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Always a safe choice, always the right choice, always a pleasure to smell them on yourself and others!

Jolie Madame - der schönste Duft von Pierre Balmain!


 


Germaine Cellier, die legendäre Parfümeurin, die auch Bandit von Robert Piguet schuf, kreierte mit Jolie Madame 1952 einen Leder-Chypre-Duft, der voller Elan, Intensität und Eleganz ist. In der Kopfnote finden sich Veilchen und Flieder, das Herz besteht aus Jasmin, Neroli und Tuberose und der Drydown, die Basis, riecht nach Zeder und der charakteristischen Ledernote, die Cellier so perfekt beherrschte.


 


Fidji - "La femme est une ile, FIDJI est son parfum"!

Fidji... Fidji...1966 von Josephine Catapano



Für Guy Laroche kreiert, ist leider nicht mehr das schöne Parfum, das es einst war. Es wurde mittlerweile neu formuliert und derartig verwässert, daß es mir in der Seele wehtut, das neue Eau de Toilette zu riechen... besonders im Vergleich zu Fidji Vintage Parfum.

Fidji ist eher grün als blumig, hatte früher eine ausgeprägte Galbanum-Note, unterlegt von Gewürznelke, Iris und ein bißchen Rose.

Der charakteristische Flacon stammt von Serge Manseau, leider ist das Extrait, dessen Flasche mit einem schwarzen Bändchen umschlossen wurde, heute nicht mehr zu bekommen.

Fidji ist ein Duft, der immer paßt. Ich kann mir niemanden vorstellen, der Fidji nicht mögen könnte...- es riecht frisch, elegant, nicht aufdringlich, einfach angenehm und dennoch charakteristisch. Auf dem Markt sind heute noch zwei Düfte, die Fidji Vintage ein bißchen ähnlich sind: Norell aus den USA und Caprissimo von Carthusia. Das EdT, welches heute sogar bei Rossmann im regal steht (und an dem wohl L'Oréal die Rechte hat), ist leider nur noch ein blasser Hauch des alten Duftes.

Femme de Rochas


 


Femme ist ein besonderes Chypre-Parfum, das 1944 von dem genialen Parfumeur Edmond Roudnitska  geschaffen wurde. Auch Femme ist vor einigen Jahren modernisiert worden, doch die gute Nachricht ist, daß diese Neuformulierung akzeptabel ausgefallen ist. dennoch rate ich hier zum Kauf des schwer erhältlichen Eau de Parfums (anstelle des Eau de Toilettes) , da der Duft als EdP mehr Tiefe hat.


Dieser Duft ist völlig anders als der Name verspricht. Kein kleines Schwarzes aus der Klassikerecke, weder elegant noch zurückhaltend. Eine sehr süße Kirschnote garniert mit Rosenblüten und etwas grünem Tee mit Anis, dazu Mandeln und ein Touch "Guerlain-Base" (Guerlinade). Die Kopfnoten sind laut! Unbeschwert und jugendlich! Was folgt, ist ein rosig-pinker, girliehafter Youngster-Duft, der Power hat. Ja, La Petite Robe Noire ist ein Fruity-Floral, aber ein guter! Die Kirsch-Rosennote macht einfach Spaß und gefällt besonders jungen Leuten, die mir schon massenhaft Komplimente für diesen Duft gemacht haben. Schade, daß man dieses Parfum nur in den Guerlain-Boutiquen kaufen kann. Es hätte das Zeug zum Mainstream-Knüller.



Update: Liest Guerlain bei mir mit? "La petite robe noire" wird es ab Frühjahr 2012 in einer Mainstream-Version geben, also nicht mehr nur exklusiv in den Boutiquen. Ich hab doch gleich gewußt, daß das ein Knüller wird!


 

Was ist ein "Meisterwerk der Parfumkunst"? Welche Kriterien muß ein Duft erfüllen, um als "Meisterwerk" gelten zu können?



Vor einigen Tagen erschien ein kleines Büchlein auf dem englischen Markt, es trägt den Titel "The little book of perfumes – The 100 Classics" und ist verfaßt von Luca Turin und dessen Frau Tania Sanchez. In diesem Werk im Taschenformat präsentieren die beiden Duftgurus die ihrer Meinung nach besten Düfte weltweit bzw. wie der Klappentext sagt, "the 100 greatest perfumes of all time".


