an das erotische Potential dieses Duftes denkt.

Magnolia Nobile von Aqua di Parma


So ein schönes, leichtes Parfum! Mandarine, Bergamotte, Orangenblüte ranken sich um Tuberose, Pflaume, Pfirsich und Magnolie. "Magnolia Nobile" ist strahlend und hell, ohne sich künstlich riechender Noten zu bedienen, die viele "Fruity-Florals" so unerträglich machen. Dieses Parfum ist frisch und klar und kommt zudem ohne aquatische Komponenten aus. Wenn der zentrale Magnolienakkord sich auf der Haut entfaltet, gibt es kaum mehr Entwicklung in dem Duft, aber das stört mich nicht. Perfekt für einen Tag im Frühling.

Ma Liberté von Patou


Der Name allein - ein Programm. Gorbatchow war 1987 schon fast in der Post-Glasnost-Phase, aber den Deutschen stand die Wiedervereinigung noch bevor. Herr Gauck war Pfarrer im Osten, Unfreiheit bzw. Freiheit weiterhin ein Schlüsselthema. Aus allgemeiner politischer Freiheit erwächst erst "Meine Freiheit" - zumindest die Möglichkeit ihrer Realisierung. Aber genug des angestrengten Vorgeplänkels und des Versuches, dem Namen eine sozio-historische Komponente abbzuringen, die er vielleicht gar nicht hat. Reden wir über den Duft selbst. Wow! Es passiert nicht oft, daß mich ein Parfum zu spontanen Begeisterungsstürmen hinreißt - aber "Ma Liberté" werde ich jetzt "jagen". Der großartige Jean Kerleo kreierte diesen Duft 1987, und es ist jammerschade, daß "Ma Liberté" schon lange nicht mehr produziert wird. Vielleicht bin ich auch nur ein typisches Kind der 80er-Jahre, das Parfums liebt, die man sogar riecht, wenn man nicht auf extreme Tuchfühlung mit einem Menschen geht, vielleicht liegt es aber auch am Lavendel, der sehr deutlich eine Sonderrolle in der Herznote einnimmt (ich liebe Lavendel!): "Ma Liberté" ist ein Meisterwerk für mich. Die frische Kopfnote mit Heliotrope und Zitrusanklängen weicht einer weichen, feinen Herznote mit Lavendel(erwähnte ich schon), Nelke, Zimt und Muskatnuß. Der Drydown ist herrlich: Patchouli, Sandelholz, Zeder. Sind alles Lieblingszutaten von mir - kein Wunder, daß ich begeistert bin. Mittlerweile gehört Patou zum Imperium von Proctor and Gamble (P&G Prestige - wie es so schön heißt) - das war 1987 noch nicht so. In den letzten Jahren kamen "Enjoy" und "Sira des Indes" heraus, beides interessante Parfums, die aber nicht mit "1000", "Joy" oder "Ma Liberté" mithalten können. Wann wird mich endlich wieder eine Neuerscheinung so begeistern wie dieser "blast from the past?"

Mandarin & Cardamon von 4711 Acqua Colonia


Eine schöne Ergänzung der bereits bestehenden Acqua-Serie. Leider riecht man das Kardamon nicht sehr stark heraus, kann sich aber an der schönen Frische der Mandarine erfreuen. Hält nur für einige Minuten. "Mandarine Basilic" von Guerlain gefällt mir besser und hält länger.

Mandorlo di Sicilia von Acqua di Parma Blu Mediterraneo


Feiner, freundlicher Mandel-Duft. Leicht süß, aber zum Glück nicht pappig-marzipanartig. Sillage leider unterdurchschnittlich, preislich daher aus meiner Sicht überteuert, zumal die Komposition sehr simpel daherkommt.

Manifesto von Yves Saint Laurent


Mit diesem Manifest der Durchschnittlichkeit fühlte ich mich völlig falsch parfümiert: pappig-süß und synthetisch-versandelholzt! Der Drydown nervt, weil unzählige andere Düfte ihn ebenfalls aufweisen und weil er so banal ist. Besonders lange haftet die "Manifesto-Herznote" bestehend aus Beeren und Tonkabohne plus weißen Blumen übrigens nicht, aber nach mittlerweile sechs Stunden weht mich noch immer die öde und süße Vanille-Pappe-Basisnote an - ganz und gar nicht zur Freude meines Geruchssinns. Wer erinnert sich noch an Isabella Rossellinis "Mainifesto"-Duft? Der stand früher im Kaufhaus in der Abteilung mit "Henry M Betrix" und "4711" zusammen im Regal - und war um Längen besser als dieses neue YSL-Wässerchen. Der Reklame-Kitschschwall vom Sample liest sich so: "A bouquet of jasmine punctuated by green notes and a bold trail combining wood, vanilla and tonka beans are the signature of this new declaration of femininity". Bold heißt KÜHN. Was soll denn hier kühn sein? Und wo ist der Jasmin? Wenn das eine neue "Verkündigung der Weiblichkeit" sein soll, dann ist "Womanity" die beste Kreation der letzten 10 Jahre. Für diesen "Best-of-Top10-Fragrances in ONE Bottle" -Duft, der versucht, "Candy" von Prada, "Gucci Premiere", "Burberry Body" und wie die anderen üblichen Verdächtigen alle heißen, zusammenzuführen, gewinnen die beiden Parfümeure (Flipo und Dong) keinen Kreativitätspreis. Höchsten einen "Imitations-Award".

Marbert Woman


Die Ähnlichkeit mit "Obsession" von Calvin Klein ist sicher nicht zufällig. Wer etwas herbere, leicht orientalische 80er-Jahre-Parfums mag, sollte "Marbert Woman" für 9.90 Euro/100ml eine Chance geben. Retro-Vibes sind inklusive!

Marc Jacobs Dot


Hiermit kann man leider nicht punkten, mit dem neuen Duft von Marc Jacobs in einem Flakon, der niedlich-kitschig ist und (falls man ihn nicht sammlen möchte) sicher nicht zu den Lieblingen der Entsorgunsunternehmen gehören wird. Kommt er komplett in den "Gelben Sack" oder ist er Restmüll? Das Stichwort Müll könnte man jetzt weiter ausdefinieren und auch den wässrigen Inhalt der gepunkteten Plastik-Flasche in eine sehr unerfreuliche Richtung einordnen, was ich jetzt auch tun muß. Dieser Duft ist "generisch". Nicht ganz so klebrig-gummibärchenlastig wie "Lola", leichter als "Daisy", aber ähnlich wie 1000 andere Düfte auf dem Markt süßlich-fruchtig, ohne Rückrat oder Charakter. Viele Shampoos riechen so, ganz nett eben. Paar synthetische Beeren sind drin, eventuell auch Wassermelone. Don't know. Eine besondere Entwicklung macht DOT nicht durch, nach drei Stunden ist der Duft verschwunden. Marc Jacobs produziert Trendparfums in aufwendig gestalteten Plastik-Flakons, deren Produktion garantiert sehr viel teurer ist als die Herstellung der Düfte, die in die Flaschen gefüllt werden. Die paar synthetischen Fruchtblumen-Chemicals gelöst in Alkohol kosten nur einige Cent. Ich erspare der Umwelt und meiner persönlichen Ökobilanz daher den Kauf eines "Dot-Fläschchens". Da ist ja sogar Thierry Mugler weiter vorne! Dessen Alien-und-Angel-Flaschen lassen sich teilweise nachfüllen... -PUNKT.

Marc Jacobs Perfume


Ein lieblicher Duft, sehr blumig. Gardenia, Jasmin, Chèvrefeuille. Sehr viel besser und edler als alle anderen Hervorbringungen der Firma bisher. Der 30 ml Flacon hat eine süße kleine Lederschleife am Flakon und paßt in jede Handtasche.

Marjolaine von Jean Couturier


Ein Duft, der zwar 1997 lanciert wurde, aber einen charmanten Retro-Touch hat - (so hätte "Eaudemoiselle" von Givenchy riechen können/sollen) : Grün und leicht blumig, mit Lotus und einem Touch Majoran, ist dieses Eau de Toilette ein klassischer, französischer Chypre. Wer einen charmanten Duft aus dieser Kategorie sucht, könnte mit "Marjolaine" einen Volltreffer landen.