Das Ganze ist natürlich eine höchst subjektive Angelegenheit, aber die Lektüre ist ausgesprochen amüsant. Als Kriterien für ihre Auswahl geben die Autoren an, daß sie jene Düfte zu Meisterwerken kürten, "that struck us as far above their peers in quality, inventiveness or straightforward beauty." Qualität und Einfallsreichtum sind wichtige Beurteilungsmaßstäbe - aber was genau heißt "unmittelbare Schönheit?" Wie definiert man "straightforward beauty?" Ich möchte die Begriffe der Parfum-Gurus durch einige Überlegungen ergänzen. Die Subjektivität in der Beurteilung von Parfumkunst bleibt natürlich erhalten. Sie liegt in der Natur der Sache.


Für mich ist ein "Meisterwerk der Parfumkunst" ein Produkt verschiedener künstlerischer Prozesse, die in einem Punkt zusammenlaufen. Ein solches "masterpiece" vereint in sich die Biographie des Parfumeurs, den Schaffensprozeß und die Rezeption des Werkes durch die Kritik. Außerdem ist es in seiner Qualität entschieden besser als vergleichbare Produkte. Ein ideales Beispiel ist Shalimar von Guerlain. Es wurde während der sogen. "Années folles" von Jacques Guerlain geschaffen und drückt die Quintessenz einer ganzen Epoche aus; man denke an Joséphine Baker, Colette, Arletty, an die "Arts décoratifs", die im Grand Palais in Paris ausgestellt wurden, wo Shalimar ebenfalls präsentiert wurde. Shalimar entstand aus einem Experiment, als Jacques Guerlain einige Tropfen Vanille (ein damals neues synthetisches Produkt, das Ethylvanillin) in ein Reagenzglas kippte... - und Shalimar hat seit 1925 nicht aufgehört, zu faszinieren. Dies bringt mich zu dem für mich wichtigsten Kriterium für ein "Meisterwerk", nämlich die Intensität der Erfahrung, die mir der Duft vermittelt. Ein Parfum ist gut, wenn es ein Lächeln auf mein Gesicht zaubert. Ein "Meisterwerk der Parfumkunst" rieche ich, wenn ich den Eindruck habe, durch diesen Duft beschenkt worden zu sein, wenn sich mir das Leben durch diesen Duft von einer Seite zeigt, die ich vorher nicht kannte und wenn ich spüre: in diesem Duft ist Liebe oder große Sorgfalt enthalten.


"Meisterwerke der Parfumkunst" sind verwoben mit intimen Welten, die ihre VerwenderInnen persönlich berühren. Ausgezeichnete Düfte sollen uns erfreuen, trösten, aufbauen, erheitern, bereichern, anregen und inspirieren! Gelingt ihnen das nicht, oder bewirken sie gar das Gegenteil und erregen Abscheu, haben sie ihren Sinn verfehlt.


Jedes Parfum ist eine Form von Sprache, von Kommunikation. Was ein Dichter mit Worten zum Ausdruck bringt, kleidet eine Parfümerin/ein Parfumeur in Duftakkorde und chemische Formeln. Diese olfaktorische Sprache zu verstehen, ist nicht schwierig; dennoch ist das Sprechen über Düfte selbst kompliziert. Letzten Endes sind die Assoziationen und Empfindungen beim Wahrnehmen eines Duftes derartig subjektiv, daß es unmöglich ist, eine Duftwahrnehmung komplett über Worte zu vermitteln.


Wozu dann ein "GUIDE"? Ein Guide vermittelt erste Anhaltspunkte. Schauen Sie sich genau an, welche Präferenzen der Kritiker/die Kritikerin hat. Er oder sie findet, daß Womanity von Mugler ein Meisterwerk ist – und sie müssen sich fast übergeben von dem Duft? Gehen Sie davon aus, daß Sie und dieser Kritiker olfaktorisch nicht auf einer Wellenlänge sind. Schauen Sie also zunächst nach Übereinstimmungen. Turin/Sanchez z.B. haben neben Klassikern, die weltberühmt sind, auch einige Düfte herausgestellt, die ich persönlich in die Kategorie "ganz nett, aber durchschnittlich" einordnen würde, so z.B. Tommy Girl von Hilfiger oder Pleasures von Estee Lauder. Besonders spannend ist die Liste der Düfte, die die beiden auf die berühmte einsame Insel mitnehmen würden – hier können Sie besonders gut abchecken, ob Sie eine Übereinstimmung mit diesen zwei Kritiker-Größen haben. Tania Sanchez will u.a. Fracas von Piguet und L'Heure Bleue von Guerlain einpacken, beides keine Lieblingsdüfte von mir. Und Luca Turin könnte u.a. ohne Jicky von Guerlain und Timbuktu (L'Artisan Parfumeur) nicht leben – auch nicht mein Geschmack. Ich würde ein Fläschchen Fidji Extrait (vintage) einpacken, dazu Feminité du Bois (Shiseido-Version), Azzaro pour homme, Diorella (vintage) und Femme de Rochas (vintage). Und Patchouli- Lavendel -und Rosenöl! Und... und … und... 28.10.2011