Marni von Marni


Consuelo Castiglioni ist der Kopf hinter "Marni", einem italienischen Mode-Label, das es seit 1994 gibt, das aber erst 2012 seinen ersten Duft herausbrachte. Estee Lauder vertreibt ihn und Daniela Andrier hat ihn komponiert. Für mich zeichnet sich langsam ein erfreulicher Trend WEG von den Obstsalt-Parfums ab: "Florabotanica" z.B. ist nicht fruchtig-blumig-süß – und "Marni" ist es definitiv auch nicht! "Marni" ist erfreulich anders, beginnt mit starken Zitrusnoten und bringt dann gleich Gewürze mit ins Spiel. Wir reden hier über Nelke, Zimt, Ingwer, Kardamon, rosa Pfeffer. Rose bleibt im Hintergrund, obwohl sie in der Duftpyramide genannt wird. Zeder, Weihrauch und Patchouli bilden den Drydown. Hört sich nach einem schweren Orientalen an? Nein! "Marni" ist ein sehr moderner, leichter, spritziger Duft, der dennoch würzig ist. Er wird im Herzen etwas zimtiger als zu Beginn, der Ingwer zieht sich zurück, die Bergamotte auch, aber letzten Endes bleibt der Duft sehr leicht und wirkt dezent-zurückgenommen. Andrier, die z.B. mit "Untitled" bereits einen ausgesprochen interessanten, moderen, grünen Duft präsentiert hat, hat mit "Marni" gezeigt, daß würzige Düfte nicht nach arabischem Bazar riechen müssen. Sie hat das Genre mit "Marni" bereichert und modernisiert. "Marni" ist tragbar und auf jeden Fall anders als viele durchschnittliche Mainstream-Parfums, die in den Parfümerien auf KäuferInnen warten. Ich könnte mir den Duft auch sehr gut an einem Mann vorstellen, da "Marni" bar jeglicher Süße ist. Allerdings mutet der Flakon eindeutig weiblich an, zumindest in meiner Vorstellungswelt. Er ist originell und hebt sich positiv von der Masse ab – genau wie der Duft selbst. Besonders viel Sillage hat "Marni" nicht, aber dies scheint nicht gewünscht und nicht zum Konzept eines leichten, modernen Parfums passend.



Maroussia von Slava Zaitzev


"Maroussia" war im Jahre 1992 der erste Duft des Russen Slava Zaitsev, der auch heute noch Stardesigner in seinem Land ist. Der Duft ist heute (2012) leicht reformuliert worden,was ich sehr traurig finde. In gewisser Hinsicht war "Maroussia" damals eine Nachfolgerin von Calvin Kleins "Obsession" aus den 80ern. Beide Düfte sind intensive Orientalen mit einem moosig-grünen Touch, wobei "Obsession" mir besser gefällt. Das Gute an "Maroussia" sind der niedrige Preis und der hohe Wiedererkennungswert. So prägnant wie "Maroussia" (zumindest die NICHT reformulierte Version) riecht kein anderer Duft in diesem Preissegment! In Rußland selbst ist das Parfum nicht populär.

Marilyn Rouge von Andy Warhol


Ein Produkt, bei dem die Verpackung eindeutig sehr viel besser ist als der Inhalt. Der Flakon mit dem Monroe-Portrait in seiner Plexiglas-Verpackung ist die 4.00 Euro wert, die ich für den Duft im Kaufhof bezahlt habe (Januar 2012). Den Inhalt der Flasche kann ich nicht benutzen, "Marilyn Rouge" riecht wie eine stark verdünnte Version von "Eden" (Cacharel), verrottete Blumen in einem milchigen Aufguß. Selbst als "Frischluftspray" nicht auf der Toilette einsetzbar. So ein fieser Duft ist der sexy Marilyn nicht würdig, vor allem, da alle Welt weiß, daß sie eine Anhängerin von "Chanel No. 5" war. Ich buche diese Flasche unter der Rubrik "Kuriositäten" in meiner Sammlung ab.

Maserati von La Martina


Ein holzig-ledriger Duft, der frisch mit Bergamotte und Zypresse startet, dann aber schnell seine charakteristische, zarte Ledernote offenbart, die von Zedernholz umrahmt wird. Angenehm unaufdringlich, aber dennoch maskulin und auf sanfte Art schmeichelnd wie feinstes Wildleder auf der Haut. Sillage und Haltbarkeit sind leider sehr mäßig. Ein echter Maserati macht normalerweise mehr Krach und größeren Eindruck - ("Mein Maserati fährt 210...").

Massimo Dutti En Esencia Pour Femme


Massimo Dutti (aus Spanien und im Vertrieb von PUIG) hat mit "En Esencia" einen Duft geschaffen, der sich eindeutig an "Miss Dior Chérie" (die Erstversion) und andere süße Parfums, die mit der Idee von Zuckerwatte und Blumen auf einer Patchouli-Moschus-Basis spielen, anlehnt. Gewisse Anklänge an einen anderen Topseller, "Coco Mademoiselle", sind ebenfalls zu vernehmen, so daß dem Duft ein charakteristisches Erkennungsmerkmal fehlt, das ihn zu etwas Einzigartigem machen würde. Dennoch eine preisgünstige Alternative zu den Düften von Dior und Chanel, an die "En Esencia" angelehnt ist, außerdem sehr haltbar (wie die meisten Parfums aus dem PUIG-Konzern) und mit einem hübschen Flakon ausgestattet. Mittelmaß.

Max Azria


Ein ausgefallener Flakon, der optisch wirklich hervorsticht. Leider ist der Duft, der in diesem schönen Gewand steckt alles andere als ausgefallen. Ein völlig banaler Fruity-Floral, komplett uninteressant, süßlich-himbeerig, klebrig.

Metallica/Métlys Guerlain


Metallica im prächtigen Flakon ist ein wundervolles Sammelobjekt, doch der Duft ist meiner Meinung nach nicht außergewöhnlich und man kann verstehen, warum die Produktion eingestellt wurde. Wer Guerlains "Terracotta Voile d'Eté" kennt, stelle sich zu diesem Duft noch pudrige Noten vor, einen Mix aus Nelke und etwas Vanille. Ylang-Ylang schaut 'mal kurz vorbei, entwickelt sich aber nicht weiter und verblaßt. Der Drydown läßt auf Guerlain schließen, reißt aber den Duft auch nicht raus. Warum der Name "Metallica"? Eine metallische Note nehme ich in dem Duft nicht wahr. Nachdem die Popgruppe namens Metallica geklagt hatte, wurde das Parfum umbenannt in "Metalys". So eingängig wie die Songs der Gruppe ist der Duft allerdings nicht. Wer "Metallica" nicht kennt, hat nicht viel verpaßt. Es gibt wesentlich bessere Guerlains.

Miracle So Magic! Von Lancome


Sehr blumiger, netter Duft. Erinnert mich an "Pleasures" von Estee Lauder - nur in Verdünnung - und das ist in diesem Fall positiv gemeint. "Pleasures" erschlägt jeden, Stichwort: "Blumenattacke", während "Miracle so magic" die Trägerin mit einem frühlingsfrischen Blütenhauch umgibt. Sehr konventionell gemacht, völlig unspektakulär, aber tragbar und "safe"; kaum jemand wird sich über ein so harmloses, heiteres Parfum aufregen. Mir persönlich zu langweilig, aber vom Gesamteindruck her passabel und besser als viele andere Düfte in der selben Kategorie. "Miracle So Magic" ist einige Stunden gut wahrzunehmen.

Miriam von Tableau de Parfums


Andy Tauer, der Autodidakt unter den Parfumeuren, hat hier sehr lange (zu lange?) an einer Chanel No. 5 Flasche geschnuppert und dann offensichtlich beschlossen, den großen Klassiker zu optimieren. Zu den vertrauten No. 5-Noten kommen rauchige Akkorde von halbfermentiertem Oolong-Tee dazu - jedenfalls in meiner Wahrnehmung. Ein bißchen wie eine Mischung aus No. 5 und dem interessanten "Eau Parfumée Au Thé Rouge" von Bvlgari. Sehr interessant.

Miss Dior Chérie Eau de Parfum 2011


Die Konfusion ist riesig - von welcher Version sprechen wir heute? Vorbei sind die Zeiten als "Miss Dior Chérie" (bei seinem Erscheinen im Jahre 2005) nach Erdbeeren und Popcorn duftete. Die Version von 2011 ist eine sanftere, weniger gourmandartige Komposition, die die blumigen Askepkte betont und die girliehaften, süßen Erdbeeren wegfallen lassen hat. Aber seltsamerweise lag genau hier für mich der ganze Fun. Vielleicht haben die Marketing-Leute bei Dior gedacht, daß so ein Erbeer-Candy-Parfum nur Mädels unter 18 gefällt und sich daher entschlossen, das Parfum erwachsener wirken zu lassen. Für mich ist die Version 2011 eher eine Annährung an "Coco Mademoiselle" (gähn!) und ein Schritt weg von einem originellen, witzigen Parfum hin zu einem besser verkäuflichen Mainstream-Duft. Es gibt jetzt auch noch ganz neu im Frühjahr 2012 "Miss Dior" ohne "Chérie" als Eau de Parfum. Das wird gerade als moderner Chypre-Duft hochgehypt, riecht aber nicht viel anders als die Version 2011 mit Chérie im Namen, von der hier gerade die Rede war. Ich blicke da nicht mehr durch. Dior ist die Firma mit den allermeisten Reformulations und Relaunches und man fragt sich, was das ganze Durcheinander soll. Ach ja, seit April 2012 haben sie einen neuen Kreativ-Direktor, den Nachfolger des bösen John Galliano. Simons heißt der Neue, ist Belgier und war vorher bei Jil Sander. Vielleicht bringt der neue Mann mehr Struktur rein in die konfusen Linien (sowohl in der Mode als auch auf dem Parfumsektor?). Zu hoffen wäre es.

Miyabé Woman von Annayake


"Miyabe" riecht fast wie "Kenzo Amour", vielleicht ist "Miyabe" noch ein bißchen sanfter und leichter. Iich kann diese beiden Japaner kaum auseinanderhalten. Beide Parfums mag ich nicht.

Mohur von Neela Vermeire


Der gelungenste und tragbarste Duft aus der Neela-Vermeire-Reihe. Rose in Verbindung mit Ambrette und - interessant - Karotte, die ja auch süßlich riecht, wie die hier verwendete Rose selbst. Auch in "Mohur" ist die kulinarische Assoziation - wie in "Bombay Bling" und noch extremer in "Trayee" - unüberriechbar: diesmal handelt es sich um Konfekt aus Rosen und Karotten. "Mohur" ist daher ein unkonventioneller Rosenduft, der eine interessante Erweiterung des Genres darstellt, den ich persönlich aber nicht verwenden würde, da mir die Mischung aus Ambrette-Rosen und Mohrrüben letzten Endes "unverdaulich" erscheint. In "Safrant Troublant" hat Duchaufour die Rose in Zusammenhang mit dem edelsten und teuersten Gewürz der Welt, dem Safran, bereits meisterhaft in Szene gesetzt. Ein solches Werk ist schwer zu toppen, vor allem vom Parfumeur selbst. Bertrand Duchaufour, der schon für sehr viele Häuser gearbeitet hat (u.a. schuf er neben "Safran Troublant" auch "Dzongkha" für L'Artisan Parfumeur, "Jubilation XXV" für Amouage und "Amaranthine" für Penhaligon's) hat hier für Neela Vermeire keine Meisterwerke abgeliefert. Aber, was sagt er selbst in dem wundervollen Buch "Quintessentially Perfume" auf Seite 172 über seine Art, Parfums zu komponieren: "I'm not easy to approach, definetely not easy to live or work with, but that's how it is! A prendre or a laisser as the French say (i.e. : Take me or leave me)." Ich kann nur sagen, daß es in meinem Falle beim "leave" bleibt. Außer "Dzongkha" und "Safran Troublant" hat mich noch nie eine Kreation von Duchaufour wirklich berührt und begeistert.

Moment de Bonheur Yves Rocher


Ein kurzer, kurzer Moment (Duft verfliegt sehr schnell), aber ein schöner. "Idylle" von Guerlain nachempfunden - eine sehr ähnliche Rosennote. Leicht und harmonisch, sehr feminin, schön für den Sommer. Sehr angenehm und preislich auch kein Weltuntergang. Könnte auch von L'Artisan Parfumeur sein (ein bißchen erinnert der Duft sogar an "Drole de Rose"), da leicht und sehr transparent.

Mon Jasmin Noire L'Eau Exquise von Bulgari


Es gibt ja dieses schöne englische Wort "nondescript" - und eigentlich sollte ich es bei diesem einen Wort belassen, denn der aktuelle Flanker von "Mon Jasmin Noir" mit dem hochtrabenden Namen "L'eau Exquise" ist so unnötig wie ein Kropf, zumal es schwierig ist, ihn zu beschreiben. Ein exquisites Wässerchen rieche ich hier leider nicht. Kirsten Dunst zusammen mit einem Löwen (die Werbung im Inneren des Samples) macht mich auch nicht an - ich mag diese Schauspielerin nicht besonders. Früher gab es Frauen mit natürlicher Klasse und Stil wie Cathérine Deneuve oder Grace Kelly. Heute trimmen sie Kirsten Dunst auf Vamp. Aber ich schweife ab. "Mon Jasmin Noire L'Eau Exquise" ist ein schwächliches Düftchen mit einigen leichten Anklängen an den "Thé Vert" Duft aus dem selben Hause, hier ist das Eau unterlegt mit ein bisserl Jasmin. Hingehaucht. Kurz dran vorbeigeschrammt. Wie paßt das zu dem Löwen und Kirsten Dunst auf dem Foto? Ich verstehe diese Werbebotschaft nicht, da der ihr zugeordnete Duft olfaktorisch nicht mal dem unterdrückten Mini-Maunzen einer Plüschkatze gleicht. Unbeschreiblich, wie unbeschreiblich dieses "Eau" ist. Nach 30 min ist es verflogen. Aber Kirsten starrt mich immer noch an. Ich muß dieses Sample weglegen! Schnell.

Mon Parfum Chéri von Goutal


Ich würde mich nicht als eingefleischten Goutal-Fan bezeichnen, doch gibt es einige Düfte dieser Marke, die ich mag, z.B. "Grand Amour" oder "Heure Exquise". Die Erwartungen an die Neulancierung mit dem ausdrucksvollen Titel "Mon Parfum Chéri" waren besonders hoch, auch die Neugier, natürlich wollte ich wissen: Wird dieses Parfum ähnlich riechen wie "Petite Chérie"? Während der fruchtige Duft "Kleiner Schatz" - und vor allem kleiner weiblicher Schatz (man beachte die feminin-Endung im Französischen) wirklich schon zum Kinder-Klassiker geworden ist (ich empfehle den Duft gern als "Erstlingsparfum" oder Einstiegsdroge für alle ab sechs Jahren) ist "Mon parfum chéri" - man beachte die männliche Endung bei "chéri" - alles andere als ein gefälliges, leichtes Kinderparfum oder ein schwebendes Feenwesen. Er ist offensichtlich in Abgrenzung zu den Parfums aus Camilles Kinderzeit zu begreifen. Camille ist schon lange komplett in der Erwachsenenwelt angekommen, ist sehr geerdet, was der starke und kratzig-rauhe Patchoulianteil in "Mon parfum chéri" beweist. Ich bin ein extremer Freund von Patchouli, aber das hier verwendete ist mir zu dumpf und viel zu muffig. Nein, ich würde nicht sagen, daß "Mon parfum chéri" nach Friedhofskapelle riecht, aber der Duft hat wenig Charme, oder wenn er denn welchen hat, dann allenfalls einen sehr morbiden. Iris ist deutlich zu riechen - ansonsten nehme ich nur stumpfe grüne Noten wahr, nassen Waldboden im Herbst, verrottendes Laub. Camille Goutal präsentiert sich mit diesem neuen Duft als sehr, sehr alte Frau für mich. So weit hätte sie nicht gehen müssen, um sich aus ihrem Kinderkorsett zu befreien. Definitiv ein "No-Go" für mich - ich will noch nicht unter die Erde.

Mon précieux Nectar von Guerlain


"Mon précieux Nectar" riecht herrlich, hält aber nur 10 min auf der Haut. "Etwas für private Momente", meinte die Verkäuferin entschuldigend. Ich schaute irritiert. Sie fügte hinzu: "Den Duft trägt man nur für sich selbst". Ja, leicht sei er, sehr leicht... Also, liebe Leute bei Guerlain, "pardonnez-moi", aber länger als 10 min möchte ich schon etwas von einem so teuren sogen. "exclusiven" Parfum haben. Ein angeblich so "wertvoller Nektar" (wie der Name sagt) sollte nicht nur einige Minuten der Nase schmeicheln.

Montana Mood Soft Montana


Ein Dufthauch! Angenehm, sehr angenehm. Lakritz, ein bißchen Iris und Vanille. Wenn "Soft" aber bedeutet, daß der Duft in genau 5 Minuten verflogen ist, dann sollte man dies auch auf der Packung vermerken. Da Montana früher für sehr starke Düfte stand und der Flacon dem ultra-schweren "Montana Classique" nachempfunden ist, dachte ich, daß das Parfum gut haften würde. Das krasse Gegenteil ist der Fall. Wir haben alle schon getestet: Töchter, Freundinnen, Ehemänner... - alle riechen wir nach circa fünf Minuten NICHTS mehr. Eigentlich wirklich schade, denn was man da zu Beginn wahrnimmt, ist - wie bereits ausgeführt - sehr angenehm. Zur Zeit (August 2011) im Kaufhof erhältlich für 14.95 Euro (30ml). Dennoch "too much" für fünf Minuten Duft-Spaß.

Moonlight von Ghost


Ein ganz netter Fruity-Floral, der leicht und süßlich mit Melone beginnt, Ingwer kann ich nicht ausmachen (in der Pyramide gelistet). Das Herz besteht aus Blüten (Pfingstrose)und einem sehr leichten Akkord aus weißer Schokolade und Sandelholz. "Moonflower" von GRES hat ein bißchen Ähnlichkeit mit "Moonlight", interessanterweise nicht nur namenstechnisch, sondern tatsächlich auch olfaktorisch. "Moonlight" ist unspektakulär und hält nicht besonders gut. Ein durchschnittlicher, aber gut tragbarer Duft von Proctor&Gamble UK in einem sehr hübschen Flakon. Vielleicht sogar einer der besseren Mainstream-Launches des Jahres 2013. Langsam freut man sich ja über jeden Duft, der noch halbwegs erträglich riecht. "Fruity-Florals" sind sie ja eh fast alle, stromlinienförmig, EU-kompatibel und garantiert frei von Eichenmoos, Moschusnitratverbindungen und anderen angeblichen "Übeltätern".