 


Reformulations, "Neu-Formulierungen" oder "Stimmt etwas nicht mit meinem Duftgedächtnis"?



Endlich kann man es bei Turin/Sanchez in kompakter Form nachlesen: Die meisten Klassiker sind in den letzten Jahren umformuliert worden. The International Fragrance Association (kurz IFRA) und die EU bescheren uns seit circa 2003 ständig neue Versionen von Kunstwerken, die durch die Umstellung der chemischen Formeln teilweise zerstört oder unkenntlich gemacht worden sind. Eichenmoos, ein wichtiger Bestandteil der klassischen Chypre-Note soll angeblich Allergien auslösen – also raus damit, Mitsouko riecht jetzt eben anders. Zitronenöl? Jasmin? Bitte nicht mehr in hohen Dosen, zwei Fälle von Kontaktdermatitis nach der Verwendung von Eau Sauvage sind 2001 in Island und in Portugal festgestellt worden.


Hätte ein simpler Sicherheitshinweis auf den Packungen nicht gereicht? Zigaretten werden doch auch mit solchen Hinweisen versehen. Anders als bei Tabak, dessen Giftigkeit erwiesen ist, ist es wissenschaftlich noch nicht genügend untermauert, daß das Eichenmoss in Mitsouko (vintage!) zwingend zu Hautausschlag führt! Bei mir ist jedenfalls noch nie etwas passiert.


So plagen wir uns mit Reformulations von früher beliebten und unsere Erinnerung markierenden Düften wie Diorella (kaum noch wiederzuerkennen), Boucheron, Opium (ja, auch das!), Shalimar, Chanel No. 5, Dune, Joy, Feminité du Bois... die Liste ist endlos und jeden Tag scheint ein Klassiker hinzuzukommen. Amüsanterweise weigern nicht-informierte "Parfümerie-Fachverkäuferinnen" sich weiterhin beharrlich, diesen Umstand zuzugeben. Was kriegte ich nicht schon alles zuhören: "Ihr Geruchssinn hat sich sicher verändert" oder "Die Firma Guerlain würde so etwas NIE machen" oder "Völliger Unsinn, Chanel bleibt Chanel!"


Dabei würde es genügen, in die einschlägigen Foren und Blogs im Internet zu schauen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie sehr die Neu-Formulierungen die Gemüter von Parfumfreuden weltweit erregen, und das ist nur allzu verständlich. Schließlich wird mit einer "Anpassung" (so wie es manche Firmen euphemistisch nennen) der olfaktorische Erinnerungsraum einer ganzen Generation zerstört. "Vintage"-Düfte, die "Pre-Reformulation-Perfumes", erzielen daher astronomische Preise bei Ebay und das Schlimmste ist: Man kann sie zwar heute noch erwerben, aber nicht endlos bewahren. Irgendwann kippt jeder Duft um.


Wir müssen uns also mit neuen Düften anfreunden, jenen, die IFRA-und EU-konform hergestellt sind und angeblich viel weniger Allergene enthalten als die bösen Dufthämmer von früher. Das ganze absurde "Umformulierungs-Theater" wirft die Frage nach dem künstlerischen Stellenwert von Parfums auf. Wie kann es sein, daß man in Kunstwerke eingreift und Bestandteile derselben entfernt oder ersetzt? Warum wird die Konsumentin für so unmündig gehalten, daß sie nicht selbst entscheiden kann, ob sie z.B. Eichenmoos verwenden will oder nicht? Sie darf sich ja schließlich auch Wein kaufen gehen. Sie darf sich auch Unmengen von Vodka reinziehen und sogar daran krepieren (siehe Amy Winehouse), aber sollten die Parfums und die Schminke, die die Künstlerin benutzt hat, neueren Datums gewesen sein, waren sie bestimmt frei von potentiellen Allergenen und Giftstoffen.