Moschino


ist ein kleiner Bruder von "Obsession" und wurde mit "Shalimar" gekreuzt. Ein echter Orientale mit viel Power und Verführungskraft. Letzten Endes würde ich bei "Shalimar" bleiben, wenn mir dieses Genre zusagt, aber "Moschino" ist oft günstig zu bekommen (im Internet) und außerdem zeigt die nette kleine Italo-Fahne am Flaschenhals, dass nicht nur Franzosen sexy Parfums machen können.

Muse von Rochas


Über das Konzept der "Muse" habe ich mir einige Gedanken gemacht, seitdem ich das neue Parfum von Rochas, das eben jenen Namen trägt, besitze. Unter einer "Muse" versteht man eine Inspirationsquelle für einen männlichen Künstler, eine Frau, die unterstützend wirkt. Ich öffne die Verpackung von "Muse" und lese: "Une muse sommeille en chaque femme" (= eine Muse schlummert in jeder Frau). Hört sich nicht gerade avantgardistisch an. Verpackung und Schrift von "Muse" sind dem großen Klassiker "Femme" nachempfunden, das Frauenbild etwas auch? "Femme" kam im Jahre 1944 heraus, Flakon und Verpackung (die berühmte Spitze, "dentelle") sollten an Mae West, deren weibliche Kurven, deren schwarze Dessous erinnern. Knüpft "Muse" an dieses Frauenbild an, das auf den ersten Blick nicht zeitgemäß wirkt? Es gibt neue Meinungen zum Thema "Muse". In ihrem Buch "Das Leben der Musen: Von Lou Andreas-Salomé bis Yoko Ono", versucht die Autorin Francine Prose das Leben einiger Musen nachzuzeichnen und stößt dabei auf ein Muster. Ihrer Meinung nach ist es nur ein Klischée, daß Musen fast immer zum Opfer berühmter Männer wurden. Francine Prose denkt, daß das "Musendasein" im 19. und 20. Jahrhundert für Frauen eine Möglichkeit darstellte, sich Wege zu erschließen, die sie ohne die Beziehung zu den "großen Männern" nie kennengelernt hätten und tradierte Rollenmuster zu überwinden. Welches Rollenbild die Firma Rochas bei der Schaffung ihres neuen Duftes im Kopf hatte, ist schwer zu beurteilen. Die Muse des 21. Jahrhunderts startet mit extrem fruchtigen Kopfnoten. Banane dominiert! Ich muß sofort an "Sira des Indes" von Patou denken, doch dann blitzt eine leichte Pflaumennote auf.... wie in "Femme"... - schon ist sie weg - und es dominiert wieder die Süße einer reifen Banane. Diese ist hier (für meinen Geschmack zum Glück!) nicht gekoppelt an Milch (so wie in "Amaranthine" von Penhaligon's) , sondern gleitet im weiteren Verlauf in ein zurückhaltendes, leicht holzig-vanilliges Murmeln ab. Einen Hauch von Frangipani-Blüten nehme ich ebenfalls wahr. Lieblich. Freundlich. Fruchtig. Sommerlich. Ja, diese Muse steht auf Exotik und würde sich gut in einem Batik-Kleid neben einem Bild von Gaugin machen. Nach längerem Tragen werden die Bezüge zu "Sira des Indes" noch deutlicher, wobei "Muse" zurückgenommener wirkt, was ich wiederum positiv finde ("Sira" ist mir zu laut). Wo bleibt die Eigenständigkeit? Man kann das Konzept der "Muse" drehen und wenden wie man will, eine Muse, die berühmt werden will, sollte sich nicht an Vorhandenes anlehnen, sondern individuelle, neue Kunst befördern. Rochas' "Muse" wirkt ziemlich abgekupfert.

Muskhallat Lil Abhaya Wa Shela von Rasasi


Falls Sie auch zu denen gehören, die schon mehr als 150 Euro für eine Flasche Parfum von "Montale" ausgegeben haben, dann lesen Sie besser nicht weiter, denn Sie werden sich ärgern. Seitdem ich die Düfte von Rasasi aus Dubai kenne, die ab 15 Euro im Internet zu bekommen sind, werde ich "Montale" nicht mehr kaufen, denn offensichtlich hat Pierre Montale lediglich in Dubai bißchen rumgeschnuppert – oder "rumkopiert". Seine teuren Parfums sind allesamt an die Kreationen aus dem arabischen Staat angelehnt. Muskhallat riecht süß, üppig, narkotisierend, viel Oud, viel Moschus, Rosenöl. Eine geballte Ladung, genau wie bei Montale, "Louban" z.B. ist sehr ähnlich. Wer auf diese ultra-starken Bomben steht, sollte sich auf der Website von Rasasi umschauen.

My Melody Dreams Muelhens


Wäre es nicht schön, wenn es diesen Duft wieder gäbe? Ich fand ihn zwar als Teenager grauenvoll (zu seifig, zu beißend) aber er hatte etwas sehr Charakteristisches, Unvergeßliches. Heute würde ich die Augen schließen, an My Melody schnuppern und sähe mich wieder in meinem damals rosa gestrichenen Mädchenzimmer, zusammen mit meiner Schwester und unserem geheimen Sußigkeitenversteck...Düfte sind der Weg zu unseren längst verschüttet geglaubten Erinnerungen.

Myrrhe et Délire von Guerlain


Dieser orientalisch-holzige, neue Duft aus der Reihe, die nur in den Guerlain-Boutiquen erhältlich ist, hat mich in seinen Bann gezogen. Von all' den Neuerscheinungen, die Guerlain 2012 an seinen Exclusiv-Countern in München oder Düsseldorf bzw. in seinen Boutiquen bereit hält, gefällt mir "Myrrhe&Délire" am besten. Der Duftstreifen, den ich mit dem edlen Wässerchen getränkt hatte, roch auch nach zwei Tagen noch fantastisch. Leider gibt es weder Abfüllungen noch Pröbchen von den "Exklusiv-Düften", was ich sehr bedaure. Warme Gewürze vermischen sich mit edler Myrrhe und glutvoller Rose, welche dem Duft eine gewisse Tiefe gibt. Auch Weihrauch ist gut wahrnehmbar, doch handelt es sich hier nicht um ein "sakrales" Parfum, das den Geruch in einer Kirche nachbilden möchte. Nein, der Duft ist warm, fein und sehr verführerisch.

Mystère von Rochas


Wie schade, daß es dieses Meisterwerk seit einigen Jahren nur noch für horrendes Geld bei Ebay gibt! "Discontinued" – what a shame! Ich liebe dieses Parfum, es ist ein grüner Chypre, der noch etwas mehr Tiefe hat als Givenchy III oder auch z.B. Y von Yves Saint Laurent. Mystère begrüßt uns mit bitteren, grünen Noten, vor allem mit Galbanum. Auch Aldehydes sind deutlich wahrnehmbar und vermischen sich in der Herznote mit Leder, Eichenmoos und einem erdigen Patchouli. Sicher ist es kein Zufall, daß Liebhaber von Bandit auch diesen Rochas-Duft hier ungemein mögen. Die Basis des Duftes bleibt trotz des Patchoulis und einer Ambernote kühl. Dieses Parfum hat in der Tat etwas Geheimnisvolles, sehr Dunkles, vielleicht sogar Eisiges. Kein Duft für schüchterne Naturen, sicher auch kein kuscheliges Wellness-Parfum. Großartig sowohl für Männer als auch für Frauen, die das Außergewöhnliche suchen.

Mystere Novaya Zarya


TAINA heißt der Duft auf Russich und wird vor allem von jenen geliebt, die dem guten alten FENDI CLassic hinterhertrauern. Es ist eine kühne Mischung aus Fendi und Opium. Sehr kräftig, orientalisch und sicherlich nichts für den Sommer, sondern für kalte Winter im Pelzmantel...Ich muß TAINA immer aus Moskau für einige Freundinnen mitbringen, wenn ich hinfahre, denn es kostet nur paar Rubel, ist sehr haftfest und eine Super-Alternative zu hochpreisigen "West-Parfums".

Narcisse Noir von Caron (neue Version)


Leider habe ich noch nie das Vergnügen gehabt, das alte "Narcisse Noir" zu riechen, den Duft, der Caron in den USA berühmt machte. Meine Kritik bezieht sich auf die momentan erhältliche, reformulierte Version, welche ziemlich scheußlich ist. Wer diese durchdringenden künstlichen Weihrauchstäbchen aus dem India-Laden kennt, wird sich durch "Narcisse Noir" in einen solchen versetzt fühlen. Narzisse? Orangenblüte? Jasmin/Rose? Was ich vor allem wahrnehme ist beißende Nelke, gemischt mit Moschus, Zibet und Vetiver. Dies soll das legendäre Parfum sein, das Gloria Swanson in dem Film "Sunset Boulevard" von Billy Wilder benutzt? Das heutige "Narcisse noir" riecht furchtbar altmodisch, altbacken und muffig. Gewisse Anklänge an "Krassnaya Moskva" aus Rußland sind gegeben, aber amüsanterweise riecht der teurere Duft aus Paris viel schlechter als der günstige aus Moskau. Definitiv kein Parfum, das ich haben will!

Nature von Franck Olivier


Hier ist der Flakon eindeutig schöner als der Duft selbst, ein säuerlicher Fruity-Floral, der nicht im geringsten "natürlich" riecht und den man schneller vergißt als ein Schmetterling von Blume zu Blume flattern kann.

Naughty Alice Vivienne Westwood


Ich finde Vivienne Westwood klasse - als Designerin, als Frau etc. Sie hat einen unverwechselbaren Stil und ihre Mode ist genial. Dies kann man von ihren Düften leider nicht sagen. Boudoir ist ein Parfum, an dem sich die Geister scheiden (ich finde es schauderhaft!) - aber wenigstens hat Boudoir das Zeug dazu, zu polarisieren. Nicht so die allerneuste Kreation: Naughty Alice, leider "not in the least naughty". Kein bißchen ungezogen. Im Gegenteil: ein schüchternes, unspektakuläres Vanille-Düftchen entsteigt einem wirklich hübschen Flacon. Pudrig. Leicht. Verfliegt schnell. Es fällt schwer, sich den Duft überhaupt zu merken. Höchstens an der Flasche könnte man ihn erkennen. Offensichtlich geben die großen Konzerne Coty und L'Oréal mehr Geld für's Flacon-Design aus als für die Düfte selbst. Ein Trend, der mich traurig stimmt.

Niki de Saint Phalle


Eigentlich ein grüner Chypre-Duft, der von seinen Noten her (Eichenmoos, Bergamotte) meinen Geschmack treffen sollte. Die Kopfnoten sind in der Tat sehr frisch, doch was sich dann entwickelt, ist sehr uncharakteristisch. Die Komposition wirkt schlecht ausbalanciert und fällt nach kurzer Zeit in sich zusammen. Die interessanten Komponenten (Moose, die Tagetesblüten) sind nicht so ineinander verwoben, daß ein volles, schönes Duftbild entstehen könnte. Das Ganze bleibt fad und vage, so völlig anders als der ausgefallene und künstlerisch gestaltete Flakon. Enttäuschend.

Nikita von Slava Zaitsev


"Nikita" (übrigens ein russischer Männername!) ist jetzt auch in Deutschland erhältlich, nachdem man den Duft bisher nur in den Benelux-Ländern bekommen konnte. Gewisse Anklänge an Versaces "Crystal Noire" sind zu vernehmen, am meisten Ähnlichkeit hat der Duft jedoch mit "Amor Amor Tentation", einem Parfum, das ebenfalls Tiaréblume enthält. "Nikita" ist ein kräftiger "Floriental", der dem Abend vorbehalten sein sollte. Der Flakon ist niedlich, sieht so aus wie der von "Maroussia", nur in lila. 9.90 Euro sind nicht zuviel für 8 Stunden Power-Sillage. Wer einen kräftigen Ausgeh-Duft sucht, den man (bisher!) nicht an jeder Ecke riecht, sollte Nikita 'mal probieren.

Nilang von Lalique Version 2011


Ach, diese traurigen Reformulierungen. "Nilang" war früher (1995 lanciert) ein besonders starker, facettenreicher, fruchtig-exotisch-orientalischer Duft mit einer sehr spannenden acquatischen Note. Daher war das alte "Nilang" einzigartig. Geblieben ist ein müder Abklatsch vom Original. Der Auftakt ist fruchtig-üppig und erinnert stark an die alte Version, doch dann mutiert der Duft zu einem "Angel light" und dümpelt so vor sich hin, bis er nach circa 120 min fast ganz verflogen ist (die anderen Lalique-Düfte halten besser, z.B. "Améthyste" oder "Perles de Lalique"). Schade, ich hatte mir mehr erwartet.

Nina (1987) von Nina Ricci


Nina (die Originalversion von 1987) ist ein sehr gut abgemischter, blumig-grüner Duft mit aldehydischen Kopfnoten. Bergamotte, Mimosa, Basilikum und Orangenblüte riecht man zu Beginn, während das Herz mit Jasmin, Veilchen, Rose und Ylang-Ylang aufwartet, um dann in einer angenehmen Basisnote aus Iris, Sandelholz und Vetiver auszuklingen. Trotz der vielen Blumen ist der Gesamteindruck von Nina frisch und strahlend, aber dennoch sehr elegant. Dieses Parfum kann man sowohl im Büro als auch zu romantischen Anlässen tragen. Ein super "Allrounder", der leider heute nicht mehr hergestellt wird.

Nina Fantasy


Ein netter Sommerduft von "Nina", harmlos und angenehm in niedlicher Aufmachung. Riecht so kindlich unbeschwert wie er aussieht. Verfliegt schnell und ist sehr viel leichter als die Original-Nina. Für Flakon-Sammlerinnen wie mich nett, duftmäßig ist eine Anschaffung sicher nicht zwingend. (Umgerechnet 30 Euro im Duty-Free in London/Juli 2012).

Ninfeo Mio von Annick Goutal


"Ninfeo Mio" ist ein grün-herber Duft mit Feige. Wer Feige nicht mag, sollte Ninfeo Mio wohl nicht in Erwägung ziehen, denn sie ist Hauptbestandteil der Herznote. Zu Beginn nimmt man einen leichten Geruch von grünen Tomaten, Zitronen und Galbanum wahr; doch es findet sich auch Lavendel in der Komposition, vermischt mit Bitterorange. Sehr aromatisch-krautig und nicht süßlich oder verspielt. Die Feige ist gekonnt eingebaut und entwickelt sich schöner als in vielen anderen Düften. "Ninfeo Mio" hält sehr lange, der Drydown ist besonders in Kleidung noch tagelang wahrnehmbar. Ein grüner und ungewöhnlicher Duft, der im Sommer besonders gut wirkt.

No. 19 Poudré von Chanel


Jacques Polges und Christopher Sheldrake, beides Meisterparfumeure, scheinen eine kreative Krise durchlaufen zu haben. Vielleicht erhielten sie aber auch nur ein schwieriges "Briefing" aus der Marketing-Abteilung. Die Anweisung hieß wahrscheinlich: "Schleift die Ecken und Kanten bei No.19 ab, das Zeug riecht zu streng und verkauft sich nicht mehr gut. Wir brauchen etwas Sanfteres, mit trendiger Iriswurzel und so...guckt Euch 'mal bei Prada um." Haben die beiden gemacht. Sheldrake hat zudem nochmal an seiner eigenen No.19-Variante für Lutens gerochen (dem Seidenstrumpf "Bas de Soi") und Polge meditierte ein paar Tage über einem Duftstreifen von "Infusion d'Iris". Herausgekommen ist ein Duft, der krampfhaft versucht, "sanft" zu riechen, dabei aber die Qualität und Komplexität früherer Chaneldüfte baden gehen läßt. Es ist eben sehr schwierig, den sperrigen, widerborstigen Klassiker No.19 weichzuspülen. In "Poudré" ersetzen Moschusnoten Eichenmoos und Leder, besonders der Drydown ist ein Disaster, völlig flach. Galbanum, ein Schlüsselbestandteil des alten No.19, wurde für "Poudré" im Labor zerlegt und reduziert, um schwefelige und scharfe Aspekte herauszunehmen. Was bleibt, ist ein verschwommener, wässrig-grünlicher Ton in der Kopfnote. Das Herz des Duftes (ganz nett) mit Iriswurzel, Jasmin und etwas Rose betört nicht lang und geht nach einer Stunde in den sanften Moschus-Drydown über. Moschusverbindungen plus Tonkabohne werden gemeinhin als "pudrig" bezeichnet, aber besonders stark erinnert "Poudre´" gar nicht an Puder. Da gibt es andere Düfte (z.B. "Teint de Neige"). Das neue Flanker-Baby aus dem Jahre 2011 ist unaufdringlich, unspektakulär, pastellig-verschwommen und fällt nicht negativ auf. Über diesen Duft kann man sich nicht groß echauffieren (so wie über das Original). "Poudré" verfliegt sehr schnell, hat kaum Sillage und geht auch für's Büro. Ein feiner Langweiler, der zuviel kostet.

Nocturnes de Caron


"Nocturnes" ist ein sehr klassischer Duft, pudrig und blumig, elegant und anspruchssvoll. Obwohl "Nocturnes" in den 80ern geschaffen wurde, ist das Parfum weder laut noch vulgär, ganz im Gegenteil. Zudem ist "Nocturnes" meines Erachtens kaum reformuliert worden (so wie viele andere Caron-Klassiker, die Änderungen erfahren mußten, die mir die Tränen in die Augen treiben). Nocturnes ist immer noch da, ganz so wie damals, nicht besonders aufregend, aber angenehm und stilvoll.