Ich habe einen ganz anderen Verdacht. Wahrscheinlich werden die angeblich so krankmachenden Duftbestandteile vor allem deswegen ausgetauscht, weil die Ersatzstoffe billiger sind und die "Reformulations" daher den Profitinteressen der Konzerne entgegenkommen. Den Markt scheint die Frage nach der künstlerischen Qualität nicht zu bewegen.


Daher sollten wir als Konsumentinnen die "umformulierten" und "angepaßten" Düfte meiden und uns weigern, sie zu kaufen. Dies gilt besonders für all jene, die Parfum als Kunstform verstehen. 28.10.2011

La petite Robe noir von Guerlain



No.5 ist eine genuin "interkulturelle Kreation" aus dem Jahre 1920/21! Inspiriert durch die Parfums des Hauses Poiret, begann Coco Chanel, von einem eigenen Duft für ihr Modehaus – oder moderner gesagt – für ihr "Label", zu träumen. Ihr Geliebter, der adlige Russe Dmitrij (der im Jussupow-Palais in Petersburg an der Ermordung von Rasputin mitgewirkt hatte) vermittelte Coco den Kontakt zum Parfumeur E. Beaux, der früher in Moskau gearbeitet hatte. Dieser wiederum besaß die Formel für einen hervorragenden Duft, der schon um die Jahrhundertwende in Rußland populär war, ein gewisses Parfum mit Namen "Rallet No.1". Beaux wandelte die Formel ab und schuf No. 5. Viele Mythen kursieren über No. 5. Manche sagen, daß es das sexiste Parfum schlechthin sei, daher rühre auch sein Erfolg. Angeblich verfüge es über eine geniale Mischung aus Reinheit und Sex-Appeal. Und in der Tat, jede Minute wird auf unserem Planeten eine Flasche von No. 5 verkauft. Coco selbst war eine ungemein schillernde Figur, die in der Nazi-Zeit mit den Deutschen kollaboriert und sich sogar einen deutschen General als Liebhaber zulegte. Nach dem 2. Weltkrieg ärgerte sich Coco maßlos darüber, daß die Firma Wertheimer, der sie schon vor dem 2. Weltkrieg - lange davor! - die Rechte an ihren Düften abgetreten hatte, Chanel No. 5 während des Krieges in den USA hatte produzieren lassen. Sie fand, daß Chanel No. 5 zum Massenprodukt verkommen war und gab eigene, neue Parfums heraus, die sie in ihrer Boutique in der Rue Cambon exklusiv verkaufte - bewußt in Konkurrenz zu ihrem alten Duft von 1921, den sie nun nicht mehr trug. Coco hatte während der deutschen Okkupation vergeblich versucht, der jüdischen Firma Wertheimer die Rechte an Chanel No. 5 aberkennen zu lassen, indem sie sich an die Nazis wandte. Diese aber konnten ihrem Anliegen nicht behilflich sein, da die Wertheimers sich in die USA abgesetzt und die Firma in Frankreich kommissarisch auf einen Nicht-Juden überschrieben hatten. Die Produktion in den USA wurde während des 2. Weltkriegs sogar mit Jasmin und Rose aus Grasse durchgeführt, damit die Qualität nicht litt. Doch Coco war der Duft nicht mehr elitär genug, daher nahm sie mit zunehmendem Alter immer mehr Abstand von No. 5. Kurz vor ihrem Tod erschien No. 19; angeblich das Parfum, das sie schon lange vor seiner Freigabe für die Öffentlichkeit für sich selbst hatte entwickeln lassen. Was schreibt Tania Sanchez so treffend in Perfumes:The Guide: "It is said that Henri Robert composed No. 19 for Gabrielle... and a striking and admirably dissonant portrait it is... this extraordinary perfume appeals to any woman who has ever wished to know what it is to be heartless". Doch zurück zu No. 5, dem populäresten Parfum der Welt. Wenn ich No. 5 selbst trage, dann empfinde ich Respekt vor Leistung des Parfumeurs, der im Jahre 1921 einen modernen Klassiker schuf. Mein Lieblingsduft war No. 5 noch nie; sexy finde ich No. 5 auch nicht, sondern eher elegant und diskret. Es ist ein Duft, der irgendwie immer paßt.

Der legendäre Duft Chanel No. 5


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