Noontide Petals von Andy Tauer


markierte eine gewisse Wende in Andy Tauers Schaffen. Düfte wie "Lonestar Memories" oder "L'Air du désert marocain" waren rauchig-dunkle Duftkunstwerke, die ich mir immer besser an Männern vorstellen kann (was natürlich nicht heißt, daß sie nicht auch an Frauen schön sein können). Schon mit "Orange Star" und "Miriam" kreierte Tauer relativ gefällige, "mainstream-tauglichere" Düfte. Besonders "Miriam" schien mir stark an "Chanel No. 5" angelehnt. "Noontide petals" könnte ebenfalls von Chanel inspiriert sein, zumindest las ich in einigen Kritiken, daß der Duft starke Ähnlichkeit mit "No. 22" aufweise. Dies ist durchaus möglich, doch kann ich diesen Gedankengang nicht verfolgen, da mir "No. 22" nicht besonders präsent ist. Ich teste das Parfum vor ein paar Jahren in der Chanel-Boutique in Paris, doch es machte keinen großen Eindruck auf mich. Damals kaufte ich "31, Rue Cambon." Doch zurück zu "Noontide petals". Der Duft beginnt mit einer Aldehyde-Explosion, die mich an "Charles of the Ritz" aus den 80ern erinnert. Metallisch, hell, strahlend. Zudem völlig unblumig, clean und frisch. Nach einer sehr kurzen Zeit (3 min bei mir) kommen die Blüten ins Spiel, aber sie sind nicht opulent, nicht sommerlich, noch nicht einmal frühlingshaft. Es liegt ein kühler, schattiger Schleier über ihnen. Im Drydown bleiben diese bleichen Schönheiten (Rose, Geranie) weiterhin präsent, jetzt weich abgefedert durch Vanille und Sandelholz. Der allgemeine Eindruck ist der eines modernen, dennoch nicht übermäßig experimentellen Duftes, den ich täglich tragen könnte (wenn ich nicht ständig neue ausprobieren würde...). Die "Seifigkeit" empfinde ich in "Noontide petals" als nicht nachteilig, sondern angenehm. Auch die Stabilität der Kreation gefällt mir: Es handelt sich um ein Eau de toilette, das locker einen ganzen Arbeitstag durchhält.

Nouveau Cologne 4711


Von einigen Perfumistas wurde er bereits mit einem "Creed-Duft" verglichen (nämlich mit "Silver Mountain Water"), dieser neue, billige Hit aus Köln. Und wahrhaftig, es ist ein metallischer, spritziger Obstcocktail, der nicht ausschließlich nach Zitrusfrüchten riecht, um einiges tragbarer als der berühmte 4711-Klassiker, den ich persönlich immer mit älteren Damen in Reisebussen assoziiere. Bisher gibt es auch noch keine Erfrischungstüchlein vom "Nouveau Cologne". Ein Glück!

Not a perfume by Juliette has a Gun


Wow – hier verkauft jemand eine einzige Parfumzutat, nämlich Ambroxan ohne Zusätze in einem hübschen Flakon. Gibt's diese Monosubstanz nicht billiger in Holzminden? Das hier ist in der Tat kein Parfum, sondern eine Frechheit.

Nuda von Il Profumo


Einer der wenigen Moschus-"skin-scents", die ich wirklich liebe. Die Idee hinter "NUDA" ist altmodisch, aber die Konstruktion des Parfums ist innovativ. Eine frische, heuartige Kopfnote wird gepaart mit pfirsichartigen, pudrigen Akzenten. In der Basis riecht man ein wenig Eichenmoos und - natürlich - Moschus, einzig und allein die in der Duftpyramide aufgeführte Pistazien-Note kann ich nicht herausriechen! (Dabei habe ich mich in manchen Lebensphasen - z.B. mit vier Jahren - fast auschließlich von Pistatzien ernährt, kann persische von kalifornischen blind unterscheiden und weiß genau, daß das "Pistazien-Eis" bei Gelato Dolomiti an der Ecke voll von künstlichem, giftgrünen Aroma ist.) "NUDA" ist ein stiller, diskreter Duft, der auf der Haut bleibt und sich harmonisch mit ihr verbindet. Die sexuellen Konnationen, die der Name und die Werbung der Firma hervorrufen sollen, finde ich lächerlich. ("Natürliche Pheromone", "Der Duft von weiblicher Haut beim Sex"). Alles Quatsch. "NUDA" ist ein unauffälliger Begleiter, der überall und jederzeit getragen werden kann, da er immer paßt. Habe mir kürzlich meine zweite Flasche gekauft. Ich falle manchmal "nackt" gar nicht auf! Und genau das gefällt mir!

Nuit Marine von Daniel Jouvance


Ein angenehmer, sehr leichter Weihrauch-Duft. Leider so wenig haltbar, daß man ihn nicht empfehlen oder länger besprechen kann. Die Firma Daniel Jouvance ist eine Tochter von Yves Rocher und vertreibt ihre Produkte im Internet. "Nuit Marine" macht Lust auf mehr, ich wünschte mir, dieser von der Grundidee her schöne Duft hätte mehr Volumen. In seiner momentanen Form ist er nur ein leiser Hauch.

O von Blood Concept


Kein Parfum, zu dem ich mich wirklich hingezogen fühle, obgleich "O" meine Blutgruppe ist. Ein sehr scharfer Mix aus rauhem, fast bitterem Leder, teerhaltigen Noten und einem interessanten fruchtigen Akkord in der Kopfnote. Dieser Duft soll an die Ursprünge der Menschheit erinnern, an die Zeiten als man(n) noch als Jäger und Sammler unterwegs war. Ich schreibe bewußt "Jäger und Sammler" und verwende keine femininen Formen, denn dieser Duft ist für mich komplett männlich besetzt. Er riecht extrem herb-rauh und erdig. Die im Auftakt wahrnehmbare Himbeernote verfliegt schnell und macht einem metallischen Akkord Platz (soll in allen Düften dieser "Blutgruppenserie" enthalten sein), doch der übergeordnete Eindruck ist ledrig-kratzig.

Obsession for Men von Calvin Klein


Kam 1986 heraus und wurde leider bereits reformuliert. Ist aber immer noch um Längen besser als viele Neuerscheinungen. Würzig-holzig, im Auftakt leicht zitrisch. Der beste Calvin-Klein-Männerduft.

Ocean Dream von Designer Perfumes


Prototyp eines 1990-er acquatischen Dufts, Parfumeur Alberto Morillas entwickelte ihn. Wurde früher von Giorgio Beverly Hills produziert, jetzt aus englischer Produktion erhältlich. Sehr clean, frisch und dennoch kräftig, starke Calon-Komponente. Alternative zu "Cool Water Woman" oder "Escape von Calvin Klein".

Ocean Dream Coral von Designer Fragrance


Die Kopfnoten sind wie erwartet frisch und leicht "ozeanisch". Das Herz ist blumig-süßlich, erinnert geringfügig an "Red Jeans" von Versace, jedoch mit einem etwas "butterigen" Unterton, der eventuell von der beigemischten "Praliné-Note" herrührt. Der Gesamteindruck ist ganz nett, doch stellt der Duft keine Alternative zum acquatischen "Ocean Dream" dar, weil nur die Kopfnoten von "Coral" frisch riechen.

Odalisque von Parfums de Nicolai


Hochgelobt von der Kritik, doch die Anerkennung bezieht sich meistens auf die alte Version. Jetzt ist die neue Formulierung auf dem Markt, ein Powerchypre, der sehr "skanky" rüberkommt, für mich nicht tragbar, obwohl Chypre normalerweise meine Richtung ist. "Odalique" heißt Haremsdame – und der Name ist für mich ähnlich "daneben" wie der Duft. Dies ist kein Konzept, das mich anspricht.

Odeur 71 von Comme des Garcons


"Odeur 71" kam vor 12 Jahren heraus und war damals eines jener "Anti-Parfums", die den Einzug der Concept Art in die Nischenparfümerie markierten. Der Duft ist leicht rauchig in der Kopfnote, metallisch und zugleich (leider!) schweißig. Im Drydown riecht man Holz, aber auch Anklänge an Pfefferminze und Druckertinte. Für mich definitiv ein CdG-Duft der "période bizarre", den ich als nicht tragbar empfinde, wenngleich "Odeur 71" eine große Fangemeinde hat, die ihn (völlig zurecht) als Meilenstein sieht und sehr verehrt. Ich halte mich lieber an Guy Robert. "Ein Parfum muß vor allem GUT riechen", sagte dieser Ende Mai 2012 verstorbene Meisterparfumeur. Gut riecht "Odeur 71" wirklich nicht.

Oesel von Xerjoff


Der traurige Versuch, Flieder und Geißblatt in einer dissonanten Komposition zu vereinen. Ein blumiges Bouquet von kaum zu übertreffender Scheußlichkeit. Erinnert an das mir ebenso verhaßte "Fleur du Male" von Gaultier.

Oltremare von Bois 1920


"Limited Edition" in Deutschland. Er ist nicht uninteressant, mit Noten von Hesperiden zu Beginn und vor allem Tee im Herzen. 150 Euro. War auf meiner Haut nach 30 min verflogen. Das hat mich fast sprachlos gemacht. (Und ist auch der Grund für diese knappe Review).

Omnia Coral von Bvlgari


Der Parfümeur Alberto Morillas hat sich hier selbst kopiert. Von ihm stammen auch Marc Jacobs "Daisy" und "Daisy Eau So Fresh". "Omnia Coral" riecht geringfügig besser (schönere Kopfnoten). Doch die Frage bleibt: Warum muß ein und die selbe Idee von verschiedenen Firmen so breitgetreten werden? Der Daisy- Flakon sieht niedlich aus, der Bvlgari-Flakon ist ebenfalls attraktiv. Frau steht also vor der schweren Entscheidung, welche Flasche ihr vom Design und von der Farbe her besser gefällt - duftmäßig ist ja eh' fast das Gleiche drin. "Coral" ist ja in der Saison 2012 auch als Kleiderfarbe sehr angesagt. Da sieht dann das Bvlgari-Fläschchen in der farblich abgestimmten Handtasche eventuell besser aus. Oder doch lieber die Gänseblümchen? Wen interessiert da noch der Duft selbst?

Onda von Vero Profumo


Onda Eau de Parfum ist eine extreme "Nischen-Komposition", will sagen: Sehr ungewöhnlich und nicht leicht zu verkraften bzw. zu analysieren. "Onda" stellt die Nase vor große Herausforderungen. Einerseits liegt "Onda" eine klassische Struktur zugrunde (Chypre), andererseits wird dieses gewohnte Muster aufgebrochen durch einen sehr unangenehmen, neuartigen Akkord aus Maracuja und Vetiver. Zusammen ergeben diese Akkorde gepaart mit einem leicht floralen, jasminigen Touch ein seltsames Parfum, das man zunächst einfach nur wieder abwaschen will. Doch dann merkt man: "Onda" birgt verschieden Facetten: leicht salzige Komponenten, säuerliche Akkorde und – ich muß es leider sagen – leicht an Urin erinnernde Elemente, die sich zu einem unvergeßlichen, eindrucksvollen Ganzen zusammenfügen. "Schön" riecht dieses EdP für mich nicht, doch nötigt die Komposition in ihrer Außergewöhnlichkeit und Extravaganz mir Respekt ab. Ständig oszilliert dieser Duft zwischen widerlichem Gestank und damenhaftem, leicht ledrig-chyprischem Wohlgeruch. Er scheint meiner Nase einerseits vertraut und dann doch wieder völlig fremd zu sein. "Onda" ist ein gewagter Duft, provozierend und extrem, für viele Menschen bestimmt abstoßend.

On Ella von Jesus del Pozo


Ein schauriger Obstcocktail. Grauenvoll. Papaya und Apfel, ich rieche schweißige Grapefruit, einige rote Beeren. Nee, auch in der Küche würde ich einen Obstsalat so nicht zusammenwürfeln. Würde doch gar nicht schmecken! Außer Obst, das nicht miteinander harmoniert und schon paar Tage im Korb dahinsiecht, rieche ich hier nichts. Der Duft macht keine Entwicklung durch und bleibt stundenlang auf der Haut, die man nur durch mehrstündiges Einweichen wieder von dem "Odeur" befreien kann. Definitiv ein heißer Anwärter auf den Titel: "Worst fruity floral of the decade."

Opium von YSL


Große Parfums entstehen oft als Gegenbewegung zum Zeitgeschmack. 1976 waren die meisten "In-Parfums" grün und kühl. Yves Saint Laurent träumte von einem Duft, der der Kaiserin von China würdig gewesen wäre, seine Geldgeber bzw. die Kosmetikproduzenten im Hintergrund, hatten sich das Ziel gesetzt, den US-amerikanischen Markt zu erobern (was mit den bisherigen YSL-Parfums nicht gelungen war). Die Wiederbelebung des orientalischen Genres erwies sich als geniale Idee. Ein bißchen Orange, Piment, Nelke, das bewährte Trio Rose-Jasmin-Ylang-Ylang, etwas Pfirsich und Vanille, Sandelholz, Patchouli, Moschus. (Estee Lauder monierte, "Opium" sei zu stark an "Youth Dew" angelehnt!) WOW! Kaum ist das Parfum auf dem Markt, ist es bereits ausverkauft und muß nachproduziert werden. Wie kommt man circa 30 Jahre später auf die absurde Idee, die Originalformel eines solchen Meisterwerkes zu verwässern?

Opium Vapeurs de Parfum von YSL


"Opium" als "Flanker" herauszubringen, ist immer ein Wagnis. In den letzten Jahren waren einige gelungene Sommer-Versionen auf dem Markt. Und auch 2012 sind die Erwartungen immens hoch. Wenn man von Parfums spricht und gewisse Vorstellungen konkretisiert, drängt sich zunächst immer das Thema "Orient" auf. Es ist quasi das Leitmotiv der Parfümerie des 20. Jahrhunderts, beginnend mit der ersten Version von Sikkim (1917) von Lancome, dem archetypischen Shalimar (1925) bis hin zum verführerischen Shéhérazade von Desprez (1983, leider schon lange nicht mehr erhältlich). Der Orient in der Parfümerie, das ist immer ein Ort der Mythen und Märchen, poetisch in Duft umgesetzt, quasi idealisiert. Das berühmteste orientalische Parfum der letzten Jahrzehnte ist und bleibt "Opium" aus dem Jahre 1977 mit seinem außergewöhnlichen Flakon (geschaffen von Pierre Dinand). "Opium" war ein Parfum, das (so lautete damals die Werbebotschaft) versteckte Emotionen zum Vorschein bringen sollte. Baudelaire drückte es so aus: "L'opium agrandit ce qui n'a pas de bornes" (Opium verstärkt dasjenige, welches keine Beschränkungen hat). Es war für viele Parfumliebhaberinnen ein Schock, als YSL vor ungefähr drei Jahren mit dem reformulierten "Opium" auf den Markt kam. Mußte das wirklich sein? Die Flaschen, die noch die alte Formel enthalten, werden immer teurer und sind nur noch im Internet zu bekommen. Und jetzt diese Sommerversion: "Vapeurs de Parfum". (Ja, Shisha-Bars sind voll im Trend). Thematisch befinden wir uns mit einem Duft, der "Parfum-Dämpfe" oder "Schwaden" vorspiegeln soll, weiterhin auf orientalischem Terrain. Doch leider ist diese Allusion nur verbal, sie wird keinesfalls in dem Parfum selbst umgesetzt. Im Gegenteil, ich war selten so empört über eine Neulancierung. Hier wird inhaltlich eine ganz leichte, verdünnte Opium-Variante in den Kopfnoten geboten, die blitzschnell verfliegen. In einem "blind test" würde man vielleicht gar nicht an "Opium" denken. Was auf die Kopfnoten folgt, ist in meinen Augen bzw. meiner Nase eine Frechheit. Selten habe ich einen unangenehmeren, chemischeren Drydown gerochen. Streng, leicht holzig-ambriert, aber äußerst unfreundlich. Und das Schlimmste ist: Dieser Drydown bleibt stundenlang auf der Haut. Was man da noch nach einer gefühlten Ewigkeit noch riecht, hat mit einem leichten, duftigen "Dampf" gar nichts zu tun und erinnert nicht im entferntesten an das ursprüngliche "Opium". Diesen pseudo-orientalischen Horror möchte ich nicht auf meiner Haut haben - und schon gar nicht in meiner Nase. "Vapeurs de Parfum" ist die unverfrorenste und enttäuschendste Neulancierung des Frühjahres 2012 und ich hoffe, daß diese pseudo-orientalische Variante floppt!

Optimistic von Paul Smith


Ein typischer Fruity-Floral, völlig banal, bar jeglicher Überraschungen, jedoch tragbar, wenn man/frau dieses Genre verträgt. Hübscher Flakon, Design von Paul Smith selbst.

Oriental Edition II von Angel Schlesser


Wer schwere Aoud-Rose-Kombinationen liebt und keine Lust hat, viel Geld dafür auszugeben, sollte "Oriental Edition II" probieren. Obwohl dieser Duft 2009 entstand (also noch nicht auf dem Höhepunkt der Aoud-Welle) liefert er genau das, was auch 2013 noch viele Hersteller auf den Markt werden: Einen orientalischen, süßlich-blumigen Aoud-Hammerduft. Flakon und Verpackung stehen im Widerspruch zu diesem üppigen Parfum, das alles andere als schlicht ist. Nicht mein Geschmack, aber vom Preis-Leistungsverhältnis her überragend. (Circa 20 Euro).

Ormonde Man


Ein Meisterwerk. Ungewöhnlich und von makelloser Schönheit! Noch niemals vorher habe ich so einen frischen, natürlichen, holzig-grünen Koniferen-Akkord gerochen, der so raffiniert mit Oudh, Pfeffer und Waldkräutern verwoben wurde. Ein tiefer, dunkler Nadelholzwald in der Nacht, der Boden ist leicht feucht, man kommt zur Ruhe, die Luft ist kühl und der Geist wird klar. Definitiv der beste Duft von Ormonde Jayne.

Oscar Celebration


Das erste Parfum von Oscar de la Renta, "Oscar", feierte seinen 30. Geburtstag mit dieser "Special Edition" im Jahre 2007. "Celebration" ist ein Parfum-Gel und kann nur aufgetupft werden. Der Duft ist der bekannte blumige Klassiker, der sich an "L'Heure Bleue" von Guerlain orientiert und den träumerischen, pudrigen Effekt des französischen Parfums durch Tuberose und ein Kräuterbouquet ergänzt. "Celebration" ist sehr sanft und ein bißchen zu "verschlafen" für meinen Geschmack.

Incandessence Avon


Blumig-strahlender Avon-Duft, der jedoch sehr künstlich wirkt, geht in die Richtung von Trésor, doch leider ohne Haftfähigkeit. Durchschnittlich.

Incanto BLISS von Salvatore Ferragamo


beginnt mit einer Yuzu-Kumquat-Note (diese Früchte schmecken mir nicht besonders, daher ist es auch kein Wunder, daß sie für mich nicht gerade angenehm riechen). Klar, der Obstsalat will auch mal variiert werden, immer nur Mango mit Pfirsich oder Melone mit Erdbeere, das wird langweilig. Also brauchte man neue Aromen - und Kumquat sowie Yuzu sind nicht (noch nicht!) so abgedroschen. Die Parfümerin Beatrice Piguet, die auch "Banana Republic Jade" geschaffen hat, muß man dafür loben, daß sie 'mal eine neue Obstsorte in die Flasche gebracht hat. Ansonsten riecht "Incanto Bliss" relativ clean, sehr konventionell. Gebaut wie die meisten anderen Parfums in dem Genre auch, bis auf die Kopfnoten eben.

Inquisitive von Boadicea the Victorious


Here it comes: Der neue Hammerduft! Auffallend anders, extrem. Dieses Aoud-Parfum hat es in sich. Wer einen extravaganten, grün-holzigen, im Drydown bitteren, starken Duft sucht, der aus der Masse hervorsticht, sollte "Inquisitive" testen und seine Neugier befriedigen, also "inquisitive" sein. Preislich leider im Luxus-Segment angesiedelt (über 500 Euro kostet die Flasche!), kompromißlos anders und rücksichtslos laut. Galbanum tritt sehr stark hervor, besonders im Drydown.

Insomny von Michel Klein


Würzig-genial im Stil von Organza Indécence. Leider werden beide Düfte nicht mehr hergestellt.

Interlude Man von Amouage


"Achtung, der is' sehr speziell", warnte mich heute meine Lieblingsverkäuferin. "Den Typen will ich sehen, der den tragen kann", meinte ihre Kollegin. Mein erster Eindruck auf dem Duftstreifen: "Frankenstein meets the Devil" oder "Willkommen in der olfaktorischen Hölle". Dieser Duft ist zu harzig, zu teerig, zu opoponaxig, zu aoudig, zu ledrig - einfach überdimsensional, überladen und über-dark. "Interlude Man" ist unfreundlich und unerfreulich. Er stößt ab, zieht nicht an, schon gar nicht aus. Er verbreitet eine Aura des Unsympathischen. Hart, unerbittlich und abstoßend ist dieses "Zwischenspiel". Erstaunlich, welche negativen Assoziationen "Interlude" weckt. Wohl der schlechteste Amouage aller Zeiten.

Interlude Woman von Amouage


Viele Noten zu Beginn, am Ende, in der Mitte: Das Konzept von "Interlude" basiert auf der Chaostheorie (so die Amouage-Werbeabteilung). Der Start ist stark und frisch, leicht an Kiwi, Grapefruit und frisches Gras erinnernd. Dann nehme ich eine krautige Mixtur wahr, dazu den mir nicht sympathischen Geruch von Tagetes ("Welcome to the best Marigold-Hotel!") . Jetzt kommt auch noch etwas Honigsüßes dazu: Ahornsirup? Im Herzen dann Weihrauch, Aoud und zum Abschluß Aromen von schwarzem Mokka, flankiert von Vanille, Walnuß, Orangenblüte, Sandelholz und etwas Rose. Ein komplexer und abwechslungsreicher Duftablauf, ja. Gefällt mir aber trotzdem nicht. Zu dissonant. "Interlude" läßt mich zwischen den Stühlen hängen. Es ist eben "inter" - nicht ganz hier, nicht ganz da, unentschieden.

I LOEWE ME von Loewe


Ein Flakon in trendigem Design, lederbezogen mit silbernen Nieten. Das spanische Label "Loewe", das mit hochwertigen Handtaschen angefangen hat, aber auch auf dem Duftsektor schon seit Jahren mitmischt, hat einen Flanker zu "I Loewe You" herausgebracht. "You" wurde durch "Me" ersetzt (ist das wirklich ein witziges Wortspiel? Wage ich zu bezweifeln). Der Duft soll offensichtlich junge Konsumentinnen ansprechen - also - was könnte er anderes sein als ein...FRUITY-FLORAL. Über die meisten dieser Hervorbringungen auf dem fruchtig-blumigen Terrain lohnt es sich für mich nicht zu berichten, doch "I Loewe Me" ist ein schöner Vertreter des Genres. Die Kopfnoten aus Erdbeere und Mandarine sind zum Anbeißen lecker. Der leichte Magnolienduft im Herzen gefällt mir, da ich diese Blüte liebe. Alle Komponenten bleiben in dieser Komposition betörend angenehm bis zum Schluß. Viel Vanille im Drydown gepaart mit einer Himbeernote machen diesen Duft noch sympathischer. "I Loewe Me" ist einer der besseren Fruity-Florals.

Idole de Lubin


Olivia Giacobetti ist eine meiner Lieblingsparfümerinnen. Wunderbar leichte, frische Düfte stammen aus ihrer Feder – oder doch eher ihrer Nase - Parfums wie z.B. En Passant oder Philosykos. Mit Idole betritt sie ein neues Terrain, denn dieser Unisex-Duft ist schwerer und dunkler. Die Kopfnote besteht aus Rum, frischer Zitronenschale und einer Art Schwarzkümmel-Note. Schon bald ist ein herrliches Safran-Aroma wahrnehmbar, das mich besonders anspricht. Idole hat aber auch rauchige Anteile, die ein bißchen ins Ledrige gehen. Die Basisnote ist würzig-holzig und auch nach Stunden noch gut wahrnehmbar. Wie komplex und vielschichtig dieser Duft ist! Einzigartig und unverwechselbar. Kein Leichtgewicht, das jedem gefällt oder alle anspricht. Idol ist zwar würzig und ledrig, aber trotzdem nicht schwer oder aufdringlich. Es gibt keinen besseren Duft für meinen Mann! Außerdem ist der Flacon ein echtes Meistewerk!

Idole Eau de Parfum von Lubin


"Idole Eau de Parfum" ist eine neue Komposition, ein anderer Duft als das Eau de Toilette (auch am Flakon zu sehen). Die Kopfnoten des EdPs sind dem EdT sehr ähnlich, man riecht Rum, Leder und rauchige Aspekte. Die Basisnoten jedoch haben sich verändert, Giacobetti fügt Labdanum, Amber und Weihrauch hinzu. Irgendwie ist die Komposition dadurch schärfer und - ich muß es sagen - schlechter geworden. Der besondere Zauber des Eau de Toilettes liegt in seinem Spiel mit den Gegensätzen hell vs dunkel bzw. kraftvoll vs leicht. Die dem neuen Eau de Parfum hinzugefügten Harze (Labdanum) machen den Duft komplexer, aber dies geht auf Kosten der Klarheit. Da, wo das EdT etwas provokativer wirkt, ist das neue EdP lediglich kratziger, aber eben nicht besser, sondern disharmonischer. "Idole EdP" ist ein schöner Duft, keine Frage, aber das Eau de Toilette war bzw. ist für mich das unübertroffene Meisterwerk, die neue Version eine unnötige Anschaffung.

Inammorata von Blumarine


Ein Duft, in den man sich wirklich verlieben kann - wie der Name schon sagt. Er erinnert an einen Nischenduft von der frz. Firma Lostmarc'h, nämlich an AOD, den ich ebenfalls wunderschön finde. Die Kopfnoten in "Innamorata" sind blumig-frisch, das Herz aber ist das Betörende an dem EdP, besonders der Duft von Frangipani, der eingebettet ist ein einen warm-süßen Hauch aus cremigem Moschus, Benzoe und Cashmeran. In der Tat ein Parfum, das in Erinnerung bleibt (die Werbung lügt hier ausnahmsweise 'mal nicht) und das in seiner Sanftheit und harmonischen Schönheit sicher zu den besten Neuerscheinungen des Jahres 2012 zählt.

Innamorata Lovely Rose von Blumarine


Eine Mischung aus "BVLGARI Rose essentielle" und em ersten "Innamorata-Duft" von 2012, Rosenkompott auf einer ambrierten Moschusbasis. Kurdijan weiß, was er tut - und er steht für Erfolgsdüfte mit Rose. Dieser hier ist entzückend. So wie der Name sagt: LOVELY! Ein anmutiger Mix aus cremig-rosaroten Blüten, sehr süß, sehr feminin. Für Tage, an denen frau auf einer pinken, gezuckerten Blütenwolke durch den Tag schweben möchte, ob sie dazu verliebt ("innamorata") sein muß, weiß ich nicht.! Natürlich duftet sie mit diesem Parfum so himmlisch, daß sich reihenweise reiche und attraktive Männer in sie verlieben... ciao, come tu sei bella, amore... "Innamorata Lovely Rose" ist fast zu lovely, um wahr zu sein... - ein rosa Heile-Welt-Parfum.

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